Mein Tagebuch: 07.11.2021

07. November, Sonntag: Zermatt, die Bundesverfassung und das Matterhorn

Am Freitag, den 29. Oktober wurde in Zermatt der Wirt der Walliser Kanne und seine alten Eltern mit einem grossen Polizeiaufgebot mit Gewalt verhaftet. Es handelt sich um eine unbescholtene und angesehene Wirtsfamilie, die nach der letzten Ausweitung der Zertifikatspflicht alle Menschen als Gäste in ihrem Restaurant willkommen heisst. Der Wirt und seine Eltern mussten eine Woche im Gefängnis Brig verbringen und wurden wie Schwerverbrecher behandelt. Niemand durfte sie besuchen. Die Freiheitstrychler versammelten sich vor dem Gefängnis und bekundeten mit ihren Kuhglocken ihre Solidarität mit der Familie. Das Geläut dringt auch durch Gefängnismauern! Ausserdem führten die Trychler in Zermatt gemeinsam mit der Jugendbewegung «Massvoll» einen Schweigemarsch bis zur Walliser Kanne durch, legten dort Sonnenblumen nieder und zündeten Friedhofskerzen an.

Gestern war ich mit meiner Freundin in Zermatt. Ursprünglich war eine friedliche Demo angesagt worden, doch die Wirtsfamilie hatte gebeten davon abzusehen. Sie müsse sich erst einmal von dem Schock erholen. Die Grabkerzen stehen oder liegen teilweise noch beim Eingang. An der Türe hängt eine Bekanntmachung: Auf Anordnung der Polizei bleibt das Restaurant vom 29.10. bis zum 12.11.2021 geschlossen, gemäss Artikel soundso vom Strafgesetzbuch. Daneben hängt immer noch das Plakat der Wirtefamilie: «Wir respektieren ALLE Menschen auch ohne Zertifikat. Vielen Dank.» Dies scheint bereits ein Straffall zu sein.

Während ich fotografiere, kommt eine ältere Passantin zu uns und meint: «Das isch e Schand!» Meine Freundin und ich pflichten ihr bei, bis wir merken, dass sie es anders meint als wir: Was der Wirt getan hätte, sei eine Schande, nicht was die Polizei … Und dann noch diese Kerzen, als sei jemand gestorben. Ich sage, die Demokratie sei wohl gestorben, die Verhaftung sei gegen die Verfassung. Doch die Frau geht kopfschüttelnd davon.

Zur Erinnerung zitiere ich hier die Präambel sowie Artikel 1 und 2 der Schweizer Bundesverfassung, deren neue Formulierung das Stimmvolk im Jahre 1999 angenommen hatte:

«Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone, in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Ein­heit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegen­über den künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht, und dass die Stärke des Vol­kes sich misst am Wohl der Schwachen,

geben sich folgende Verfassung:

Art. 1 Schweizerische Eidgenossenschaft

Das Schweizervolk und die Kantone Zürich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Obwalden und Nidwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel-Stadt und Basel-Land­schaft, Schaffhausen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden, St. Gal­len, Graubünden, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neuenburg, Genf und Jura bilden die Schweizerische Eidgenossenschaft.

Art. 2 Zweck

1 Die Schweizerische Eidgenossenschaft schützt die Freiheit und die Rechte des Volkes und wahrt die Unabhängigkeit und die Sicherheit des Landes.

2 Sie fördert die gemeinsame Wohlfahrt, die nachhaltige Entwicklung, den inneren Zusammenhalt und die kulturelle Vielfalt des Landes.

3 Sie sorgt für eine möglichst grosse Chancengleichheit unter den Bürgerinnen und Bürgern.4 Sie setzt sich ein für die dauerhafte Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen und für eine friedliche und gerechte internationale Ordnung.»

Ausserdem steht dort auch noch: Jeder Mensch hat das Recht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit.

Meine Freundin und ich fahren weiter mit der Zahnradbahn auf den Gornergrat. Von dort, auf 3100 m, hat man einen wunderbaren Blick auf das Matterhorn mit 4478 m. Kurz nach 13 h kommen wir an. Die Sonne steht genauso, wie meine Freundin es sich gewünscht hat. Sie stellt ihr grosses Stativ auf und montiert professionell die Kamera. Wir haben Glück: Es ist ein Tag mit prächtigem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel. Der kalte Nordwind wird erst nach 15 h einsetzen. Eine Frau meint im Vorbeigehen: «Wenn man diese Naturwunder betrachte, vergisst man das Theater in der ganzen Welt!» Die schneedeckten Alpen bieten einen überwältigenden Anblick, als wollten sie sagen: «Was ist nur mit den Menschen los? Zum Glück gibt es noch solche, die sich Zeit nehmen, um uns zu bewundern!» Das Matterhorn zeigt für eine kurze Zeit seine Sonnen- und Schattenseite, getrennt durch eine scharfe Kante.

Foto: Das Matterhorn vom Gornergrat aus gesehen
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30.10.2021

30. Oktober, Freitag: Eine Botschaft

Der goldene Oktober dauert in den Bergen noch an, über dem Mittelland liegt meistens Nebel.
In der Nacht ist mir Jesus im Traum erschienen. Er trug ein weisses Gewand und war barfuss. Die Innenseite seiner Hände war in meine Richtung gekehrt, so dass ich die bekannten Wunden in seinen Handmitten sehen konnte. Er stand in etwa 4 m Abstand vor mir, schaute mich an und sagte, ich solle folgende Botschaft an die Menschen weitergeben: «Habt keine Angst in diesen Zeiten des Wandels! Denn sehet, ich bin euch vorausgegangen und habe das Kreuz überwunden. Ihr habt getan, was ich gesagt habe: Ihr habt euer Kreuz auf euch genommen und seid mir gefolgt. Ich bin auferstanden. Ihr werdet es auch! ICH BIN der Weg, die Wahrheit und das Leben.»    

Foto: Waldkapelle bei der Torrentalp
und Text: Petra Dobrovolny