Mein Tagebuch: 13. Oktober 2020

13. Oktober, Dienstag:

Im Bus höre ich, wie ein etwa 9jähriges Mädchen zu ihrer Freundin sagt: „Und wenn wir jetzt an eine Geburtstagsfeier eingeladen sind, müssen wir eine Maske tragen, weil … weiss doch auch nicht!“ Sie schüttelt heftig den Kopf. „Geburtstagsfeier und Maske, das ist doch mega … komisch!“ Sie versteht die Welt nicht mehr. Doch wer versteht sie noch? Es wird immer absurder. Seit gestern ist die Stimmung in der Stadt in den Keller gesunken. Angst, Wut und Trauer machen sich wieder breit. Das Personal in den Geschäften und Restaurants tut sein Bestes und ist äusserst zuvorkommend und freundlich. Als müssten sie die Kundschaft trösten und sich noch mehr als sonst dafür bedanken, dass noch jemand einkaufen oder essen geht.

Infiziert heisst nicht krank. Ausschlaggebend bei der Einschätzung, was die steigenden Zahlen bedeuten, ist laut Spitalärzt*innen die Belegung der Betten. In Deutschland stehen die Betten der in diesem Frühjahr neu eingerichteten „CoVid-19-Abteilungen“ leer. Auch in der Schweiz sind die Spitäler im Vergleich zu sonst unterbelegt und es sterben weniger Menschen. Es heisst, man solle sich gegen Grippe impfen lassen, um solidarisch zu sein und um ja kein Spitalbett beanspruchen zu müssen, denn es sei mit einer winterlichen Covid-19-Welle zu rechnen.

Seit wieder Fussballspiele erlaubt sind, steigt die Zahl der positiv getesteten Infizierten an. Unser Gesundheitsminister behauptet, dies sei auf private Familienfeiern zurückzuführen. Die Regierung macht eben alles richtig, der Fehler liegt bei den Bürger*innen im privaten Bereich. Das ist doch wirklich „mega“!

Foto und Text: Petra Dobrovolny

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