Mein Tagebuch: 28.11.2020

28. November, Samstag:

Was die Sterne verkünden, creating tomorrow today

Ein „Shift“, ein bedeutender Schritt der Veränderung steht uns bevor und wird durch die Planeten angekündigt: Am kommenden Montag findet eine Mondfinsternis statt: Etwas wird beendet. Am 14. Dezember gibt es eine totale Sonnenfinsternis, die etwas Neues verheisst. Und schliesslich die Wintersonnenwende am 21. Dezember im Zeichen des Wassermanns: Jupiter und Saturn verbinden sich. Ein neuer Zyklus von 200 Jahren beginnt. Ein frischer Atem begleitet die neue Ära: Werte wie Wahrheit, Freiheit, Toleranz und Gemeinwohl werden bestimmend. Wir könnten das Paradies auf Erden schaffen, wenn wir uns dafür entscheiden und besonders, wenn wir uns gemeinsam darauf einstimmen. Deswegen rufen spirituelle Lehrer*innen für den 21.12. weltweit zu Meditationen auf, damit wir gemeinsam mit gebündelten Kräften die Qualitäten des beginnenden Wassermann-Zeitalters bewusst in uns verankern und in den Alltag bringen können. Für eine Welt, in der die Ressourcen von Mutter Erde geachtet werden, in der Menschen nicht ausgebeutet werden, für eine Gemeinschaft, in der sich jede und jeder gemäss seinen Fähigkeiten ausdrücken kann und anerkannt wird, für neue Möglichkeiten der Fortbewegung und Kommunikation, die allen zugutekommt, für …

Die letzten Monate haben deutlich gemacht, was wir nicht wollen: Dass wenige Menschen immer reicher werden und viele immer ärmer, dass über unser Privatleben bestimmt wird, dass wir durch behördliche Anordnungen von unseren Lieben getrennt werden, dass unser Denken durch Angstmacherei lahmgelegt wird, dass Menschenrechte und Freiheit auf der Strecke bleiben … Vor allem lassen wir uns nicht eine einzig gültige Einheitsmeinung von oben diktieren. Der wissenschaftliche Diskurs muss gepflegt werden, Fachleute verschiedener Gebiete zu Wort kommen. Gerade die „Corona-Zeit“ fordert uns heraus, achtsam zu sein in Bezug auf Tatsachen und Lügen.

Wir erschaffen die Zukunft im Heute. Auf Englisch würde man sagen: We are creating tomorrow today.

Gestern wurde auf den Hauptplatz der Prager Altstadt, dem Staromestcké Namesti, wo sich auch das Rathaus und die berühmte Uhr befinden, traditionsgemäss ein riesiger Weihnachtsbaum aufgestellt. Aus technischen Gründen wurde die Beleuchtung ausprobiert. Die ganze Aktion war nicht offiziell angekündigt worden. Doch es befanden sich gerade viele Menschen vor Ort. Sie klatschten und waren begeistert. Deswegen entschieden die Techniker, die Beleuchtung nicht mehr auszuschalten. Und da steht sie nun, die wunderschöne Tanne, und erleuchtet die Dunkelheit, früher als geplant.

Ich mache mir heute einen faulen Tag. Solange ich Walliser Weisswein, griechische Oliven und Olivenöl habe, muss ich auch nicht einkaufen gehen. Georg bereitet mich per Telefon psychologisch schon mal auf den Berner Nebel vor. Er werde mich morgen Abend mit einer leckeren Fischsuppe trösten. Hier in Leukerbad geniesse ich die Sonne auf unserer Terrasse: Im Schatten sind es 14 °C, in der Sonne 32°C. Ich lege mich auf die neu gestrichene grüne Bank und denke nach: Was hat sich alles verändert in diesem Jahr? Auch in Bezug auf Beziehungen. Manche sind im „Corona-Nebel“ verschwunden, andere sind verständnis- und liebevoller geworden.

Mein Bruder sagte mir im Oktober, als ich ihm erzählte, dass ich mein diesjähriges Tagebuch in meinem Blog auf Internet veröffentliche, dass er es erst gar nicht lesen wolle. Es sei bestimmt viel zu konform. Nun ja, er ist als einziger „Wassermann“ der Revolutionär in der Familie. Und ich als „Waage“ kann und will ihm diese Rolle auch gar nicht streitig machen. Waagen lassen alle zu Wort kommen. Doch sie können auch kämpfen, wenn auch waffenlos, und zwar für Wahrheit und Gerechtigkeit. Wie zum Beispiel Mahatma Ghandi. 

Foto: Leukerbad im Advent, und Text: Petra Dobrovolny                          

Mein Tagebuch: 27.11.2020

27. November, Freitag:

Alles schläft, zum Glück gibt es Baulärm

Der deutsche Chefvirologe – ich lese irrtümlicherweise „Chefideologe“ – Christian Drosten wendet sich einem nächsten Pandemieverursacherkandidaten zu, den Mers-Virus. Hat er an den PCR-Tests noch nicht genug verdient? Ach ja, wenn er demnächst zur Rechenschaft gezogen wird und für die Schäden, die er mit dem PCR-Test verursacht hat, haften soll, dann braucht er wirklich sehr viel Geld.

Ein portugiesisches Gericht hat den PCR-Test für den diagnostischen Alltag als unzulässig erklärt. Das ist nicht erstaunlich, denn der ursprüngliche Erfinder dieses Tests hat von Anfang an festgehalten, dass dieser sich nur für die Forschung im Labor eignet und nicht für die Diagnostik am Menschen. Dafür wurde der Test auch nie lizenziert. Hinzu kommt, dass die Erbinformation, die RNA-Bruchstücke der aus Rachen und Nase entnommenen Proben gemäss Herrn Drosten 45mal teleskopiert, also vergrössert werden. Deswegen dauert es bis zum Testresultat 2 Tage. Selbst die WHO befindet eine Teleskopierung von über 35mal als wissenschaftlich nicht mehr interpretierbar.  Wie kommt es, dass die ganze Welt gemäss den Vorgaben von Herrn Drosten testet?

Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft … Wann wachen wir auf?

Baulärm! An vielen Orten in Leukerbad wird gebohrt und gehämmert. Viele Ferienwohnungen und manche Hotels und Restaurants werden renoviert. Ausnahmsweise habe ich nichts gegen diesen Lärm, denn er signalisiert Hoffnung und Zuversicht: Es gibt eine Zukunft mit Feriengästen, die die Natur, das Thermalwasser und gutes Essen mit Walliser Wein geniessen möchten. Und jetzt wird alles für die kommende Wintersaison vorbereitet. Unser Maler sagt, er hätte noch 4 Wochen Ferien zugute. Der Chef bewillige sie ihm dieses Jahr aber nicht mehr, da es zu viele Aufträge gibt.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch; 26.11.2020

26. November, Donnerstag:

Zum Thema Mobilfunk, Immunität, G5 und Corona

Dank des Tipps einer älteren Freundin habe ich mir nun ein Seniorenhandy zugelegt. Und ich schäme mich noch nicht einmal deswegen. Es hat grosse Tasten und eine übersichtliche Software. Es ist hörgeräte-kompatibel. Ich habe zwar kein Hörgerät, mit welchem die Signale interferieren könnten. Für mich als Neuropsychologin bedeutet diese technische Eigenschaft meines neuen Handys, dass die Signale meine Hirnströme nicht durcheinanderbringen. Ausserdem ist dieses Handy untauglich für 5G, kann jedoch die Signale der 3 und 4G-Mobilfunkantennen empfangen. Ich kann sogar den Empfang von 4G abschalten und so auf 3G begrenzen. Offiziell wird dies nicht empfohlen, doch ich finde dies einen echten Fortschritt. Ein Rückschritt ist natürlich, dass per Ende Jahr alle 2G-Antennen, also die jetzt noch bestehenden ältesten, endgültig abgeschaltet werden. Und es scheint auch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis man auch 3G … Deswegen musste ich mir ein neues Handy besorgen. Die offizielle Begründung für die Abschaltung: Man brauche eben Platz für 5G. Die Konsument*innen würden sich immer und überall Filme anschauen wollen. Auch im Zug und im Bus …

Die Diskussion über den Zusammenhang von 5G und Corona ist noch längst nicht abgeschlossen. Es ist bekannt, dass 5G das Immunsystem schwächt und wahrscheinlich Krebserkrankungen und chronische neurologische Krankheiten wie Demenz und Alzheimer fördert. Einige Schweizer Kantone haben deswegen ein Moratorium für die Bewilligung neuer Mobilfunkantennen erlassen. Inzwischen läuft eine Volksinitiative: Mobilfunkanbieter sollen für gesundheitliche Schäden haften. Diese Initiative habe ich hier in meinem Tagebuch bereits erwähnt. Und der Zusammenhang mit dem Thema Corona-Pandemie: Die chinesische Provinz Wuhan wie auch Norditalien sind im Vergleich zu anderen Regionen überdurchschnittlich gut mit 5G-Antennen ausgerüstet.

Nun habe ich mein neues Handy eingerichtet, ignoriere mitleidige Blicke meiner Umgebung und den Rückzug von Freundinnen, die nur via Whatsapp kommunizieren wollen. Wieder denke ich daran, wie Georgs Familie in der damaligen Tschechoslowakei aus „politischen Gründen“ das Telefonkabel gekappt wurde, und er zum Beispiel an Neujahr zu einer im Voraus bestellten Zeit ein dortiges Postamt anrufen musste, um seinen Angehörigen alles Gute zu wünschen. Oder an die Zeit meiner jährlichen Reisen – historisch bedingt ohne Georg – hinter den Eisernen Vorhang ab 1972, als ich erlebte, wie meine Schwiegermutter mit ihren drei Töchtern telepathisch kommunizierte und alles klappte … Ja, Telepathie! Ich hielt meine Schwiegermutter immer für sehr fortschrittlich. Als sie uns in den 80er Jahren in der Schweiz besuchte, schüttelte sie über uns den Kopf und sagte: „Ihr telefoniert ja ständig! Warum denn?“

Foto: Berge bei Leukerbad und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 24.11.2020

24. November, Mittwoch

Der Titel dieses Eintrags könnte lauten: „Vorsicht beim Wünschen!“

Die Morgensonne schickt ihr Licht schon um 6 Uhr zu den Spitzen der Walliser Berge und taucht sie ein zartes Rosa. Bei den alten Griechen war eine Göttin für dieses wundervolle Schauspiel zuständig. Sie hiess „Eos“, die Rosenfingrige. Später ruft mich Georg aus Bern im Nebel an. Er wäre jetzt auch gerne in Leukerbad, hat aber noch viel Arbeit mit der Archivierung des Forums Ost-West.

Die Maler haben uns die zwei Gartenbänke in ihrer Werkstatt frisch gestrichen und zurückgebracht. Nun stehen sie wieder auf der grossen Dachterrasse und strahlen in einem kräftigen Frühlingsgrün. Ich freue mich darüber. Schon seit langem habe ich mir eine grüne Gartenbank aus Holz gewünscht. Jetzt ist mein Wunsch gleich zweimal in Erfüllung gegangen. Beim Wünschen ist eine gewisse Achtsamkeit nötig, denn es könnte doppelt eintreffen. So ist es mir hier auch mit den Lautsprechern passiert. Schon lange suche ich ein Paar Lautsprecher mit besserer Qualität. Von den vorherigen Eigentümern dieser Wohnung haben wir gleich zwei Paar „geerbt“, alles ertönt in Quadrophonie. Ich lege die CD mit meiner Kristall-Lyra auf. Georg meint: „Das klingt wie am letzten Heiligabend in der Kirche. Man hört die Klänge auch hier überall im Raum und wird darin eingehüllt.“ Ich durfte am letzten 24. Dezember an der Christnachtfeier „Vom Himmel hoch“, Alle Jahre wieder“ und „Stille Nacht“ spielen. Und jetzt klingt es in unserem Wohnzimmer dank Quadrophonie ähnlich. Das muss ich bei nächster Gelegenheit meinem Tontechniker erzählen. Vor Jahren hatte er einmal höflich gemeint: „Wenn ich mir schon soviel Mühe gebe und mit modernster Technik deine Werke aufnehme, dann solltest du eigentlich zuhause bessere Lautsprecher haben, die alle Fassetten deiner Klänge wiedergeben können.“ Nun habe ich sie.

In einem Monat wird wieder Weihnachten sein. Unser Gesundheitsminister Berset macht sich bereits Sorgen. Er wolle das nächste Jahr auf keinen Fall mit exponentiell steigenden Fallzahlen beginnen. Weihnachten sei dieses Jahr eben anders und Silvester erst recht, denn es sei gefährlich, wenn so viele Leute zusammenkämen.

Ich plädiere dafür, dass man das Bundeshaus im nebligen Bern in das sonnige Wallis verlegt …                                                                                                                                                                                              

Foto einer der grünen Bänke und Text: Petra Dobrovolny
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     

Mein Tagebuch: 22.11.2020

22. November, Sonntag:

Auf zu neuen Ufern!

Heute kommt wie geplant der weitere Transport meiner eingepackten Praxis nach Leukerbad. Unser Nachbar lädt alles sorgfältig aus und bringt die Möbel und Schachteln mit einem Sackkarren in unsere Wohnung. Sogar zwei Geranien und eine Aloe Vera hatten noch Platz in der Fuhre. Georg hat alles sehr fachmännisch verpackt, besonders den kleinen Schrank mit der Vitrine. Nichts ist kaputt gegangen. Der Stapel bunter Papierservietten, die übriggebliebenen Zeugen unserer gemeinsam organisierten Veranstaltungen unter dem Label „Forum Ost-West“ ist auch mitgekommen. Ich habe in meinem Tagebucheintrag vom 14. November beschrieben, welche Erinnerungen diese Servietten in mir wachgerufen hatten.

Seit Anfang September ist alles sehr schnell gegangen: Über eine Freundin kam ich auf die Idee, mir Leukerbad näher anzuschauen. Ursprünglich hatten wir in Ligurien nach einer Ferienwohnung am Meer Ausschau gehalten. Doch „Corona“ hatte uns bereits im Februar unsere Pläne durchkreuzt. Ein Kraftort mit Thermalwasser in der Schweiz, wo wir uns erholen und Energie tanken können? Warum nicht! Ich buche ein Hotelzimmer mit Zugang zum Thermalbad und bin begeistert. Das Angebot an Wohnungen in Leukerbad erweist sich als sehr gross:  Die alte Generation will jetzt verkaufen, die junge hat andere Pläne und will meistens das Geld, aber nicht die Wohnung erben. Ich melde unsere Wünsche nicht nur bei den Engeln, sondern auch bei einer Immobilienfachfrau. Diese zeigt mir bereits an demselben Tag zwei Wohnungen. In der zweiten sind die Eigentümer anwesend. Ich komme schnell mit dem sehr netten älteren Ehepaar ins Gespräch und zu unserer Überraschung stellt sich heraus, dass Frau V. und ich in derselben Stadt geboren sind. Die Wohnung verfügt über eine grosse Dachterrasse mit Aussicht auf die riesigen steilen Felswände, ist sehr gepflegt und gemütlich eingerichtet. Wir müssten nichts renovieren. Ich könnte alle meine Musikinstrumente hierherbringen und … Georg erzähle ich begeistert von meiner Vision, eine Woche später kommt er mit nach Leukerbad, ein weiterer Besichtigungstermin kann stattfinden. Unsere Entscheidung ist klar, wir möchten jedoch noch eine Nacht darüber schlafen. Herr und Frau V. haben dafür Verständnis. Frau V. meint, ein Wohnungskauf sei eben nicht wie der Kauf von einem Paar Schuh.

Beim Termin mit der Notarin am 25. September übergibt Herr V. uns feierlich alle Schlüssel und die dazugehörende Liste. Er bekräftigt unseren Entscheid: „Vous n’allez jamais le regretter!“ Wir würden ihn bestimmt niemals bereuen. Die Notarin gratuliert uns, mit einem Glas Walliser Weisswein dürfen wir anstossen. Die Nacht können wir bereits in „unserer“ Wohnung verbringen. Der Winter meldet sich an, es schneit ein wenig. Wir kundschaften die Räumlichkeiten genauer aus. In der Abstellkammer neben der Terrasse finde ich oben auf einem Gestell eine schön dekorierte Weinflasche, die Frau V. wahrscheinlich als Souvenir dort hingestellt hatte: Sie kommt aus Bernkastel-Kues von der 700-Jahr-Feier im Jahre 1991 der Stadt und war einmal Moselwein gefüllt. Ich bin perplex: Meine Mutter ist in dem Ort geboren und im Jahre dieser Jubiläumsfeier gestorben. Ist dies ein Zufall, dass diese Flasche ausgerechnet hier auf uns wartet? Eine besondere Art Flaschenpost! Herrmann Hesse wusste es: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, …“ 

Foto Berge um Leukerbad im Morgenrot und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17. und 20. November 2020

17. November, Dienstag:

Meine Gedanken an die Jean-Monnet-Stiftung führen mich wieder mal zu meinem Vater. In 3 Wochen würde sich sein Geburtstag zum 108. Mal jähren, im Jahre 1991 ist er gestorben. Für viele Menschen war und ist er immer noch ein Vorbild. Für mich auch. Er war immer sehr fürsorglich und beschützend. Trotzdem fühlte ich mich nie eingeengt, sondern unterstützt und bestätigt. Manche – auch meine Mutter – hielten ihn für einen Engel. Ich nicht, doch vielleicht habe ich ein anderes Bild von Engeln. Mein Vater war für mich einfach immer zuverlässig da, wenn ich ihn brauchte. Auch nach seinem Tod spüre ich bei wichtigen Entscheidungen seine liebevolle Präsenz, die mir Mut macht.

Beim Einpacken meiner Praxis überlege ich: Was hat mein Vater mir durch sein gelebtes Vorbild vermittelt? Gerechtigkeit war für ihn wichtig. Er kannte sich aus in rechtlichen Dingen und konnte gut Briefe formulieren. Auch nach seiner Pensionierung wurde er von Nachbarn und Handwerkern um Rat gefragt. Dann schrieb er für sie – ohne ein Honorar zu verlangen – Briefe an Versicherungen und Behörden. Und freute sich wie ein kleines Kind, wenn er anderen zu ihrem Recht verhelfen konnte. Dafür brachte manche Nachbarin einen Kuchen vorbei, oder ein Handwerker führte eine Reparatur gratis aus.

Georg hat mich mal gefragt: „Was betrachtest du in Bezug auf deine therapeutische Tätigkeit als deinen grössten Erfolg?“ Meine Antwort: „Wenn jemand selbstbestimmt seinen Lebensweg gehen kann oder nach einem Trauma einen neuen Lebenssinn findet.“ Das ist zunächst meine Antwort. Nun nehme ich beim Aufräumen noch einmal meine Notizen in die Hände und sehe, wie viele Gutachten und Schreiben an Versicherungen, Behörden, Anwälte und Ärzte ich in all den Jahren verfasst habe, um meinen Patientinnen – meistens waren es Frauen – zu ihrem Recht zu verhelfen. Die grösste Herausforderung für mich war, wenn Patientinnen mit einem durch einen Verkehrsunfall verursachten Schleudertrauma als Simulantinnen und als psychisch krank abgestempelt wurden. Die heutigen bildgebenden Verfahren der Medizin sind noch nicht dazu geeignet, Schmerzsyndrome „objektiv“ darzustellen. Als Körpertherapeutin kann ich unter meinen geschulten Händen die schmerzhaften Stellen „objektiv“ genau erspüren. Da ich aber kein Apparat bin, hat mein Befund kein Anrecht darauf, als Argument für ein Gutachten zu gelten. Die „wissenschaftlich richtige“ Schlussfolgerung: Meine Patientin bilde sich die Schmerzen ein und sei als psychisch krank zu beurteilen. Mit dem Unfall habe dies nichts zu tun, die Versicherung sei nicht zu einer Rentenzahlung verpflichtet. In einem Fall wurde ich als behandelnde Psychologin vom Vertrauensarzt einer Versicherung sogar beschuldigt, dass ich meiner Patientin die Schmerzen einrede. Es sei höchste Zeit, dass sich Frau XY in die fachlich kompetente Behandlung eines Psychiaters begebe. Meine Patientin war über dieses Gutachten völlig entsetzt und fragte mich, wie so etwas möglich sei. Es ist seltsam: Dieser Arzt kennt mich gar nicht und spricht mir jegliche Fachkompetenz ab. Auf so etwas reagiere ich nicht. Ich redete Frau XY gut zu: „Jetzt geben wir nicht auf, sondern kämpfen weiter dafür, was Ihnen rechtmässig zusteht.“ Sie war einverstanden, denn sie wollte auf keinen Fall eine Sozialhilfe beantragen. Nach etwa 3 Jahren gelang es mir, für sie die Zusage einer Rente und damit das Anrecht auf eine bezahlte geeignete Umschulung zu bewirken. Mit der nötigen Geduld und Ausdauer, wie mein Vater. Dies betrachte ich als meinen grössten Erfolg. Und Frau XY ist heute zusammen mit ihrer kleinen Tochter gut auf ihrem Lebensweg unterwegs. Zum Glück hatte sie ihn nicht vorzeitig selbst beendet. Die 25 Seiten des damaligen vertrauensärztlichen Gutachtens und die spätere dunkelrote Briefkarte von Frau XY mit den Abschiedsworten „Herzlichen Dank für ALLES!“ kann ich nun sorgfältig zerreissen und der öffentlichen Kehrichtverbrennung übergeben. Eine 18 Jahre lange Geschichte mit einem guten Ende. Doch was sind schon geschichtlich betrachtet 18 Jahre? Man könnte auch sagen: Wahrheit und Gerechtigkeit haben bereits nach 18 Jahren gesiegt! Die Bevölkerung einiger Länder wäre froh darum!

Am Abend prosten Georg und ich uns mit einem guten Glas Wein in Gedenken an meinen Vater zu. Georg erinnert sich an die zahlreichen Gespräche mit ihm, in denen er von Europa, Jean Monnet und die Zeit in Luxembourg erzählte. Ich meine zu sehen, wie mein Vater uns vom Himmel her zublinzelt und sich freut.

20. November, Freitag:

In der Nacht auf heute hat der Wind heftig an den Lamellenstoren gerüttelt und hier in Leukerbad bis auf 1400m etwas Schnee gebracht. Georg fragt per Telefon, wie viele und welche Geranien ich hierher haben möchte. Am Sonntag wird unser kosovarischer Nachbar zum zweiten Mal Sachen aus meiner Praxis nach Leukerbad transportieren, dieses Mal mit seinem Privatauto. Ich sage Georg, dass es auf den noch vorhandenen Platz ankäme, denn es sollen noch ein kleiner Schrank mit Türen und einer mit einer Glasvitrine den Weg in die Walliser Berge finden, ausserdem noch 4 Bananenschachteln mit Büchern, CDs, Geschirr, Bildern, Kristallen und Muscheln.

Die seit dem 6. November strengeren Corona-Massnahmen werden im Wallis bis zum 13. Dezember verlängert. Ursprünglich sollten die Restaurants ab dem 1. Dezember wieder öffnen. Dafür dürfen ab dem 1. Dezember wieder mehr Menschen auf einmal in die Kirche gehen. Ich werde vor allem dafür beten, dass die Wahrheit endlich ans Licht kommt. Denn vieles stimmt nicht.

Steigen in der Schweiz die Zahlen, werden die Massnahmen strenger und die Regierung ermahnt die Bevölkerung wie ungehorsame Kinder. Sinken die Zahlen, werden die Massnahmen verlängert, denn man hätte jetzt weniger getestet, die Zahlen seien immer noch zu hoch, wir dürften auf keinen Fall nachlässig und schon gar nicht sorglos werden. Jeder solle sich auch bei trockenem Husten und ohne Fieber testen lassen. Ein junges Paar berichtet, es sei schon lange in der Warteschlange gestanden, um sich testen zu lassen. Die Formulare hätten sie schon längst ausgefüllt und abgegeben, auch nach einer Stunde war ein Ende der Warterei nicht in Sicht. Deswegen seien sie einfach nach Hause gegangen ohne sich testen zu lassen. Zwei Tage später wurden sie telefonisch in eine 10-tägige Quarantäne beordert, denn sie seien positiv getestet worden.

Uns wird immer noch nicht mitgeteilt, was ein PCR-Test eigentlich misst. Vergleichszahlen zu anderen Jahren gibt es nicht. In Deutschland hat ein Arzt die akademische Karriere von Herrn Christian Drosten, der den PCR-Test zusammengestellt hat und die Bundesregierung massgebend berät, unter die Lupe genommen. Dessen Dissertation war erst nach mehreren Anfragen auffindbar, obwohl sie öffentlich zugänglich sein sollte.  Eine Habilitation in der Form einer Monografie gibt es nicht. Stattdessen wurden Herrn Drostens 3 Aufsätze als Habil anerkannt.

In einem weiteren Interview auf Youtube betont Prof. Bhakdi wieder die Schädlichkeit der Hygienemasken, wenn man sie stundenlang tragen und die eigene Ausatemluft wieder einatmen muss. Vor allem für Kinder sei dies eine Quälerei. Er findet es absurd, dass die Masken sogar bei Spaziergängen am Ufer der Ostsee unter Polizeiaufsicht getragen werden muss. Statt eines Nasen- und Rachenabstrichs, wie dies beim PCR-Test geschieht, solle besser die viel weniger belastete Ausatemluft auf Viren untersucht werden. Denn diese würde eventuell in Form von Aerosolen von anderen Menschen eingeatmet. Wenige Tage später wird auch dieses Video von der Zensur gelöscht.

Inzwischen gehen Anwälte in verschiedenen Ländern weltweit – auch in Österreich – gerichtlich gegen den PCR-Test vor. Dieser Test ist eigentlich nur für die Forschung im Labor zugelassen, nicht aber für den diagnostischen Alltagsgebrauch.

Genauso fragwürdig sind die mit grosser Geschwindigkeit entwickelten Impfstoffe, von denen zur Weihnachtszeit zwei nach nur 8 Monaten Forschung und durch ein sogenanntes „rollendes Zulassungsverfahren“ auf den Markt kommen sollen. Ein deutscher Biologe warnt vor Langzeitschäden, obwohl er kein Impfgegner ist. Der zuletzt genehmigte Impfstoff gegen Mumps habe 4 ½ Jahre Zeit bis zur Genehmigung benötigt, alle früheren Impfstoffe 5 bis 10 Jahre. Das Schlimmste sei, dass gesunde Menschen, die das Corona-Virus nicht haben, geimpft würden. Dadurch bekämen sie es wahrscheinlich ohne Symptome, könnten in der Folge jedoch unwissend andere Mitmenschen damit infizieren.

Was ist denn das für ein Weihnachtsgeschenk?

Der alte Eid des Hippokrates, den auch heute noch jeder Arzt und jede Ärztin ablegen, lautet: „Nihil nocere!“ Das oberste Gebot der ärztlichen Tätigkeit muss sein: „Nicht schaden!“ Menschenrechte und die Menschenwürde dürfen nicht verletzt werden. 

Foto und Text: Petra Dobrovolny  

Mein Tagebuch: 14.11.2020

14. November, Samstag:

Der Titel zu meinem heutigen Tagebucheintrag könnte heissen: „Wenn Papierservietten erzählen könnten …“

An der Marktgasse in Bern packe ich weiter meine Praxis ein. Ich finde einen Stapel bunter Papierservietten mit unterschiedlichen Mustern. Erinnerungen werden wach: Im Herbst 2011 suchte Georg einen Büroraum für sich und seine Organisation Forum Ost-West. Ich bat ihm zu seiner Überraschung einen Teil meines Praxisraumes an. Georg sagte zu, und die Umstände bewirkten, dass ich das Sekretariat des Forums übernahm. So kamen auf den 42 m2 über den Dächern der Berner Altstadt zwei Kulturen zusammen: Eine nach innen gewandte meditativ-therapeutische mit den Klängen meiner Naturtoninstrumente und vielen Tassen Tee und eine nach aussen gewandte international kommunizierende mit Computer, Internetanschluss und Drucker sowie vielen Tassen Espresso.

Im Jahre 1994 hatte Georg den gemeinnützigen Verein Forum Ost-West gegründet, um nach den Jahren des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhangs mit Gleichgesinnten kreative Impulse für ein neues partnerschaftliches Verhältnis zwischen Ost und West zu geben. An den Seminaren, Veranstaltungen, Projekten und Gruppenreisen – nach Moskau, St. Petersburg, Slowenien, Kroatien und die Ukraine – kam es zu eindrücklichen Begegnungen mit Menschen aus vielen Kulturen Mittel- und Osteuropas sowie Zentralasiens wie Kasachstan und Kirgisistan. In all den 25 Jahren wurden über 150 Projekte gemäss den Bedürfnissen vor Ort verwirklicht, die von Fachleuten aus der Schweiz auf den Gebieten der Touristik, des Bank-, Schul- und Gesundheitswesens, der Textilindustrie usw. durchgeführt wurden. Georg brachte es fertig, dass Behörden in der Schweiz und in Mittel- und Osteuropa im Dienste der Sache zusammenarbeiteten.

Ein besonderer Höhepunkt waren die jährlichen einwöchigen Medienforen, an denen jeweils ca. 20 Medienfachleute aus den neuen EU-Ländern wie zum Beispiel den Baltischen Staaten, Zypern, Bulgarien, Rumänien u.a. und auch der Russischen Föderation teilnahmen. So war ich einmal dabei, als die Teilnehmenden die Jean-Monnet-Stiftung in Lausanne besuchten. Es wurde ein Film über die Entstehung der Europäischen Gemeinschaft sowie das Archiv mit eindrucksvollen Dokumenten gezeigt. Ich lernte den Leiter und die Archivarin kennen und sagte, dass mein Vater damals in Luxembourg einer der ersten Mitarbeiter von Jean Monnet gewesen sei. Sein persönliches Archiv von über 800 Pressefotos und Dokumenten könnten mein Bruder und ich der Stiftung vermachen, denn dies sei eigentlich der Wunsch meines im Jahre 1991 verstorbenen Vaters gewesen. Mein Angebot findet Begeisterung, die entsprechende Vereinbarung über den „Fonds Dr. Karl Mühlenbach“ ist bald einmal unterschrieben, und wenige Wochen später brachte ich einen ganzen Einkaufswagen mit wertvollen und gut erhaltenen Dokumenten aus den Anfängen der „Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ in den 50er Jahren nach Lausanne in das schön renovierte alte Gebäude der „Fondation Jean Monnet pour l’Europe“ neben der Universität. Einen Nachmittag lang erkläre ich den für das Archiv Zuständigen die historischen Zusammenhänge und Begebenheiten, die auf den Fotos festgehalten sind. Die leitende Archivarin bestätigt mir: Alles, auch die Fotos der Europa-Schule ist eine ideale und wesentliche Ergänzung des bestehenden Archivs, welches von Studierenden aus der ganzen Welt besucht wird. Und wir als Familie und Nachkommen seien jederzeit bei der Stiftung zu einer Besichtigung willkommen.

Mit Georg zusammen durfte ich ein interkulturelles Training entwickeln und den Youtube-Kanal des Forums mit der Serie „Interviews als Zeitzeugnis“ gestalten.  Es war eine sehr erfüllte Zeit, die noch intensiver wurde, als ich das Sekretariat des Forums übernahm und die jährlichen Mitgliederversammlungen organisierte. Dazu mieteten wir jeweils einen Seminarraum im Umfeld der Marktgasse, den wir mit Blumen und den vorhin erwähnten Papierservietten jeweils selbst dekorieren durften. Georg organisierte Weisswein und eine riesige Käseplatte.

Seit 2014 beschäftigt uns der Krieg in der Ukraine und die notleidende Bevölkerung. Dank Sach- und Geldspenden organisierten wir 11 Transporte mit humanitären Hilfsgütern von der Schweiz nach Odessa und weiter in die Ostukraine. Tragbahren, Krücken, Spitalbetten, weiteres medizinisches Material sowie Wolldecken und Pullover fanden zum jeweiligen Bestimmungsort. Viele staunten, dass dies ohne die Bezahlung der sonst üblichen Bestechungsgelder möglich war.

In all den Jahren intensiver Zusammenarbeit wuchs auch unser Verständnis für die Tätigkeit des anderen. Georgs Begabung besteht darin, die unterschiedlichsten Menschen zusammenzubringen und für gemeinsame Projekte zu begeistern. Er wiederum respektierte von Anfang an meine therapeutische Arbeit, putzte unseren ab 2011 gemeinsamen Arbeitsraum und schmückte ihn in jeder Saison mit Blumen auf den Fensterbänken und in den Vasen. Vormittags arbeitete Georg an der Marktgasse in unserem „Atelier d’Inspiration“, wie wir den Raum nannten, ich empfing am Nachmittag und Abend Ratsuchende, vormittags führte ich das Sekretariat des Forums von zuhause aus. Eine Freundin fragte mich einmal: „Wann schläfst du eigentlich?“ Denn abends ging ich oft auch noch ins Tonstudio, um meine neusten Klangkompositionen aufnehmen zu lassen.

Georg hat nun das Forum Ost-West der jüngeren Generation anvertraut. Historisch wertvolle Dokumente bereitet er in diesen Wochen für den Transport in das Archiv der Jean-Monnet-Stiftung in Lausanne und für dasjenige der Schweizerischen Osteuropa-Bibliothek in Bern vor.

Somit sind wir beide am Aufräumen und Packen. Bald werden wir diesen Ort verlassen, die Kündigung habe ich bereits abgeschickt. Wir suchen eine geeignete Nachfolge.

Text und Foto vom Berner Oberland mit Eiger, Mönch und Jungfrau:
Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 11.11.2020

11. November, Mittwoch:

Es ist nicht so einfach nach diesem Einbruch in unseren PC zur „normalen Tagesordnung“ überzugehen. Auch wenn wir glimpflich davongekommen sind. Die meisten e-Mails bleiben verschwunden und damit vor allem die Adressen unserer Familien und Bekannten. Wer dies liest und uns kennt, schicke uns doch bitte eine kurze Nachricht, damit wir eure Adresse wiederhaben.

Doch was heisst schon in dieser Corona-Zeit „normale Tagesordnung“? Die sinkenden Zahlen der Neuinfizierten, vor Kurzem noch bei 9‘000 pro Tag, jetzt bei 5‘000, sollten uns nicht sorglos werden lassen, auch nicht die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff, meint eine Wissenschaftlerin. Der Strategie, die Corona-Pandemie mit Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne geben die offiziellen Behörden in der Schweiz die Abkürzung TRIQ. Mit diesem Trick also wird unser Alltagsleben eingeschränkt. Auch wenn die Taskforce, die den Bundesrat berät, TRIQ als gescheitert ansieht. Den Grund dafür sieht sie in der mangelhaften Umsetzung des „Contact-Tracings“.

Das haben wir auch gemerkt: In Leukerbad war die Bedienung des Restaurants entsetzt darüber, dass ich kein Smartphone besitze. Sie musste meine Daten von Hand in ihr Handy eingeben. Ich bezweifle, dass dies ohne Fehler passierte. In anderen Restaurants werden die handschriftlich ausgefüllten Zettel der Gäste einfach gestapelt und nach einer gewissen Zeit weggeworfen.

All diese Einschränkungen lassen auch neue Ideen entstehen. Ich finde es traurig, dass die Thermalbäder geschlossen sind. Georg füllt einen grossen Kanister bei einem der zahlreichen Leukerbader Dorfbrunnen ab. So können wir in unserer Wohnung in aller Ruhe ein Fussbad geniessen. Und vor dem Restaurant Sternen gibt es zwei Brunnen: Bei einem fliesst kaltes, beim anderen 51° heisses Wasser. Ein Wechselbad mit den Händen belebt Körper und Seele. Nur darf man dies nicht zulange machen, denn bald einmal meldet sich auch die Blase. Dann muss man schnell nach Hause eilen, denn die Restaurants haben im Wallis jetzt geschlossen. Dies ist auch ein Nachteil bei längeren Wanderungen den vielen Wasserfällen entlang, besonders für mich als Frau …

Jeder Wasserfall singt sein eigenes Lied, auch jedes Bergbächlein gluckert anders. Ich könnte mal bei meinen nächsten Wanderungen ein Aufnahmegerät mitnehmen.

In unserem Dorf bei Bern haben sie vor dem Einkaufszentrum bereits vor einer Woche einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Dieses Jahr ist er ganz in Gold und soll uns wohl darüber hinwegtrösten, dass der „Zibelemärit“ von Ende November dieses Jahr ausfällt. Früher begann man mit den Weihnachtsdekorationen erst nach dem Zibelemärit.

13. November, Freitag:

Nachtrag zum 11.11.: Am Abend herrscht in der Altstadt von Bern eine gespenstische Stille. Heute wäre der Beginn der 5. Jahreszeit, der Fasnacht, und kein Ton von einer „Guggemusig“ ist zu hören. Das habe ich all die 19 Jahre, in denen ich hier meine Praxis habe, nicht erlebt. Auch in Köln und Mainz gibt es eine – hier von der Polizei kontrollierte – Stille. Ein Organisator sagt, es täte einem in der Seele weh. Doch die „Jecken“ müssten jetzt zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen können. Die Vorfreude und Hoffnung auf die Karnevalszeit im kommenden Februar wäre jetzt erst recht gross.

Ich gehe beim Berner Waisenhausplatz vorbei und, siehe da, immerhin sind dort vier Marktstände mit kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfen aufgebaut. Die Kundschaft sollte sich vor dem Einkauf die Hände desinfizieren und die Abstände einhalten. Die Verkäufer*innen tragen eine Maske. Die prächtigen „Zibelezüpfe“, im Berner Seeland „Trütschle“ genannt, warten geduldig.  





Fotos und Text: Petra Dobrovolny           

Mein Tagebuch: 10. November 2020

10. November, Dienstag:

Vor zwei Wochen wurde unser PC gehackt. Ja, das kann einem auch in der Schweiz passieren! Unsere Daten sind für uns nicht mehr zugänglich, auch Georgs E-Mailkonten sind gesperrt, meine kann ich noch benutzen. Ein Bekennerschreiben in einem sehr höflichen Englisch informiert mich: In einem verletzlichen Moment unseres Systems wären sie hereingekommen und hätten alle Daten entwendet, denn diese seien „of great benefit“ für User in der ganzen Welt. – Nun, dagegen habe ich nichts, doch werde ich lieber vorher gefragt. – Am Schluss dieser freundlichen Benachrichtigung steht noch: „Im Falle, dass Sie die Wiederherstellung Ihrer Daten wünschen, senden Sie eine Mail an xxx mit dem Code yyy.“ Ich ahne, dass es sich um eine Cyber-Erpressung handelt. Ein paar Tage später klärt mich ein Artikel im „Bund“ auf: Cyberangriffe auf Schweizer Firmen würden sich gerade jetzt häufen, denn dies sei ein sicherer Job. Niemand werde erwischt. Falls man auf die Erpressung einginge, erhielte man die Angaben zu einem anonymen Bitcoin-Konto, auf welches man die geforderte Geldsumme einbezahlen solle. Nach der Bezahlung bekäme man die Daten trotz Versprechen nicht zurück.

Es ist ein seltsames Gefühl, auf diese Weise unfreiwillig von der digitalen Welt abgeschnitten zu werden. Ich komme darauf, dass der beste Schutz die Veröffentlichung der eigenen Daten ist. Meine Erzählungen und Gedichte, vor allem meine Musik, die ich in den letzten Jahren veröffentlicht habe, kann mir niemand mehr löschen. Gerade das ist – so meine ich – of great benefit for the world!

Unser IT-Experte Beat ist fassungslos: So etwas habe er noch nie erlebt. Und unser Norton Sicherheitsdienst hätte nichts gemerkt! Zum Glück kann Beat feststellen, dass – entgegen der Behauptung im Bekennerschreiben – die Daten „nur“ gesperrt und zu 90% gelöscht sind, aber nicht abgezapft wurden. Als Vorgehen empfiehlt er einen neuen PC und die Wiederherstellung der Daten mit Hilfe unserer separaten Festplatte, auf welcher wir regelmässig unsere Daten sichern. Georg hat mein Corona-Tagebuch auf einem Stick gespeichert. Glück im Unglück!

Der „Bund“ berichtet von einer Firma in Finnland, die 25 Filialen für Psychotherapie verwaltet. Diese Firma wurde gehackt und erpresst. Es wird gedroht, dass die Notizen von psychotherapeutischen Sitzungen samt den Namen der Patienten und Patientinnen veröffentlicht werden. Mir entfährt ein Seufzer der Erleichterung: Solche Notizen habe ich immer von Hand geschrieben und nach einiger Zeit die Blätter dem Papierwolf gegeben. Dabei wäre ich seit etwa 3 Jahren „von Amtes wegen“ dazu verpflichtet, meine Notizen zu digitalisieren …

Seit dem 6. November verschärfen viele Kantone die Massnahmen wegen der sehr schnell steigenden Zahl der registrierten Infizierten. Es wird von einem „Mini-Lockdown“ gesprochen: Schulen und Geschäfte bleiben offen. Im Wallis werden die Restaurants geschlossen. In Hotels haben nur die Hotelgäste Zugang zum Thermalbad. Die in den letzten Monaten wiederaufgelebte Wirtschaft erhält einen Dämpfer, Konkursanmeldungen steigen exponentiell.   

In Leukerbad gehe ich bei mildem und nebelfreiem Herbstwetter auf dem Römerweg spazieren. Dort gibt es eine kleine Kapelle aus dem Jahre 1705, die dem heiligen Antonius geweiht ist. Das erinnert mich an meine alte fromme Tante Susi, die diesem Heiligen etwas spendete, wenn sie ihr Portemonnaie oder ihre Schlüssel verlegt hatte. Am nächsten Tag fand sie immer das Verlorene wieder. So zünde ich Antonius zu Ehren eine Kerze an und bitte ihn, unsere Daten wiederzufinden. Auch möge er meiner Tante Susi im Himmel einen lieben Gruss von mir ausrichten.

Unser Experte Beat hat inzwischen – dem heiligen Antonius sei Dank – den Schaden behoben.  

Text: Petra Dobrovolny

Seidenmalerei und Foto: Petra Dobrovolny