Mein Tagebuch: 23. und 27. Oktober 2020

23. Oktober, Freitag:

Ab heute gelten in vielen Kantonen stärker einschränkende Massnahmen wegen „Corona“. Im Wallis sind auch die öffentlichen Bäder geschlossen. So stehe ich mit meiner Badetaschen vor den verschlossenen Türen des Thermalbades in Leukerbad und denke: „Alles, was unser Immunsystem stärkt, wird verboten!“ Doch vom Immunsystem redet niemand. Im März gab es moralische Appelle der Regierung und eine behördliche Selbstherrlichkeit: Sie taten so, als wüssten sie Bescheid über die Wirkung der verordneten Massnahmen, Eigenverantwortung wurde gar nicht angesprochen. So wurden wir zu Untertanen gemacht, die darauf warten, bis einer „von oben“ sagt, was wir zu tun haben. Seit Anfang Oktober sprechen die von oben plötzlich über die Eigenverantwortung von Familien. Diese sollten sich erst gar nicht treffen und schon gar nicht gemeinsam feiern. Fussballspiele mit Publikum sind noch bis Ende Oktober erlaubt.

27. Oktober, Dienstag:

Heute habe ich einen Termin für Dentalhygiene bei meiner Zahnärztin und wundere mich, dass er nicht abgesagt wurde. Die Praxis soll man mit Maske betreten und sich sofort die Hände desinfizieren. Der nette Herr vom Empfang macht mir ein Kompliment über meine schöne Stoffmaske, es sind bunte Schmetterlinge darauf. Dann fragt er mich höflich, ob er mir zur Sicherheit Fieber messen dürfe. Mit 36.1 °C ist er zufrieden. Nach diesem Ritual darf ich den Behandlungsraum betreten. Die Zahnärztin erscheint in einem Schutzmantel und sieht aus wie ein Astronaut, der gerade den Mond betritt. Sie lacht selbst darüber und meint, sie müsse übervorsichtig sein. Zum Glück hätte sie zwei Behandlungsräume, mache immer Pause zwischen den Terminen und lüfte alle Räume gut durch. In ihrer Praxis würde sich sicher niemand anstecken, höchstens unterwegs. Und davor haben viele Patient*innen Angst und verschieben ständig den Termin. Deswegen gäbe es schon eine lange Warteliste. Die Behandlung ist für mich eine sehr positive Erfahrung. Meine Zahnärztin empfiehlt mir, dass ich erst in einem Jahr wiederkommen soll. Wir verabschieden uns mit den besten Wünschen füreinander und in der Hoffnung, in einem Jahr bessere Bedingungen vorzufinden.

Im „Bund“ von gestern lese ich einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Warnung vor dem Impfstoff der ersten Generation“. Denn dieser dürfte nicht der beste sein. Seine Zulassung könnte die Entwicklung potenziell überlegener Impfstoffe verlangsamen. „Swissmedic“ ist die verantwortliche Zulassungsbehörde. Dieser müssten die Politiker*innen jetzt genau auf die Finger sehen. Korruption lässt grüssen…

Rom greift durch. Premier Conte verbietet jeden Spass: „Das ist ein kritischer Moment. Kleine Opfer sind notwendig.“ Spanien wartet noch ab. Deutschland verordnet besonders strenge Massnahmen in der Gastronomie und Hotellerie. Übernachtungen von Tourist*innen sind nicht mehr erlaubt. In Bern sollen jetzt Masken auch unter den Lauben getragen werden. Der Vorteil: Es raucht hier niemand mehr.

In den Regalen der Lebensmittelgeschäfte fehlen ab und zu Artikel, die wie wir auch viele andere gerne mögen: Prosecco, eine bestimmte Schokolade, Thunfisch im Glas und vor allem Dinkelbrot. Hatten wir das nicht schon mal? Besonders ältere Menschen sieht man in der Stadt deutlich weniger, das unbeschwerte Lachen der Kinder hört man seltener.

Heute höre ich die passende Geräuschkulisse für diese Situation: Unter den Berner Lauben singt ein Chor „Halleluja“ und von der 50 m entfernten Baustelle der Schweizerischen Nationalbank ertönt im Refrain der Presslufthammer. 

Text: Petra Dobrovolny

Foto Chutzegarte: Georg Dobrovolny

Mein Tagebuch: 13. Oktober 2020

13. Oktober, Dienstag:

Im Bus höre ich, wie ein etwa 9jähriges Mädchen zu ihrer Freundin sagt: „Und wenn wir jetzt an eine Geburtstagsfeier eingeladen sind, müssen wir eine Maske tragen, weil … weiss doch auch nicht!“ Sie schüttelt heftig den Kopf. „Geburtstagsfeier und Maske, das ist doch mega … komisch!“ Sie versteht die Welt nicht mehr. Doch wer versteht sie noch? Es wird immer absurder. Seit gestern ist die Stimmung in der Stadt in den Keller gesunken. Angst, Wut und Trauer machen sich wieder breit. Das Personal in den Geschäften und Restaurants tut sein Bestes und ist äusserst zuvorkommend und freundlich. Als müssten sie die Kundschaft trösten und sich noch mehr als sonst dafür bedanken, dass noch jemand einkaufen oder essen geht.

Infiziert heisst nicht krank. Ausschlaggebend bei der Einschätzung, was die steigenden Zahlen bedeuten, ist laut Spitalärzt*innen die Belegung der Betten. In Deutschland stehen die Betten der in diesem Frühjahr neu eingerichteten „CoVid-19-Abteilungen“ leer. Auch in der Schweiz sind die Spitäler im Vergleich zu sonst unterbelegt und es sterben weniger Menschen. Es heisst, man solle sich gegen Grippe impfen lassen, um solidarisch zu sein und um ja kein Spitalbett beanspruchen zu müssen, denn es sei mit einer winterlichen Covid-19-Welle zu rechnen.

Seit wieder Fussballspiele erlaubt sind, steigt die Zahl der positiv getesteten Infizierten an. Unser Gesundheitsminister behauptet, dies sei auf private Familienfeiern zurückzuführen. Die Regierung macht eben alles richtig, der Fehler liegt bei den Bürger*innen im privaten Bereich. Das ist doch wirklich „mega“!

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 10. Oktober 2020

10. Oktober, Samstag:

Es ist nicht so, dass ich ein persönliches Kartenlegen bei Estelle bestellt habe, aber was ihre Karten sagen, trifft für mich ganz und gar zu: Veränderung ist angesagt! Ich verlege meine Praxis nach Leukerbad in den Kanton Wallis. Nach 33 Jahren in der Stadt Bern, wo ich 6mal umgezogen bin, und vorher 7 Jahre St. Gallen, packe ich nun wieder mal, die Bananenschachteln stapeln sich. Viele Dinge nehme ich in die Hand, um sie zu verschenken oder zu entsorgen. Viele Dinge nehme ich in die Hand, um sie liebevoll einzupacken und mitzunehmen, besonders meine zahlreichen Naturtoninstrumente wie Klangschalen, Gongs, Monochords, Trommeln, Rasseln und natürlich meine Kristall-Lyra. Klangtherapie ist eine wirksame Methode bei chronischen Schmerzen, erlebten Schocks und Traumen, sowie zur Stärkung des Immunsystems. Ich wende sie seit 15 Jahren an und habe bis heute 49 Alben komponiert, denn meine Kundschaft sagte mir: „Ich möchte Ihre Klänge bei mir zuhause hören, besonders vor dem Einschlafen und auch sonst zum Entspannen.“ Die 40jährige Erfahrung in meiner Privatpraxis und 4 Jahre in der Zürcher Hirnforschung als Neuropsychologin benötigt keine Bananenschachtel.

Die Neurowissenschaftler*innen hätten zu „Corona“ viel zu sagen, besonders auf dem Gebiet der Psychoneuro-immunologie, also zum Immunsystem und unseren natürlichen Abwehrkräften. Doch vor allem in den offiziellen Medien werden ihre Aussagen lächerlich gemacht und ihr Ruf geschädigt. Vom Immunsystem und davon, wie wir es stärken können, wird gar nicht mehr gesprochen. Der Mensch steht nicht mehr im Zentrum, sondern nur das Virus und der Profit. Der Chefarzt des St. Galler Kantonsspitals ist dagegen, dass eine einzige Zahl, nämlich die Anzahl der täglich neu positiv Getesteten, zu solchen lebenseinschränkenden behördlichen Massnahmen führt.

Für mich heisst es jetzt: „Auf zu neuen Ufern!“ Ich liebe das berühmte „Stufen-Gedicht“ von Hermann Hesse:

„Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen.
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.“

Mich inspirieren auch folgende Zeilen:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.“

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 2. Oktober 2020

2. Oktober, Freitag:

Der extremwarme September endete mit Schnee bis zu 1‘400 m. Der Winter macht sich für ein paar Tage bemerkbar.

Wir waren im Wallis und mussten auch in Geschäften und in öffentlich zugänglichen Räumen eine Maske tragen. Das ist sehr unangenehm. Der Kanton Bern erlässt vorläufig keine Maskenpflicht beim Einkaufen. Auch deswegen kommen viele hierher. Der Widerstand gegen die Corona-Massnahmen wächst. Unser Gesundheitsminister Berset wurde bei einer Veranstaltung sogar ausgepfiffen und als Landesverräter beschimpft.

Es ist sehr verwirrend: Manche reden oder schreiben jetzt von einer 3. Welle, andere meinen, die 2. beginne gerade, wieder andere bestehen darauf, dass es nie eine erste Welle gegeben hat. Wer kann das noch verstehen? Viele Fragen sind nach wie vor ungeklärt: Wer ist an und wer mit Covid19 gestorben? Warum sind die Spitäler immer noch unterbelegt? Warum sterben weniger Menschen? Nützen die Masken etwas oder schaden sie? Übertragen zum Beispiel Stechmücken das Virus? Vor etwa einer Woche war die Schweiz nach eigenen Kriterien noch ein Risikoland. Gestern stand in der Zeitung, sie sei es jetzt nicht mehr.

Unser Freund hat sich in einem Drive-in testen lassen, innerhalb weniger Stunden hatte er das Ergebnis und ein Attest. Jetzt kann er zurück nach Moskau fliegen, wo er lebt, ohne in Quarantäne zu müssen. Er rät davon ab, sich beim Hausarzt testen zu lassen. Hausärzt*innen seien nicht dafür eingerichtet.

Die Werbetrommel für Grippeimpfungen wird kräftig gerührt. „Man“ – auch Babys ab 6 Monaten – solle sich doch impfen lassen, um im Winter die Spitäler nicht zu belasten, denn die Betten müssten für Corona-Patient*innen freigehalten werden. Andererseits sei der Impfstoff knapp. Von woher wird er wohl importiert? Also hätten Risikopersonen den Vortritt. Aha! Jetzt wird von „Risikopersonen“ und nicht mehr von „Risikogruppen“ gesprochen. Eine Immunologin erklärt, wie man sich zur Begrüssung umarmen bzw. lieber nicht umarmen soll. Georg meint, die Anmassung der Behörden, die Privatsphäre zu regeln, sei kolossal. Sogar unter dem Kommunismus sei es nie ein Thema gewesen, ob Grosseltern ihre Enkelkinder umarmen dürfen oder ob Paare sich küssen dürfen.

Die Karten von Estelle sagen: Innerhalb der kommenden Monate erschafft Ihr den Himmel auf Erden. „Focus on your dreams!“ Neue Abenteuer erwarten Euch!

Foto in Leukerbad und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 24. September 2020

24. September, Donnerstag:

Am Montag begannen die Klima-Aktivist*innen ihr Camp auf dem Berner Bundesplatz aufzubauen. Sie wollten mindestens eine Woche Tag und Nacht bleiben. Dazu waren sie professionell organisiert und ausgerüstet: Grosse Lastwagen transportierten das nötige Material. Vor dem Gebäude der Schweizer Nationalbank wurde ein riesiges Zelt für die Küche aufgebaut, die etwa 200 Leute pro Tag versorgen sollte. Im Vergleich dazu wirkte Greta Thunberg mit ihrem Schulstreikschild bei ihren ersten Auftritten romantisch naiv, aber auch beeindruckender. Diese Demo war nicht bewilligt, die Polizei hielt sich zunächst zurück. Am Dienstag findet hier der Berner Wochenmarkt statt. Die Gemüsebauern waren nicht gerade begeistert über die Blockade des Platzes, konnten aber schliesslich ihre Stände aufbauen. An diesem Tag machten sie trotzdem ein gutes Geschäft: Die Demonstrierenden und deren Küche kauften sehr viel Gemüse ein. Am Abend gab es eine weitere unbewilligte Demo von Flüchtlingen und Asylsuchenden gegen die Bedingungen in den Unterkünften. Diese wollten sich dem Klima-Camp anschliessen, wurden jedoch durch einen massiven Polizei-Einsatz daran gehindert. Viele bürgerliche Politiker*innen reagierten sehr erbost auf die Besetzung des Bundesplatzes und die massive Blockierung des öffentlichen Verkehrs. Über Inhalte wird nicht gesprochen, eine Nationalrätin spricht von einer „Empörungshysterie“ ihrer Kolleg*innen. Dies erinnert mich an die Demo vom 29. August in Berlin. Das beherrschende Thema in den Medien waren die etwa 7 reichsdeutschen Fahnen und der Versuch einiger rechtsextremer Demonstranten in das Reichstagsgebäude einzudringen. Am Mittwoch löste die Berner Stadtpolizei das Klima-Camp friedlich auf. Es kam zu Festnahmen.   

Gesundheitsminister Berset kann sich ein Impfobligatorium für das Personal in Alters- und Pflegeheimen vorstellen, falls dies die Kantone wünschten. Dabei gibt es noch keinen Impfstoff! Und wer würde für die Impfschäden haften?

Eine neue Volksinitiative ist im Umlauf: Die Mobilfunkhaftungsinitiative. Falls es genügend Unterschriften gibt, kann über eine Gesetzesänderung abgestimmt. Stimmt das Volk „ja“, müssten die Mobilfunkanbieter für gesundheitliche Schäden, die der Mobilfunk verursacht, haften.

Text und Foto: Petra Dobrovolny