Mein Tagebuch: 18.10.2021

18. Oktober, Montag: Sonnensturm, Aufbruch, Test und Staunen

Das goldene Oktoberwetter lädt zu Wanderungen ein. Gestern war die Sicht von oben auf die Alpenkette und das Rhonetal wieder sehr klar. Viele Leute waren unterwegs.
Georg ist ausgerutscht und auf die linke Hand gefallen. Hat er so auf das besonders unruhige Erdmagnetfeld reagiert? Vor ein paar Tagen gab es einen sehr starken Sonnensturm, der sich auch auf die Erde auswirkt. Unser Planet antwortet vermehrt mit Vulkanausbrüchen und Erdbeben. Sensible Menschen spüren dies. Die «kosmische Wetterfee» Sonja Ariel von Staden berichtet davon auf ihrem Videokanal bei Youtube.
In der Nacht auf heute hat sich der Zustand von Georgs Hand verschlechtert. Der Arzt in der Leukerbader Reha-Klinik, Herr Dr. A. Dufek, rät zu einer weiteren Untersuchung im Spital in Visp. Dort wird die Hand etwas gezogen und leicht eingegipst. Es ist nichts gebrochen, aber Bänder seien gerissen. Trotz viermal röntgen, könne man nichts Genaues sagen. Acht Wochen lang solle er den Gips tragen. Georg meint, er könne allein nach Hause fahren, ich solle in Leukerbad bleiben.

In zwei Tagen ist Vollmond im Sternzeichen Widder: Diese Energie unterstützt eine Zeit des Aufbruchs. Wir können die Vergangenheit hinter uns lassen. Neue Visionen sind gefragt, die auch realisierbar sind. Zum Wohl der Allgemeinheit. An der Stockwerkeigentümer-Versammlung am letzten Freitag haben wir erfahren, dass Leukerbad endlich die Restwärme der Thermalbäder nutzen will. Es soll eine zentrale Heizungsanlage gebaut werden, um die ganze Gemeinde mit der Restwärme des Thermalwassers zu versorgen. Falls diese nicht ausreicht, soll zusätzlich mit Holzschnitzeln geheizt werden. Welch ein Projekt!
Am 18. September, beim Treffen der Mitglieder der Leukerbader Thermalquellenzunft, hiess es noch, dass nur öffentliche Gebäude und ein paar wenige Hotels von diesem Projekt profitieren würden. Jetzt soll es doch für die ganze Gemeinde gelten! Der Gemeinderat wird am 22. November darüber abstimmen.

Gestern durfte ich wieder den Gottesdienst im evangelisch-reformierten Kirchenzentrum mit meiner Kristall-Lyra begleiten. Die Leute waren sehr dankbar für die beruhigenden Klänge. Das freut mich sehr. Der Pfarrer rief in seiner Predigt zum Staunen auf. Staune über dich selbst, über dein göttliches Wesen! Staune über Jesus! Und bringe andere zum Staunen!

Die Stockwerkeigentümer-Versammlung fand am letzten Freitag im Innenraum eines Restaurants statt. Diesen darf man theoretisch nur mit einem sog. Covid-Zertifikat betreten. Wir haben uns deswegen testen lassen: Georg am 15. und ich am 14. Oktober. Zum Glück ist dies neuerdings in Leukerbad in der Reha-Klinik möglich. Sonst hätten wir mit dem Bus in das im Tal gelegene Susten fahren müssen. Für einen Antigen-Schnelltest müssen wir 55.- Franken bezahlen. Seit dem 1. Oktober sind die Tests für «symptomlose Ungeimpfte» kostenpflichtig. Das in unserem Fall negative Ergebnis gilt für 48 Stunden. Danach könnte das Virus uns befallen. Theoretisch. Das ist eben Wissenschaft. Früher bekam ich ein Zertifikat nach einer bestandenen Prüfung. Es war lebenslang gültig. Alles ist eben relativ.

Die junge tätowierte Praxisassistentin der Arztpraxis in der Klinik stellt sich nicht vor, sondern gibt mir den Befehl, mich auf einen unsympathischen schwarzen Untersuchungsstuhl zu setzen. Ich frage nach ihrem Namen. Sie heisse Jasmin. Dann hält sie ein langes Wattestäbchen vor mein Gesicht und meint: «Wir gehen nicht so tief rein.» Ich frage mich: «Wen meint sie mit ‘wir’?» Ohne weitere Erklärung stochert sie mir nur in meinem linken Nasenloch herum. Wahrscheinlich deswegen, weil mein rechtes wesentlich enger ist. Ich habe nichts dagegen, denn es ist schon so unangenehm genug, da Jasmin kein Gespür für den Druck ihrer Hand hat. Dann soll ich 10 Minuten im Wartezimmer warten. Danach befiehlt sie mir meine Sachen mitzunehmen und ihr zu folgen. Warum? Wohin? Das Ergebnis teilt sie mir nicht mit. Ich denke: «Werde ich jetzt in die Quarantäne abgeführt?» Jasmin geht zu einem Drucker, der ausserhalb der Praxisräume im Flur steht, und druckt zwei Seiten aus. Eine ist das Zertifikat, das andere ein überflüssiges Formular, mit welchem ich theoretisch die 55.- Franken von meiner Krankenkasse zurückfordern könnte. Doch diese wird nichts für den Test bezahlen. Ich schaue mir das Zertifikat mit dem für mich rätselhaften QR-Code an und suche nach dem Resultat. Jasmin sagt: «Es steht alles drauf.» Sie dreht sich um und geht ohne Abschiedsgruss von dannen. Mir als Kundin wird nichts erklärt, ich muss das Papier selbst entziffern. Oben links sehe ich ein graues Wappen – bei einem Farbdruck wäre der Grund rot – mit einem weissen Kreuz, danebensteht «Schweizerische Eidgenossenschaft» in den vier Landessprachen. Rechts oben «Covid-Zertifikat» auf Deutsch und Englisch. Dann folgt «Krankheit oder Erreger: Covid-19, Ergebnis: Nicht erkannt (Negativ), Hersteller: Roche, SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test Nasal, Datum und Zeit der Probenentnahme, Leukerbad Clinic, Schweiz. Links davon prangt ein 62 x 62 mm grosser QR-Code, den ich nicht entziffern kann, weil ich kein Smartphone besitze.   

Ich darf das Zertifikat beim Portier der Reha-Klinik mit Kreditkarte bezahlen.
Es gilt nur, wenn man gleichzeitig eine Identitätskarte vorweist. Ich gehe sofort in die gegenüberliegende Therme, um das Wunderpapier, das trotz dem Ergebnis «nicht erkannt» alle Türen öffnet, auszuprobieren. Die Dame hinter der Plexiglasscheibe bei der Kasse schaut mich kaum an und sagt statt «Guten Tag!» in einem Befehlston nur: «Zertifikat?» Ich halte ihr das Papier hin, sie fotografiert den QR-Code mit ihrem privaten Handy. Nach ihrem «OK!» darf ich die Therme betreten und mich mit Geimpften, Genesenen und den wenigen Getesteten im heilenden Wasser tummeln.

Im «Walliser Boten» lese ich, dass über 200’000 Zertifikate wegen Ungültigkeit zurückgerufen wurden. Auch würden private Daten von Getesteten dank Whats-App in Chat-Gruppen zirkulieren, weil Kontrollpersonen mit ihrem privaten Handy QR-Codes von zu kontrollierenden Gästen gescannt hätten.

Übrigens wurden wir am Freitagabend im Restaurant überhaupt nicht nach unserem Zertifikat gefragt. Niemand von der Versammlung musste etwas vorweisen.

Da kann man nur noch staunen!

Foto vom Panorama-Weg mit Blick auf die Alpenkette
und Text: Petra Dobrovolny     

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