Mein Tagebuch: 18. September 2020

18. September, Freitag:

Altweibersommer ohne Ende! Der Herbstnebel bleibt vorläufig noch aus. Wir werden mit reifen, süssen Früchten beschenkt! Die Obstbäume beugen sich unter ihrer Last. Die Weinlese hat begonnen: Es wird ein guter Jahrgang!
Die Stare und Schwalben sammeln sich. Auch die Menschen am Abend in der Berner Altstadt: Manche Gassen sind voll mit gedeckten Tischen, oft sind alle Stühle besetzt. Es duftet nach Pizza.

Am kommenden Wochenende beginnen die Herbstschulferien. Die Schweiz ist seit dem 14. September gemäss eigenen Kriterien ein Risikoland: Während eines Zeitraums von 14 Tagen wurden jeden Tag 60 von 100‘000 Personen positiv getestet. Dänemark setzt die Schweiz auf die rote Liste und rät ausser in dringenden Fällen von Reisen ab. Wir bleiben – wie viele andere auch – lieber im Land und möchten die Walliser Berge auskundschaften. Die Sonne ist dort so stark wie im Süden, es gibt guten Käse und Wein.

In Quarantäne müssen ab Montag Rückkehrende aus Wien und einigen französischen Regionen. Die unmittelbar angrenzenden Regionen unserer Nachbarländer werden ausgenommen. Bundesrat Berset begründet dies mit der zu engen wirtschaftlichen Verflochtenheit und sozialen Nähe.

Bald gibt es von der Basler Firma Roche einen neuen Schnelltest: Innerhalb von einer viertel Stunde kennt man das Ergebnis. Beim bisherigen PCR-Test dauert dies 2 Tage. Der Schnelltest wird zunächst Spitälern und Pflegeheimen zur Verfügung gestellt. Er darf nur von medizinischem Personal vorgenommen werden, Auch der unangenehme Nasenabstrich ist noch nötig. Doch wird er die Testkosten senken. Einen grösseren Fortschritt brächte ein Test, für den nur Speichelproben nötig wären. Daran werde gearbeitet. Dies schreibt „Der Bund“ von heute.

Gemäss Prof. Haditsch kann der PCR-Test Bruchteile der Erbsubstanz von Corona-Viren, also Gen-Segmente, nachweisen, jedoch nicht klassifizieren. Es gibt Dutzende von Corona-Viren, ca. 400 verschiedene Tests sind in Gebrauch. Und Dr. Bodo Schiffmann hat einmal erwähnt, dass jemand in Deutschland eine Belohnung von 100‘000 EUR ausgeschrieben hat für den Wissenschaftler oder die Wissenschaftlerin, der oder die den mikrobiologischen Nachweis für das SARS-CoV2 erbringen kann. Bisher hat sich niemand gemeldet. 

Furore macht ein Naturheilmittel aus dem Thurgau: Der rote Sonnenhut bzw. die Echinacea-Tinktur. Das bundeseigene Labor in Spiez hat herausgefunden, dass diese Heilpflanze Viren in Zellkulturen töten kann. Seit ein paar Tagen ist das Mittel bereits in vielen Apotheken ausverkauft. Es ist ohne Rezept erhältlich und schon seit Jahren bekannt. Viele verwenden es im Winter als Vorbeugung oder Behandlung einer Erkältung oder Grippe. Der Schweizer Heilpraktiker Alfred Vogel brachte den Sonnenhut in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aus South-Dakota nach Thurgau. Der Sioux-Häuptling Black Elk hatte ihm eine Pflanze geschenkt und ihn in die indianische Pflanzenheilkunde eingeweiht. Inzwischen blüht der Rote Sonnenhut in vielen Gärten, auch in unserem. Bald werde ich die Wurzel ausgraben und in Cognac einlegen.

Auf Youtube schaue ich mir die Nachrichten von den Demonstrationen in Deutschland an, auch Interviews und Vorträge mit Prof. Bhakdi und seiner Frau, dem Rechtsanwalt und Bürgerrechtler Markus Häntz, Prof. Haditsch, Dr. Bodo Schiffmann und dem Pfarrer Jürgen Fliege. Mich beeindruckt die starke Ausstrahlung einer friedlichen Haltung von Menschen, von denen sich viele auf Mahatma Ghandi und Martin Luther King berufen. Wenn Kameras und Mikrophone abgeschaltet sind, gesellen sich Polizisten zu den Demonstrierenden, nehmen ihren Helm ab und sprechen als Bürger zu Mitbürgern. Sie sagen, dass es ihnen das Herz bricht, die Befehle der Regierung ausführen zu müssen.

Bodo Schiffmann sagt, das Schlimmste, was ihm passieren könne sei, dass er sich morgens im Spiegel nicht mehr in die Augen schauen könne. Das kann ich ihm sehr gut nachfühlen. Einige Male musste ich in meinem Leben eine Entscheidung treffen und bin dann immer meinem Herzen gefolgt, um mir selbst weiterhin in die Augen schauen zu können.

Text und Foto „Sonnenuntergang am Neuenburgersee“ :
Petra Dobrovolny        

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