Mein Tagebuch: 11.11.2020

11. November, Mittwoch:

Es ist nicht so einfach nach diesem Einbruch in unseren PC zur „normalen Tagesordnung“ überzugehen. Auch wenn wir glimpflich davongekommen sind. Die meisten e-Mails bleiben verschwunden und damit vor allem die Adressen unserer Familien und Bekannten. Wer dies liest und uns kennt, schicke uns doch bitte eine kurze Nachricht, damit wir eure Adresse wiederhaben.

Doch was heisst schon in dieser Corona-Zeit „normale Tagesordnung“? Die sinkenden Zahlen der Neuinfizierten, vor Kurzem noch bei 9‘000 pro Tag, jetzt bei 5‘000, sollten uns nicht sorglos werden lassen, auch nicht die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff, meint eine Wissenschaftlerin. Der Strategie, die Corona-Pandemie mit Testen, Rückverfolgung, Isolation und Quarantäne geben die offiziellen Behörden in der Schweiz die Abkürzung TRIQ. Mit diesem Trick also wird unser Alltagsleben eingeschränkt. Auch wenn die Taskforce, die den Bundesrat berät, TRIQ als gescheitert ansieht. Den Grund dafür sieht sie in der mangelhaften Umsetzung des „Contact-Tracings“.

Das haben wir auch gemerkt: In Leukerbad war die Bedienung des Restaurants entsetzt darüber, dass ich kein Smartphone besitze. Sie musste meine Daten von Hand in ihr Handy eingeben. Ich bezweifle, dass dies ohne Fehler passierte. In anderen Restaurants werden die handschriftlich ausgefüllten Zettel der Gäste einfach gestapelt und nach einer gewissen Zeit weggeworfen.

All diese Einschränkungen lassen auch neue Ideen entstehen. Ich finde es traurig, dass die Thermalbäder geschlossen sind. Georg füllt einen grossen Kanister bei einem der zahlreichen Leukerbader Dorfbrunnen ab. So können wir in unserer Wohnung in aller Ruhe ein Fussbad geniessen. Und vor dem Restaurant Sternen gibt es zwei Brunnen: Bei einem fliesst kaltes, beim anderen 51° heisses Wasser. Ein Wechselbad mit den Händen belebt Körper und Seele. Nur darf man dies nicht zulange machen, denn bald einmal meldet sich auch die Blase. Dann muss man schnell nach Hause eilen, denn die Restaurants haben im Wallis jetzt geschlossen. Dies ist auch ein Nachteil bei längeren Wanderungen den vielen Wasserfällen entlang, besonders für mich als Frau …

Jeder Wasserfall singt sein eigenes Lied, auch jedes Bergbächlein gluckert anders. Ich könnte mal bei meinen nächsten Wanderungen ein Aufnahmegerät mitnehmen.

In unserem Dorf bei Bern haben sie vor dem Einkaufszentrum bereits vor einer Woche einen Weihnachtsbaum aufgestellt. Dieses Jahr ist er ganz in Gold und soll uns wohl darüber hinwegtrösten, dass der „Zibelemärit“ von Ende November dieses Jahr ausfällt. Früher begann man mit den Weihnachtsdekorationen erst nach dem Zibelemärit.

13. November, Freitag:

Nachtrag zum 11.11.: Am Abend herrscht in der Altstadt von Bern eine gespenstische Stille. Heute wäre der Beginn der 5. Jahreszeit, der Fasnacht, und kein Ton von einer „Guggemusig“ ist zu hören. Das habe ich all die 19 Jahre, in denen ich hier meine Praxis habe, nicht erlebt. Auch in Köln und Mainz gibt es eine – hier von der Polizei kontrollierte – Stille. Ein Organisator sagt, es täte einem in der Seele weh. Doch die „Jecken“ müssten jetzt zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen können. Die Vorfreude und Hoffnung auf die Karnevalszeit im kommenden Februar wäre jetzt erst recht gross.

Ich gehe beim Berner Waisenhausplatz vorbei und, siehe da, immerhin sind dort vier Marktstände mit kunstvoll geflochtenen Zwiebelzöpfen aufgebaut. Die Kundschaft sollte sich vor dem Einkauf die Hände desinfizieren und die Abstände einhalten. Die Verkäufer*innen tragen eine Maske. Die prächtigen „Zibelezüpfe“, im Berner Seeland „Trütschle“ genannt, warten geduldig.  





Fotos und Text: Petra Dobrovolny           

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