Mein Tagebuch: 26.11.2021

26. November, Mittwoch: Surrealer Adventschmuck und eine verbrannte Hand

Seit einigen Tagen hat sich der Hochnebel über dem Mittelland nicht mehr aufgelöst. Vorgestern hat wieder der traditionelle Berner „Zibelemärit“ stattgefunden. Allerdings ohne Alkoholausschank. Die Infektionszahlen steigen, doch die Belegung der Intensivbetten nicht. Deswegen will der Bundesrat keine weiteren Massnahmen ergreifen. Er meint sogar, dass es sich bewährt habe, es den Kantonen zu überlassen ja nach Situation zu handeln. Morgen wird der Weihnachtsmarkt auf dem Waisenhausplatz eröffnet. Jemand hat mir erzählt, dass in Konstanz der Weihnachtsmarkt nach vier Tagen wegen Corona wieder geschlossen wurde.

Für Morgen wurde der erste Schnee bis in die Niederungen vorhergesagt. Deswegen versorge ich unsere immer noch wunderbar blühenden Geranien auf der Veranda. Blumentöpfe wollen vor dem Winter noch geleert und die Sträucher der Johannisbeeren geschnitten werden. Georg hilft mir bei den Arbeiten so gut es mit nur einer Hand geht. Vor allem versorgt er mich liebevoll mit heissem Tee.  Geschafft: Vier Erika im Kistli auf der Fensterbank bei unserer Essecke werden uns über die kommenden Wintermonate mit ihrem grünen Kleid erfreuen. Vor der Haustüre hängt nun ein Adventskranz aus der hiesigen Biogärtnerei, die Blumenbank zieren zwei weitere Erikas in Rosa und Rot. Vor der Haustüre steht eine hohe weisse Vase mit grossen künstlichen Gerberas. Jemand in der Nachbarschaft hat dieses kitschige Arrangement verschenkt. Wir finden, dass es eine surrealistische Note zum Adventschmuck beiträgt und gut in diese Zeit passt.

Am Abend geniessen wir Georgs Kaminfeuer, dass er auch mit nur einer Hand meisterlich aufgebaut hat. Die linke andere Hand verträgt die Wärme nicht, sondern muss gekühlt werden. Nach zehn Röntgenbildern – insgesamt wurde fünf Mal jeweils die Vorder- und die Innenseite seit dem Unfall vom 17. Oktober geröntgt -, ist die Haut verbrannt und alles sehr angeschwollen. Der Hausarzt will sich nicht festlegen, ob eine Ruhigstellung oder eine Operation die Therapie wäre. Er schlägt sogar ein dreidimensionales Röntgenbild in einem dafür spezialisierten Spital vor. Georg hat dankend abgelehnt. Jeden Tag macht er Übungen und kann seine linke Hand inzwischen wieder gut bewegen. Schmerzen hat er nur bei Belastung. Die Verbrennung durch die Radioaktivität der Röntgenstrahlen behandelt er seit einigen Tagen mit einem kleinen Gelkissen, dass er immer wieder in das Gefrierfach unseres Kühlschranks legt.  

Text und Foto: Petra Dobrovolny    

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.