Mein Tagebuch: 16. Juni

16. Juni, Dienstag:

Das Wetter ist warm und teilweise sonnig. Laut Vorhersage sollte es die ganze Woche regnen.
Ich krame meine 9-saitige Tampura hervor, die mindestens 7 Jahre lang ungespielt in ihrem kleinen Gitarren-Rucksack verbracht hat. Na ja, ich könnte mich damit entschuldigen, dass wir in der Zeit einen grossen Umzug bewältigt haben. Oder damit, dass ich noch so viele andere Musikinstrumente habe. Georg meinte mal vorsichtig, ich solle doch vor dem Kauf eines neuen Instruments zuerst ein bisheriges verkaufen. Zweimal ist mir das geglückt, doch meine keltische Harfe war ziemlich beleidigt, als sie die Besitzerin wechseln musste. Mit Büchern ist das für mich – meistens – einfacher: Seit dem Umzug habe ich viele verschenkt oder in öffentlich zugängliche Bücherschränke gelegt.
Aber meine Tampura werde ich wohl mit in den Himmel nehmen, sie ist nicht einfach ein Musikinstrument, sondern ein Wesen mit einer besonderen Geschichte:             
Ein Bauer vom Thuner See rief eines Tages den bekannten Berner Instrumentenbauer Andreas Eigensatz an und fragte ihn, ob er Holz von einer Weide haben wolle. In der Nacht hätte der Blitz eingeschlagen, sodass der Baum gefällt werden musste. Dieses Angebot liess sich Andreas natürlich nicht entgehen, zumal das Holz durch den Blitz eine wunderbare Maserung erhalten hatte. Daraus fertigte er eine 9-saitige Tampura nach indischen Vorgaben an, die Oberseite besteht aus Kirsch- und Zwetschgenholz. Er rief mich an, ob ich sie anschauen wolle … Mit dem Saitenspiel vertonte ich dann mein „Märchen vom kleinen Delfin Müntschi“, denn die Klänge passten wunderbar zu der Bewegung, wenn Delfine auf- und untertauchen.
Trotz der langen Zeit sieht das Instrument nicht gealtert aus. Ich stimme es auf Cis und Gis, die „heilige Quinte“, wie sie in Indien genannt wird. Sie öffnet das Herz und schenkt Selbstvertrauen. Genau, was wir in dieser Zeit brauchen!

Auch wenn die Planeten gemäss astrologischer Deutungen weltweite Aufruhr und Revolution ankündigen, ist Gewalt weder angebracht noch nötig. Die farbige Bürgermeisterin von Atlanta bringt es tatsächlich fertig, die aufgebrachten Demonstrierenden zu beruhigen. Sie sagt: „Wenn ihr wirklich was ändern wollt, geht wählen!“ Damit erinnert sie an die Bürgerrechte und -pflichten. Ich freue mich darüber, dass solche Worte Resonanz finden. Ist dies ein Zeichen für die neue Zeit?
„The best way to predict future is to create it!“ Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen ist sie zu erschaffen! Das hat einmal Joe Dispenza, ein Neurowissenschaftler und spiritueller Lehrer, gesagt. Er wiederholt oft folgende Botschaft: Wir sollen uns unserer Schöpferkraft bewusst werden anstatt in einer Opferrolle zu verharren … und den eigenen Schatten auf andere zu projizieren anstatt ihn zu umarmen, würde C.G. Jung hinzufügen.

Die Engel ermuntern uns: „Yes! Yes! Yes! Your dreams are becoming real! Dream big!“

Die vor 6 Monaten gegründete Berner Fluggesellschaft flybair sendet mir eine Nachricht: „Wir träumen nicht mehr! Wir fliegen in die Ferien!“ Reiseträume werde wahr, ab Bern-Belp haben wir wieder die Wahl: Ab Juli nach Mallorca, ab September nach Kos, Rhodos, Kreta. Und das klimafreundlich, eine CO2-Kompensation ist im Preis inbegriffen.

Bereits vor der Aufhebung der Reisebeschränkungen machte „Schweiz Tourismus“ und auch Bundesrat Maurer Werbung dafür, im eigenen Land Ferien zu machen. Es gab Prospekte mit dem Slogan: „Dream now! Travel later!“ Nun ist das „Later“ eingetroffen, vor allem Campingplätze und Ferienwohnungen sind im Juli und August schon ausgebucht. Die Hotels in den Städten werden von Familie Schweizer eher gemieden. Das Wallis zeigt als Werbung übermüdete und unfrisierte potenzielle Kunden und Kundinnen mit Homeoffice-Laptops: „Egal, wie du aussiehst, bei uns bist du willkommen!“




2 Fotos und Text: Petra Dobrovolny
Letztes Foto: Georg Dobrovolny


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