Mein Tagebuch: 27.10.2022

27. Oktober, Donnerstag: Wer kann das verstehen? Energieparadies Wallis

Die Auszeichnung für die Verteidigung der Menschenrechte, der Sacharow-Preis, geht dieses Jahr an das ukrainische Volk. Es kämpft für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, so lautet die Begründung. – Unterdessen verschärft sich der russische Angriffskrieg. Christina schreibt uns aus Kiew, dass es ihnen den Umständen entsprechend trotz ständigem Fliegeralarm einigermassen gut geht, und bedankt sich dafür, dass wir an sie denken. Ihre ältere Schwester Veronika ist nach sechs Wochen mit ihren drei Kindern wieder zu ihren vorherigen Gastgebern, unseren Nachbarn, zurückgekehrt. Sie konnte in Odessa keine Wohnung finden. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Winter in der Schweiz verbringen, ohne ihren Mann und Vater der Kinder. Georg bringt ihnen wieder frischen Fisch vom Berner «Märit».
Der Kreml erzählt seinen Soldaten, dass sie ihre Heimat verteidigen. Zu Beginn des Krieges durfte niemand das Wort «Krieg» in den Mund nehmen, ohne dass eine Verhaftung drohte. Die «Aktion» hiess offiziell «Spezialoperation». Und jetzt spricht der Kreml von einer «Kriegsmobilmachung». Wer kann das verstehen?

Bis vor kurzem galt man als Verschwörungstheoretiker:in, wenn man sagte, dass das Virus künstlich „in einem Labor“ hergestellt wurde. Jetzt kann man dies sogar im Gratisblatt «20Minuten». Wer kann das verstehen?

Die Wahrheit kommt ans Licht: Auf Nachfrage des europäischen Parlaments hat die Firma Pfizer zugegeben, dass sie gar nicht getestet hatte, ob der Impfstoff vor einer Übertragung des Virus schützt. Die EU-Kommission wusste dies. Trotzdem wurden Millionen von Menschen, die sich nicht haben impfen lassen wollen, schikaniert und diskriminiert. Wer kann das verstehen?
Die EU-Kommission bestellte bei Pfizer für jeden und jede der Bevölkerung in den EU-Ländern 10 Dosen zu einem Preis von 71 Milliarden Euro. Der hundertseitige Kaufvertrag ist geheim. Auf Anfrage des Europäischen Parlaments schickte Pfizer eine Vertragskopie mit 100 geschwärzten Seiten. Wer kann das verstehen? 

Schottische Statistiken zeigen, dass seit 2021 doppelt so viele Neugeborene im ersten Lebensmonat sterben als sonst. Die Behörden halten es nicht für nötig nachzufragen, ob die schwangeren Mütter dieser Babys geimpft waren oder nicht. Entsprechende Daten werden nicht erhoben. Das Bundesamt für Gesundheit in Bern empfiehlt jetzt im Herbst die Impfung für Schwangere, über 65-Jährige und Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Wer kann das verstehen?

Von Januar bis September dieses Jahres hat die Schweiz für mindestens 5 Milliarden Schweizerfranken Energie in das nahe Ausland exportiert. Offiziell wird für den kommenden Winter eine Energieknappheit vorausgesagt. Wer kann das verstehen?

Das Dach «unseres» Hauses in Leukerbad muss renoviert werden. Bei der Stockwerkeigentümerversammlung wurde dagegen gestimmt, bei der Renovation Solarpaneels zu installieren. Wenn ich oberhalb des Dorfes – in der besten Sonnenlage – spazieren gehe, sehe ich viele Hausdächer, die im Sommer renoviert wurden. Keines hat eine Solaranlage erhalten. Die Gemeinde ist der Meinung, dass es in Leukerbad wegen der hohen Felswände tagsüber zu wenige Stunden Sonne gibt. Besonders im Winter könnte die Sonneneinstrahlung nur von 10 bis 16 Uhr genutzt werden. Das lohne sich nicht.

Der Kanton Wallis produziert zu 100% die hier benötigte Energie selbst. Davon kommen 93% vom Wasser. Die Stauseen sind zurzeit zu 85% gefüllt. Also müssen wir uns keine Sorgen machen wegen einer eventuellen Energieknappheit. Auch die Preise sollen konstant bleiben, teilt uns der regionale Energieversorger mit. Das Wallis plant jetzt drei grosse alpine Solaranlagen, die zunächst einmal den ganzen Kanton versorgen könnten und auch sollen. Es wird daran gearbeitet, dass die juristischen Hürden für solche Projekte in den geschützten Alpenlandschaften fallen.  

Hier in Leukerbad warten alle auf das Projekt «Fernheizung mit dem Abwasser der Therme», mit dem jedes Haus beheizt werden soll. Diese Idee gab es bereits vor 60 Jahren. Doch die Öl-Lobby verhinderte erfolgreich, dass damals die Gemeinde in Bezug auf die Energieversorgung unabhängig wurde. Das kann heute niemand mehr verstehen. Nun ist es als «Generationen-Projekt» endlich aufgegleist, die grossen Rohre für die ersten 150 m wurden im Sommer gelegt. Wir wissen noch nicht, in welcher Generation wir im oberen Teil des Dorfes an diese Fernwärme angeschlossen werden.

Foto: Blick auf die südliche Alpenkette mit den über 4000m hohen Bergen wie der Mischabelgruppe, dem Weisshorn, dem Zinalrothorn

und Text: Petra Dobrovolny         

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