Mein Tagebuch: 4. August 2020

4. August, Dienstag:

Das Bundesamt für Gesundheit muss seinen „Zahlensalat“, wie es die heutige Ausgabe „Der Bund“ bezeichnet, korrigieren: Die Ansteckungsgefahr sei innerhalb von Familien grösser als bei Besuchen von Discos, Clubs und Bars. Es ist nicht die erste Korrektur. „Auch die neuen Zahlen taugen wenig“, schreibt die Tageszeitung. Wichtige Daten fehlten, das Contact-Tracing sei ungenügend, fast jeder Kanton habe ein anderes System für die Datenerhebung. Diesmal sei ein „menschlicher“ Fehler passiert. Der wissenschaftlichen Taskforce stehen die Daten des BAG aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht zur Verfügung. Diese können also auch nicht noch einmal überprüft werden.
Der Kanton Genf bleibt seiner am letzten Freitag wieder verordneten Schliessung des Nachtlebens. Gemäss der kantonalen Gesundheitsbehörde passierten 40 bis 50% der Ansteckungen in Klubs und Bars. Punkt.

Wie kann die Bevölkerung bei solchen Pannen den Behörden vertrauen, wenn diese Massnahmen verordnen, die auf ungenügender Datenerhebung basieren? Nun kritisiert die Taskforce als offizielle Stelle den Bund. Wo gibt es das in Deutschland? Natürlich gibt es in der Schweiz auch einzelne kritische Politiker*innen und Fachleute, deren Ruf aber nicht geschädigt wird, wie dies etwa bei Dr. Bodo Schiffmann der Fall ist.

Im Juli hatten Georgs jüngste Schwester und ihr Ehepartner den 70. Geburtstag. Sie wohnen in Nordmähren und wollten dort auch mit der ganzen Familie feiern. Kein Restaurant in der Umgebung wollte einen Tisch für etwa 30 Personen – so gross ist die Familie – reservieren. Jetzt haben sie das Fest abgesagt. Wir alle hoffen auf ein Wiedersehen unter besseren Umständen.

Foto von Phloxien: Petra Dobrovolny
Text: Petra Dobrovolny

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