Mein Tagebuch: 11. bis 16. Juli 2020

11. Juli, Samstag:

Ein grosser weisser LKW ohne Firmenaufschrift steht am Morgen vor dem Haus unserer Nachbarn: Sie ziehen aus, sang- und klanglos, ohne Abschied. Niemanden von den 10 nachbarlichen Parteien unserer Sackgasse haben sie informiert. Letztes Jahr hatten wir im August alle zusammen noch gefeiert… Wir wollten sie nicht ausfragen, wenn sie von sich aus nichts sagen wollten. Zum Schluss wird das weisse Kinderbett mit den hohen Stangengitter eingeladen. Wir werden sie vermissen, die kleine Lena. Immer wieder schaute sie durch den Zaun zu uns herüber. Nach zwei Jahren wird ihr Lebensweg an einem anderen Ort weitergehen. In Gedanken wünschen wir ihr und ihren Eltern alles Gute.

Da haben wir es schon per Post:  Die erste Steuererhöhung! Im Kanton Bern werden die amtlichen Werte für sämtliche nichtlandwirtschaftliche Grundstücke angepasst, d.h. ab dem Steuerjahr 2020 erhöht.

Soooo viel wurde bereits über das Corona-Virus und die Pandemie geschrieben! Aber viele Fragen wurden immer noch nicht beantwortet:
– Wieviele Menschen sind bis heute ausschliesslich an Covid-19 gestorben?
– Wie sieht der Vergleich zur normalen Sterblichkeit aus?
– Wie kann die Immunität gestärkt werden? Allgemein verständliche Anweisungen für den «Normalverbraucher» gibt es von offizieller Seite nach wie vor nicht.
– Wann wird die bisher ungenügende und irreführende Definition der Risikogruppe revidiert?

In den Kantonen Zürich und St. Gallen gibt es neue Infektionsherde. Meistens sind Clubs und Bars die Ursache. Von Anfang an wurden ständig die über 65-Jährigen als gefährdete Gruppe bezeichnet, die Jüngeren seien nicht betroffen. Und jetzt fällt es diesen schwer zur Kenntnis zu nehmen, dass sie auch erkranken können. So wie etwa 50 Rekruten, die zur Sommer-Rekrutenschule aufgeboten wurden.

Der brasilianische Präsident Bolsonaro, der sich für unbesiegbar hielt, ist nun an Covid-19 erkrankt. Er wird angeklagt, weil er die Gesundheit des Volkes nachlässig auf’s Spiel gesetzt hat. Er werde diese «leichte Grippe» wie ein Mann durchstehen. Oh, Mann!

Der «Bund» von heute bringt einen Artikel mit dem Titel: «Wieso wir zuversichtlich sein können». «Es gibt keinen Grund, in panisches Schwarzmalen zu verfallen. Noch weniger angebracht ist allerdings riskante Sorglosigkeit.» Die Ansteckungszahlen seien weniger stark angestiegen als nach den Grenzöffnungen und Lockerungen der Massnahmen befürchtet. Die Zahlen der Spitaleinweisungen und der Todesfälle durch Covid-19 hätten bis jetzt nicht zugenommen. Weite Teile der Schweiz seien nur wenig betroffen, vor allem gäbe es lokal begrenzte Ausbrüche. Gesunde Zuversicht, dass wir die Pandemie meistern werden, sei richtig. Ich staune über diesen positiven Artikel, der keine Panik verbreitet.


13. Juli, Montag:

Am Abend lese sich meine Gedichte vor, 20 Leute hören mir andächtig zu. Eine Stunde lang lese ich aus den Sammelbänden «In der Blütenwelt flanieren», «Eine Tasse Tee geniessen» und «Den Wellen gegenüber», welche vom Literaturpodium in Deutschland herausgegeben wurden. Zwischendurch spiele ich Klänge auf meiner neun-saitigen Navatar-Tambura. Es wird ein besinnlicher Abend. Die Zuhörenden wünschen sich zum Schluss, dass ich die Gedichte «Dein Vermächtnis», «Zur Feier des Lebens» und «Deine Bestellung» noch einmal vorlese. Einige vom Publikum sagen, dass sie tief berührt seien, dieser Abend sei ein kostbares Geschenk gewesen.

Die Engelkarten von Estelle sagen uns für diese Woche:
Die Engel helfen euch, neue Türen werden sich öffnen. Eure Wünsche manifestieren sich. Es gibt unglaubliche Gelegenheiten! Es kommt alles gut, ihr kommt in ruhigere Gewässer und seid auf dem richtigen Weg. Es gibt keinen Grund zur Sorge! No need to worry!   


16. Juli, Donnerstag:

Unglaublich, was heute alles passiert:
Unsere Nachbarn, die junge Familie, ist nach ein paar Tagen Putzerei endgültig ausgezogen. Jetzt kann ich wieder unbesorgt die Fenster öffnen, ohne dass Zigarettenrauch in unser Haus dringt. Wann die nächsten Mieter einziehen werden, wissen wir nicht.
Als ich am Nachmittag bei den Nachbarn den Briefkasten leere, treffe ich den Schwiegersohn Philip und den kleinen Enkel an: Die Grosseltern sollen jeden Moment aus Neuseeland zurückkommen! Ich übergebe Philip die Schlüssel und verabschiede mich. Ich bin sehr erleichtert, diese Verantwortung abgeben zu können. Zum Glück geht es den Fischen im Aquarium gut. Georg hatte vor ein paar Tagen eine kleine Hortensie in den Topf vor der Haustüre eingesetzt. Ich hatte noch die verblühten Geranien in den Kästen beim Eingang abgeschnitten.
Um 20.15 h wird in Tschechien Georgs Grossneffe geboren. Mutter und Kind sind wohlauf, der Kleine heisst Georg und ist das 2. Kind von Georgs jüngstem Neffen und dessen Frau. Wir freuen uns, dass die Geburt ohne Komplikationen verlaufen ist. Eine weitere Seele bringt neues Licht in diese Welt! Ein Grund zum Feiern.

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

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