Mein Tagebuch: 08.07.2021

8. Juli, Donnerstag: Berge und Berufung

Vorgestern, Dienstag, war das Wetter passend für einen Ausflug mit der Gemmi-Seilbahn auf 2350 m. Die Sicht auf die Alpenkette Richtung Süden war atemberaubend. Unsere Gäste aus Mähren, CZ, Georgs Nichte und ihre zwei erwachsenen Kinder, waren begeistert und jauchzten vor Freude. Berge haben es in sich: Sie heben die Menschen in eine höhere Dimension. Die alltäglichen Sorgen werden unwichtig oder sogar vergessen.
Nach einer gut einstündigen Wanderung konnten wir auf der Terrasse des Berghotels Schwarenbach Hobelkäse, Weisswein und Apfelschorle geniessen. Danach liess ich unseren Besuch weiter nach Sunnbüel wandern, wo sie die nächste Seilbahn nach Kandersteg und dort den Zug durch den Lötschbergtunnel ins Wallis und zurück nach Leukerbad nahmen. Rechtzeitig vor dem sich ankündigen Gewitter. Ich hingegen kehrte zurück zur Bergstation der Gemmi-Seilbahn. Kaum war ich angelangt, fing es an zu regnen. Unten in Leukerbad schien noch für ein paar Stunden die Sonne.
Am nächsten Tag stand eine Schifffahrt auf dem Genfersee auf dem Programm. Das Wetter war besser als vorhergesagt. Ein stabiles Hoch sei aber vorläufig nicht in Sicht, sagt meteo.ch. Besonders im Tessin gibt es Erdrutsche und gesperrte Strassen.

Der Bericht im «Walliser Boten» vom 5. Juli über einen maronitisch-katholischen Priester, der aus dem Libanon stammt und viele Jahre in Zermatt tätig war, beeindruckt mich. Er sollte diesen Sommer die Pfarrstelle für die Region Leukerbad übernehmen, hat dem Bischof von Sitten jedoch kurzfristig abgesagt. Er spüre eine andere Berufung: Er möchte sich in Zukunft für die Menschen in seinem Heimatland einsetzen und deren Not mit Hilfe direkt vor Ort lindern. Dieser innere Ruf mache es ihm unmöglich das Amt in Leukerbad anzunehmen. Seit seiner Entscheidung fühle er «eine tiefe innere Freiheit und christliche Freude». Ich freue mich immer, wenn ein Mensch seine Berufung spürt und ihr folgt. Sich dazu durchzuringen ist eine grosse Herausforderung. Ich weiss selbst, was das bedeutet und habe viele Menschen in diesem Prozess begleitet bis zum «Hier stehe ich und kann nicht anders».

Foto: Blick auf den Daubensee von der Gemmi
und Text: Petra Dobrovolny

Blick auf den Daubensee beim Gemmi-Pass

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.