Mein Tagebuch: 18. Mai 2020

18. Mai, Montag:

Heute werden zum ersten Mal keine neuen Covid-Fälle im Kanton Bern gemeldet. In der Stadt geht der Angstpegel der Leute spürbar zurück, Zuversicht macht sich breit. Die Gassen der Altstadt sind offiziell mit den Fahnen der Schweiz und des Kantons Bern geschmückt. Den Grund dafür kenne ich nicht. Normalerweise ist dies zur Zeit der grossen Frühjahrsmesse, der BEA, der Fall. Doch diese kann jetzt gar nicht stattfinden.
Die Polizei hat jetzt nichts Besseres zu tun, als über 5-köpfige Gruppen zu büssen und aufzulösen. Dabei warten jetzt bedeutend mehr als 5 Fahrgäste an einer Haltestelle auf Tram und Bus! Es ist noch nicht bekannt, auf wie viele Personen sich die Versammlungsfreiheit ab dem 8. Juni beschränken wird. Gemäss Umfragen finden erstaunlicherweise vor allem junge Leute eine weitere Lockerung für verfrüht.

Viele planen die Sommerferien im Inland, aber auch in den angrenzenden Ländern. Das heutige Titelbild vom „Bund“ zeigt einen Strand in der Nähe von Rom. Zwei Männer messen den Abstand zwischen den Sonnenschirmen mit einem Messband ab, er soll 4.5 m betragen. Am 29. Mai dürfen die Strände wieder öffnen.
Slowenien und Tschechien heben den Notstand auf. In Tschechien besteht jedoch weiterhin in bestimmten Situationen Maskenpflicht, zum Beispiel beim Betreten eines Spitals oder während ambulanter medizinischer Behandlungen. Meine Schwägerin, die ihren Ehepartner dazu begleitet, ist deshalb froh um die südkoreanischen Masken, die wir ihnen geschickt hatten. Man könne damit besser atmen als mit selbstgenähten Stoffmasken, die sich beim Einatmen an die Nase „kleben“.

Im „Corona-Wunderland“ Schweden gelten nur 4 Regeln: Nicht mehr als 50 Personen dürfen sich versammeln, Warteschlangen, Einreisen aus dem Ausland und Besuche in Altersheimen sind verboten. Geschäfte, Schulen und Kitas waren die ganze Zeit hindurch geöffnet. Die Wirtschaft hat kaum gelitten. Sogar der als „Einflüsterer“ von Frau Merkel bekannt gewordene deutsche Virologe Christian Drosten lobt seinen schwedischen Kollegen.

Georg hat Bambussprossen aus dem Bio-Garten gebracht. Im Internet hat er gelesen, wie gesund und vitaminhaltig diese seien. Nur gibt es damit viel Arbeit: Die jungen Stangen sind mit harten Blättern umhüllt, die ich zuerst von Hand abschälen muss. Zum Vorschein kommt hellgelbes weiches Fleisch, das man zerschneiden und in Salzwasser kochen kann. Mit Basmatireis und Sojasauce schmeckt Bambus wunderbar! Pandabären essen wohl alles roh.

Text: Petra Dobrovolny
Foto: Georg Dobrovolny


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