Mein Tagebuch: 15.02.2021

15. Februar, Montag

Seit 1962 befanden sich nie mehr so viele Planeten im Sternzeichen Wassermann wie zurzeit. Damals begann die Hippiezeit. Erinnert Ihr Euch an das Musical «Hair»? «This is the dawning of the age of Aquarius!» Und jetzt sind wir mittendrin. Freiheit im Denken und Zusammenarbeit ist angesagt, neue Erfindungen und Erkenntnisse ebenfalls.

Ein Immunbiologe der Universität Zürich hat nachgewiesen, dass der Impfstoff von AstraZeneca in den Zellkern eindringen kann. Dies ist für einen Impfstoff ungewöhnlich und dürfte nicht vorkommen. Die Folgen davon: Genveränderungen, Krebserkrankungen und andere Langzeitfolgen bzw. -schäden. Und? Was passiert jetzt? Wird darüber die wissenschaftliche Diskussion aufgenommen, oder wird man diesem Immunbiologen unterstellen, dass er vor 5 Jahren seine Steuererklärung nicht richtig ausgefüllt hat?

Mein lieber Georg meint, ich solle aufhören in dieser Form Tagebuch zu schreiben. Er schickt mir 2 Seiten Kopie meiner Dissertation, die ich vor 40 Jahren verfasst habe mit dem Titel: «Zur Psychologie der veränderten Situation. Eine Untersuchung am Beispiel hirngeschädigter Patienten». Hier geht es um Erwachsene, die plötzlich einen schweren Unfall oder einen Schlaganfall erlitten hatten oder sich einer Hirntumoroperation unterziehen mussten. Bei diesen Betroffenen wurde auf dramatische Weise der Lebensweg unterbrochen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts durfte ich sie 1 bis 2 Jahre lang mit therapeutischen Gesprächen begleiten. Die Analyse dieser Gespräche ergab gesetzmässige Entwicklungsschritte, die ich in meiner Dissertation beschreibe.

Georg meint, wir lebten jetzt auch in einer dramatisch veränderten Situation. Die alte Welt käme nicht mehr zurück, und da sei ich als Fachfrau dazu prädestiniert, etwas dazu zu sagen. Zufälligerweise finde ich in einer Bananenschachtel vom Umzug hierher nach Leukerbad ein Exemplar meiner Doktorarbeit. Ich schlage sie auf und staune über das Motto – auf Seite 4 -von einem ungarischen Schriftsteller, dessen Namen ich nicht kenne: «Wo immer man Abschied nimmt, eröffnet sich eine neue Zukunft.»

Da sind wir wieder bei Hermann Hesses Stufen-Gedicht. Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten. Mir geben seine Zeilen über den «Weltgeist» Mut. Dieser will uns nicht «fesseln» und «engen», sondern «heben» und «weiten». Und «der Ruf des Lebens» an uns wird niemals enden. Das ist doch wunderbar! Wir wurden ein Jahr lang gefesselt und eingeengt. Das kann es nicht sein! Es gibt soviel Angst und Enge, viele Menschen glauben gar nicht mehr, dass sich das überhaupt noch ändern wird. Ich bin gut darin trainiert, dieser Stimmung etwas entgegenzuhalten. Meine Mutter glaubte immer, dass morgen die Welt untergeht, ich sagte ihr schon als Kind, dass das nicht stimmt.

Meine Dissertation habe ich damals mit einem Zitat von Karl Jaspers beendet: «Das Gemeinsame aller Grenzsituationen ist, dass sie Leiden bedingen; das Gemeinsame ist aber auch, dass sie die Kräfte zur Entfaltung bringen, die mit der Lust des Daseins, des Sinns, des Wachsens einhergehen.» (Psychologie der Weltanschauungen. Berlin, 1919)

In den letzten Monaten haben wir gesehen, welch wunderbare starken Kräfte unsere Grenzsituation zur Entfaltung brachte. Viele von uns haben begonnen, sich sozial zu engagieren oder künstlerisch tätig zu werden. Viele haben das Kochen entdeckt. Kochbücher befinden sich auf den Bestsellerlisten! Andere wiederum beginnen zu gärtnern und zeigen es ihren Kindern.

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

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