Mein Tagebuch: 22.09.2021

22. September, Mittwoch: Vollmond und Tag-und-Nachtgleiche

Heute findet der Vollmond im Sternzeichen der Fische statt und die Tag-und-Nachtgleiche. Es ist wieder einmal ein wichtiger Portaltag. Energetisch gesehen öffnet sich ein Tor. Astrolog*innen sagen: Es ist Zeit für eine Reinigung auf allen Ebenen. Neue Horizonte öffnen sich, in unseren Träumen erschaffen wir eine neue Welt für uns persönlich, aber auch für die Menschheit. Jetzt können wir über unsere selbst gesetzten Begrenzungen hinausgehen, die Gefängnistüren öffnen und unserer Intuition folgen. Dafür ist es gut, die Dinge langsam anzugehen und sich viel Zeit in der Stille zu nehmen. Alte Wunden können jetzt heilen. Neptun und Jupiter stehen noch für einige Monate in Konjunktion zueinander. Sie unterstützen Entgrenzung und grosse Träume.

Also: Nutze die Heilkraft des Wassers! Gönn’ dir heute ein Bad mit Kerzenlicht. Erlaub dir zu träumen, nimm’ dir Zeit für dich selbst. Was möchtest du hinter dir lassen?

Roger von «Univers Harmonie» in Lausanne hat für heute Abend 21.21 Uhr alle, die bei ihm Kristallklangschalen gekauft haben, zu einer Friedens- und Versöhnungsmeditation aufgerufen. Wir werden uns von unserem eigenen Ort aus in Gedanken miteinander verbinden und unsere Klänge eine gemeinsame «Energie-Wolke» schicken. Natürlich werde ich auch mitmachen.
Diejenigen, die dies lesen, können dies auf ihre eigene Art und Weise unterstützen. Bis dann! 

Foto: Vollmond vom 22.09.21 über Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny   

Mein Tagebuch: 17.09.2021

18. September, Samstag: Zunfttag

Die Leukerbader Thermalquellenzunft hat ihre Mitglieder zum 5. Zunfttag eingeladen. Seit fast zwei Jahren konnte wegen Corona kein Anlass stattfinden, heute treffen sich 38 der 300 Mitglieder bei prächtigem Wetter zu einer Wanderung über den Thermalquellensteg, den die Zunft 2004 gebaut hat und nach jedem Winter die Schäden wieder repariert, zum Majingsee bis zum Restaurant Weidstübli. Ich freue mich sehr darüber, dass dieser Anlass stattfindet. Denn ich bin schon seit einem Jahr Mitglied und kann erst heute Gleichgesinnte kennenlernen, denen Leukerbad und die Thermalquellen am Herzen liegen.

Beim geselligen Mittagessen auf der grossen Terrasse des «Weidstübli» erfahre ich für mich Neues in Gesprächen mit meinen Tischnachbar*innen: Es dürfen keine Ferienwohnungen mehr gebaut werden. Die «Lex Weber», der das Volk vor einigen Jahren zugestimmt hatte, verbietet dies, um weitere «kalte Betten» zu vermeiden. Davon gibt es in Leukerbad bereits 10’000. Es dürfen aber sog. «Aparthotels» gebaut werden, d.h. Appartementhäuser mit Hoteldienstleistungen. Die Eigentümer*innen müssen die Wohnung während ihrer Abwesenheit an Gäste vermieten. Ich erfahre auch, dass es einen Verein gibt, der die Interessen der Zweitwohnungsbesitzer*innen gegenüber der Gemeinde vertritt. Ein dringendes Thema ist die Umrüstung der alten und bald nicht mehr erlaubten Erdölheizungen auf erneuerbare Energien. Die Gemeinde plant unterhalb des «Burgerbads», welches heute «Leukerbader Therme» heisst, den Bau einer Heizzentrale, die Holzschnitzel verbrennen und die Wärme des Abwassers der Therme weiterleiten wird. Dieses Projekt ist jedoch nur für öffentliche Gebäude und ein paar wenige Hotels bestimmt. Einen Plan, der die ganze Gemeinde und private Häuser einbezieht, gibt es nicht. Ein paar Mitglieder der Thermalquellenzunft wollen deswegen aktiv werden. Mein Tischnachbar meint, Leukerbad hätte ein «Luxusproblem». Das Thermalwasser sprudle zu heiss aus dem Boden.

Die mit 51°C wärmste Quelle ist nach dem Heiligen Lorenz benannt und sprudelt mit 900 l pro Minute aus der Tiefe.

In der Broschüre «Badebüchlein Leukerbad – 500 Jahre Badetourismus in Leukerbad» steht auf der Seite 20: «An heilendem Wasser herrschte in Leukerbad zu früheren Zeiten – aber auch heute – kein Mangel. Die kalkigen Wände des Torrentgebiets sind unverändert spendabel. Regen und Schmelzwasser versickern hier auf einer Höhe zwischen 2500 und 3000 Metern und fliessen dann durch das poröse Massiv bis auf eine Tiefe von 600 Metern unter dem Meeresspiegel, um dann durch die Wärme im Erdinneren aufgeheizt 27 bis 40 Jahre später an der Erdoberfläche in Leukerbad zu erscheinen und dies vermutlich schon seit ewigen Zeiten. Rund drei Millionen Liter Thermalwasser sprudeln täglich aus den 22 warmen Quellen.»

Da kann man sich wirklich fragen: Warum werden diese bzw. nur ein Teil davon lediglich zum Baden benutzt? Damit könnte man ganz Leukerbad heizen und klimaneutral machen. Die Gemeinde könnte mit klimaneutralem Tourismus werben und eine Pionierin für alle Thermalbäder in der Schweiz und sogar international sein.



Foto: Blick vom Thermalquellensteg auf die Dala-Schlucht
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17.09.2021

17. September, Freitag: Demo in Bern von gestern

Als unmittelbare Reaktion auf die Ankündigung des Bundesrats über die Erweiterung der Zertifikatspflicht auf Restaurants, Schwimmbäder, Fitness-Studios etc. sowie den verstärkten Druck in Richtung Impfzwang fand gestern Abend eine unbewilligte Demo in Bern statt. Ich schaue mir hier in Leukerbad auf Youtube den Lifestream von Sabine Seibold an. Die Teilnehmenden versammeln sich beim Bahnhof und ziehen friedlich durch die Altstadt zum Bundeshaus. So viele Menschen habe ich in Bern noch nie gesehen. Der «Blick» schreibt am nächsten Tag von 1500, doch von anderer Seite heisst es, dass es etwa 30’000 waren: Familien mit Kindern, öfters alle drei Generationen waren dabei. Die Menge skandiert immer wieder «Liberté! Liberté! Liberté!» oder «Friede, Freiheit, Demokratie!» Viele tragen die Schweizer Fahne mit sich oder schwingen sie, ab und zu wird die Nationalhymne gesungen. Dann sind wieder die «Freiheitstrychler» mit ihren Kuhglocken zu hören. Etwa 30 Meter vor dem Bundeshaus ist ein vier bis fünf Meter hoher Zaun aufgestellt worden. Auch so etwas habe ich noch nie gesehen. Kurz vor 21 Uhr beginnt eine Gruppe des sog. «Schwarzen Blocks», gewaltbereite junge Leute, die an Wochenenden immer wieder in Bern demonstrieren und Schutz vor der Polizei in der Reitschule beim Berner Bahnhof finden, am Zaun zu rütteln und Petarden in Richtung Bundeshaus und Polizei zu werfen. Daraufhin schaltet die Polizei nach einer kurzen Vorwarnung ihren Wasserwerfer ein. Jemand schlägt Sabine Seibold ihr Handy mit einem solch kräftigen Schlag aus der Hand, so dass der Stick, auf dem sie es montiert hatte, abbricht. Andere helfen ihr, das Handy wiederzufinden und trösten sie. Trotz Schock kann sie weiterfilmen. Im Scheinwerfer des nun abgestellten Wasserwerfers tauchen zwei weiss gekleidete Männer mit indischen Trommeln auf. Sie tanzen und singen das Mantra «Hare Krishna», in kurzer Zeit singen, tanzen und klatschen etwa vierzig Leute mit. Die aufgeheizte Stimmung auf dem Bundesplatz wird wieder friedlich, gegen 22 Uhr löst sich die Demonstration auf, ohne dass die Polizei noch einmal eingreift.

Am Tag nach der Demo verteidigt der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause den Einsatz der Polizei. Das Bundeshaus hätte geschützt werden müssen, sonst wäre so etwas wie am 6. Januar in Washington, als das Capitol gestürmt wurde, passiert. Die Tageszeitungen schreiben von einer zunehmenden Gewaltbereitschaft der Impfgegner und werfen alle Demonstrierenden in denselben Topf.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 12.09.2021

12. September, Sonntag: Immer wieder anders

Der Spätsommer hält noch an. Georg bringt von der Bio-Gärtnerei zwei noch blühende Tomatensetzlinge. Vielleicht bringen sie bis Oktober noch ein paar Früchte? Das wäre ein kleiner Trost nach dem Hagelschlag auf unsere Tomaten im Juli. Die Hoffnung geben wir nicht auf.

Ab Montag soll eine erweiterte Zertifikatpflicht gelten. Auch für die Innenbereiche der Restaurants. Vor einer Woche meinte Bundesrat Berset noch, dies sei eine «bizarre» Vorstellung. Jetzt hat er wieder mal seine Meinung geändert. – Spucktests in Schulen sollen doch nichts bringen. Die Maskenpflicht für Schüler und Schülerinnen wurde in den letzten Monaten mal als notwendig erachtet, zwischendurch wieder abgeschafft. Seit 18 Monaten werden uns sich ständig ändernde Regeln auferlegt, die vorher als sinnlos betrachtet wurden. Zunächst wurden Leute ohne Symptome gar nicht für Tests zugelassen, und es hiess, Masken seien eher schädlich als nützlich. Viele Spitäler wurden in der Pandemiezeit geschlossen, weil sie nicht rentieren. Jetzt, nach den Sommerferien, erweist sich die Bettenkapazität in den Intensivstationen als zu klein. Nicht dringende Operationen werden wieder verschoben. Ein grösseres Problem ist das fehlende Pflegepersonal. Unter solchen Bedingungen wie ständiger Überlastung und Impfpflicht haben viele gekündigt und orientieren sich beruflich um.

Die offiziellen Medien hetzen gegen die angeblich uneinsichtigen und arroganten Ungeimpften, die alles andere als solidarisch seien. Leserbriefschreibende rufen dazu auf, im eigenen Familien- und Bekanntenkreis Ungeimpfte unter sozialen Druck zu setzen. Jemand schreibt im «Bund» vom 11.09.: Wenn ab Montag die Zertifikatspflicht in Restaurants gilt, werde er als geimpfter Gast vor seiner Bestellung fragen, ob das gesamte Personal geimpft sei. Ist dies nicht der Fall, würde er aufstehen und sagen: «Tut mir leid! In dem Fall gehe ich wieder!»

Georg meint: «Die neue Krankheit heisst Kontrollitis. Jeder kontrolliert jeden.»
Die Welt wird bizarrer. Vor allem Kinder und Jugendliche kommen damit nicht zurecht. Besonders nicht damit, dass ihnen gesagt wird, sie könnten den Tod ihrer Grosseltern und Eltern verursachen. Die psychiatrischen Kliniken sind überfüllt.

Die Demonstrationen gegen die Massnahmen nehmen seit letztem Donnerstag, an welchem der Bundesrat die Erweiterung der Zertifikatspflicht ankündigte zu. Die Warteschlangen vor den Impfzentren werden wieder länger.

Wie wird das Volk am 28. November über das Covid-Gesetz abstimmen? Die Hoffnung geben wir nicht auf.

Ich nehme mein viersaitiges indisches Musikinstrument, die Tampura, und fahre nach Leukerbad. Am Abend gehe ich noch in die Therme, denn ab Morgen wird für den Eintritt ein Zertifikat verlangt. 

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 02.09.2021

02. September, Donnerstag: Denunzieren oder Zivilcourage und Sirtaki

Altweibersommer oder «Indian Summer»: Die Berge laden zum Wandern ein.
Auf meinen Ausflug nehme ich einen von Georg geschickten Artikel aus der NZZ vom 31. August, um ihn im Bergrestaurant zu lesen. Claudia Rey schreibt dort auf der Seite 17: «Zwischen Denunzieren und Zivilcourage». Im letzten Jahr gingen bei der Zürcher Polizei 4000 Meldungen bzw. Beschwerden darüber ein, dass jemand sich nicht an die Corona-Massnahmen gehalten hätte. Die Städte Essen und Frankfurt und der Staat Neuseeland bieten im Netz sogar «Spitzel-Tools» für solche Meldungen an. Dort kann jede Person Verstösse gegen Corona-Massnahmen melden, die Angabe der eigenen Kontaktdaten ist optional. Dies hat wohl eher mit Denunzieren als mit Zivilcourage zu tun. Claudia Rey schreibt dazu: «Es macht einen Unterschied, ob jemand die Person hinter sich in der Schlange an der Kasse bittet, etwas mehr Abstand zu halten, oder ob er oder sie jemanden heimlich fotografiert und das Bild in einem Meldetool des Ordnungsamtes hochlädt.» Während seit der Corona-Zeit das Denunzieren blüht, mangelt es unserer Gesellschaft an Zivilcourage. Letztere sei, gemäss Carmen Tanner, Psychologieprofessorin an der Uni Zürich, lernbar. Sie möchte ein Videospiel entwickeln, mit dem sich Zivilcourage lernen lässt. Zurzeit fehlen dafür jedoch die finanziellen Mittel. Claudia Rey gelangt zu dem Fazit: «Die Behörden täten gut daran, dem Denunziantentum mittels Meldetools nicht noch mehr Auftrieb zu verleihen. Etwas mehr Zivilcourage im Alltag würde uns allen gutstehen. Wer in sich hineinhorcht, dürfte den feinen Unterschied zwischen Zivilcourage und Denunziantentum auch ohne Training spüren.»

Mir stellen sich dazu ein paar Fragen: Warum wird Zivilcourage erst im Studium ein Thema und nicht schon im Kindergarten? Welches Lehrmaterial haben Lehrende dafür zur Verfügung? Als Kinder haben wir mit Begeisterung «Monopoly» gespielt, uns aber in der Schule furchtbar gelangweilt, wenn wir «Staatskunde» hatten. Warum gibt es ausreichend Finanzen zur Entwicklung von digitalen Spitzel-Tools und nicht von Lernvideos über Zivilcourage?

Gestern ist Mikis Theodorakis gestorben. Er war 96 Jahre alt. Seine Musik steht für das Leben, die Freiheit und die Liebe. Der Film «Zorbas, der Grieche» ging um die Welt. Wie wäre es, wenn wir in der Warteschlange vor der Kasse hinter uns blickten und die nächste Person nicht zu mehr Abstand, sondern alle Wartenden zu einem gemeinsamen Sirtaki aufforderten?

Foto
und Text: Petra Dobrovolny