Mein Tagebuch: 24.11.2022

24. November, Donnerstag: Mein Entsorger

Seit drei Tagen hat es zweimal heftig geschneit. In Leukerbad liegen 10 cm Schnee. Das Dorf wurde heute für die kommende Adventszeit lichtvoll geschmückt. So wie letztes Jahr, als noch niemand von einem Strommangel sprach. Doch offiziell wird behauptet, es werde nicht so schlimm wie befürchtet. – Bei meiner mittäglichen Klangmeditation singe ich gemeinsam mit meinen Kristallklangschalen: „Pleni sunt caeli et terra gloria tua.“ Wenn also Himmel und Erde gefüllt sind von der göttlichen Glorie, kann es keinen Mangel geben.

Georg entsorgt nicht nur meine Sorgen, sondern auch meinen Abfall, in der Schweiz «Kehricht» genannt. Er durchwühlt jeden Sack auf Wiederverwertbares, bevor dieser im Container landet. Küchenabfall bringen wir zum nachbarlichen Garten, an dessen Ecke ein Komposthaufen steht. Die Gemeinde Leukerbad stellt nämlich noch keine Grünabfuhr zur Verfügung. Nun hat Georg auch dort gewühlt und zwei ausgewachsene Kartoffeln mit nach Hause gebracht. Diese werde er in einem Abfallsack in unserer «Remise», sprich Kabäuschen, auf der Terrasse überwintern und im Frühjahr nachschauen, ob die Plantage gewachsen ist, verkündet er mir. Mein Lachanfall darüber erstaunt ihn nicht mehr, als ich ihm erzähle: Nach der Abfahrt unserer Nachbarn hatte ich gemäss deren Auftrag in ihrer Wohnung nach dem Rechten geschaut und etwa fünf ausgewachsene Kartoffeln gefunden, die ich sodann und auf dem besagten Komposthaufen entsorgt hatte. Georgs Spürnase findet alles!

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

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