Mein Tagebuch: 28. April 2020

28. April, Dienstag:
Die Kartenlegerin Estelle gibt das Motto der Woche bekannt: „Re-create your life!“ Die Zeitqualität sei jetzt günstig, sich selbst und das eigene Leben neu zu erschaffen. Die besten Ideen kämen in einem Zustand der Zurückgezogenheit. Die Botschaft der Engel lautet: „Es kommt noch etwas Besseres – als dein bisheriges Leben -, lass alles los, was dir nicht dient und nicht mehr zu dir passt. Mit Liebe und Leidenschaft schöpfst du neue Ideen aus deiner Tiefe. Dream big! Das bedeutet: Der neue Lebensentwurf soll ein grosser Traum ohne Beschränkungen sein.“ Das klingt gut, denke ich. Wenn man mal von den derzeitigen Beschränkungen absieht. Doch mit einer Schutzmaske dürfen wir bald wieder fast alles. Und Träumen geht auch ohne Schutzmaske.
Georg meint, es seien noch viele grundsätzliche Fragen nicht beantwortet. Zum Beispiel: Wie lange bleibt das Virus vermehrungsfähig? Wie verschwindet es wieder, wenn überhaupt? Unter welchen Bedingungen? Weiss jemand etwas über die Mutation des Virus?

Also nochmal:
Erschaff‘ dir ein neues Leben. Sei dir deiner Absichten bewusst. Entspanne dich, schaue auf einen weiten Horizont. Dein innerer Skeptiker schweigt, es gibt keine Grenzen, alles ist möglich. Spürst du, wie dein Atem dich weitet?                     
      
Der Bundesrat hat erlaubt, dass Grosseltern ihr Enkel wieder umarmen, aber noch nicht hüten dürfen.
Der Ansturm auf die Bau- und Gartencenter sei nach der gestrigen Eröffnung riesig gewesen. Coiffeursalons sind für die kommenden 3 Monate ausgebucht. Es ist doch wunderbar, wenn die Menschen wieder bauen, ihre Gärten und Balkone bepflanzen und sich schön machen lassen wollen! Spitäler dürfen wieder alle Operationen durchführen, doch aus Angst geht jetzt kaum jemand hin. Am 11. Mai dürfen die Schulen wieder öffnen und der öffentliche Verkehr wird den Fahrplan wieder hochfahren. Die Masken werden dann zur Pflicht.

Das Robert-Koch-Institut RKI in Berlin lobt die gemeinsame Anstrengung der Bürger, die Regeln einzuhalten. Dank dessen stehe Deutschland relativ gut da. Der Anteil der Verstorbenen beträgt 3.8 % der Infizierten. Dies ist wesentlich tiefer als zum Beispiel Spanien mit 12 % und dem Vereinigten Königreich mit 13 %. Trotzdem – oder deswegen? – betont Frau Merkel immer wieder: „Wir sind erst am Anfang der Pandemie.“ Was soll denn noch kommen? Die Kliniken sind nur zu 20% ausgelastet. Zum ersten Mal höre ich von der deutschen Tagesschau, dass sich jetzt Statistikfachleute kritisch zu Wort melden: Die berühmte R-Zahl – die Ansteckungsrate – beruhe auf falschen Stichproben, die für die Bevölkerung nicht repräsentativ seien. Die Tagesschau zeigt heute nicht mehr die seit Wochen aufaddierten Fallzahlen in einer ständig ansteigenden Kurve, sodass man den Eindruck erhält, alles würde jeden Tag schlimmer. Es werden nur die Zahl der Neu-Infizierten des Vortages sowie die Zahl der Verstorbenen gezeigt. Schweden legt das Gewicht nur auf die Anzahl der Verstorbenen, die R-Zahl sei immer über 1 gewesen, trotzdem sind Schulen und Geschäfte geöffnet.
Wie unser Freund, der Chemiker, sagen viele Leute, Zahlen seien Zahlen und deswegen immer objektiv und unbestechlich. Aber: Es gibt unterschiedliche Statistische Modelle und Darstellungsweisen. Prof. Homburg der Uni Hannover, ein Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Statistik, stellt die offiziellen Daten des RKI anders da. Und, oh Wunder, das Virus hält sich sogar an die berühmte Gauss’sche Verteilung, die Kurve für das Aufkommen der Infektionen verläuft in der Form einer Glocke. Der Höhepunkt war bereits Anfang bis Mitte März, erst am 23. März erfolgte in Deutschland das Lockdown. Zu der Zeit begann die Kurve bereits zu sinken. Österreich nimmt es seit gestern, Montag, locker und lockert. Kanzler Kurz ist für ausländische Fernsehsender ein beliebter Interviewpartner, die Welt will wissen, wieso Österreich bereits dabei ist, einen „smart restart“ zu schaffen. Er sagt, die Regierung hätte rechtzeitig gehandelt, die Massnahmen seien sehr strikt gewesen, deswegen … Die Hotels dürfen Ende Mai wieder öffnen.
Statistische Zahlen lassen sich so oder so auslegen. Ausser auf die Zahlen kommt es immer auf genügend grosse und repräsentative Stichproben an. Heute berichtet der „Bund“ von teilweise fehlerhaften Zahlen. In der Schweiz übermitteln die meisten Arztpraxen ihre Meldungen an das Bundesamt für Gesundheit immer noch per Fax. Dazu müssen sie ein Formular des BAG von Hand ausfüllen, das BAG überträgt dann ebenfalls von Hand die Zahlen in die Statistiken. Bei diesem Vorgang passieren immer wieder Fehler: So war zum Beispiel ein 109jähriger verstorbener Patient als 9jähriger registriert, just zu der Zeit, zu der über die Wiedereröffnung der Schulen diskutiert wurde. Auf einem anderen Formular, mit welchem die Arztpraxen Todesfälle allgemein melden, können sie nur eine einzige Ursache aufführen.
Sehr breiten Raum in den Medien erhalten Experten, die sich mit statistischen Wahrscheinlichkeiten und Vorhersagen befassen. Diese werden dann so formuliert: „Es könnte sein, dass im Juli eine nächste Covid19-Welle auf uns zukommt.“ Statistisch gesehen könnte es aber auch nicht sein. Nur sagt das niemand. Die bisherige Welle in den Schweizer Spitälern ist ausgeblieben. Wieviel Leid wurde jedoch wegen verschobener Behandlungen und Operationen verursacht? Dies wird nicht erfasst.
Mein Tipp für Statistiker: „Lassen Sie ihre Vorhersagen von Kartenlegerinnen überprüfen. Oder ziehen Sie eine Weiterbildung in Kartenlegen in Erwägung.“
„Re-create your life!“  

Schweizer Kuh. Die Hörner wurden ihr gelassen.

Mein Tagebuch: 27. April 2020

27. April, Montag:
Gestern ist der vorletzte Flug mit in die Schweiz Zurückkehrenden aus Indien in Zürich gelandet. Wir hatten vergeblich gehofft, dass unsere Nachbarn aus Neuseeland mitgekommen wären. In den kommenden Tagen wird es nur noch einen Heimflug aus Afrika geben. Ich zähle die Fische im Aquarium: Sie sind zum Glück noch alle da.
Ich komme ins Gespräch mit unseren zwei 84-jährigen Nachbarinnen. Ich frage, ob sie ab heute wieder selbst einkaufen würden. Sie schütteln den Kopf. Das sei noch nicht erlaubt. Die eine meint, sie dürften dies erst, wenn es einen Impfstoff gäbe. Jetzt hätten sie wohl lebenslänglich …
Ab heute dürfen alle Geschäfte wieder öffnen, wenn sie die Regeln einhalten. Auch Coiffeur-Salons. Am Samstag gab es bereits vereinzelte Marktstände in der Berner Altstadt, mit den nötigen Abständen. Eine Kundin hatte Georg sogar den Vortritt gelassen, er sei vor ihr dagewesen. Georg staunt sehr darüber, machte er bisher eher die Erfahrung, dass sich vor allem Frauen den Vortritt zu Unrecht erzwingen.

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 26. April

26. April, Sonntag:
Normalerweise werden wissenschaftliche Erkenntnisse revidiert, sobald sie durch neue Forschungsergebnisse überholt sind, ausser sie sind interessengebunden. Es kann aber auch sein, dass ganze Wissenschaftszweige und deren Erkenntnisse offiziell erst gar nicht zu Wort gelassen werden. Manchmal ist es bereits riskant, wenn man als Fachmann oder Fachfrau nach Zusammenhängen fragt, die bisher noch niemand bedacht hat. In dieser Zeit sind wir als Laien besonders herausgefordert, uns jenseits von Angst und Panik eine Meinung zu bilden. Unter Angst zeigt unser Gehirn dasselbe Muster wie unter Hypnose. In einem solchen Zustand können wir keine bewusste Wahl treffen.
Ein Arzt aus dem Emmental stellt die Frage nach der Anfälligkeit an Covid19 zu erkranken und den 5G-Funkantennen. In seinem Leserbrief im gestrigen „Bund“ schreibt er: „Unser Immunsystem – zuständig für die Erkennung und Elimination von Viren, Bakterien und auch entarteten Zellen – wird durch die dauernde ‚nichtionisierende‘ Bestrahlung geschwächt. 5G-Aufrüstung und Covid: Schauen wir das einmal an und ziehen Konsequenzen. Nicht nur Wuhan, auch Norditalien ist stark 5G-aufgerüstet.“
Vorgestern hat der Bundesrat zum Glück entschieden, den Grenzwert für 5G nicht hinaufzusetzen, sondern wie bisher zu belassen. Damit zeigte er, dass er nicht von der Propaganda der Mobilfunkanbieter hypnotisiert worden ist.

Der deutsche Virologe, Prof. Hendrik Streeck, der die Regierung nicht direkt berät, fragt sich nach seiner Feldstudie in Heinsberg NRW, ob es wirklich sinnvoll war, eine allgemeine Ausgangsbeschränkung zu erlassen. Aufgrund neuerer Erkenntnisse müssten seiner Meinung nach Krankenhäuser und Heime genauer daraufhin untersucht werden, wie hier Infektionen besser vorgebeugt werden könne.

Aus einer grösseren Perspektive betrachtet der Geologe und „Life-Scientist“ Gregg Braden die Evolution und die angeborenen Fähigkeiten der Menschen. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse hätten gezeigt, dass die Evolutionstheorie von Darwin überholt sei. DNA-Analysen von paläontologischem Erbmaterial, also von uralten menschlichen Zellen, haben überraschenderweise gezeigt, dass wir weder vom Affen abstammen, noch uns allmählich zum aufrechten Gang und damit in Bezug auf unser Gehirn entwickelt hätten. Der Mensch sei vor 200‘000 Jahren auf die Erde gekommen und die Form von Schädel und Gehirn sei schon zu dem Zeitpunkt so gewesen wie heute. Dies lässt bisher unbeantwortete Fragen offen:
Wer sind wir? Woher kommen wir? Wie können wir das Leben besser machen? Warum sind wir hier?
Gregg Braden sagt in seinem Youtube-Beitrag „Our human story is based on false science“, wir sind nicht, was uns gesagt wurde, was wir sind. Wir haben die Fähigkeit, unsere eigene Biologie zu regulieren. Das ursprüngliche Motto „Der Stärkere überlebt“ legt dem Leben das Prinzip des Wettkampfs zugrunde. Darwin gab seiner eigenen Theorie keine lange Dauer und war überrascht, dass diese an seinem Lebensende immer noch galt. Gemäss den neusten Erkenntnissen erhöht sich die Chance für das Überleben durch Zusammenarbeit für das Gemeinwohl. Wird in Zukunft danach gelebt, wird sich vieles positiv verändern.

Im Moment sieht es so aus, als könnte man die Menschen in zwei Gruppen einteilen: Einige meinen, der Mensch lerne kaum dazu und setze das Gelernte nicht in sein Verhalten um. Andere meinen, der Mensch würde aus dieser Krise lernen, werde solidarischer, mitfühlender und bewusster im Umgang mit der Erde. Das Bewusstsein „Wir sind alle eins!“ hätten wir dem Corona-Virus zu verdanken. Im Kanton Bern werden jetzt ein paar zusätzliche Unterkünfte für Asylsuchende geöffnet, damit diese nicht so eng zusammengepfercht wohnen müssen und mehr Abstand zueinander halten können.
Nun, wir werden sehen, wie sich die Lage weiterentwickelt. Georg meint, dass die „Angst-Blase“ bald platzen werde. Gemäss der deutschen Tagesschau lässt eine erstaunliche Aussage der Stanford Universität aufhorchen: Die Forschung nach einem Impfstoff gegen Covid19 sei sinnlos, da das Virus zu harmlos sei.
Vor allem ist es spannend, uns und unsere Fähigkeit weiter oder wieder zu entdecken und hoffentlich positiv zu nutzen. Gregg Braden meint, je mehr Macht wir der Technologie und den Robotern übergäben, würden wir unsere kostbaren Fähigkeiten und vor allem unsere Menschlichkeit verlieren.

Die Gratis-Zeitung „20 minuten“ hatte bereits am 23. März über die das Risiko von schweren Verläufen der Covid19 bei Rauchenden berichtet. In einer Umfrage berichten in der Ausgabe vom 23. April Raucher, dass diese Information ihnen bei einem Zigaretten-Lockdown geholfen hätte. Ein Leser hat nach 40 Jahren mit Rauchen aufgehört und ist überglücklich.

Ab Morgen werden die Busse von unserem Dorf aus wieder häufiger in die Stadt fahren, der Ferienfahrplan gilt. Der Bundesrat meint nun doch, dass besonders während des Stossverkehrs Masken angebracht seien. Von einer generellen Maskenpflicht wie in Österreich oder Deutschland will er aber weiterhin nichts wissen. Die Armee wird nächste Woche führenden Detailhändlern täglich eine Million Masken liefern. Sie sollen zum Selbstkostenpreis verkauft werden.

Die Fische im nachbarlichen Aquarium warten immer noch auf ihre Besitzer. In den kommenden Tagen werden die zwei letzten Flugzeuge für Heimkehrende in Zürich landen.
Nach 6 Wochen gab es heute zum ersten Mal ein heftiges Gewitter mit länger anhaltendem Regen. Georg ist erleichtert, dass er den völlig ausgetrockneten Garten der Nachbarn jetzt nicht begiessen muss.

Reiterin auf dem Heimweg

Mein Tagebuch: 21.4. mit Gedicht

Harry, der Corona-Antikörper                     

Hallo! Ich bin Harry,  der Antikörper,
ich mach‘ nicht viele Wörter:
Bei Viren stech‘ ich kurz entschlossen zu,
dann hat die Menschheit wieder Ruh‘.

Zur Abwehr hab‘ ich die richtigen Stacheln.
Mit mir ist nicht lange fackeln!
Hinter mir steht eine ganze Armee.
Für das Corona-Virus heisst das: O weh!

Wegen der Menschen grosse Not
hat mir ein Engel über Nacht
den passenden Schlüsselcode beigebracht.
Jetzt wird mit der Plage kurzer Prozess gemacht.

Wir sind auch weiterhin auf der Hut,
denn trainiert sind wir bereits sehr gut.

Als Dank
sag‘ zu so einem Kerl wie mich
in allen Sprachen: „Ich liebe dich!“
Und wisse:
Aus der Liebe Kraft
der Mensch eine neue Welt erschafft.

Die alte Welt ist am Vergeh’n,
denn durch Hass, Gier und Krieg
hat sie kein Besteh’n.
Es wird die Menschheit aufersteh’n
an einem neuen Morgen.

Mach‘ dir keine Sorgen
um Immunität und die richtige Abwehr!
Zerbrich‘ dir nicht den Kopf
über Zahlen und Statistiken!
das machen schon die richtigen
Experten in Bern und in Berlin.
Du kannst auch jetzt nirgendwohin.
Bleib‘ am Ort
und scheine dein Licht
in die Welt immer fort!

Text und Foto: Petra Dobrovolny-M.
Kunstobjekt: unbekannter Künstler

Mein Tagebuch: 20. April 2020

20. April, Montag:
In St. Gallen startet man ein neues Projekt: Es werden Infizierte, die keine Symptome haben, genauer untersucht, besonders deren Abwehrkräfte. Bis jetzt wurden wegen der nicht genügenden Teströhrchen nur Infizierte mit mittel- bis schweren Symptomen getestet.
Die Rauchschwaden der nachbarlichen Zigaretten erreichen uns zumindest von der Gartenseite her seltener, sodass ich die Fenster länger öffnen kann.
Die Fische im Aquarium langweilen sich und vermissen die vertrauten Hausbewohner. Der Garten der immer noch in Neuseeland festsitzenden Nachbarn trocknet langsam vor sich hin. Die Nachbarin meinte, wir sollten nichts darin tun, sie selbst beginne nie vor Ende April. Doch sie weiss nicht, dass wir hier bereits Juni-Wetter haben.
Die SVP, die schweizerische Volkspartei, sammelt Unterschriften zu einem Aufruf, um den Lockdown sofort zu stoppen. «Ohne Wirtschaft geht die Schweiz zugrunde!» In Deutschland sagt Prof. Homburg, ein Volkswirt, die Statistik zeige, dass die Ansteckungsrate bereits vor dem Lockdown ab dem 23. März unter 1 gefallen sei. Er findet die pauschale Schliessung der Geschäfte, die nicht gerade lebenswichtige Dinge verkaufen, sinnlos. Schweden macht eine Slalomfahrt ohne Lockdown. In Jena zeigt die Maskenpflicht beim Einkaufen eine positive Wirkung. Der Anstieg der Neu-Infizierten flacht ab. Frau Merkel dankt für die konstruktive Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Das Oktoberfest wird abgesagt.

Mein Tagebuch: 19.4. mit Gedicht

  1.  April, Sonntag:
    In den Wochenendbeilagen der Zeitungen wird jetzt viel über die Stärkung des Immunsystems geschrieben. Das inspiriert mich zu einem weiteren Gedicht:

Zur Stärkung

Die Stärkung des Immunsystems
ist in aller Munde.
Und es macht
die wissenschaftliche Erkenntnis
die Runde:

Am stärksten wirken Kuscheln und Kuss.
So bleiben alle gesund mit Genuss!
Paar- oder familienweise
vertreiben wir so das Virus!

Denk‘ auch an Zink und Vitamin C.
Statt Vitamin D
ist besser Sonnenschein,
denn dieser schadet dem Virus sehr,
auch wenn du jetzt nicht kannst ans Meer.

Mein kurzgefasster Rat:
Ruh‘ dich aus von zu viel Tat,
nimm Knoblauch mit Zitrone
und geniesse die Sonne!

Hier könnte das Gedicht fertig sein,
doch es gibt noch einen Zusatzreim:

Vor dem Kuss
nimm Knoblauch mit Zitrone,
denn dann geht’s ohne
den lästigen Geruch.
Fügst du noch ein wenig Honig hinzu,
schmilzt der oder die Geküsste im Nu!

Schwäne in der Aare

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 18.4. mit Gedicht

18. April, Samstag:
Heute schreibe ich …
    
Mein Corona-Gedicht

Das Corona-Virus ist zwar überall,
doch weder fass- noch sichtbar.
Du lernst einen neuen Abstand zur Welt.
Ob das Virus sich auch daran hält?

Die Autobahnen werden leiser,
die Menschen bald ein wenig weiser.
Der Frühling zieht ein in voller Pracht.
Was hat sich nicht alles verändert über Nacht?

Du hörst abends die Nachtigall,
tagsüber den Kuckuck überall.
Aus bleibt der Regen,
doch nie verlässt uns Gottes Segen.

Viele Felder liegen brach,
da kein Helfer vom Ausland kommen mag.
Jetzt wär‘ fällig der Einsatz der Armee
für Salat und Gemüse, o yeah!

Die Schwäne paaren sich im Schilf.
Viele beten: „Santa Maria, hilf!“
„Mutter Erde, vergib‘ uns unsre Sünden!
Wir wollen wieder zu dir finden
und leben in Eintracht und Frieden.

Im Moment tut uns noch vieles betrüben.
Doch bald werden wir erwachen aus dem Schock,
die Wahrheit zeigt sich an jedem Ort.
Es werden die richtigen Regierungen gewählt,
die die Finger lassen von Lüge und Korruption.
Die Menschheit umarmt sich in digitaler Union.

 

Georg verbrennt den Adventskranz als Zeichen dafür, dass jetzt ein neuer Zeitabschnitt beginnt.

Mein Tagebuch: 17. April, Freitag

17. April, Freitag:
Die Schweiz hat inzwischen 27’740 registrierte Infizierte, davon sind 1’393 verstorben, 17’800 sind genesen, pro Kopf der Bevölkerung gibt es 3’205 Fälle. Nach den USA und Spanien steht die Schweiz somit an 3. Stelle. Pro Tag steigt die Zahl der neuen Infizierten um etwa 300. Im Vergleich zum März sind dies gute Nachrichten. Bei diesem Wetter wollen die Leute nicht mehr eingesperrt sein. Am Freitagabend macht sich im Berner Hauptbahnhof bereits der Wochenendverkehr bemerkbar.

Mein Tagebuch: 16. April, Donnerstag

16. April, Donnerstag:
Es regnet immer noch nicht, die Temperaturen sind bereits sommerlich.
Die Rauchschwaden der nachbarlichen Zigaretten erreichen uns seltener.
Unseren Nachbarn habe ich Fotos von den Frühlingsblumen in ihrem Garten geschickt. Sie schreiben: Bei uns ist es schon Herbst, und wir sehnen uns nach dem Frühling in der Schweiz! Wir wissen noch nicht, wann wir zurückkommen können. Das lässt Georg keine Ruhe. Er erkundigt sich über einen Freund, der beim Eidgenössischen Bundesamt für Aussenpolitik EDA arbeitet, ob es noch einen Rückflug für Schweizer in Neuseeland geben wird.
Heute wird mit Spannung erwartet, für welche Lockerungsschritte der Bundesrat sich entschieden hat. Juhui! Die Coiffeursalons dürfen ab dem 27. April wieder öffnen, der Detailhandel erst ab dem 11. Mai. Lehr- und Schulabschlüsse werden mit einer Sonderregelung, die bis Oktober gelte, möglich sein, so wie es die kantonalen Schulämter vorgeschlagen hatten. Ein Radiojournalist sagt, der Bundesrat sei weiter um das Thema Schutzmasken herumgeeiert, da er es versäumt habe, rechtzeitig für genügend Masken zu sorgen. Für uns persönlich ändert dies im Moment nicht viel, aber wir spüren deutlich, wie sich im Land eine kleine Erleichterung breit macht. Voraussichtlich sollen die Landesgrenzen am 4. Mai wieder geöffnet werden.    
Georg besorgt frisches Gemüse und Eier vom heutigen Marktstand des Gemüsebauers aus der Umgebung. Der hiesige Bauer hat das Angebot des Hofladens erweitert: Es gibt ausser den üblichen Kartoffeln, Birnen und Äpfeln nun auch rote Beete, Sellerie und Karotten. Im Supermarkt des Dorfes gibt es keinen Prosecco mehr, dafür Rimus, d.h. eine Art Prosecco ohne Alkohol. Der schmeckt uns auch.
Neu lernen wir den Begriff «closed cases» kennen. Zu den «abgeschlossenen Fällen» werden Verstorbene und auch Genesene gezählt. Es bedeutet einfach, dass die Krankengeschichte, das Dossier, geschlossen werden kann. Es zählt also gleich viel, ob du gestorben oder genesen bist. Entweder ist dies eine bürokratische Logik oder Philosophie für Fortgeschrittene.
Vom EDA erfahren wir, dass am 19. April eine Maschine der Qatar Airlines von Auckland nach Zürich fliegen werde. Ich teile dies meinen Nachbarn in Neuseeland mit. Aber so schnell können sie ihr Haus dort nicht schliessen. Sie sind jedoch dankbar für unsere Vermittlung und haben sich von der Schweizer Botschaft auf eine Wartelisteliste für den Heimflug setzen lassen. Es werde wahrscheinlich Mitte Mai.

Mein Tagebuch: 15. April 2020

15. April, Mittwoch:
Morgen wird der Bundesrat die Schritte der Lockerung der Massnahmen beschliessen, «smart restart» nennt man das. Es besteht die Gefahr, dass die Risikogruppen wieder nicht richtig definiert werden. Also höchste Zeit für einen Leserbrief an den Bund:

„Deckmäntelchen Fürsorge
Bei der Diskussion um die Lockerung der Massnahmen werden die über 65-Jährigen weiter ausgegrenzt und stigmatisiert. Unter dem Vorwand, man wolle sie besonders schützen, bezeichnet man sie zu Unrecht pauschal immer noch als Risikogruppe.
Denn:
1. Das biologische Alter stimmt nicht mit dem Geburtsdatum überein.
2. Auch Junge können sogar ohne ihr Wissen das Virus haben und andere, auch Ältere anstecken.“

Auch heute ist wieder ein prachtvolles Wetter. Schweizweit besteht akute Waldbrandgefahr.

Der französische Präsident Macron findet, alle müssten sich jetzt hinterfragen, bei ihm angefangen! Alle staunen: Galt er doch bis jetzt als arrogant, also als unhinterfragbar.
Online fragt mich eine Firma: «Kennen Sie schon unser Virenschutzversprechen?» Dieses Wort wird wohl zum Unwort des Jahres 2020 gewählt werden.
Auf den Feldern in Italien besteht die Gefahr, dass die Ernte verderben wird. Es können nicht genügend Helfer aus dem Ausland in das Land, auch im Vereinigten Königreich nicht. Dort lässt man ein Flugzeug mit Erntehelfern aus Rumänien einfliegen! Mein Schwager gräbt vorsorglich schon mal seinen Rasen um und erweitert auf diese Weise den Gemüsegarten um mindestens 50 m2.
Die zu Anfang der Krise grösstenteils friedliche Stimmung beginnt bei umzuschlagen: Wir bemerken dies bei vielen Velo- und Autofahrern, vor allem bei den städtischen Buschauffeuren. Auch diejenigen, die früher sanft und meditativ fuhren, ändern spätestens jetzt ihren Fahrstil. Unser Innen- und Gesundheitsminister, der bis jetzt über die Corona-Krise hinwegstrahlte, wird langsam grantig. Seit Ende Februar dauert sein Arbeitsmarathon, der langsam Spuren hinterlässt. Anfang Mai wird das Parlament wieder tagen. Auch die Kantonsparlamente melden sich zurück. Jeder Kanton hat seine eigene Idee zum «smart restart», dann hätten wir für die Schweiz 26 Varianten!
Der blinde Tenor Andrea Bocelli steht alleine auf dem menschenleeren Platz vor dem Mailänder Dom und singt für die ganze Welt «Amazing Grace». Die Tauben flattern nicht herum, sondern sitzen ganz still zu seinen Füssen und hören zu. Die letzte Zeile heisst: «I was blind, but now I see!» , was bedeutet: «Ich war blind, doch jetzt kann ich sehen!»