Mein Tagebuch: 24.01.2021

24. Januar, Sonntag: Ein Gedicht und «höchst wahrscheinlich»

Die Amtseinsetzung von Joe Biden, dem 46. Präsidenten der USA und Kamala Harris, der ersten Vizepräsidentin, dazu noch von indischer und jamaikanischer Abstammung, hat inzwischen stattgefunden. Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen gegen die gefürchteten Anhänger von Donald Trump, die vor ein paar Tagen das Capitol erstürmt hatten, und gegen das Virus. Die Korrespondenten fanden dieses Ritual sogar feierlicher als sonst, ernsthafter, weniger als Show. Mich beeindruckt hat vor allem die 22-jährige Dichterin Amanda Gorman, die ihr Gedicht «The Hill we climb» vorlas. Hier ein paar Zeilen daraus:

«Der Hügel, den wir erklimmen»

«Wenn es Tag wird, fragen wir uns, wo wir Licht zu finden vermögen,
in diesem niemals endenden Schatten? …
Und wir haben gelernt, dass die Normen und Vorstellungen von dem was gerecht ist, nicht immer Gerechtigkeit ist …  
Und doch gehört die Morgendämmerung uns,
noch ehe wir es wussten.
Irgendwie schaffen wir es.

… der Sieg wird nicht in der Klinge liegen,
sondern in all den Brücken,
die wir gebaut haben.

Denn es gibt immer Licht,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sehen,
wenn wir nur mutig genug sind, es zu sein.»

Ein Basler Kantonsarzt findet die Angst vor den Mutationen «überzogen». Statt Angst zu schüren wünscht er sich mehr Aufklärungsarbeit. Boris Johnson hat das Gerücht in die Welt gesetzt, dass die neue Mutation tödlicher sei. Eine britische Virologin pfeift ihn zurück und sagt: Das sei noch überhaupt nicht bewiesen. Deutschland und die Schweiz tun schon aber so, als sei dies eine Tatsache. In unserem Dorf sind 2 Schulkinder aus dem betroffenen Skiort Wengen im Berner Oberland zurückgekehrt und haben anscheinend das neue Virus mitgebracht. Die Folge: Mindestens 300 Personen mussten in Quarantäne, also auch die Kontaktpersonen der Kontaktpersonen. Nach gut einer Woche wird der Alarm abgeblasen: Die Tests seien negativ. Es sei auch gar nicht bewiesen, dass die 2 Schulkinder tatsächlich angesteckt worden waren. Es sei nur höchst wahrscheinlich.

Wie lange müssen wir noch in einem höchst wahrscheinlichen Szenario leben?

Ab Montag gilt eine neue Regelung für die Quarantäne: Sie soll nur 7 statt 10 Tage dauern, wenn der PCR-Test am 7. Tag negativ ist. Das ist schon mal ein kleiner Lichtblick.

Foto: Blick auf das Berner Oberland
und Text: Petra Dobrovolny






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