Mein Tagebuch: 27.09.2022

27. September, Dienstag: Zu viele Impfdosen, Rückkehr in die Ukraine und weiteres Abschiednehmen

Im Berner Oberland hat es zum ersten Mal wieder geschneit, auch oberhalb von Leukerbad – mit 1400 m – liegt der Schnee bis auf 1500 m. Die Tage werden kürzer. Experten sagen einen milden Winter voraus. Ist dies ein Wunschdenken? In diesem Jahr sind die Gletscher in der Schweiz so viel geschmolzen wie noch nie. Drei Gletscher sind inzwischen sogar ganz verschwunden. Die Gründe sind der schneearme Winter und der heisse trockene Sommer.

In den sozialen Medien wurde für den 24. September eine weltweite Katastrophe mit Stromausfällen oder einem atomaren Vorfall grösseren Ausmasses usw. vorausgesagt. Der Tag werde allen in Erinnerung bleiben. Und? Was ist passiert? Die gemeldeten Wirbelstürme über Florida und der Karibik sind nicht so aussergewöhnlich. Vielleicht habe ich etwas verpasst?

Die Schweiz muss 10 Millionen Impfdosen vernichten, weil die Haltbarkeitsgrenze erreicht wurde. Aus Sicherheitsgründen hatte das BAG bei verschiedenen Herstellern eingekauft, sodass deswegen jetzt ein grosser Überschuss besteht. So lautet die offizielle Begründung. Den bald ablaufenden Impfstoff hatte die Schweiz verschiedenen Entwicklungsländern angeboten. Diese haben jedoch dankend abgelehnt. Wer bezahlt nun die überflüssigen Impfdosen? Die Krankenkassenprämien werden nächstes Jahr um ca. 10% ansteigen …

Man kann sich fragen, warum die notfallmässig zugelassene mRNA-Impfung immer noch propagiert wird, jetzt vor allem für Kinder. Die zahlreichen und teilweise heftigen Nebenwirkungen besonders für Jüngere sind inzwischen bekannt. Seit Juli gibt es weltweit eine Übersterblichkeit von ca. 12 %, auch jüngere Altersgruppen sind betroffen. Dr. John Campbell hat auf Youtube darüber berichtet. Er meinte, dass diese Zahlen «quite alarming», also ziemlich alarmierend seien. Auch in unserem Bekanntenkreis sterben plötzlich und unerwartet Leute, von denen wir wissen, dass sie mindestens zweimal geimpft waren. In den offiziellen Medien werden jedoch immer wieder Expert:innen zitiert, die sagen, dass es keine Beweise für einen Zusammenhang gäbe. Wie dem auch sei: Jedenfalls macht es uns sehr betroffen, wenn wir uns schon wieder von jemandem für immer verabschieden müssen.  

Georg und ich waren am Samstag bei unserer bisher noch gebliebenen ukrainischen Nachbarin zum Abschied zu Tee und Kuchen eingeladen. Am 30. September wird Veronika mit ihren drei Kindern im Alter von 12 und 5 Jahren und dem kleinen 2-monatigen Platon, mit dem Zug über Wien und Polen nach Odessa fahren. Gemeinsam mit ihrem dort auf sie wartenden Ehepartner wird sie eine neue Bleibe suchen. In ihre Heimat bei Mariupol können sie zurzeit nicht zurück. Das sei aber nicht so schlimm. Viel wichtiger sei, dass die Familie wieder zusammenfände und der Vater endlich seinen Jüngsten in die Arme nehmen könne. Veronikas Schwester mit ihren zwei Kindern und der Mutter bzw. Grossmutter hatten sich vor etwa drei Wochen von uns und Bremgarten verabschiedet. Sie sind inzwischen gut in Kiew angekommen. Auch sie können nicht nach Mariupol zurück. Der Vater bzw. Grossvater hat das kaputte Haus dort nicht reparieren können. Das nötige Material dazu hätte er nur von der russischen Besatzung und nur mit seiner Unterschrift erhalten. Er hätte bezeugen müssen, dass sein Haus von der ukrainischen Armee beschädigt worden sei. Das wollte er nicht.

Diese Umstände erinnern Georg an Kosovo vor etwa 25 Jahren: Nach dem «Jugoslawien-Krieg» waren auch dort Häuser zerstört und viele Flüchtlinge wollten zurückkehren. Durch das von Georg 1994 gegründete «Forum Ost-West» konnte mitbewirkt werden, dass die Schweiz Baumaterial nach Kosovo lieferte. Die dortige Bevölkerung erhielt somit eine Hilfe zur Selbsthilfe und baute ihre Häuser wieder auf. Die Schweizer Hilfe war damals ein Erfolg, der eine verbreitete Beachtung fand. Auf unsere Anfrage hin schreibt das EDA (Schweizer Aussenministerium): «Es ist möglich, dass es in den Jahren 1998/99 eine Hilfe in dem Zusammenhang gegeben haben mag. Allerdings verfügen wir über keine Informationen zu diesem Thema.» Wir fragen uns, wo da das institutionelle Gedächtnis bleibt. Und jetzt? Georg meint, dass ukrainische und russische Oligarchen, die im Ausland leben, ein Zeichen setzen und Geld für Baumaterial spenden könnten. Ein Fonds dafür müsste gegründet werden, und Medien könnten die Information über entsprechende Konti, auf welche die Zahlungen eingehen können, verbreiten. Kaum hat Georg diese Idee, melden sich Oligarchen, die hohe Summen dafür bezahlen wollen, um von den Sanktionslisten gestrichen zu werden. Unsere Bekannten finden die Rückkehr von «Georgs Ukrainerinnen» entweder sehr mutig oder verrückt. Jemand meint sogar, dass wir sie unbedingt zurückhalten sollten. Georg meint: «Die Frauen sind doch mündig und wissen, was sie tun.» Selbstverständlich ist es keineswegs. Für andere Flüchtlinge aus der Ukraine ist eine Rückkehr kein Thema. – In Russland wurde eine weitere Teilmobilmachung ausgerufen. Junge Männer werden von der Strasse weg zwangsrekrutiert. Zehntausende fliehen über die Grenzen nach Finnland, Georgien oder Kasachstan, auch wenn jede Art von Dienstverweigerung oder Desertation mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden soll.

Foto: Orgel der Marienkirche in Leukerbad VS

und Text: Petra Dobrovolny

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