Mein Tagebuch: 16.05.2022

16. Mai, Montag: Scherben und eine Mahnung

Zur Zeit des Vollmonds im Mai feiern die buddhistischen Gemeinschaften in der ganzen Welt die Erleuchtung des Buddha. Dieses Jahr kam in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai eine Mondfinsternis hinzu, welche sogar fast 1 ½ Stunden dauerte. Der Londoner Astrologe Steve Judd meint auf Youtube, dass es in den nächsten 6 Monaten zu bedeutenden weltweiten Veränderungen kommen wird: Alte Strukturen – auch Regierungen – lösen sich auf. Steve sagt: «Old structures are collapsing.» Neues beginnt. Die nächste Mondfinsternis am 8. November werde noch bedeutender sein.

Ich bin gespannt, was bei mir passiert. Und siehe da: Zum Zeitpunkt der Mondfinsternis rollt der Kugelschreiber, welchen ich nach dem Schreiben einer Notiz auf der schrägen Tischplatte meines Stehpults abgelegt habe, nach unten, gewinnt an Fahrt, überspringt sogar die leicht erhöhte untere Kante des Pults und fällt genau in die Mitte meiner grössten Kristallklangschale, die ausnahmsweise dort steht, weil ich sie noch zu meiner Mondmeditation spielen wollte. «Pling!» Erschrocken betrachte ich den Scherbenhaufen am Boden meiner 3000.- Franken teuren Klangschale aus wertvollem grünem Vulkangestein und Platin.

Eben: Strukturen lösen sich auf, etwas geht kaputt. Georg tröstet mich: Das sollte bestimmt so sein, die Zeit dieser Klangschale sei wohl abgelaufen, ich bräuchte jetzt eine andere, bessere, für die neue Zeit passendere.

Am nächsten Morgen, d.h. heute finde ich eine Mahnung des kantonalen Steueramtes in meinem Briefkasten. Ich hätte die Steuererklärung weder per Internet eingereicht noch die erforderlichen Belege per Post geschickt. So eine Behauptung! Das Gegenteil ist der Fall. Doch wer muss das beweisen? Die Steuerzahlerin! Zum Glück habe ich noch die Quittung der Post für meinen eingeschriebenen Brief samt Gewichtsangabe, woraus hervorgeht, dass ich über 120 g Belege mitgeschickt hatte.

Wie viele Mondfinsternisse braucht es noch, bis das Steueramt sich auflöst? So lange kann ich aber nicht warten, denn ich muss mich an die Frist vom 3. Juni halten oder eine Ordnungsbusse bezahlen. Buddhistische Gelassenheit ist angesagt. Ich schaue im Internet bei dem Lausanner Geschäft «Universharmonie» nach, wo ich Stammkundin bin, welche Kristallklangschalen sie zur Zeit anbieten. Eine davon gefällt mir besonders. Ihr Name: «Laughing Buddha», «Lachender Buddha» in lachsrosa.    

Foto meiner kaputten Klangschale

und Text: Petra Dobrovolny

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