Mein Tagebuch: 29.10.2021

29. Oktober, Donnerstag: «Out of order» und Bewusstseinstränen

Die Anzeigetafeln in den Schweizer Bahnhöfen funktionieren wieder. Manchmal ist es gut nicht zu wissen, wohin der Zug fährt. Der Grund für den Ausfall war ein unbekanntes technisches Problem. Der Bildschirm meines PCs überlappt sich immer wieder mit dem vorhergehenden Bild. Der Grund dafür ist ein unbekanntes technisches Problem. Zwei verschiedene Wirklichkeiten überlappen sich. In der damaligen Tschechoslowakei sah ich auf meinen Reisen öfters eine Tafel mit der Aufschrift: Es funktioniert nicht. «Nefunguje». Aus technischen Gründen. Ob diese bekannt waren oder nicht, wurde nicht mitgeteilt. Viele Tafeln waren schon vor einigen Jahren an dem betroffenen Ort angebracht worden. Ohne Entschuldigung, ohne ein «We’re sorry.»  
Ein Stromausfall könne alle 30 Jahre auftreten. Es sei bald wieder so weit, sagt Bundesrat und dieses Jahr auch Präsident Guy Parmelin. Man sollte Kerzen und Batterien auf Lager haben. Pro Person sollten Wasserreserven von 9 Litern vorhanden sein, natürlich auch ein Notvorrat an unverderblichen Lebensmitteln. In einem Haus mit Lift sollte man nachschauen, ob niemand steckengeblieben ist. Telefonieren sollte man unterlassen, um das Netz nicht unnötig zu überlasten. Out of order. We’re sorry. Etwas ist aus der Ordnung gefallen. Es tut uns leid. Doch eigentlich können wir nichts dafür. Wir entschuldigen uns für die eventuell für Sie entstandenen Unannehmlichkeiten. Ändern Sie Ihr Kennwort. Es wird in zwei Tagen ablaufen. Aus Sicherheitsgründen benutzen Sie Buchstaben in Kombination mit Zahlen. Mindestens ein Buchstabe sollte grossgeschrieben werden.
Wenn du müde bist und traurig, wenn du dich klein fühlst, werde ich an deiner Seite sein und dich trösten. Mit diesen Worten beginnt das Lied «Bridge over troubled water» von Simon und Garfunkel. Die Beiden sind 80 geworden und freuen sich nach der langen Corona-Pause wieder auf gemeinsame Konzerte. Viele mit diesem oder ähnlichen Jahrgang melden sich jetzt. Ihre Musik haben mich in den 60er- und 70er Jahren ständig begleitet und war oft der passende Ausdruck für mein Lebensgefühl von Schwung, Aufbruch, Freiheit, Liebe, Melancholie, der Sehnsucht nach Frieden für die Welt. John Sheahan, der letzte Überlebende der «Dubliners», feiert seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert, an dem er seine Violine spielt und das Publikum wie früher bezaubert. Adriano Celentano ist auch schon 80, Harry Belafonte auch, Reinhard Mey, Tina Turner… Manche melden sich wieder neu wie die schwedische Gruppe ABBA, manche gehen auf Abschiedstournee wie Joan Baez oder Elton John. Viele haben sich bereits in den letzten Jahren verabschiedet und schauen uns vom Himmel her zu: Luciano Pavarotti, Lucio Dalla, Leonard Cohen, Udo Jürgens, Jean-Paul Belmondo, einer der Elderly Brothers und erst kürzlich Mikis Theodorakis…
Manchmal hängt die dritte Dimension an uns wie schwere Gewichte. Trotzdem können wir uns in höhere Dimensionen erheben und uns Engelsflügel wachsen lassen. Alles wird leicht. Aus unbekannten technischen Gründen.
Unser Sonnenstoren funktioniert nicht. Er reagiert nicht mehr auf die Funkimpulse des kleinen Fernsteuergerätes in meiner Hand. Aus unbekannten technischen Gründen. Der Monteur öffnet das Kästchen des Empfangsgerätes, schüttelt den Kopf und schliesst es wieder. Die Lieferzeit für ein neues Gerät würde mindestens vier Wochen betragen. Der Hafen von Triest ist blockiert. Nochmal probiert er das Fernsteuergerät aus. Der Storen setzt sich in Bewegung. Aus unbekannten technischen Gründen. Der Monteur schreibt in seinen Arbeitsrapport, er hätte etwas neu programmiert.

Es liegen zurzeit keine Meldungen über grössere Störungen vor. Aus unbekannten technischen Gründen. Wird jetzt alles neu programmiert? Es gibt einen neuen Kompatibilitätsmodus. Wenn du ihn nicht beim Eingang vorweisen kannst, wist du nicht reingelassen. In der 5. Dimension gibt es keine Türen. Es gibt nur Portale, die sich an bestimmten Tagen gemäss dem Mayakalender öffnen. Deswegen ist es ratsam, dass du eine App für diesen Kalender hast. Um nichts zu verpassen. Doch die Klänge der 7. Dimension werden dir bei Bedarf alle Portale öffnen. Du brauchst nur zu Summen.

Die dritte Impfung, der Booster bzw. die Auffrischung wurde jetzt von Swissmedic für über 65-Jährige zugelassen. «Der Bund» von heute meint, es sei höchste Zeit gewesen, damit dies dann mal bis zum Frühjahr reiche.

Im Radio spielen sie das Konzert von Joaquin Rodrigo «Aranjuez», das Adagio. Mir kommen die Tränen. Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus dem Jahre 1979. Ich hatte beschlossen, meine akademische Karriere im Alter von 27 Jahren zu beenden. Mein damaliger Chef hatte meinen Forschungsartikel nur mit seinem Namen in einer Fachzeitschrift veröffentlicht. Er wollte zum Professor ernannt werden. Schon damals hiess es «publish or perish». Entweder veröffentlichst du deine oder geklaute Forschungsresultate oder du verschwindest in der Bedeutungslosigkeit. Dies führte dazu, dass Patienten und Patientinnen nur noch als Datenträger*innen wahrgenommen wurden und nicht mehr als Menschen. Da wollte ich nicht mitmachen. Es widerspricht meinen Werten. Ich packte meine sieben Sachen, gab den Schlüssel ab und nahm im Zürcher Hauptbahnhof den Zug nach St. Gallen, wo Georg und ich damals wohnten. Eine Welt war für mich zusammengebrochen, und ich weinte eine Stunde, fast die ganze Strecke lang. Ich hatte die Illusion verloren, dass akademische Wissenschaft so menschlich ist, wie sie vorgibt. Schon damals begriff ich, dass sie an Interessen gebunden ist. Diese Erkenntnis war für mich so schmerzhaft, dass mir die Tränen nur so flossen. Georg nennt sie «Bewusstseinstränen».
Mir schräg gegenüber im anderen Viererabteil sass ein junger Mann mit Kopfhörern und einem kleinen tragbaren Kassettengerät. Etwa fünfzehn Minuten vor St. Gallen nahm er die Musik-Kassette heraus und hielt sie mir hin. «Sie sind sehr traurig! Es tut mir so leid für Sie. Bitte, nehmen Sie diese Kassette! Ich schenke sie Ihnen. Die Musik wird sie trösten.» Dann stieg er eine Haltestelle vor St. Gallen aus. Ich kannte diesen Mann nicht und weiss auch nicht, wie er hiess. Auf der Etikette der Cassette stand von Hand geschrieben: «Aranjuez. Konzert für spanische Guitarre von Joaquin Rodrigo. Solist: Paco de Lucia».
Ein halbes Jahr später erhielt ich den Doktortitel in Psychologie und machte mich auf meinen eigenen Weg ohne öffentliche Anzeigetafeln, die mir sagten, wann ich wohin fahren soll.
Viele in meiner Umgebung haben damals meine Entscheidung nicht verstanden. Ich hätte doch eine sichere Stelle gehabt und eine offiziell anerkannte Karriere machen können. Der eigene Weg ist oft ein einsamer …

Foto und Text: Petra Dobrovolny

 

Mein Tagebuch: 27.10.2021

27. Oktober, Mittwoch: Eine neue Küche und «Schmusen»

Eine neue Virusmutante ist entdeckt worden, man nennt sie jetzt A.Y.4.2. oder Delta plus. Grossbritannien sei schon der Hotspot Westeuropas. Der britische Arzt Dr. John Campbell versteht nicht, warum immer noch Impfstoff mit Teilen der Alpha-Variante, also der ersten Form, hergestellt und verimpft wird. Die Wirkung der Impfungen lässt nach 6 Monaten deutlich nach. Bei den Geimpften steigen die Infektionen, obwohl ständig behauptet wird, man nach zwei Dosen vollständig immunisiert sei. Es handle sich jetzt um eine Pandemie der Ungeimpften. Und es wird behauptet, dass Ungeimpfte für Geimpfte eine Bedrohung seien. Warum? Wenn Geimpfte doch immun sind? Trotz doppelter Impfung sterben jetzt auch in der Schweiz ältere Menschen an Corona. Der Ruf wird laut, dass die Behörden in der Schweiz endlich eine dritte Impfung als «Auffrischung» genehmigen sollten.

Ich werde dieses Thema in den kommenden Wochen nicht mehr so intensiv verfolgen wie bisher. Die Renovation unserer Küche in Leukerbad steht an. Mit der Organisation habe ich jetzt viel zu tun. Der Bauleiter, Elektriker, Schreiner und Maler haben sich bereits in unserer 4 m2 grossen Küche miteinander abgesprochen. In Walliser Ditsch, von dem ich nur die Hälfte verstehe, und in einem hohen Tempo, das ich von Bern nicht gewohnt bin.  Doch sie sind von dem Projekt begeistert und meinen, dass wir mit dem Resultat bestimmt zufrieden sein werden. Es sei interessant, dass wir weder Backofen noch Mikrowelle noch Geschirrspüler noch in die Decke eingelassene Spotlampen benötigen.

Nun werde ich alle Sachen einpacken, bevor die Küche am 8. November abgerissen wird. Die Umzugsschachteln stapeln sich wie schon so oft in diesem Jahr. In unserem Wohnzimmer richte ich eine provisorische Kochecke ein. Ich erinnere mich an meine ersten Besuche in der damaligen Tschechoslowakei, als ich Georgs jüngere Schwester kennenlernte. Sie lebte mit ihrem Mann in einem einzigen Zimmer mit einer sehr praktisch eingerichteten Kochecke: Ein Gerät mit zwei Kochplatten und ein pfannenähnliches Gerät zum Backen. Letzteres hiess «Remoska». So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es liessen sich aber wunderbare Speisen der mährischen Küche daraus hervorzaubern. Fliessendes Wasser gab es in dem Wohn-Schlafzimmer nicht. Meine zukünftige Schwägerin holte es damals in der angrenzenden Küche der Tante ihres Mannes.
Mit meiner jetzigen mobilen Kochplatte muss ich zum Glück kein mährisches Gebäck und schon gar keinen Sonntagsbraten hervorzaubern. Mir genügt es, wenn ich Kartoffeln oder Risotto kochen kann. Fliessendes Wasser wird es während der Renovation nach wie vor im Badezimmer geben. Die Kunst Smoothies zuzubereiten überlasse ich Georg. Ein solches «Kochen» nennen wir aus dem Englischen « to smoothe» abgeleitet «Schmusen». Georg ist darin ein Meister.

Foto: Blick auf die Leeshörner und die Gemmi bei Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebusch: 24.10.2021

24. Oktober, Sonntag: Gips und «Liberté!» Berner Kundgebung vom 23.10.21

Es ist kälter geworden, nachts gibt es Bodenfrost. Die Lärchen in den Walliser Bergen färben sich goldgelb. Tagsüber wird es 12 bis 18°C. Heute zeigt sich wieder ein strahlend blauer Himmel.
Es gibt gute Nachrichten von Georg: Seine linke Hand ist nicht gebrochen, sie muss auch nicht operiert werden. Dies hat sein Hausarzt in Bremgarten festgestellt. Der Gips sei im Visper Spital gut gemacht worden. Die nächsten sieben Wochen müsse Georg das noch aushalten. So eingezwängt zu sein ist für ihn das Schlimmste, was es gibt, in jeder Hinsicht. Wenn er jetzt mit erhobener Gipshand auf dem Bundesplatz in Bern «Liberté!» riefe, wäre dies sehr symbolisch.

Gestern, Samstagnachmittag, fand in Bern eine nationale Kundgebung historischen Ausmasses statt: Noch nie in der Geschichte der Schweiz gingen so viele Menschen auf die Strasse. Es waren mindestens 50’000, die Medien berichten nur von 10’000. Ich schaue mir von Leukerbad aus die Lifestreams von der CWL Media Group und von Sabine Seibold auf Youtube an. Die Kundgebung ist bewilligt, die Route wurde mit der Polizei abgesprochen. Alles verläuft friedlich. Die Teilnehmenden versammeln sich auf dem Münsterplatz und ziehen zum Bundesplatz: Allen voran ein Dudelsackpfeifer, drei Frauen mit Trommeln und Saxophon, Trachtenfrauen, die zu zweit eine Schweizer Fahne zwischen sich tragen, mindestens hundert Trychler oder Treichler verschiedener Vereine wie die «Freiheitstrychler» und die «Helvetia-Trychler» mit ihren Kuhglocken, eine Gruppe von 26 Leuten, die jeweils ihre Kantonsfahne tragen. Ihnen folgen Menschen aller Altersgruppen, einige mit der Schweizer Fahne, andere mit einer Sonnenblume oder einem selbst bemalten Pappschild oder mit einem Transparent in der Hand. Darauf steht kurz und bündig das Anliegen oder die Forderung wie «NEIN zum Covidgesetz», «Zurück zur Verfassung», «Gott! Befreie uns Vaterland aus den Fängen der Kaptal-Elite! Danke Jesus!», «Kein Impfzwang», «Keine Diskriminierung», «Weniger Staat, mehr Eigenveranwortung!». Der Sonnenschein trägt zur guten Stimmung bei. Ab und zu ruft jemand dreimal: «Liberté!» Dann stimmen andere mit ein. Die Polizei hält sich im Hintergrund. Vor dem Bundeshaus steht in etwa 10 Meter Entfernung ein vier Meter hoher Zaun. Viele Menschen strömen auch von den Seitengassen zum Bundesplatz, der bereits dicht besetzt ist. Der Veranstalter Josef Ender vom Aktionsbündnis der Urschweizer Kantone bittet auf Anweisung der Polizei, nicht zu drängeln, damit keine Panik entsteht.
Alles bleibt friedlich, auf der grossen Bühne beginnen jetzt für fast eine Stunde die Reden auf Deutsch, Schweizerdeutsch und Französisch. Die «freie Linke» und das «Aktionsbündnis der Kantone der Urschweiz» haben die Veranstaltung organisiert. Besonders beeindruckt mich die Ansprache einer jungen Studentin, die Ihren Alltag schildert. Um die Mensa betreten zu dürfen, brauche sie ein Zertifikat, um die Bibliothek und schliesslich auch die Uni betreten zu dürfen, brauche sie ein Zertifikat. Und das nenne man Freiheit! Eine Pflegefachfrau schildert die schlimmen Zustände in Spitälern und Altenheimen. Die seien schon längst vor Covid so katastrophal gewesen. Auch während Corona seien Spitäler und Intensivstationen geschlossen worden. Auch vor Corona wären Alte allein und einsam dahingestorben und mit Essen unterversorgt worden. Der Pflegenotstand verschlimmere sich jetzt, weil das Personal wegen schlechter Arbeitsbedingungen den Beruf an den Nagel hänge. Die guten Nachrichten: Der Kanton Waadt hat letzte Woche die Zertifikatspflicht für Studierende aufgehoben. Und es liesse tief blicken, wenn der Bundesrat es nötig hätte, für einige Millionen Franken Anfang November eine nationale Impfwoche auszurufen.
Zuschauende aus Deutschland hinterlassen auf Youtube viele Kommentare. Sie bewundern die Menschen auf dem Berner Bundesplatz und finden, dass der deutsche Michel schlafe. Die Augen der Welt sind auf die Schweiz gerichtet, besonders am 28. November, wenn über das Covid-Gesetz abgestimmt wird. Jemand meint, dies sei die «schönste und beste» Demonstration gewesen. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen daran teilgenommen haben, gehen weit auseinander. Die Zeitungen schreiben mehrere tausend, die Veranstalter meinen 50’000, andere sogar 100’000! Am Schluss, als sich der Menschenstrom Richtung Bahnhof bewegt, flattern viele Tauben über die Köpfe hinweg. Ein Verkehrspolizist lässt sich von einem Kollegen mit Trychler-Glocken fotografieren. Die Polizeisprecherin beeilt sich zu sagen, dass es darum ging, das Gewicht der Kuhglocken abzuschätzen. Es sei keinesfalls ein politisches Statement gewesen. Sogar der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, Reto Nause, ist zufrieden mit dem friedlichen Verlauf der Kundgebung.

Die Schweiz könnte der Welt vorausgehen. Auch auf italienischen, französischen und englischen Youtube-Kanälen werden kurze Ausschnitte von dieser historischen Kundgebung gezeigt und gelobt.

Foto: 100’000 Kürbisse konnte ich nicht auf das Bild bringen!
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 19.10.2021

19. Oktober, Dienstag: «Datenmüll» und Gemeinschaft

Während Ungeimpfte als «gefährliche Sozialschädlinge» beschimpft werden, wird aufgedeckt, dass in Deutschland seit mindestens zwei Monaten die offiziellen Zahlen der Impfquote, Impfdurchbrüche und der hospitalisierten geimpften Krankenhauspatienten nicht stimmen. Auf der Grundlage dieses «Datenmülls», wie der unabhängige deutsche Journalist Boris Reitschuster es nennt, wird das politische Handeln nach wie vor bestimmt. Von offizieller Seite heisst es: »Wir sind noch längst nicht so weit wie Dänemark. An einen Freedom-Day ist nicht zu denken.» Dänemark hat Anfang Oktober die Pandemie für beendet erklärt: Es seien genügend Menschen geimpft, etwa 80%. So wie in Deutschland. Niemand muss mehr eine Maske tragen oder die 3G-Regel einhalten. Seitdem wird ausgelassen gefeiert.

In Singapur, wo 82 % der Bevölkerung geimpft sind, gibt es jetzt so viele Infizierte wie bisher nie. In Israel scheint die Situation ähnlich zu sein. Die offiziellen Medien berichten nicht davon. Im Kanton Zürich nähert sich in den Spitälern der Anteil der doppelt Geimpften in besorgniserregender Weise dem der Ungeimpften an. Trotzdem wird der Bundesrat ab dem 8. November seine Impfoffensive starten.
 
Sogar die WHO hat Covid-19 vor ein paar Wochen als weniger schädlich eingestuft und mit einer mittelschweren Grippe verglichen. Dies hatten namhafte Virologen wie Sonja Pekova oder Infektiologen wie Sucharit Bhakdi bereits vor einem Jahr festgestellt. Sie wurden aber nicht angehört und sogar diffamiert. – Die durchschnittliche Infektionssterblichkeit wurde seit den Studienergebnissen von Prof. Ioannidis der Stanford University, dem sog. «Meistzitierten», herunterkorrigiert auf 0.23% pro 100’000 Einwohner.

Gunnar Kaiser empfiehlt den Blog einer wichtigen Stimme Italiens: Giorgio Agamben. Hier der Link zu dessen Blog:

https://www.quodlibet.it/giorgio-agamben-una-comunit-14-ella-societa

Auf Deutsch übersetzt zu finden auf dem Blog von www.kaisertv.de

und kommentiert auf Youtube:



Der Philosoph Giorgio Agamben kritisiert die Biopolitik, die mit lebensfeindlichen Ideologien eine bewusste Zerstörung des gesellschaftlichen Zusammenlebens betreibt. Italien sei schon lange zu einem «Labor des Westens» geworden. Jetzt sei es wichtig, eine Gemeinschaft innerhalb der Gesellschaft weit ab von jeglicher Bürokratie zu erschaffen.

Foto vom Panoramaweg Rinderhüte bis Mittelstation Flaschen
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 18.10.2021

18. Oktober, Montag: Sonnensturm, Aufbruch, Test und Staunen

Das goldene Oktoberwetter lädt zu Wanderungen ein. Gestern war die Sicht von oben auf die Alpenkette und das Rhonetal wieder sehr klar. Viele Leute waren unterwegs.
Georg ist ausgerutscht und auf die linke Hand gefallen. Hat er so auf das besonders unruhige Erdmagnetfeld reagiert? Vor ein paar Tagen gab es einen sehr starken Sonnensturm, der sich auch auf die Erde auswirkt. Unser Planet antwortet vermehrt mit Vulkanausbrüchen und Erdbeben. Sensible Menschen spüren dies. Die «kosmische Wetterfee» Sonja Ariel von Staden berichtet davon auf ihrem Videokanal bei Youtube.
In der Nacht auf heute hat sich der Zustand von Georgs Hand verschlechtert. Der Arzt in der Leukerbader Reha-Klinik, Herr Dr. A. Dufek, rät zu einer weiteren Untersuchung im Spital in Visp. Dort wird die Hand etwas gezogen und leicht eingegipst. Es ist nichts gebrochen, aber Bänder seien gerissen. Trotz viermal röntgen, könne man nichts Genaues sagen. Acht Wochen lang solle er den Gips tragen. Georg meint, er könne allein nach Hause fahren, ich solle in Leukerbad bleiben.

In zwei Tagen ist Vollmond im Sternzeichen Widder: Diese Energie unterstützt eine Zeit des Aufbruchs. Wir können die Vergangenheit hinter uns lassen. Neue Visionen sind gefragt, die auch realisierbar sind. Zum Wohl der Allgemeinheit. An der Stockwerkeigentümer-Versammlung am letzten Freitag haben wir erfahren, dass Leukerbad endlich die Restwärme der Thermalbäder nutzen will. Es soll eine zentrale Heizungsanlage gebaut werden, um die ganze Gemeinde mit der Restwärme des Thermalwassers zu versorgen. Falls diese nicht ausreicht, soll zusätzlich mit Holzschnitzeln geheizt werden. Welch ein Projekt!
Am 18. September, beim Treffen der Mitglieder der Leukerbader Thermalquellenzunft, hiess es noch, dass nur öffentliche Gebäude und ein paar wenige Hotels von diesem Projekt profitieren würden. Jetzt soll es doch für die ganze Gemeinde gelten! Der Gemeinderat wird am 22. November darüber abstimmen.

Gestern durfte ich wieder den Gottesdienst im evangelisch-reformierten Kirchenzentrum mit meiner Kristall-Lyra begleiten. Die Leute waren sehr dankbar für die beruhigenden Klänge. Das freut mich sehr. Der Pfarrer rief in seiner Predigt zum Staunen auf. Staune über dich selbst, über dein göttliches Wesen! Staune über Jesus! Und bringe andere zum Staunen!

Die Stockwerkeigentümer-Versammlung fand am letzten Freitag im Innenraum eines Restaurants statt. Diesen darf man theoretisch nur mit einem sog. Covid-Zertifikat betreten. Wir haben uns deswegen testen lassen: Georg am 15. und ich am 14. Oktober. Zum Glück ist dies neuerdings in Leukerbad in der Reha-Klinik möglich. Sonst hätten wir mit dem Bus in das im Tal gelegene Susten fahren müssen. Für einen Antigen-Schnelltest müssen wir 55.- Franken bezahlen. Seit dem 1. Oktober sind die Tests für «symptomlose Ungeimpfte» kostenpflichtig. Das in unserem Fall negative Ergebnis gilt für 48 Stunden. Danach könnte das Virus uns befallen. Theoretisch. Das ist eben Wissenschaft. Früher bekam ich ein Zertifikat nach einer bestandenen Prüfung. Es war lebenslang gültig. Alles ist eben relativ.

Die junge tätowierte Praxisassistentin der Arztpraxis in der Klinik stellt sich nicht vor, sondern gibt mir den Befehl, mich auf einen unsympathischen schwarzen Untersuchungsstuhl zu setzen. Ich frage nach ihrem Namen. Sie heisse Jasmin. Dann hält sie ein langes Wattestäbchen vor mein Gesicht und meint: «Wir gehen nicht so tief rein.» Ich frage mich: «Wen meint sie mit ‘wir’?» Ohne weitere Erklärung stochert sie mir nur in meinem linken Nasenloch herum. Wahrscheinlich deswegen, weil mein rechtes wesentlich enger ist. Ich habe nichts dagegen, denn es ist schon so unangenehm genug, da Jasmin kein Gespür für den Druck ihrer Hand hat. Dann soll ich 10 Minuten im Wartezimmer warten. Danach befiehlt sie mir meine Sachen mitzunehmen und ihr zu folgen. Warum? Wohin? Das Ergebnis teilt sie mir nicht mit. Ich denke: «Werde ich jetzt in die Quarantäne abgeführt?» Jasmin geht zu einem Drucker, der ausserhalb der Praxisräume im Flur steht, und druckt zwei Seiten aus. Eine ist das Zertifikat, das andere ein überflüssiges Formular, mit welchem ich theoretisch die 55.- Franken von meiner Krankenkasse zurückfordern könnte. Doch diese wird nichts für den Test bezahlen. Ich schaue mir das Zertifikat mit dem für mich rätselhaften QR-Code an und suche nach dem Resultat. Jasmin sagt: «Es steht alles drauf.» Sie dreht sich um und geht ohne Abschiedsgruss von dannen. Mir als Kundin wird nichts erklärt, ich muss das Papier selbst entziffern. Oben links sehe ich ein graues Wappen – bei einem Farbdruck wäre der Grund rot – mit einem weissen Kreuz, danebensteht «Schweizerische Eidgenossenschaft» in den vier Landessprachen. Rechts oben «Covid-Zertifikat» auf Deutsch und Englisch. Dann folgt «Krankheit oder Erreger: Covid-19, Ergebnis: Nicht erkannt (Negativ), Hersteller: Roche, SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test Nasal, Datum und Zeit der Probenentnahme, Leukerbad Clinic, Schweiz. Links davon prangt ein 62 x 62 mm grosser QR-Code, den ich nicht entziffern kann, weil ich kein Smartphone besitze.   

Ich darf das Zertifikat beim Portier der Reha-Klinik mit Kreditkarte bezahlen.
Es gilt nur, wenn man gleichzeitig eine Identitätskarte vorweist. Ich gehe sofort in die gegenüberliegende Therme, um das Wunderpapier, das trotz dem Ergebnis «nicht erkannt» alle Türen öffnet, auszuprobieren. Die Dame hinter der Plexiglasscheibe bei der Kasse schaut mich kaum an und sagt statt «Guten Tag!» in einem Befehlston nur: «Zertifikat?» Ich halte ihr das Papier hin, sie fotografiert den QR-Code mit ihrem privaten Handy. Nach ihrem «OK!» darf ich die Therme betreten und mich mit Geimpften, Genesenen und den wenigen Getesteten im heilenden Wasser tummeln.

Im «Walliser Boten» lese ich, dass über 200’000 Zertifikate wegen Ungültigkeit zurückgerufen wurden. Auch würden private Daten von Getesteten dank Whats-App in Chat-Gruppen zirkulieren, weil Kontrollpersonen mit ihrem privaten Handy QR-Codes von zu kontrollierenden Gästen gescannt hätten.

Übrigens wurden wir am Freitagabend im Restaurant überhaupt nicht nach unserem Zertifikat gefragt. Niemand von der Versammlung musste etwas vorweisen.

Da kann man nur noch staunen!

Foto vom Panorama-Weg mit Blick auf die Alpenkette
und Text: Petra Dobrovolny     

Mein Tagebuch: 13.10.2021

13. Oktober, Mittwoch: Schweizer Hilfe und Glückwünsche

In der Nacht hat es bis auf 1500 m geschneit. Leukerbad liegt damit zurzeit 100 m unter der Schneefallgrenze.
Der Wind ist heute so stark, dass ich weder in den Wald gehe noch die Seilbahn zum Torrent nehme. Ich geniesse den Sonnenschein auf meiner Terrasse und lese Georgs Post mit für mich gesammelten Zeitungsartikeln und den «Bund». Darin finde ich eine interessante Nachricht: Die Schweiz schickt im Rahmen der WHO-Impfinitiative Covax eine halbe Million Impfdosen von AstraZeneca nach Nigeria, Pakistan, Syrien und Sierra Leone. Dieser Impfstoff ist in der Schweiz nicht zugelassen, der Bund hat davon jedoch 5.6 Millionen Dosen bestellt. Da kann man sich fragen: Warum? Und wer bezahlt das? – Kommentar überflüssig.

Heute erreichen mich verspätete Geburtstagsglückwünsche: «Mögest du bei bester Gesundheit Neues und Wunderbares erleben!» Es fällt mir auf, dass mir etwa seit meinem 60. Geburtstag vermehrt Gesundheit gewünscht wird. Jemand wünscht mir dieses Jahr dazu noch einen «erhellten Geist». Allgemein wird wohl geglaubt wird, dass man im Alter krank und dement wird. Dabei fühle ich mich seit gut zwei Jahren so gesund wie noch nie. Vor allem seitdem ich in Leukerbad wohne: Hahnen- und Thermalwasser sind pestizidfrei, die Luft ist meistens wunderbar, wenn nicht gerade ein Dieselfahrzeug vorbeifährt! Ich kann hier frei atmen und die Ruhe geniessen, wenn nicht gerade Helikopter Verunfallte retten oder Baumstämme transportieren.
Georg meint, dass ich mindestens hundert werde. 

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 08.10.2021

08. Oktober, Freitag: Fantasiewelt?

«Der Bund» berichtet von der gestrigen Demo, dass etwa 500 teilgenommen hätten. Zeitweise seien Wasserwerfer und Gummischrot eingesetzt worden. Georg meint: «Die Anzahl der Teilnehmenden stimmt sicher nicht. Warum sollte die Polizei so massiv gegen ein paar hundert Leute vorgehen?» Die Zeitung zitiert einen Passanten: «Die leben in einer Fantasiewelt.» Und nimmt diese Aussage als Schlagzeile für den Artikel auf Seite 21. Geschäftsleute und Pendler*innen hätten kein Verständnis und keine Geduld mehr mit den von den Demos verursachten Störungen. Dies scheint eine sehr einseitige Berichterstattung der Zeitung zu sein. Georg erfährt von einem Freund, der mit einem Demo-Teilnehmer sprechen konnte, dass die Polizei und nicht die Demo-Teilnehmenden mit der Gewalt angefangen haben. Das Video eines Demonstranten hält die Szene fest.

Georg fragt sich, woran man die Wirkung der Impfung eigentlich merke. Jetzt werden keine Geimpften mehr getestet. Er meint, wahrscheinlich an den Nebenwirkungen wie zum Beispiel Gürtelrose? Ein Freund erzählte ihm, er habe nach der zweiten Dose Gürtelrose bekommen und dies seiner Ärztin gesagt. Diese hätte nur lakonisch gemeint: «Das ist normal. Alle reagieren so.»

Youtube löscht jetzt alle Videos, auf denen die Impfstoffe kritisiert werden. Die Begründung: Es handle sich um medizinische Fehlinformationen. Wissenschaftler*innen stellen auf inoffiziellen Video-Kanälen fest: «Natural immunity is likely better than Covid-vaccination.»

Die dritte Impfwelle hat Israel erfasst. Vorläufig sagt das Schweizer Bundesamt für Gesundheit: «Die wissenschaftliche Grundlage dafür sei – noch nicht – gegeben.» In Leserbriefen und Zeitungsartikeln wird das langsame Tempo bei der Freigabe der 3. Impfung kritisiert.
Mein Bruder ist nach Spanien geflogen und musste im Flugzeug einige Formulare ausfüllen und genaue Auskunft über seine Gesundheit geben. Nach der Ankunft wurden alle Papiere genau kontrolliert. In Spanien ist die Bevölkerung zu etwa 80 % geimpft. Trotzdem tragen die meisten ihre Maske auch an frischer Luft und halten untereinander Abstand.

Foto: Hofladen Chutze in Bremgarten

und Text: Petra Dobrovolny


Gunnar Kaiser sagt auf seinem neusten Videobeitrag auf Youtube: «Was ich einsehen musste»:

Mein Tagebuch: 07.10.2021

07. Oktober, Donnerstag: Ein Leserbrief

Es ist wieder mal Zeit für einen Leserbrief. Georg schreibt zum Thema General-Verdacht, Eigenverantwortung und Vertrauen:

«Von Eigenverantwortung ist sowohl von behördlicher wie auch von medialer Seite keine Rede mehr, von der Stärkung der Immunität auch nicht. Die natürlichen Abwehrkräfte scheinen als Thema schon längst Tabu zu sein.

Warum gilt der Covid-Selbsttest nicht als Basis für ein Zertifikat so wie u.a. in einigen EU- Staaten? Wenn ich mich vor einem Anlass selbst teste, kann ich entscheiden, dass ich nicht hingehe, falls der Test positiv ausfällt.

Warum soll ich in einer Warteschlange vor einem Testzentrum stehen? Gerade dort könnte ich mich anstecken, der Test wäre gerade mal noch negativ. Das Zertifikat gilt dann aber auch später, wenn ich positiv wäre.

Anstatt dass der Bundesrat mündigen und selbständigen Bürgerinnen vertraut und sie fördert, klagt er, dass das Testen zu viel koste, und gleist für viel Geld eine ‘Impf-Offensive’ auf, die wir dann alle bezahlen werden. Gegen wen wird Krieg geführt?

Die Regierung, wie jeder Staat, der seinem Volk misstraut, wundert sich, wenn das Volk der Bürokratie und der Führung kein Vertrauen mehr schenkt bzw. schenken wird.»

Heute wird in Bern wahrscheinlich wieder friedlich für Freiheit und Demokratie demonstriert. Der oberste Polizeichef sagt, dass die Polizei bestens darauf vorbereitet sei. Die Demonstrierende seien zunehmend gewaltbereit und müssten mit hohen Bussen rechnen. «Der Bund» vom 5. Oktober schreibt auf der Seite 19: Das Zertifikatstheater solle endlich aufhören, die Demonstrierenden sollten mal zu Hause bleiben und eine Denkpause einlegen. Wir fragen uns: Ist es die Aufgabe von Journalisten und Journalistinnen zu moralisieren und anderen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben?

Ab dem 11. Oktober werden die Tests für Ungeimpfte ohne Symptome, die letztes Jahr noch als sinnlos betrachtet wurden, nicht mehr kostenlos sein.

Foto: Heiliggeistkirche in Bern
und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 02. 10.2021

02. Oktober, Samstag: Demos – zwei Städte, zwei Welten

Am letzten Donnerstag fand zum dritten Mal in der Folge in Bern eine nicht-bewilligte Demo für Freiheit und Demokratie statt. Skandiert wurde: «Liberté! Liberté! Liberté!» oder «Friede! Freiheit! Das Volk ist der Souverän!» Die Polizei verhaftete jeweils gezielt Leute, die zur Demo aufgerufen hatten. Sogar Trychlern wurden ihre Kuhglocken für 48 Stunden konfisziert. Tränengas wurde eingesetzt gegen friedlich Demonstrierende, die die Schweizer Fahne, eine rote Broschüre mit der Schweizer Verfassung oder Kerzen und Blumen in den Händen trugen. Gewaltbereite Mitglieder der autonomen Szene der Berner Reitschule, die vor allem bei der ersten Demo mit Feuerwerkskörpern und Flaschen die Polizei angegriffen hatten, waren bei der letzten Demo nicht mehr zu sehen. Lifestreams sind auf Youtube u.a. auf den Kanälen von Sabine Seibold und Yves the Chief zu sehen.

Die Stadt Zug hingegen hat für heute eine solche Demonstration bewilligt. Die Begründung lautet: «Die Demonstrations- und Meinungsfreiheit soll immer gewährleistet sein, weil es ein Grundpfeiler der Demokratie ist. Eine Kundgebung darf nicht rassistisch respektive hetzerisch oder die öffentliche Sicherheit gefährden. Wäre der Anlass als Event geplant, hätten die Veranstalter das 3G-Prinzip beziehungsweise die Zertifikats- und Maskenpflicht einhalten müssen. Da es sich aber um eine politische Kundgebung handelt, ist der Anlass von diesen Regeln nicht betroffen, da sonst nicht jeder teilnehmen könnte und somit das Recht auf freie Meinungsäusserung nicht gewährleistet wäre.» Quelle: Gratisblatt «20minuten» vom 29.09.21
Damit hält sich die Stadt Zug an den Entscheid des Schweizer Bundesgerichts.
Man könnte meinen, dass Bern und Zug nicht in demselben Land liegen.
Foto: Gartenzwerge in Leukerbad
undText: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30. 09.2021

30. September, Donnerstag: Bunte Träume werden verboten

Es wird immer absurder! Die Logik bleibt bei den Massnahmen auf der Strecke. Seit dem 18. September gilt die erweiterte Zertifikatspflicht. Den Restaurants sind seit zwei Wochen bereits 20% ihrer Kundschaft weggeblieben. Im Frühjahr 2020 war die offizielle Meinung, es sei sinnlos, Leute ohne Symptome zu testen. Nun müssen sich «Symptomlose» aber testen lassen, wenn sie ins Kino oder Restaurant gehen wollen. Gemäss einer Umfrage finden es Geimpften ungerecht, wenn sich Ungeimpfte kostenfrei testen lassen können. Die Kosten würden dann via Steuerrechnung auch auf die braven Geimpften verteilt.
Der Bundesrat beschliesst nun definitiv, dass Corona-Tests für Leute ohne Symptome ab dem 11. Oktober zahlungspflichtig sein sollen. Einmal Geimpfte erhalten eine Frist bis Ende November. Bis jetzt sind 58% der Bevölkerung doppelt geimpft. Damit liegt die Schweiz in Europa an letzter Stelle. Aus den Radionachrichten erfahre ich, dass eine neue «Impf-Offensive», die 150 Millionen Franken kosten soll, beschlossen wurde: 170 zusätzliche Impfbusse sollen durch Stadt und Land touren. Und eine Person, die eine andere zu einer Impfung überzeugt, erhält ab sofort einen Restaurant-Gutschein in einer Höhe von 50 Franken. Ein politisches Zückerchen für die leidende Gastronomie-Branche. Der «Blick» vom 2. Oktober lobt Alain Berset für diese unkonventionelle und originelle Idee. – Georg meint: «Sind jetzt alle käuflich? Warum sind Anreize nötig, wenn die Impfung wirklich so fantastisch sein soll?» – Der «Walliser Bote» vom 1. Oktober bemängelt, dass die Zahl der Impfwilligen nach einem kurzen Hoch unmittelbar nach der Erweiterung der Zertifikatspflicht wieder dramatisch sinken würde.

Meine Träume reagieren auf diese immer absurder werdenden und nicht enden wollenden Bestimmungen der Regierung über das öffentliche und private Leben. Es wird mir gesagt: «Bunte Träume sind verboten. Ab jetzt dürfen alle Menschen nur noch schwarz-weiss träumen.»

Foto: Dala-Schlucht in Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny