Mein Tagebuch: 19.04.2021

19. April, Montag:

Gestern Abend fand nach dem Gottesdienst in der evangelisch-reformierten Kirche die jährliche Kirchgemeindeversammlung statt. Das reformatorische Gedankengut fand erst im Verlauf des 17. Jahrhunderts seinen Weg in das auch heute noch überwiegend katholische Wallis. Die reformierte Gemeinde Leukerbad zählt etwa 150 Mitglieder bei 1’700 Einwohner*innen. Die meisten Gottesdienstbesucher*innen sind in «normalen» Zeiten – ohne Corona – Kurgäste, aus dem In- und Ausland.

Am Schluss der Versammlung stellt Herr Pfarrer Dreyer mich vor, ich ergänze seine Worte: «Ich danke, dass ich hier sein darf und freue mich. Im Oktober haben mein Mann und ich eine Ferienwohnung hier in Leukerbad gekauft. Ich bin Klangtherapeutin und komponiere Musik zum Meditieren. Einfach nur Ferien machen will ich hier nicht, sondern ich möchte auch meine Klänge hierherbringen. Besonders die Bergkristallklänge, weil diese doch gut hierher passen.» Die Anwesenden bezeugen ihr Einverständnis mit Nicken und zustimmendem Gemurmel hinter ihren Masken. Ich hätte also den Herrn Pfarrer angefragt, der sich offen gezeigt hätte. Ich darf mit seiner Erlaubnis sogar meine Kristall-Lyra auf den Altar mit kunstvollen Holzschnitzereien legen. Die Gemeindemitglieder hören zum ersten Mal, wie Bergkristall klingt. Alle lauschen und staunen. Ich finde offene Ohren und Herzen. Anschliessend meint der Pfarrer: «Am Anfang war das Wort! Gott hat die Welt mit Seinem Wort erschaffen, Wort ist ja Klang! Das war jetzt im wahrsten Sinne des Wortes ein gelungener Ausklang. Es tut mir leid, dass wir nun die Versammlung schon beenden müssen ohne mit einem Glas Wein anstossen zu dürfen. Ich hoffe, dass dies nächstes Jahr wieder möglich sein wird.» Einige der Anwesenden bedanken sich zum Abschied persönlich bei mir, die Klänge seien sehr entspannend und beruhigend. Die Frau des Pfarrers möchte mehr über die Lyra und meine Klänge wissen. Sie hätte sehr starke Schmerzen im Nacken und oberen Rücken gehabt, die seien jetzt weg. Die Klänge seien bestimmt auch beruhigend für ihre zwei Kinder vor dem Einschlafen. Ich schenke ihr meine 40. CD «Sounds from Heaven», sie freut sich sehr darüber.

Am 13. Mai, dem Himmelfahrtstag, in der Schweiz «Auffahrt» genannt, darf ich den Abendgottesdienst mit Bergkristallklängen begleiten. Durch das Schneegestöber bahne ich mir meinen Heimweg den Berg hinauf, meine Lyra habe ich in der gepolsterten Tasche sicher versorgt und ziehe sie auf einem Gestell mit zwei Rädern hinter mir her. Den Abend beende ich mit einem Glas Rotwein in Gesellschaft mit mir selbst und den Engeln.

Foto: Mein Sonntags-Blumenstrauss
und Text: Petra Dobrovolny               

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