Mein Tagebuch: 17.09.2021

18. September, Samstag: Zunfttag

Die Leukerbader Thermalquellenzunft hat ihre Mitglieder zum 5. Zunfttag eingeladen. Seit fast zwei Jahren konnte wegen Corona kein Anlass stattfinden, heute treffen sich 38 der 300 Mitglieder bei prächtigem Wetter zu einer Wanderung über den Thermalquellensteg, den die Zunft 2004 gebaut hat und nach jedem Winter die Schäden wieder repariert, zum Majingsee bis zum Restaurant Weidstübli. Ich freue mich sehr darüber, dass dieser Anlass stattfindet. Denn ich bin schon seit einem Jahr Mitglied und kann erst heute Gleichgesinnte kennenlernen, denen Leukerbad und die Thermalquellen am Herzen liegen.

Beim geselligen Mittagessen auf der grossen Terrasse des «Weidstübli» erfahre ich für mich Neues in Gesprächen mit meinen Tischnachbar*innen: Es dürfen keine Ferienwohnungen mehr gebaut werden. Die «Lex Weber», der das Volk vor einigen Jahren zugestimmt hatte, verbietet dies, um weitere «kalte Betten» zu vermeiden. Davon gibt es in Leukerbad bereits 10’000. Es dürfen aber sog. «Aparthotels» gebaut werden, d.h. Appartementhäuser mit Hoteldienstleistungen. Die Eigentümer*innen müssen die Wohnung während ihrer Abwesenheit an Gäste vermieten. Ich erfahre auch, dass es einen Verein gibt, der die Interessen der Zweitwohnungsbesitzer*innen gegenüber der Gemeinde vertritt. Ein dringendes Thema ist die Umrüstung der alten und bald nicht mehr erlaubten Erdölheizungen auf erneuerbare Energien. Die Gemeinde plant unterhalb des «Burgerbads», welches heute «Leukerbader Therme» heisst, den Bau einer Heizzentrale, die Holzschnitzel verbrennen und die Wärme des Abwassers der Therme weiterleiten wird. Dieses Projekt ist jedoch nur für öffentliche Gebäude und ein paar wenige Hotels bestimmt. Einen Plan, der die ganze Gemeinde und private Häuser einbezieht, gibt es nicht. Ein paar Mitglieder der Thermalquellenzunft wollen deswegen aktiv werden. Mein Tischnachbar meint, Leukerbad hätte ein «Luxusproblem». Das Thermalwasser sprudle zu heiss aus dem Boden.

Die mit 51°C wärmste Quelle ist nach dem Heiligen Lorenz benannt und sprudelt mit 900 l pro Minute aus der Tiefe.

In der Broschüre «Badebüchlein Leukerbad – 500 Jahre Badetourismus in Leukerbad» steht auf der Seite 20: «An heilendem Wasser herrschte in Leukerbad zu früheren Zeiten – aber auch heute – kein Mangel. Die kalkigen Wände des Torrentgebiets sind unverändert spendabel. Regen und Schmelzwasser versickern hier auf einer Höhe zwischen 2500 und 3000 Metern und fliessen dann durch das poröse Massiv bis auf eine Tiefe von 600 Metern unter dem Meeresspiegel, um dann durch die Wärme im Erdinneren aufgeheizt 27 bis 40 Jahre später an der Erdoberfläche in Leukerbad zu erscheinen und dies vermutlich schon seit ewigen Zeiten. Rund drei Millionen Liter Thermalwasser sprudeln täglich aus den 22 warmen Quellen.»

Da kann man sich wirklich fragen: Warum werden diese bzw. nur ein Teil davon lediglich zum Baden benutzt? Damit könnte man ganz Leukerbad heizen und klimaneutral machen. Die Gemeinde könnte mit klimaneutralem Tourismus werben und eine Pionierin für alle Thermalbäder in der Schweiz und sogar international sein.



Foto: Blick vom Thermalquellensteg auf die Dala-Schlucht
und Text: Petra Dobrovolny

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