Mein Tagebuch: 07.04.2021

07. April, Mittwoch:

Inzwischen ist der Winter zurückgekehrt, letzte Nacht waren es -8°C, auf unserer Dachterrasse liegen 2 cm Neuschnee.

Im «Bund» vom 1. April entdecke ich auf der Seite 5 eine kleine Notiz über Belgien: «Die Regierung muss nach einem Gerichtsurteil wegen unzureichender Rechtsgrundlage innerhalb von 30 Tagen alle Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zurücknehmen. Dies habe ein Gericht der Hauptstadt Brüssel in erster Instanz nach einer Klage der Liga für Menschenrechte entschieden, berichteten am Mittwoch mehrere Medien. Eine Sprecherin des Innenministeriums bestätigte das Urteil. Die Liga für Menschenrechte hatte den belgischen Staat zuvor verklagt.» Dies klingt fast wie ein Aprilscherz. Ich frage meinen Bruder, der in Luxemburg wohnt, ob er mehr weiss und wie die Corona-Situation in Luxemburg ist.

Er antwortet mir: «Belgien ist und war immer schon ein Aprilscherz. Vielleicht steht Flandern etwas besser da. Luxemburg schaut auf Belgien, Deutschland und Frankreich. Was machen diese drei? Dann mische man das und kreiert eine Synthese aus dem, was die drei Nachbarn machen. Das Kaninchen aus diesem Corona-Zylinder wird dann die luxemburgische „Pandemie-Politik“. Heute bei 3°C und Schneeschauern z.B. hat man die Terrassen geöffnet, und du kannst auf der Place d’Armes einen Kaffee trinken oder sonst etwas, sogar essen.»

Am 9. März hat das deutsche Bundesland Saarland die Corona-Schutzverordnung ausser Kraft gesetzt. Das Hauptargument: Die Intensivstationen seien nicht überlastet, die Situation rechtfertige keinen harten Lockdown.

Das Verlagshaus Tamedia, welches in der Schweiz mehrere Zeitungen herausgibt, hat eine Umfrage bei Pflege- und Altenheimen darüber gemacht, wie Pflegepersonal und Bewohner*innen im Rückblick auf das Frühjahr 2020 die Situation erlebt hatten. Das Ergebnis: Das Personal fühlte sich von den Behörden im Stich gelassen, es gab nicht genügend medizinisches Hilfsmaterial, zeitweise wegen der Quarantäne-Anordnungen auch nicht genügend Personal. Die Bewohner*innen fühlten sich entmündigt, in der Quarantäne als Schwerverbrecher*innen behandelt. Sie seien gar nicht gefragt worden, ob sie durch solche Massnahmen vor dem Virus «beschützt» werden wollten.  

Foto: Die Dala in Leukerbad, sie fliesst im Tal in die Rhone
und Text: Petra Dobrovolny        

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