Mein Tagebuch: 02. 04. 2021

2. April, Karfreitag: Würmer, Immunsystem und Fazit nach einem Jahr

Heute kommt Georg nach Leukerbad mitsamt Kompostwürmern. Diese finden Unterkunft im Blumenkistli auf unserer Dachterrasse. In letzter Zeit war es sehr trocken, sodass Georg in unseren Garten in Bremgarten tief graben musste und nur 3 Exemplare finden konnte. Deswegen hält er hier in Leukerbad Ausschau nach weiteren und wird sofort in einer verlassenen Gärtnerei in der Nachbarschaft fündig. Nun gibt es bei uns acht Würmer unterschiedlicher Herkunft. Vielleicht entsteht eine neue Rasse? Eine Wurm-Mutante?

Präsident Macron ordnet für Frankreich einen vierwöchigen landesweiten Lockdown ab Ostersamstag an. Ist dies das richtige Mittel gegen die Verbreitung des Virus und dessen Mutanten? Die WHO hatte im letzten Oktober einen Lockdown nur empfohlen, um sich neu zu organisieren und um das Pflegepersonal zu schützen, jedoch nicht als Dauermittel. Die tschechische Wissenschaftlerin Frau Dr. med. Irena Koutna findet repressive Anordnungen nicht förderlich. Die Hauptrolle spiele die Frage, wie der Mensch sein Immunsystem in Eigenverantwortung pflegen könne. Wichtig seien eine gesunde Ernährung und Bewegung an der frischen Luft.

Ich finde es bedenklich, wenn ein Staat seine Mitbürger*innen und Kinder einsperrt. Das schlägt auf’s Gemüt und schwächt das Immunsystem erst recht. In der Schweiz war und ist immer noch Wintersport möglich. Daraus haben sich keine «Superspreader» ergeben. Alle verhalten sich diszipliniert und halten die Regeln ein. In der deutschen Tagesschau sehe ich, wie die Polizei an Ostern Tagesausflügler*innen daran hindert zu einem Spaziergang bei schönem Wetter an die Nord- oder Ostsee zu fahren. Wie traurig!

Georg zieht nach einem Jahr Fazit zur Corona-Pandemie und zum Verhalten der Behörden in der Schweiz: «Vor einem Jahr, zu Beginn des Ausbruchs, war das Bundesamt für Gesundheit BAG überhaupt nicht vorbereitet. Der bereits seit Jahren vorliegende Pandemieplan, der u.a. vorschreibt, wie viel von welchem benötigten Material ständig gelagert werden soll, blieb in der Schublade. Es gab bei weitem nicht genug Material, welches dazu gar nicht im Land hergestellt wird: Masken, medizinische Schutzkleidung, Desinfektionsmittel usw. Deutschland und Frankreich hinderten sogar mit medizinischem Hilfsmaterial beladene Schweizer LKWs an der Ausreise in die Schweiz. Die Folge waren materialbedingte Empfehlungen und Massnahmen: Man sollte zuhause bleiben, über 65-Jährige wurden pauschal als Risikogruppe bezeichnet, auf welche die Jungen, die immun seien, Rücksicht nehmen sollten. Es wurde ein paar Monate lang über den Sinn von Masken debattiert, bis schliesslich genug vorhanden waren. Heute sind sie im öffentlichen Verkehr selbstverständlich. – Was haben das BAG und der Bundesrat das ganze Jahr lang gemacht? Man soll sich nicht die Hand geben, aber zum Beispiel gibt es immer noch keine Abfallcontainer mit Pedal. In Wien wurden solche schon vor einem Jahrlängst eingeführt. In öffentlichen Toiletten muss man Türen, Abriegelungen und Wasserhähne meistens von Hand bedienen, wie auch die Tastaturen von Automaten, Türöffnungen im öffentlichen Verkehr und vieles mehr.» Georg versteht die Jugendlichen, die jetzt auf der Strasse protestieren. Sie gelten jetzt nicht mehr als immun, ihre Ausbildung leidet, wegen Corona fallen für den Lebenslauf so wichtige Auslandaufenthalte aus. Welche Zukunftsperspektive haben die Jungen?   

Die Walliser Firma Lonza stellt nun Impfstoff für «Moderna» her und hatte Bundesrat Berset angeboten, eine Produktionsstrasse speziell für die Schweiz zu bauen. Alain Berset ging weder auf das Angebot ein noch informierte er den Bundesrat darüber. Dabei will die Schweiz immer autark sein! Immerhin soll dieses Jahr ein inländischer Standort mit der Produktion von Desinfektionsmitteln beginnen.

Foto und Steinmandala von Petra Dobrovolny, auch der Text