Mein Tagebuch: 07.10.2022

07. Oktober, Freitag: Goldener Oktober und Kristallklänge

Nach ein paar kalten Regentagen mit Schnee bis 1700 m ist der milde Herbst zurückgekehrt. Die Feriengäste geniessen auf den zahlreichen Leukerbadner Restaurantterrassen die noch wärmende Oktobersonne. Ab und zu schaut jemand in die Marienkirche, wenn ich zur Mittagszeit dort in der Seitenkapelle übe. Viele lauschen meinem Gesang und den Klängen meiner Instrumente aus Bergkristall. Meistens sind es Frauen, die bei der Marienstatue aus Fatima eine Kerze anzünden. Andere nehmen mit ihrem Handy meine Klänge auf. Mit einer Geste des Dankes und der Wertschätzung in meine Richtung verabschieden sie sich. Heute kam nach kurzer Zeit ein Besucher zum zweiten Mal, nahm sich noch mehr Zeit als beim ersten Mal, nahm in meiner Nähe auf einer Kirchenbank Platz und versank voller Andacht in einem stillen Gebet, als ich das «Credo» sang. Dies hat mich sehr berührt. – Am letzten Samstag kamen der Pfarrer und der Organist in die Kirche, als ich gerade meine Version des «Ave Maria» übte. Letzterer meine, das sei doch gregorianisch, was ich singe, und er sei beeindruckt von der Reinheit der Kristallklänge. Falls ich möchte, könnte ich am Samstag, den 15. Oktober die Abendmesse begleiten. Auch der Pfarrer findet dies einen Versuch wert. Jede Art von Musik oder Klängen würden immer wichtiger, denn die Menschen fühlten sich davon sogar eher angesprochen als von langen Predigten, bei denen sie öfters auf die Uhr schauen und sich fragten, wie lange rede «der da vorne» eigentlich noch. Ich sage zu und bitte die heilige Maria von Fatima um ihre Unterstützung. Der für mich schwierigste Punkt ist, dass ich in der Seitenkapelle ohne Sicht auf den Hauptaltar spielen werde. Der Organist will mir von seiner Empore her jeweils ein Zeichen geben. Ob das klappt?

Foto: Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

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