Mein Tagebuch: 03.08.2022

3. August, Mittwoch: Löwenportal

Vom 1. bis zum 12. August öffnet sich das sogenannte Löwenportal, der 8. August ist der Höhepunkt. Die alten Ägypter:innen feierten diese Zeit, in der Sirius über der Spitze der Pyramide in Gizeh aufgeht, als eine Zeit der Fülle. Aus astrologischer Sicht steht der Löwe für das mutige Herz. Wir werden in dieser Zeit daran erinnert, mutig für unsere Werte einzustehen und für uns und die Erde Verantwortung zu übernehmen.

In Leukerbad war auch der Abend des 1. August sehr ruhig verlaufen: Die Gemeinde hatte wegen der hohen Waldbrandgefahr das Feuerwerk abgesagt. Das Dorf hat sich in ein grosses Restaurant verwandelt: Alle Tische der Aussenterrassen sind besetzt, Verwandte und Bekannte geniessen das friedliche Beisammensein. Dankbarkeit liegt in der Luft. Auch in Bremgarten sei es sehr ruhig gewesen, wie mir Georg am Telefon erzählt.  Wir sind überzeugt von der Wirkung unseres Aufrufs, das private Knallen aus Rücksicht auf die Flüchtlinge im Land, zu unterlassen. Denn dies erinnert sie an real erlebte lebensbedrohende Situationen während des Kriegs. Jeder Knall kann wieder traumatisieren. Auf diesen Zusammenhang hatten wir seit Anfang Juni auch Politiker:innen und Medienschaffende aufmerksam gemacht und dazu angeregt, den 1. August achtsam zu feiern. Eine Nachbarin hatte unsere Notiz vervielfältigt und im Quartier verteilt, auch bei Bushaltestellen aufgehängt. Nach dem Feiertag hätten ihr viele gesagt, die Ruhe sei herrlich gewesen, man wolle auch in Zukunft ohne Lärm feiern. An einer Bushaltestelle wurde unsere Notiz abgerissen. Georg meint, diese Person hätte zumindest vorher den Text gelesen. Als Psychologin denke ich, dass jemand, der einen Aufruf zur Rücksichtnahme auf Schwächere oder auf Menschen, die sich nicht wehren können, nicht verträgt und mit Ärger oder Wut reagiert, selbst traumatisiert sein könnte. Vielleicht hat diese Person in der Kindheit oft erlebt, dass die Mutter um Rücksicht auf die jüngeren Geschwister bat. Es blieb so – meist unbewusst – das Gefühl zurück, Rücksicht nehmen sei immer mit Verzicht verbunden, und dass andere bevorzugt werden.  Später wird diese Situation auf die ausländischen Flüchtlinge projiziert, die von Vater oder Mutter Staat alles gratis bekommen.

Foto: Luftballonlöwe in der Berner Altstadt

und Text: Petra Dobrovolny

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