Mein Tagebuch: 21.08.2022

21. August, Sonntag: Vor 54 Jahren und heute. Und: Nicht jede(r) ist ein Nelson Mandela

Heute jährt sich zum 54. Mal die Invasion in die damalige Tschechoslowakei durch die Warschauer-Paktstaaten unter der Führung des Kremls mit Leonid Breschnew. Die Panzer weckten Georg morgens um 5 Uhr, als sie auf dem Weg in die Prager Altstadt unter seinem Fenster vorbeifuhren. Er schaltete sofort das Radio ein, das noch einige Tage live von einem Versteck aus senden konnte. Vier Wochen später kam Georg als politischer Flüchtling in die Schweiz mit der Absicht, wieder in sein Heimatland zurückzukehren, sobald sich die Lage dort wieder «normalisiert» hätte. Dies war dann bekanntlich nicht der Fall. Die «Normalisierung» sah anders aus: Die demokratische Bewegung, der sogenannte «Prager Frühling», wurde zerschlagen, das Land blieb 22 Jahre lang besetzt.

Der tschechische Premier erinnert heute an das Ereignis von 1968 und vergleicht es mit dem immer noch andauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine. Auch unsere ukrainischen Nachbarinnen möchten mit ihren fünf Kindern wieder in ihre Heimat zurück. Aber wohin, wenn die Häuser beschädigt sind? Und unsere Nachbarinnen sind bei weitem nicht die Einzigen. In der Ukraine benötigen 11 Millionen Menschen noch vor dem Winter eine sichere Unterkunft. Der Vater, der bei einem Angriff als Zivilperson durch eine russische Granate verletzt worden war, versucht jetzt nach seinem Spitalaufenthalt das Dach des Hauses zu reparieren. Das Material dazu kann er sich nur von der russischen Seite beschaffen. Bevor er es erhält, muss er eine amtliche Bestätigung unterschreiben, die besagt, dass sein Haus von der ukrainischen Armee beschädigt wurde. Die russische Seite hat tatsächlich Angst, dass sie einmal – wann? – für ihre Zerstörungen haftbar gemacht werden und eine Wiedergutmachung bezahlen muss. Georg meint, dass hier die Schweiz mit Materiallieferungen helfen könnte. Er und seine Organisation Forum Ost-West hatte diese Hilfe damals nach dem Jugoslawien-Krieg für Kosovo in die Wege geleitet.

Jemanden dazu zu zwingen, wissentlich etwas zu unterschreiben, was nicht stimmt, ist eine geistige Vergewaltigung. So ist es auch bei der mRNA-Impfung gegen Corona. Vorher muss man unterschreiben, dass man von einer Fachperson über die kurz- und langfristigen Folgen informiert wurde. Und wenn diese Fachperson die Folgen gar nicht kennt bzw. kennen kann? Wer haftet? Wie viele Menschen haben in letzter Minute, nachdem sie gelesen hatten, was sie vor der Impfung unterschreiben sollten, «nein» gesagt? Wahrscheinlich gibt es darüber keine offizielle Statistik. Darüber schreibt keine Zeitung.

In Italien wird die Impfpflicht für Lehrpersonen ab dem kommenden 1. September aufgehoben. Sie galt seit Dezember 2021. Wie viele ungeimpfte Lehrer:innen gibt es noch in Italien? Gibt es darüber eine Statistik? Und womit haben diese in den letzten 9 Monaten ihr tägliches Brot verdient?

Es ist eine grosse Herausforderung, sich geistig nicht vergewaltigen zu lassen bzw. sich nicht selbst zu verraten. Das kann nicht jeder oder jede. In diesem Zusammenhang denke ich oft an meinen 1981 verstorbenen Schwiegervater. Er wurde als politischer Gefangener unschuldig zu 12 Jahren Zwangsarbeit in den tschechischen Urangruben von Jachimov verurteilt, erlebte immer wieder eine von allen gefürchtete Isolationshaft, die viele nicht lebend überstanden, und wurde auch sonst immer wieder verhört und gefoltert. Hätte er unterschrieben, dass er gemeinsam mit anderen einen Putsch auf den Staat geplant hätte, was natürlich nicht der Fall gewesen war, hätte er sich das Leben vielleicht erleichtern können. Doch er liess sich seinen Willen nicht brechen. Er blieb bei seiner Wahrheit und behielt bis zu seinem Lebensende eine aufrechte Haltung. So wie Nelson Mandela.

Hier der Link zum Youtube-Kanal des Forums Ost-West und zu einem Interview zum Anlass des 50. Jahrestages der Invasion von Georg Dobrovolny mit Petr Feyfar, einem damaligen Regisseur des tschechoslowakischen Radios über die Ereignisse im August 1968 in Prag: https://www.youtube.com/watch?v=xrhpZY1AHUw

Foto: Böhmisches Flachsspinnrad

und Text: Petra Dobrovolny

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