Mein Tagebuch: 15. Mai 2020

15. Mai, Freitag:

Heute ist die „kalte Sophie“, auf Tschechisch heisst sie „Sophie, die sich in die Hose gepisselt hat“. Es regnet und es bläst ein starker Wind. Zuerst wollte ich mein T-Shirt mit den Sommerblumen anziehen, doch dazu ist es zu kühl. So wähle ich ein grünes mit einem Mandala, das dabei hilft, immer schön in der Mitte zu bleiben.

Gestern habe ich herausgefunden, welche Farben in dieser Pandemie-Zeit hilfreich sind: Gelbgrün, orange und scharlachrot wie die Berner Geranie. In diesen Farben habe ich mir letztes Jahr Murano-Glasperlen gedreht. Die Kette passt gut zum heutigen T-Shirt. Sich mit der Schönheit zu verbinden, war allen alten Kulturvölkern wichtig: „Walk in beauty!“

In der Stadt fand gestern der erste Abendverkauf seit … statt. Nur wenige nutzten diese Gelegenheit. Die längste Warteschlange sah ich vor einem auf Jogging-Schuhe spezialisierten Sportgeschäft. Von den etwa 50 Passant*innen, denen ich begegnete, trug höchstens eine einzige Person eine Hygienemaske. 

Die Berner Zeitung berichtet heute von schlimmen Vorfällen in zwei St. Petersburger Spitälern: 2 Beatmungsgeräte gerieten in Brand, sechs Menschen sind deswegen gestorben. Die Geräte des „Uraler Gerätebauwerks“, die nach dem 1. April hergestellt worden waren, wurden inzwischen aus dem Verkehr gezogen. Mit diesem Typ Beatmungsgerät hatte Russland vor einigen Wochen den USA und Italien geholfen. Bisher ist zumindest in Italien kein Unfall damit passiert. Auf den russischen Militärlastwagen, die die Geräte lieferten, prangten Aufkleber mit Herzen in den russischen und italienischen Nationalfarben und dem Slogan: „From Russia with Love“.

„Hallöchen!“, sagt Natascha und macht ein Video zur besseren Verbindung mit dem Willen Gottes. „Dein Wille geschehe!“  

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.