Mein Tagebuch: 12.05.2021

12. Mai, Mittwoch: Die Eisheiligen

Die Eisheiligen machen sich bemerkbar: Es ist sehr kalt geworden, tagsüber klettert das Thermometer kaum über 12°C, nachts werden es 3°C. Für heute Mittag ist Sonnenschein angekündigt, also packe ich meine Badetasche für die Leukerbader Therme. Wegen der schlechten Wettervorhersage für Auffahrt – zu Deutsch «Himmelfahrt» – bleibt der grosse Andrang von Touristen aus. Das Weidstübli will ab morgen seine Terrasse von 11 bis 17 Uhr wieder öffnen, aber nur bei schönem Wetter und ab 15°C. Bis dahin werden wohl noch einige Tage vergehen.

Eine weitere Wahrheit kommt ans Licht: Die tschechische Journalistin Jana Kovacova interviewt auf ihrem Youtube-Kanal die Hygiene-Expertin Eva Travnickova. Der brisante Titel: Pandemie oder Lüge? Die Expertin sagt, nur die Regierung, genauer gesagt, Ministerpräsident A. Babis hätte die Pandemie ausgerufen. Dies sei gegen die vom Gesetz vorgeschriebene Vorgehensweise geschehen. Gemäss Gesetz berichten die «Hygiene-Ämter» der Landkreise dem tschechischen Gesundheitsministerium über das Infektionsgeschehen vor Ort. Zu der Zeit gab es jedoch kaum Fälle von Covid-19, geschweige denn aussergewöhnlich viele Fälle von Atemwegserkrankungen, alle zusammengezählt, um eine Epidemie auszurufen und Massnahmen anzuordnen. Aufgrund der Meldungen der zuständigen Kreisämter ergreift das Gesundheitsministerium entsprechende Massnahmen. Aufgrund welcher Zahlen kam A. Babis darauf? Es war ein Befehl «von oben», der nicht der gemeldeten Datenlage «von unten» entsprach.

Vor einigen Jahren hatte die WHO eine Pandemie neu definiert. Ursprünglich waren die Kriterien eine sich sehr schnell durch Ansteckung verbreitende Krankheit und eine hohe Anzahl von Todesfällen als Folge dieser Krankheit. Im Jahre 2009 wurde das Kriterium der Todesfälle ersatzlos gestrichen. Seitdem kann eine Pandemie schneller ausgerufen werden. Und es hat sich durch die neue Definition erübrigt, statistisch genau festzuhalten, ob jemand «mit» oder «an» gestorben ist.
Vor kurzem hat die WHO auch den Begriff «Herdenimmunität», der ursprünglich in Zusammenhang mit Tierseuchen verwendet wurde, umdefiniert. Vorher galt: Wenn 80% der Menschen eine ansteckende Krankheit durchgemacht haben beziehungsweise geimpft sind, besteht eine Herdenimmunität. Dies sei ein erstrebenswertes Ziel, dann könnte man wieder «zurück zur Normalität». Jetzt gilt: Erst wenn 80% der Menschen geimpft sind, kann man von einer Herdenimmunität sprechen. Die Genesenen werden nicht mehr dazugezählt. Sind wir alle Schafe? Oder belämmert?

Foto und Text: Petra Dobrovolny     

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