Mein Tagebuch: 21.04.2021


21. April, Mittwoch:

Es wird wieder wärmer. Die Kälteperiode seit Ostern hat vor allem den bereits blühenden Obstbäumen zugesetzt. Etwa 70% der voraussichtlichen Aprikosenernte sei schon dahin. Wie es hier um die Reben steht, weiss man noch nicht. In Frankreich ersuchen die Weinbauern des Bordeaux die Regierung bereits um Entschädigung.

Die hiesigen Bauern «bschütten» ihre Wiesen, in und um Leukerbad stinkt es bis zum Himmel. Die Wohnung kann ich kaum lüften, geschweige denn auf der Dachterrasse sitzen. Die Schar der Bergdohlen, die uns sonst regelmässig besucht, hat sich verzogen. Ich wäre jetzt auch gerne eine Bergdohle. Als Abhilfe räuchere ich mit Palo Santo, einem «heiligen Holz», das alle üblen Gerüche durch seinen wunderbaren Duft verwandelt.

In Jerusalem hat sich vor dem Militärministerium ein ehemaliger Kriegsveteran aus Verzweiflung und aus Protest verbrannt. Sein Kollege erklärt diesen Vorfall: Wenn man als Soldat von einer gewonnenen Schlacht heimkehre, würde man für ein paar Tage als Held gefeiert. Danach müsste man aber wieder zurück in den beruflichen Alltag und müsste erleben, dass dies durch Panikattacken und Schlafprobleme verunmöglicht wird. Die Umgebung würde diese Probleme nicht verstehen und wolle auch nichts davon hören. Als Betroffener wolle man die Umgebung auch nicht belasten und schämt sich vor sich selbst und den anderen über den eigenen Zustand, denn schliesslich ist man ja ein Held! So gleiten viele ab in eine soziale Isolation und werden oft drogensüchtig. Eine beantragte Invalidenrente käme, wenn überhaupt, erst nach etwa 12 Jahren. Kriegsveteranen würden vom Staat im Stich gelassen. Als Selbsthilfe wurde die Vereinigung «Break the Silence» gegründet. Es soll offen über Kriegsfolgen, zu denen auch das Leiden unter einem posttraumatischem Stress-Syndrom gehört, gesprochen werden.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

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