Mein Tagebuch: 09.03.2021

09. März, Dienstag:

Am letzten Freitag war ich wieder mal in der Berner Altstadt, um «Kommissionen» zu machen, «lädele» sagt man hier dazu. In der Rathausgasse gibt es ein sehr originelles Geschäft mit verschiedenen Dekorationsgegenständen, Sachen aus Olivenholz für die Küche, bunten Lampen und … Stoffmasken. Vor einem halben Jahr hatte ich dort eine Maske mit bunten Schmetterlingen gekauft. Ich trage sie am liebsten, wenn es denn sein muss, denn ich kann darin besser atmen als in den Standard-Hygienemasken, und die Kinder haben ihre Freude an den Schmetterlingen. Am Freitag will ich Nachschub besorgen. Am Schaufenster steht: «50% Closing Down Sale». Ich frage den neuseeländischen Inhaber, ob er tatsächlich schliessen würde. Ja, nach 15 Jahren! Jetzt müsste er den Mietvertrag wieder verlängern, doch er hätte keine Lust mehr in seinem Alter nur noch für die Miete zu arbeiten. Ich bedaure das sehr und suche 4 Stoffmasken mit einem Frühlingsblumen-Design aus und sage: « I hope, this will soon be over! » Die Antwort: « O yes, it will be over! But it’s a question, if the government will tell us, that it is over. » So klingt die neuseeländische Weisheit: Die Frage wird sein, ob und wann die Regierung uns mitteilen wird, wenn «es» vorbei ist.

Ich schaue auch noch in das Geschäft, wo ich im letzten November ein neues «Futon» – ein japanisches Bett – für unsere neue Wohnung in Leukerbad gekauft hatte. Ich wollte mich bei Herrn Braun, dem Chef, für die gute Beratung und die Lieferung bedanken. Er freut sich, dass ich in Leukerbad gut schlafe und schenkt mir eine kleine runde japanische Figur aus Papiermaché. Sie stellt den Zen-Mönchen «Daruma» dar und ist in Japan als Geschenk sehr beliebt. Daruma hat an der Stelle der Augen nur zwei weisse Kreise. Man kann sich etwas wünschen und währenddessen in das linke Auge einen kleinen schwarzen Kreis malen, so dass Daruma auf diesem Auge schon mal sehen kann. Geht der Wunsch in Erfüllung, soll man sich bei Daruma bedanken und ihm das rechte Auge malen. Ich danke erst mal Herrn Braun für dieses weise Geschenk. Oft vergessen wir uns zu bedanken, wenn unser Wunsch sich erfüllt hat. Ich könnte mir zum Beispiel wünschen, dass uns die Regierung mitteilt, wenn «es» vorbei ist.

Immer öfter hört man von der Skepsis in Bezug auf den Impfstoff von «A bis Z». Der bewunderte und diffamierte Professor Bhakdi hat schon vor Wochen davor gewarnt: Die Impfung könnte eine zu starke Blutgerinnung verursachen. Dies könne leicht festgestellt werden, wenn man bei einer Blutprobe den Gerinnungsfaktor misst. Gestern bringt das Gratisblatt «20 Minuten» die Meldung: In Wien ist eine Pflegerin nach der Impfung vermutlich an einer zu starken Blutgerinnung gestorben. Ein Zusammenhang mit der Impfung sei jedoch nicht bewiesen. Politiker*innen fordern den Stopp der Anwendung von «A bis Z».

Der unabhängige Journalist Boris Reitschuster schlägt in der Bundespressekonferenz in Berlin vor, dass sich doch Frau Merkel medienwirksam vor der Kamera mit diesem Impfstoff impfen lassen könnte. Der Bundessprecher antwortet um Sachlichkeit bemüht: Frau Merkel habe gesagt, dass sie sich impfen liesse, sobald sie an der Reihe sei.  Anscheinend wolle sich auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn von «A bis Z» impfen lassen, wenn er dann mal an der Reihe sei.

Die deutsche Sprache ist in dieser Zeit wieder um mindestens zwei Worte reicher: «Impfdrängler» und «Verschwörungsmystiker».

Selbsttests sind gefragt, in Deutschland sind sie in den Supermärkten innerhalb weniger Stunden ausverkauft. In der Schweiz will der Bundesrat an sämtliche Einwohner*innen 5 Selbsttests gratis verschicken, sobald das entsprechende Material zur Verfügung steht. Für diese Idee erntet er ausnahmsweise mal Applaus.

Das Schweizer Stimmvolk hat am Wochenende «Ja» zum Burka-Verbot gestimmt. Die Reaktion des Islamischen Zentralrats der Schweiz lautet: Wir werden allfällige Bussen von Musliminnen, die gegen das Burka-Verbot verstossen, übernehmen. Die Summe wird nicht hoch sein, denn es sollen schweizweit nur etwa 30 Frauen eine Burka tragen. Die meisten sind Konvertitinnen.

Foto: „Daruma“, der Zenmönch, der deinen Wunsch erfüllt, wenn du ihm Augen malst … und
Text: Petra Dobrovolny   


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