Mein Tagebuch: 04.04.2021

4. April, Ostersonntag: Das Hugenottenkreuz

In der Zeitung «protestant» der Evangelisch-Reformierten Kirche des Wallis Nr. 25 für März bis Mai 2021 schreibt Pfarrer Stephan Dreyer über den Ursprung und die Symbolik des Hugenottenkreuzes:
«Ursprung: Wann und wo dieses Kreuz entstanden ist, liegt im Dunkel der leidvollen Geschichte der französischen Protestanten, die auch als Hugenotten bezeichnet werden. Einer Legende zufolge wurde ein katholischer Goldschmied namens Maystre in Nîmes einige Jahre nach der Aufhebung des Edikts von Nantes in Lyon Zeuge des Verhörs und der Hinrichtung von vier reformierten Pfarrern. Beeindruckt von ihrer Glaubenstreue, begann er sich mit dem evangelischen Gedankengut auseinanderzusetzen, konnte für die Reformation gewonnen werden und entwarf das Hugenottenkreuz als Anhänger für eine Halskette, die von Frauen getragen wurde.
Symbolik: Das Hugenottenkreuz besteht aus einem Malteserkreuz mit vier gleich langen Armen, die die vier Evangelien darstellen. Jeder Arm wird zunehmend breiter, wenn er die Mitte verlässt, was die Verwandlung der Gläubigen symbolisiert (2. Korinther 3,18). Die V-Form jedes Arms symbolisiert ein V, was für «victoria», den Sieg steht, den die Gläubigen durch Christus errungen haben. Die beiden Spitzen am Ende jedes Arms, insgesamt acht, stehen für die acht Seligpreisungen (Matthäus 5, 3-10). Zwischen den Armen des Kreuzes befinden sich vier Fleur-de-Lys (Lilienblumen) mit jeweils 3 Blütenblättern, die die Dreifaltigkeit symbolisieren. Die zwölf Blütenblätter der vier Fleur-de-Lys stehen für die zwölf Apostel. Die Lilie ist auch ein Symbol für die Auferstehung und die Fürsorge Gottes (Matthäus 6, 28). Die vier Freiräume zwischen den Armen bilden vier Herzen und symbolisieren die Treue, die Liebe Jesu und die Erinnerung an sein Gebot: Liebt einander. (Johannes 13,34). Das Anhängsel ist eine herabsteigende Taube, das Symbol des Heiligen Geistes.»  

In der Fussnote zu dem Artikel ist angemerkt: Das Wort «Hugenotten» geht auf den frühneuhochdeutschen Begriff «Eidgenosse» zurück und zeigt damit eine Verbindung zur Schweizer Reformation. Das Wort erscheint im Französischen zuerst zu Beginn des 16. Jahrhunderts in der Form «eygenot» als Bezeichnung für die Anhänger einer politischen Partei im Kanton Genf, die gegen die Annexionsversuche des Herzogs von Savoyen kämpften und darum 1526 einen Bund zwischen Genf und den eidgenössischen Orten Freiburg und Bern schlossen.

Meine Grossmutter, die Mutter meines Vaters, stammt aus einer Hugenottenfamilie und hiess mit Familiennamen Cayé. Sie wurde 1891 im elsässischen Colmar geboren. Die Familie wurde wegen ihres Glaubens verfolgt und musste fliehen. In der Hansestadt Lübeck fand sie Asyl. Mein Urgrossvater, ein Schreinermeister, eröffnete dort seine Werkstatt. Er hatte einen Papagei, dem er ein paar Sätze beigebracht hatte. Wenn Kunden die bestellten Möbel abholen kamen, sagte der Papagei: «Hattu schon betuohlt?» Also: «Hast du schon bezahlt?» Manche erröteten dann und zückten schleunigst ihr Portemonnaie. Dies erzählte mir meine Grossmutter, als ich im Alter von 9 Jahren meine Sommerferien bei ihr verbrachte. Damals schenkte sie mir ihre Lutherbibel: Das schwere Buch ist in schwarzem Leder gebunden und hat mit Goldschnitt gefasste Seiten. Wie durch ein Wunder habe ich bis heute einen grossen Schrank aus Nussbaumholz, den mein Urgrossvater gemacht hat.

Meinen Leserinnen und Lesern wünsche ich: «Frohe Ostern! Victoria!»

Foto von Seite 8 der Zeitschrift der Evangelisch-Reformierten Kirche Wallis
und Text: Petra Dobrovolny

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.