Mein Tagebuch: 31.03.2022

31. März, Donnerstag: Das Ende der Corona-Krise in der Schweiz und ein fehlendes Gericht

Am letzten Sonntag bin ich von der Walliser Schneelandschaft in den Berner Frühling gefahren. In unserem Garten blühen Tulpen und Osterglocken. Georg hat zu meiner Begrüssung fast 2 m lange Forsythien-Zweige in einer grossen Vase neben unseren Esstisch gestellt. Ihr leuchtendes Gelb strahlen sie in den Raum. Am Montag, ein warmer Frühlingstag, hat eine Familie, die am Anfang unserer Strasse wohnt, zum „Magnolien-Apéro“ eingeladen. Ein riesiger Magnolienbaum nimmt fast ihren ganzen Garten ein. Er fühlt sich sichtlich geehrt, als gut 40 Erwachsene und Kinder ihn bestaunen und ihm mit Champagner und Apfelsaft zuprosten. Zum Sonnenuntergang verströmt er das zarte Rosa seiner Blüten noch einmal mit voller Kraft, bevor er sie für die Nacht leise schliesst. Alle sind dankbar für dieses heitere und ungezwungene Zusammensein, das in den letzten zwei Jahren wegen Corona nicht möglich war.

Der Bundesrat erklärt für heute Mitternacht die „besondere Lage“ wegen Corona für beendet. Die „Zahlen“ sind nach wie vor sehr hoch, aber die Intensivstationen sind schon seit längerem nicht überlastet. Die Lage in den Spitälern ist nicht wegen Covid-Erkrankungen angespannt, sondern weil das Personal fehlt oder krank ist. Der Bundesrat bezeichnet die kommende Zeit als eine „Phase der Vorsicht“. Masken- und Isolationspflicht nach einem positiven Test fallen weg, Zertifikate im Inland sind schon seit dem 16. Februar abgeschafft. Für Auslandsreisen werden sie auf Wunsch erstellt. Die Taskforce wird zwei Monate früher als geplant aufgelöst. Ihr Vizepräsident sagt heute bei einem Radio-Interview, es gäbe etwa vier Coronavirus-Varianten, mit denen wir auch in Zukunft leben müssten und auch könnten. Sie würden eine Art Grippe verursachen. Ich staune. Bis vor kurzem hätte man eine solche Aussage als „Verschwörungstheorie“ bezeichnet.

„Corona ist nun Sache der Kantone“, schreibt „Der Bund“ von heute und weiter: „Die Hürde für die Ausrufung einer besonderen Lage, die in den ersten Wochen der Pandemie und vom 29. Juni 2020 bis Ende März 2022 galt, setzt der Bundesrat hoch an. … Damit der Bundesrat noch einmal nationale Massnahmen beschliesst, müsste eine höhere Belastung des Gesundheitssystems drohen, als es in den bisherigen Wellen der Fall war.“  Man lese und staune: Die potenziellen Patient:innen müssen sich der aus wirtschaftlichen Gründen reduzierten Betten- und Personalkapazitäten anpassen.
Forscher:innen warnen: Das Virus müsste unbedingt auch weiterhin beobachtet werden. Doch wer bezahlt das? Die Gensequenzierungen, die die vorhandenen Virusvarianten bestimmen, und die Abwasseruntersuchungen, die darüber Auskunft geben, wo wie viele Menschen infiziert sind, müssen vom Bund noch finanziell geregelt werden. Und was passiert mit den 15 Millionen Impfdosen, die die Schweiz noch bestellt hat? Fast niemand möchte sich mehr impfen lassen, sondern lieber einen Beitrag für die Entwicklungshilfe leisten.

Georg geht wie jeden Donnerstag zum Dorfmarkt. Den griechischen Stand von „greekfood“ betreut heute ein Freund von Jorgos. Auf Georgs Frage, was er denn sonst mache, antwortet Athanasios, dass er in Genf lebe und Rechtsanwalt für Völkerrecht sei. Es kommt zu einem Gespräch über das Budapester Abkommen aus dem Jahre 1994: Damals verzichteten die Ukraine, Belarus und Kasachstan auf ihre atomaren Waffen. Im Gegenzug wurden ihnen die bestehenden Landesgrenzen garantiert. Mitunterzeichnende waren Russland, die USA, GD, Frankreich und später auch China. Georg fragt Athanasios, warum im Falle eines Vertragsbruchs, wie dies vor ein paar Jahren bei der Annexion der Krim und wie dies jetzt seit dem 24. Februar mit dem russischen Invasionskrieg in die Ukraine der Fall ist, niemand vor Gericht käme. Die erstaunliche Antwort des Juristen lautet: „Es gibt dafür kein zuständiges Gericht!“ Georg kann nicht fassen, dass es ein Abkommen geben kann, ohne dass ein Gericht bei dessen Verletzung zuständig wäre, und ermuntert Athanasios ein solches aufzugleisen.

Foto und Text: Petra Dobrovolny    

Mein Tagebuch: 19.03.2022

19. März, Samstag: Das Leben ist ein Tanz – mein eigener Weg

Heute hätte die weltberühmte Ballerina Margot Fonteyn ihren 100. Geburtstag. Gestern sah ich auf dem Youtube-Kanal „Arte“ einen Dokumentarfilm über ihr Leben und erinnerte mich daran, dass ich einmal Tänzerin werden wollte. Margot Fonteyn war für mich ein grosses Vorbild. Als ich 15 Jahre alt war, führte ihr „Royal Ballet“ im neuen Stadttheater von Luxemburg „Schwanensee“ auf. Sie tanzte zusammen mit Rudolph Nurejew.  Es war atemberaubend, ich kann mich noch genau daran erinnern. Sobald Margot Fonteyn die Bühne betrat, verschwanden ihre Ich-Grenzen. Mit ihrer Energie füllte sie nacheinander den Bühnenraum, den Orchestergraben und schliesslich den gesamten Zuschauerraum aus. Man sah ihr nicht einfach zu, wie sie tanzte, sondern man tanzte in ihr. Der sterbende Schwan starb nicht getrennt vom Publikum auf dem Boden der Bühne, sondern das Publikum starb mit. Wenn Nurejew dazukam, bildeten beide im Pas de Deux eine Energiekugel von Liebe, Sehnsucht und Verzweiflung, die bald einmal auf das Publikum überschwappte. Der russische Tänzer hatte eine unglaubliche Bühnenpräsenz und eine grosse Leidenschaft. Während dieser Aufführung vergass ich die Welt um mich herum.

Der Dok-Film rief in mir viele Erinnerungen an mein eigenes Tanzen wach. Die Namen der Tanzschritte aus dem Film kenne ich immer noch, die Musik von Tschaikowsky und die Choreografie lassen mich immer noch dahinschmelzen. Das Leben ist ein Tanz. Vom 4. bis zum 17. Lebensjahr besuchte ich den Unterricht im klassischen Ballett in Luxemburg nach dem Programm der Royal Academy of Dance in Covent Garden, London. Margot Fonteyn war damals die Direktorin.
Meine „Tanzgeschichte“ begann so:
Als kleines Kind war ich sehr schüchtern und ängstlich. Meine Mutter dachte, dass Ballett mir guttun würde, und ich erhielt ab dem Alter von 4 Jahren Unterricht im klassischen Tanz. Meine Lehrerin hiess Stenia Zapalowska und kam ursprünglich aus Polen. Ihr Hintergrund war das klassische Ballett der Kiewer Schule und sie kannte die berühmten Choreografien von Balanchine und weiteren Russen. Vor allem hatte sie eine Gabe mit Kindern umzugehen, alle liebten sie. Sie war „unsere“ Madame Zapalowska. Zum grössten Teil unterrichtete sie nach dem Programm der Royal Academy of Dance. Alle zwei Jahre kam aus London eine Inspektorin, um uns Schülerinnen zu prüfen. Hatte man bestanden, gab es ein Diplom für den betreffenden Grad. Es gab 5 Grade oder „Degrees“ des „primary level“, der Grundausbildung. Danach konnte man noch drei Prüfungen des professionellen Niveaus absolvieren und mit der Bühnenreife abschliessen. Einmal im Jahr führte Madame Zapalowska den Eltern und Bekannten ihrer Schüler:innen vor, was wir gelernt hatten. Diese Aufführung fand die ersten Jahre noch im alten Luxemburger Stadttheater statt. Die Kostüme wurden ausprobiert, die Musik ab Tonband, die Bühnenbeleuchtung. Der Bühnentechniker erklärte uns alle Knöpfe auf der grossen hölzernen Schalttafel. Wir durften auch selbst mal den Vorhang bedienen. Am lustigsten war ein weisser Emailknopf mit der schwarzen Aufschrift: „Vent“. Drückte man darauf, erklang das Geräusch des Windes, der sich je nach Wunsch noch verstärken liess. Einen Knopf für den Regen gab es auch. Schon als kleines Kind wurde mir klar: Auf einer Bühne kann man den „Lieben Gott“ spielen und die ganze Schöpfung in Bewegung setzen. So ein Spass! Auch den Geruch der schweren Samtvorhänge werde ich nie vergessen. Lampenfieber kannten wir kaum, wir freuten uns, unsere Künste zu zeigen. Dafür setzte sich unsere Madame Zapalowska umso mehr unter Leistungsdruck und konnte die Nacht vor einer solchen Aufführung vor Migräne nicht schlafen. Sie verwechselte dann schon mal die Reihenfolge der Kostüme, die wir für die verschiedenen Tänze anziehen mussten. Doch wir bemerkten dies immer und brachten es wieder in Ordnung. Später gab es ein neues Stadttheater mit einer sehr grossen und einer kleineren Bühne, auf welcher wir tanzten. Diese war zwar technisch besser und praktischer eingerichtet, hatte aber nicht die Magie des alten Theaters.

Meine Mutter machte mir bald einmal klar, dass eine Tänzerin ihre Bühnenkarriere höchstens bis zum 27. Lebensjahr verfolgen könne. Danach bliebe ihr nur noch übrig Ballettlehrerin zu sein. Das sei doch nichts für mich. – Eine kleine Nebenbemerkung: Margot Fonteyn trat im Alter von 60 Jahren von der Bühne ab. Doch ich bildete mir nicht ein ihr Format zu haben. – Ausserdem, meinte meine Mutter, sollte ich mich im Abiturjahr besser auf den Schulabschluss konzentrieren. Dieser sei nämlich für meine Zukunft entscheidend und nicht der Tanz. – Nun, auch eine Mutter kann nicht alles im Voraus wissen. – Ich bettelte so lange, bis mir doch noch eine Stunde pro Woche gewährt wurde. Meine Madame Zapalowska unterrichtete mich zusätzlich ab und zu heimlich und kostenlos, denn ich wollte mit dem 5. und letzten Grad unbedingt die Grundausbildung noch während meiner Zeit in Luxemburg – noch vor dem Studium an der Universität Zürich – abschliessen. Die Gebühren für die Prüfung mit der englischen Inspektorin bezahlte ich von meinem Taschengeld und erzählte meinen Eltern erst davon, als ich ihnen das Diplom zeigen konnte. Nach 13 Jahren hiess es Abschied nehmen, und meine Lehrerin schenkte mir eine Schallplatte mit Klaviermusik zu einer klassischen Ballettstunde mit Übungen an der Stange und in der Mitte des Raumes.

Nach dem Abitur an der Europa-Schule in Luxemburg zog ich im Alter von gerade 18 Jahren zum Studium in die Schweiz nach Zürich. Dort besuchte ich ein paar Mal die Lektionen im klassischen Ballett des Sportzentrums der Uni. Doch der Unterricht war sehr unpersönlich und machte mir keinen Spass. Theoretisch hätte ich mir eine passende Ballettschule suchen und in drei Jahren die Bühnenreife als professionelle Tänzerin erwerben können. Das Diplom der Grundausbildung hatte ich bereits in der Tasche. Doch ich wollte meine Spitzenschuhe an den Nagel hängen und lieber barfuss den Boden erkunden, anstatt mich von ihm abzuheben. Der moderne Tanz nach Martha Graham war damals beliebt und in Mode, und im Zürcher Opernhaus sah ich davon viele Vorstellungen mit Gruppen aus den Niederlanden, jene von Maurice Béjart damals noch aus Belgien, und den USA. Als Studentin konnte ich mir oft einen Stehplatz ganz oben in der Galerie des berühmten Hauses zu nur einem Schweizerfranken ergattern.
Bald einmal fand ich die Tanzschule von Charlotte Müller. Sie war u.a. von Sigurd Leeder, dem deutschen Tänzer, Pädagogen und Choreografen, ausgebildet worden, welcher auch bei Rudolf von Laban gelernt hatte. Von Laban hatte eine Zeichenschrift erfunden, mit welcher man die Choreografien des modernen Tanzes festhalten konnte. Dies war sehr hilfreich, denn im Unterschied zum klassischen Ballett haben die Schritte und sonstigen Bewegungen im „Modern Dance“ keinen genauen Namen. Es folgten für mich wichtige Lehrjahre des Spürens und Forschens nach meinen eigenen Bewegungen, die sich aus mir heraus entwickeln und sich Raum nehmen wollten. Die Lehrerin machte fast nie etwas vor, was die Schüler nachmachen sollten, sondern sie unterstützte die eigene Suche und begleitete diesen Weg. Das Ziel war keine Vorführung vor einem Publikum. Das Ziel waren der Weg und die Freude über einen stimmigen Ausdruck.
Ein- oder zweimal nahm ich an einem einwöchigen Seminar an der School of Dance von Sigurd Leeder in Herisau teil. Er war damals ein mürrischer alter Mann – er starb im Jahre 1981 -, aber wenn er unterrichtete, blühte er auf und wurde zum Schöpfergott.
Mein Weg führte mich weiter über die Gestalttherapie nach Fritz Pearls und dem „Sensory Awareness“, der gespürten Achtsamkeit nach Charlotte Selver, der Eutonie nach Gerda Alexander bis hin zu Seminaren in Tanztheater bei Katya Delakova und ihrem Partner, dem Musiker und Komponisten Moshe. Die Schweizer Tanztherapeutin Trudi Schoop lernte ich kennen und fragte mich, ob ich eine längere Ausbildung mit Abschluss bei ihr absolvieren sollte. Es kam nicht dazu. Ich musste das quirlige Zürich der siebziger Jahre verlassen und nach St. Gallen umziehen. Georg musste wegen der bevorstehenden Einbürgerung dort noch mindestens zwei Jahre wohnen bleiben. Und als brave Ehefrau konnte ich nach Meinung der damaligen Einbürgerungsbehörde nicht länger von ihm getrennt in Zürich leben. Es kursierten die seltsamsten Anekdoten über den Weg zur Erlangung des schweizerischen Bürgerrechts. Mit dem bekannten Komiker Emil Steinberger in der Hauptrolle als „Einbürgerungsbeamter“ gab es sogar den Film „Die Schweizermacher“ darüber. Auch wir können darüber eine Geschichte erzählen. Davon ein anderes Mal.
An der Migros Klubschule in St. Gallen konnte ich für 30.- Franken im Monat einen Tanzraum mieten, in welchem ich fast täglich eine Stunde lang meinen eigenen Tanz erforschte. Ich genoss die Zeit und den grossen leeren Raum mit mir allein. Nach ein paar Monaten fragte mich eine Assistentin der Klubschule, bei welcher ich jeweils den Schlüssel für den Raum abholte, was ich denn eigentlich dort mache. Als ich ihr von meiner „Forschungsarbeit“ erzählte, war sie beeindruckt und hatte die Idee, dass ich doch mal innerhalb des Klubschulprogramms einen Kurs für Erwachsene anbieten könnte. Zu meinem Erstaunen war mein erster Kurs „Auf dem Weg zum eigenen Tanz“ ausgebucht, bald konnte ich zwei, dann drei Gruppen Erwachsene im Alter von 20 bis 70 Jahren unterrichten. Die Nachfrage war so gross, weil viele sich nicht nach einem von einer Tanzlehrerin festgesetzten Programm ausrichten, sondern eigene Bewegungsfolgen ohne fremde Bewertung entdecken wollten. Meine eigene Freude wirkte dabei ansteckend und ermutigend. Fünf Jahre lang gab ich diese Kurse, bis der Lebenstanz Georg und mich dazu aufforderte, nach einem „Umweg“ über die USA nach Bern umzuziehen.
Mein Tanz nahm eine andere Richtung, als ich Prof. Ilse Middendorf kennenlernte. 1983 fand ich in einer Fachzeitschrift für Gestalttherapie einen Artikel von Ilse Middendorf über den „Erfahrbaren Atem“ und die Suche nach dem eigenen Atemrhythmus. Davon fühlte ich mich sehr angesprochen, musste aber enttäuscht feststellen, dass das Institut eine Berliner Adresse hat und zu der damaligen Zeit nur Vollzeitausbildungen anbot. Für mich war dieser Weg aus finanziellen und geografischen Gründen nicht möglich. Ein paar Tage später schlug ich den „Tagesanzeiger“ genau auf der Seite eines Inserates auf, welches für meine nächsten drei Lebensjahrzehnte wegweisend wurde. Ilse Middendorf gab damals ihren ersten einwöchigen Kurs in Zürich. Ein paar Jahre später begann ich eine berufsbegleitende Ausbildung im Ilse-Middendorf-Institut im Odenwald. Es wurde von ihrem Sohn Helge und ihrer Schwiegertochter Veronika geleitet. Die Methode beinhaltet einerseits eine körperliche Behandlung, bei welcher der Klient oder die Klientin auf einer Liege liegt und mit verschiedenen therapeutischen Griffen, die den Atemfluss im ganzen Körper fördern, behandelt wird. Für einen Zuschauenden mag dies wie eine Massage aussehen, allerdings muss sich dazu die behandelte Person nicht ausziehen. Andererseits zählen zur Methode des „Erfahrbaren Atems“ Übungen, die selbständig im Sitzen oder Stehen ausgeführt werden. Die Kurse, die dazu angeboten werden, tragen oft den Titel „Atem und Bewegung“. Im Jahr 1991 schloss ich die Ausbildung zur Atemtherapeutin ab, 20 Jahre lang unterrichtete und behandelte ich nach dieser Methode. Hauptsächlich geht es darum, den eigenen Atemrhythmus und die eigenen Bewegungen „aus dem Atem“ zu finden. „Das Eigene zu finden“ scheint für mich ein Lebensmotto zu sein. Ich fand meine eigene Therapiemethode, indem ich Atemtherapie nach Ilse Middendorf und Traumanalyse nach C.G. Jung miteinander kombinierte. Über diese Arbeit habe ich zwei Bücher* veröffentlicht. Während ich das erste schrieb, meinte Ilse Middendorf, dass sich ihre Methode nicht mit der analytischen Psychologie nach Jung verbinden liesse. Ich schenkte ihr dann ein Exemplar, und sie erzählte mir, dass sie es zweimal mit grosser Freude gelesen und ihre Meinung geändert hätte.

* 1. „Lass mich atmen!“ Selbstwerdung und Sinnfindung durch Traum und Atem.

2. Eine Rose für Aschenputtel. Ein Weg zur Selbstachtung.

Beide Bücher sind vergriffen und manchmal noch antiquarisch erhältlich. Deswegen habe ich die Kerngeschichte und Quintessenz noch einmal überarbeitet und 2020 im Erzählsammelband
„Riskante Fahrt in die Sahara“, hrsg. Literaturpodium in der Edition Dorante, Berlin, publiziert.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17.03.2022

17. März, Mittwoch: Saharastaub, Solunate und Kriegstrauma

Seit drei Tagen verdeckt der Saharastaub auch die Walliser Sonne, taucht alles in gedämpftes safrangelbes Licht und lässt sich auf der grünen Gartenbank auf der Dachterrasse nieder. Mein griechischer Oregano hat den Winter überstanden und streckt seine ersten hellgrünen Blättchen aus der Erde. Im Flachland macht sich der Frühling schon stärker bemerkbar. Georg schickt mir per Post ein paar Blätter Bärlauch, den er in Bremgarten am Hang zur Aare pflückt. Seiner linken Hand geht es langsam besser, belasten kann er sie immer noch nicht. Zum Schutz trägt er manchmal noch eine Orthese, eine abnehmbare Schiene, die das Handgelenk stabilisiert, wenn er zum Beispiel bei der Gartenarbeit oder beim Einkauf beide Hände gebrauchen muss. – Ihr erinnert euch: Georg war am 17. Oktober in Leukerbad ausgerutscht und hatte sich mit der linken Hand aufgefangen. Innerhalb von vier Wochen wurden Unterarm und Handgelenk 12mal geröntgt. Kein Arzt wollte sich nicht auf eine Diagnose festlegen oder eine Operation empfehlen. Doch die Wirkung der geballten Ladung an Röntgenstrahlen war eine schwere Verbrennung der Haut, und das Handgelenk konnte sich bis jetzt noch nicht regenerieren. – In den letzten Monaten waren viel Zeit und Geduld wichtig. Georg wandte kalte Wickel an, badete den linken Arm mit Meersalz und trug immer wieder verschiedene Salben zur Heilung der Verbrennung auf, vor allem Zinksalbe. Die Radioaktivität musste Georg unbedingt so schnell wie möglich ausleiten, damit sie keinen weiteren Schaden anrichten konnte. Die Verbrennung verbreitete sich auch auf den rechten Arm. Es war, als ob dieser mithalf, den Schaden zu heilen. Dies erinnerte mich daran, was ich einmal in einem Seminar über Anwendungen und Wickel mit dem Heilgestein AION A aus der Emma-Kunz-Grotte bei Würenlos gelernt hatte: Mit einem Wickel lässt sich auch das Gelenk behandeln, welches dem betroffenen Gelenk gegenüberliegt. Im Verlauf des Februars schälte sich die verbrannte Haut beider Arme. Es bildete sich eine neue, zunächst noch sehr empfindliche Haut. Es tat Georg weh, sie nur schon mit einem langärmeligen Hemd zu bedecken. Sein Hausarzt ist der Meinung, dass mit seinem Röntgengerät alles in Ordnung und die Ursache für die starke Verbrennung woanders zu suchen sei. Er würde Georg, falls gewünscht, an einen Hautspezialisten überweisen. Georg winkt ab: «Was bringt das ausser einer weiteren Arztrechnung?»  
Im Internet recherchiert er nach Informationen zur Ausleitung von Radioaktivität und findet die sogenannten «Solunate». Dieses Heilmittelsystem wurde um 1900 von Alexander von Bernus entwickelt und kam 1921 in Deutschland auf den Markt. Das System umfasst 24 zusammengesetzte Heilkräutertinkturen zur Prävention, Unterstützung der Selbstheilungskräfte und zur Heilung verschiedener Krankheiten. Davon hat Georg sich vier verschiedene Tinkturen für Lymphe, Haut, Leber und Nieren besorgt. Unsere Drogerie in Bremgarten konnte sie von Deutschland kommen lassen. Wir sind so von der positiven Wirkung begeistert, dass diese Mittel bereits einen festen Platz in unserer Hausapotheke erhalten haben. Das Buch von Siegfried Sulzenbacher « Die Solunate: Dynamische Mittel für den Praktiker, Hausapotheke und bewährte Therapien» vom ML-Verlag hat Georg mir geschenkt. Wer mehr wissen möchte: www.soluna.de

Die am 24. Februar begonnene militärische Invasion des Kremlherrn in der Ukraine dauert immer noch an. Der Kampfwille der Ukrainer:innen ist nach wie vor ungebrochen, auch wenn besonders die Bevölkerung in den Städten viel Leid erfahren musste. Bereits in den Jahren 2014 und 2015 hatte Georg mit seiner Organisation «Forum Ost-West» insgesamt 11 Hilfstransporte à 28 Tonnen mit humanitären Hilfsgütern für die Ukraine organisiert. Im Anschluss daran haben wir die dortige Selbsthilfe zur Heilung von Menschen mit einem Kriegstrauma aufgegleist. Ein Informationsblatt über das posttraumatische Syndrom für Angehörige von zurückgekehrten Soldaten gibt es inzwischen auf Ukrainisch. Die zuständigen Fachleute wollten es gerade jetzt drucken und verteilen, doch im Moment verbringen sie die meiste Zeit im Luftschutzkeller.
Ein Krieg richtet nicht nur materielles, sondern vor allem psychisches Leid an. Mein Ehepartner Georg hätte nicht gedacht, dass die Erinnerung an August 1968 wieder so stark in ihm aufsteigt: Am Morgen des 21. August fuhren die russischen Panzer an seinem Fenster in Prag vorbei. Die Scheiben klirrten. An dieses Geräusch und die nächsten Szenen in der Prager Altstadt, auch wie er mit den russischen Soldaten das Gespräch gesucht hatte, kann Georg sich wieder genau erinnern. Alles ist für ihn wieder präsent. Seinen drei Schwestern, meinen Schwägerinnen, die in der Tschechischen Republik wohnen, geht es ebenso. Auch unseren tschechischen Freunden, die vor mehr als 50 Jahren Asyl in der Schweiz fanden.
Irgendein Geräusch, ein Geruch, eine Szene aus dem Alltag kann ein «Flashback» bewirken. Das Trauma wird plötzlich «getriggert» und in der Gegenwart 1:1 wiedererlebt. Ich erinnere mich an die Reaktion meiner Mutter, nachdem wir in der Wohnküche unseres Hauses einen kleinen Schwedenofen installiert hatten. Mit Entsetzen betrachtete sie das Ofenrohr und sagte: «Das erinnert mich an den Krieg.» Für mich dagegen wurde der Ofen zum Inbegriff von Wärme und Gemütlichkeit. Meine Mutter sagte mir oft: «Du hast keine Ahnung. Du hast den Krieg nie erlebt!»
Einmal kam eine deutsche Patientin zu mir nach Bern zur Psychotherapie. Sie hatte das Ende des 2. Weltkriegs in ihrer mit ihr schwangeren Mutter erlebt. Als erwachsene Frau litt «ohne für sie ersichtlichen Grund» unter Stottern, verschiedenen Schmerzen und Ängsten. Kein Arzt hatte ihr helfen können, die Invalidenversicherung stempelte sie als Simulantin ab. Erst ihre Träume brachten uns auf die Ursache ihrer Beschwerden und zeigten den Weg zur Heilung.
Kurz nach dem damaligen Krieg in Jugoslawien verbrachten wir viele Jahre unsere Herbst- und manchmal auch Weihnachtsferien in Kroatien und Montenegro. Zwei unserer Freunde hatten für die Stadt Dubrovnik gekämpft und Streifschüsse am Kopf erlitten. Einen von ihnen hatte die Kugel sogar die Haare gestreift, die an der betroffenen Stelle nicht mehr nachwuchsen. Beide können sich noch daran erinnern, dass sie zu Boden fielen und eine Zeit lang bewusstlos waren. Die Folgen dieses Traumas waren zeitweise Gleichgewichtsstörungen, die ihren Alltag sehr einschränkten. Damals hatte ich gerade meine Ausbildung in Craniosakraltherapie abgeschlossen und wusste, wie man Traumata, die sich in den Körperzellen, besonders in Knochen und Gelenken, in der Form von sogenannten Energiezysten «eingenistet» haben, lösen und heilen kann. Unser Körper verschliesst die Information eines Traumas in solchen Energiezysten zum Selbstschutz ein, damit wir weiterhin funktionieren können. Allerdings braucht dieses Ein- oder Wegschliessen ständig kostbare Lebensenergie, die uns dann im Alltag nicht mehr zur Verfügung steht. Die Folge: Unser vegetatives Nervensystem kann sich nicht mehr ausbalancieren, wenn ein chronischer innerer Alarmzustand herrscht und auch unser Immunsystem wird geschwächt. Aus zeitlichen und geographischen Gründen konnte ich unsere beiden kroatischen Helden nur zweimal behandeln. Doch dies genügte, um wenigstens die Gleichgewichtsstörung zu heilen. Sie waren dafür sehr dankbar, weil diese ihren Alltag sehr eingeschränkt hatte. Ich erinnere mich noch, dass wir einmal Silvester in Dubrovnik verbrachten. Unser Freund verabschiedete sich einen Tag vor dem Fest. Er werde den Jahreswechsel ausserhalb der Stadt in einer abseits gelegenen Wohnung verbringen, wo er das Feuerwerk nicht hören könne. Silvester würde er jedes Jahr unter der Bettdecke und mit einer Schachtel Tabletten gegen Migräne verbringen. Auch wenn seine Freundin dafür kein Verständnis hätte. So können Feuerwerke bei Festen Kriegstraumata wieder aufleben lassen. Dies wissen nur wenige Menschen und verstehen die Reaktion von traumatisierten Verwandten und Freunden nicht. Die Betroffenen verstehen sich manchmal auch selbst nicht. Entweder mögen sie erst gar nicht darüber reden oder haben viele Erlebnisse erfolgreich ins Unbewusste verdrängt, um sich zu schützen. Bei Männern, die an einem Krieg teilgenommen haben, kommt noch hinzu, dass sie als Helden nach Hause zurückkehren, zunächst gefeiert werden, alle sind stolz auf die Heldentaten, die sie jedoch besser nicht erzählen oder die eigentlich niemand hören will. Sie selbst beziehen ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität von der Rolle des Helden. Und dann? Nach einiger Zeit wird klar, dass sie nicht zum normalen Familien- oder Arbeitsalltag zurückkehren können. Der Staat lehnt in vielen Fällen die Zahlung einer Rente ab. Aber das Trauma der Vergangenheit holt die Helden ein. Die Folge sind Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Schreckhaftigkeit, Verwirrtheit, Arbeitsunfähigkeit. Sie merken, dass sie nicht mehr dieselben sind wie vor dem Krieg. Die engste soziale Umgebung hat kein Verständnis für ihr Verhalten und ihre Geschichten. Die Rückkehrer, die eine sichtbare körperliche Verletzung davongetragen haben, werden noch eher verstanden, zum Beispiel wenn ihnen ein Arm oder ein Bein fehlt. Besonders die psychischen und damit unsichtbaren Folgen lassen den Helden einsam werden. Viele Ehefrauen wollen jedoch ihren Helden zurück und verstehen nicht, dass er im Alltag, wo er jetzt nicht mehr am Leben bedroht ist, immer noch ängstlich ist oder auch ohne nachvollziehbaren Anlass und völlig unerwartet Wutanfälle bekommt. Viele «Helden» fühlen sich allein gelassen und nicht verstanden, sie verstehen sich oft selbst nicht. Sie ziehen sich aus dem sozialen Umfeld zurück und helfen sich mit Alkohol und Drogen. Viele begehen Selbstmord, manch einer läuft Amok. Von der Wut gepackt erschiessen sie wahllos unschuldige Menschen und richten sich manchmal anschliessend selbst.
Erst nach dem Vietnamkrieg fand die Diagnose «posttraumatisches Syndrom» offiziell Anerkennung und Eingang in das Verzeichnis der psychischen Krankheiten im amerikanischen Kompendium der Diagnostik für Psychopathologie.

So viel zur Diagnose. Und wie kann die Therapie aussehen?

Familienmitglieder und Bekannte sind zunächst die besten Personen, an welche sich ein aus dem Krieg zurückgekehrter traumatisierter Soldat wenden kann. Es hilft ihm, wenn er in einer vertrauensvollen Atmosphäre von seinen Erlebnissen erzählen kann. Liebe und Tränen sind die beste Therapie. Dazu müssen die Nächsten folgendes wissen: Auch ein Held darf weinen. Auch ein Held möchte liebevoll umarmt werden. Lasst ihn erzählen, stundenlang, immer wieder. Auch wenn er sich wiederholt. Wird es den Zuhörenden zu viel, ist dies verständlich. Denn ein erzähltes Trauma kann auch die Zuhörerschaft traumatisieren. Fachleute sprechen dann von einem Sekundärtrauma. Hilfreich ist es, wenn der Betroffenen sich mit ähnlich traumatisierten Kollegen in einer Gruppe austauschen kann. Erkundigen Sie sich nach Selbsthilfegruppen oder organisieren sie selbst eine. Dies alles kann verhindern, dass der Traumatisierte sich von seinem sozialen Umfeld zurückzieht, sich verschliesst, schweigt und dem Alkohol oder anderen Drogen verfällt.
Gibt es die Möglichkeit oder die zusätzliche Möglichkeit einer professionellen Therapie, ist meiner Erfahrung nach die Craniosakraltherapie eine der hilfreichsten.  
Manchmal werden auch Körperübungen angeboten, die der Betroffene als Selbsthilfe ausüben kann. Fragen Sie danach. Psychopharmaka und Schmerzmittel können kurzfristig hilfreich sein, bekämpfen jedoch nur die Symptome und verhindern eine Verarbeitung des Traumas.

Fühlt sich ein Betroffener durch Gebete oder eine Religion angesprochen, so kann folgende Affirmation helfen:

«Ich bitte darum, dass sich die gesamte Information des Traumas aus dem Gedächtnis meiner Körperzellen ganz und gar löst, zurückkehrt zu Gott, dem Allmächtigen. Alles, was mich bedrückt und krank macht, wird transformiert durch das göttliche Licht. Hiermit übergebe ich das Trauma dem allmächtigen Gott unter Beistand von Jesus Christus, der den Tod am Kreuz auch für mich überwunden hat. Ich bin erlöst und geheilt. Amen.» 

Foto: Saharastaub auf meiner Gartenbank
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 12.03.2022

12. März, Samstag: Gebete werden erhört

Weltweit wird für Frieden gebetet, meditiert und demonstriert. Auch quer durch die Schweiz von St. Gallen, Zürich, Bern bis nach Genf gehen die Menschen zu zehntausenden für den Frieden in der Ukraine auf die Strasse. Die Glückskette hat inzwischen über 50 Mill. Franken an Spenden gesammelt, 10’000 Haushalte haben sich gemeldet und möchten Flüchtlinge aufnehmen.
Unterdessen nimmt die russische Invasion an Brutalität gegen die Zivilbevölkerung zu. Zusagen für humanitäre Korridore werden kurzfristig wieder zurückgenommen. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, die Feuerpausen immer wieder zu unterbrechen. Doch wir geben die Hoffnung nicht auf und wissen, dass jedes Gebet erhört wird. Jedes Gebet, jeder gute Gedanke kann den Unterschied machen. Manchmal im letzten Moment. Beeinflusst wird das gesamte morphogenetische Feld, ein Energiefeld, in welchem Möglichkeiten zur Wirklichkeit werden können. Wird die «Kritische Masse» erreicht, so kippt der Zustand des ganzen Feldes. Zum Beispiel benötigt es nur noch eine winzige Temperaturerhöhung, bis Wasser zu kochen beginnt. Wann genau eine Situation in ihr Gegenteil kippt, ist schwierig vorauszusagen. Manchmal passiert es eine Minute vor zwölf.
Dies zeigt das Beispiel Österreich: Am 9. März wurde das Gesetz zur Impfpflicht, welches am 15. März in Kraft treten sollte, ausgesetzt. Die Begründung: Es sei unverhältnismässig! Und per 9. April werden in Kanada alle Corona-Massnahmen inklusiv Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen – Trucker! – aufgehoben.

Gestern erhielten wir endlich wieder eine Nachricht von unserem Kiewer Freund. Wir sind erleichtert: Er konnte mit seiner Frau nach Polen fliehen, es geht ihnen den Umständen entsprechend gut. Er schreibt Georg:

“After a week of living under fire and endless sirens, we decided to leave Ukraine. We were received by a Polish family, our daughter’s friends. We got more than two days, but now on the spot. We are treated very well, but it can last so long, if the war drags on for months. I never imagined in my nightmares that we could become refugees. You paint the rest in your imagination. That is, it is not known what happened to our apartment in Kyiv. That’s all, because what else to say?»

Wir danken ihm für seine Nachricht und antworten, dass wir froh sind, dass er und seine Frau noch leben: « We have been worrying what might happen to you. Now we are glad that you and your wife are still alive. Take your time to recover and, please, do write as much as you can. Also write down your dreams, if you can remember them. Your writing is very precious and important. »

Foto: Gebetsfeder eines Kondors
und Text: Petra Dobrovolny und NN

Mein Tagebuch: 05.03.2022

05. März, Samstag: Ukraine, Tag 10

Georg telefoniert jeden Tag mit unserem Freund in Kiew. Dieser pendelt zwischen seiner Wohnung und dem Luftschutzkeller hin und her, die russischen Bombenangriffe finden meistens morgens zwischen 3 und 5 Uhr statt. Unterdessen gibt es bereits mindestens 1.5 Millionen Flüchtlinge, die ausländischen Journalist:innen haben das Land verlassen. Um so wertvoller sind die Berichte unseres Freundes, die ich hier aus aktuellem Anlass wiedergebe. Verständlicherweise will er anonym bleiben.

 «The situation remains very dramatic. Today, the occupying troops captured Kherson in southern Ukraine. They also control smaller cities to the north and northeast of Kyiv. They were captured by troops and sabotage groups who came from the territory of Belarus. Today, the occupying troops of Belarus itself have also come to Ukraine. To the north of Kyiv, a huge column of tanks and combat vehicles of the invaders is concentrated. It is not known when they will launch a general offensive against Kyiv.

“So far, rocket attacks on Kyiv and neighboring towns are carried out several times every day. Today, Russian fascists shelled the Kiev TV tower. Missed, rockets hit the nearby Memorial to the victims of the Holocaust in Babi Yar. The Jews of Kyiv have already been shot twice - by German fascists in 1941 and now by Russian fascists in 2022.
 
At night, the situation on the main roads and local roads is very uncertain. Parts of the segments are controlled by our troops, part by groups of saboteurs. Russian fascists are engaged in looting, take away from the population, food, fuel and lubricants for transport, take away mobile phones, because our government has turned off mobile communications with Russia and the phones of the occupiers do not work.
 
Saboteurs seize the cars of our citizens left on the streets and in the courtyards of houses. At night, looters commit sabotage on these machines, attack our troops. During the day, there are few cars on the streets. We don't know who is in them. 
 
As you understand, under such conditions, the delivery of any humanitarian cargo by private carriers is impossible. Very high probability of their destruction on one side or the other. The task of carrying out military or humanitarian transport is carried out only by our army or carriers authorized by it. Dear friends, if you collect any assistance to Ukraine, which we now badly need, seek contacts with our army and our military administrations. From my point of view, the best way is to find contacts with hubs of assistance to Ukraine, which are organized on the territory of Poland, possibly Slovakia. But not in Hungary, whose leadership is torn between Europe and the Kremlin.
 
In the first two days of the war, the civilian population could still leave Kyiv, but now it is almost impossible. Our friends from Italy and Poland offer us to move. In Poland, there is even an empty house that they offer to give us. But running away is now irrational. There is an equal chance of dying here as on the road to the western border. We remain prisoners of the situation.»

Foto und Text: Petra Dobrovolny und NN