Mein Tagebuch: 14. Mai 2020

14. Mai, Donnerstag:

Es regnet, der Himmel ist grau, die Erde trägt hier ein strahlend grünes Frühlingskleid. In Neuseeland ist es Herbst. In der Tageszeitung werden auch die Temperaturen für Sydney und Auckland angegeben: 18°C, also wärmer als die 13°C bei uns.

Für die öffentlichen Verkehrsmittel werden Masken empfohlen, Pflicht sind sie nicht. Es trägt auch kaum jemand eine. Warum denn auch? Das Bundesamt für Gesundheit hatte wochenlang verkündet, sie nützten nichts, könnten sogar schaden, besser sei das Abstandhalten. Doch – siehe da! – „Selecta“, eine Firma, die Snackautomaten betreibt, hat neuerdings Hygienemasken und Desinfektionsmittel im Angebot. Kleine Nebenbemerkung: Dort hat wohl jemand mein Tagebuch gelesen.
Pascal Blum, ein Journalist beim „Bund“, analysiert heute, warum die Maske in Asien schon lange zum Alltag gehöre. In Japan hätte sich die Maske vor allem nach der Spanischen Grippe 1918 verbreitet. Diese Sitte sei damals von den USA übernommen worden. Auch die Pestepidemie in der Mandschurei von 1910/1911 hat bewirkt, dass das Maskentragen sich in Ostasien verbreitete. Damals schon vertrat der in Cambridge ausgebildete Arzt Wu Liande, ein Chinese aus British-Malaya, die Theorie, dass die Krankheit sich nicht über Rattenflöhe, sondern über die Luft übertrage. Aha!

Am letzten Freitag bewertete unser Gesundheitsminister die Entwicklung als „absolut zufriedenstellend“. Das Virus bliebe uns erhalten, eine zweite Welle gäbe es in absehbarer Zeit aber nicht. Ist Herr Berset während seiner Zeit im Homeoffice hellsichtig geworden? Wie dem auch sei, Hauptsache, wir dürfen als Angehörige einer Risikogruppe – als solche haben wir uns nie betrachtet – wieder mit gutem Gewissen selbst einkaufen.

Südtirol öffnet sich ohne Einverständnis aus Rom. Die autonome Provinz findet, es müsse wieder Zuversicht einkehren. Ab 11. Mai öffnen Restaurants, Bars und Coiffeure, ab 18. Mai Kindergärten und Grundschulen, ab 25. Mai Hotels und Seilbahnen. Auf nach Südtirol! Wenn denn auch die Landesgrenzen wieder öffnen.
Ab dem 15. Juni öffnen sich die Grenzen der Schweiz zu Deutschland, Österreich und Frankreich. Zu Italien bleiben sie noch geschlossen.

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