Mein Tagebuch: 02.12.20

2. Dezember, Mittwoch:

In der Nacht zu gestern gab es in Süddeutschland ein Erdbeben, Richterskala 4. Es hat bis in die Niederungen geschneit. Auch in Bern ist der Schnee liegen geblieben. Dies gibt trotz Hochnebel eine gute Stimmung, auch beim Weihnachtsmarkt auf dem Waisenhausplatz in der Altstadt. Die Stände stehen in einem grösseren Abstand voneinander als sonst. Es sind weniger, und es herrscht Maskenpflicht. Die grosse Bar, bei der sich sonst im Advent «tout Berne» zum Feierabend-Punsch traf, wurde dieses Jahr nicht aufgestellt. Pantoffeln, Wollschals und Kerzen in allen Farben und Formen sind die Renner, auch die leuchtenden Papiersterne.

Allmählich sickert durch, welche Massnahmen der Bundesrat bald für die Weihnachts- und Silvestertage ankündigen wird. Etwa wie viele Personen von wie vielen Haushalten sich treffen dürften, ob zuhause oder in Restaurants. Der Wintersport wird stattfinden, die Seilbahnen dürfen nur 2/3 ihrer Kapazitäten auslasten. Frau Bundeskanzlerin Merkel möchte am liebsten den Wintersport in Deutschland verbieten. Auf ihr Langlaufen in der Schweiz wird sie wohl nicht verzichten. Ihr Hotelier in Pontresina hat ihr bereits zugesichert, dass das Hotel alle Massnahmen befolgen werde, und dass sie sich auf die Sicherheit verlassen könne.

Impfstoff ist ein brandheisses Thema. Grossbritannien will ihn im Eilverfahren bewilligen und alle 70 Millionen Einwohner*innen impfen lassen. Gestern hat in der Schweiz die Unterschriftensammlung der Volksinitiative gegen die Impfpflicht begonnen. Ziel ist, dass jede/r selbst entscheiden kann, ob er oder sie sich impfen lassen möchte. Gesundheitsminister Berset lässt verlauten, dass zunächst nur die sogenannten Risikogruppen, gemäss Definition die über 65-Jährige und Menschen mit Vorerkrankungen, geimpft werden sollten, auch das Medizinpersonal und vielleicht auch Lehrer*innen. Für die anderen werde es keine Impfpflicht geben, denn der Impfstoff sei nicht sicher genug, er könne das Corona-Virus weder ausrotten noch Covid19 verhindern. Eine Umfrage zeigt, dass sich höchstens jede/r Zweite impfen lassen wolle und nur 22% der Bevölkerung eine Impfpflicht befürwortet.

Eine Impfstoffherstellerin hat den Bundesrat bereits gewarnt: Wegen des enormen Zeitdrucks könnten Impfschäden nicht ausgeschlossen werden. In solchen Fällen müsste die Regierung haften und die Kosten tragen. Das ist doch «mega … blöd»! Wer wird das am Ende bezahlen?

Foto: Berner Weihnachtsmärit, und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 17. und 20. November 2020

17. November, Dienstag:

Meine Gedanken an die Jean-Monnet-Stiftung führen mich wieder mal zu meinem Vater. In 3 Wochen würde sich sein Geburtstag zum 108. Mal jähren, im Jahre 1991 ist er gestorben. Für viele Menschen war und ist er immer noch ein Vorbild. Für mich auch. Er war immer sehr fürsorglich und beschützend. Trotzdem fühlte ich mich nie eingeengt, sondern unterstützt und bestätigt. Manche – auch meine Mutter – hielten ihn für einen Engel. Ich nicht, doch vielleicht habe ich ein anderes Bild von Engeln. Mein Vater war für mich einfach immer zuverlässig da, wenn ich ihn brauchte. Auch nach seinem Tod spüre ich bei wichtigen Entscheidungen seine liebevolle Präsenz, die mir Mut macht.

Beim Einpacken meiner Praxis überlege ich: Was hat mein Vater mir durch sein gelebtes Vorbild vermittelt? Gerechtigkeit war für ihn wichtig. Er kannte sich aus in rechtlichen Dingen und konnte gut Briefe formulieren. Auch nach seiner Pensionierung wurde er von Nachbarn und Handwerkern um Rat gefragt. Dann schrieb er für sie – ohne ein Honorar zu verlangen – Briefe an Versicherungen und Behörden. Und freute sich wie ein kleines Kind, wenn er anderen zu ihrem Recht verhelfen konnte. Dafür brachte manche Nachbarin einen Kuchen vorbei, oder ein Handwerker führte eine Reparatur gratis aus.

Georg hat mich mal gefragt: „Was betrachtest du in Bezug auf deine therapeutische Tätigkeit als deinen grössten Erfolg?“ Meine Antwort: „Wenn jemand selbstbestimmt seinen Lebensweg gehen kann oder nach einem Trauma einen neuen Lebenssinn findet.“ Das ist zunächst meine Antwort. Nun nehme ich beim Aufräumen noch einmal meine Notizen in die Hände und sehe, wie viele Gutachten und Schreiben an Versicherungen, Behörden, Anwälte und Ärzte ich in all den Jahren verfasst habe, um meinen Patientinnen – meistens waren es Frauen – zu ihrem Recht zu verhelfen. Die grösste Herausforderung für mich war, wenn Patientinnen mit einem durch einen Verkehrsunfall verursachten Schleudertrauma als Simulantinnen und als psychisch krank abgestempelt wurden. Die heutigen bildgebenden Verfahren der Medizin sind noch nicht dazu geeignet, Schmerzsyndrome „objektiv“ darzustellen. Als Körpertherapeutin kann ich unter meinen geschulten Händen die schmerzhaften Stellen „objektiv“ genau erspüren. Da ich aber kein Apparat bin, hat mein Befund kein Anrecht darauf, als Argument für ein Gutachten zu gelten. Die „wissenschaftlich richtige“ Schlussfolgerung: Meine Patientin bilde sich die Schmerzen ein und sei als psychisch krank zu beurteilen. Mit dem Unfall habe dies nichts zu tun, die Versicherung sei nicht zu einer Rentenzahlung verpflichtet. In einem Fall wurde ich als behandelnde Psychologin vom Vertrauensarzt einer Versicherung sogar beschuldigt, dass ich meiner Patientin die Schmerzen einrede. Es sei höchste Zeit, dass sich Frau XY in die fachlich kompetente Behandlung eines Psychiaters begebe. Meine Patientin war über dieses Gutachten völlig entsetzt und fragte mich, wie so etwas möglich sei. Es ist seltsam: Dieser Arzt kennt mich gar nicht und spricht mir jegliche Fachkompetenz ab. Auf so etwas reagiere ich nicht. Ich redete Frau XY gut zu: „Jetzt geben wir nicht auf, sondern kämpfen weiter dafür, was Ihnen rechtmässig zusteht.“ Sie war einverstanden, denn sie wollte auf keinen Fall eine Sozialhilfe beantragen. Nach etwa 3 Jahren gelang es mir, für sie die Zusage einer Rente und damit das Anrecht auf eine bezahlte geeignete Umschulung zu bewirken. Mit der nötigen Geduld und Ausdauer, wie mein Vater. Dies betrachte ich als meinen grössten Erfolg. Und Frau XY ist heute zusammen mit ihrer kleinen Tochter gut auf ihrem Lebensweg unterwegs. Zum Glück hatte sie ihn nicht vorzeitig selbst beendet. Die 25 Seiten des damaligen vertrauensärztlichen Gutachtens und die spätere dunkelrote Briefkarte von Frau XY mit den Abschiedsworten „Herzlichen Dank für ALLES!“ kann ich nun sorgfältig zerreissen und der öffentlichen Kehrichtverbrennung übergeben. Eine 18 Jahre lange Geschichte mit einem guten Ende. Doch was sind schon geschichtlich betrachtet 18 Jahre? Man könnte auch sagen: Wahrheit und Gerechtigkeit haben bereits nach 18 Jahren gesiegt! Die Bevölkerung einiger Länder wäre froh darum!

Am Abend prosten Georg und ich uns mit einem guten Glas Wein in Gedenken an meinen Vater zu. Georg erinnert sich an die zahlreichen Gespräche mit ihm, in denen er von Europa, Jean Monnet und die Zeit in Luxembourg erzählte. Ich meine zu sehen, wie mein Vater uns vom Himmel her zublinzelt und sich freut.

20. November, Freitag:

In der Nacht auf heute hat der Wind heftig an den Lamellenstoren gerüttelt und hier in Leukerbad bis auf 1400m etwas Schnee gebracht. Georg fragt per Telefon, wie viele und welche Geranien ich hierher haben möchte. Am Sonntag wird unser kosovarischer Nachbar zum zweiten Mal Sachen aus meiner Praxis nach Leukerbad transportieren, dieses Mal mit seinem Privatauto. Ich sage Georg, dass es auf den noch vorhandenen Platz ankäme, denn es sollen noch ein kleiner Schrank mit Türen und einer mit einer Glasvitrine den Weg in die Walliser Berge finden, ausserdem noch 4 Bananenschachteln mit Büchern, CDs, Geschirr, Bildern, Kristallen und Muscheln.

Die seit dem 6. November strengeren Corona-Massnahmen werden im Wallis bis zum 13. Dezember verlängert. Ursprünglich sollten die Restaurants ab dem 1. Dezember wieder öffnen. Dafür dürfen ab dem 1. Dezember wieder mehr Menschen auf einmal in die Kirche gehen. Ich werde vor allem dafür beten, dass die Wahrheit endlich ans Licht kommt. Denn vieles stimmt nicht.

Steigen in der Schweiz die Zahlen, werden die Massnahmen strenger und die Regierung ermahnt die Bevölkerung wie ungehorsame Kinder. Sinken die Zahlen, werden die Massnahmen verlängert, denn man hätte jetzt weniger getestet, die Zahlen seien immer noch zu hoch, wir dürften auf keinen Fall nachlässig und schon gar nicht sorglos werden. Jeder solle sich auch bei trockenem Husten und ohne Fieber testen lassen. Ein junges Paar berichtet, es sei schon lange in der Warteschlange gestanden, um sich testen zu lassen. Die Formulare hätten sie schon längst ausgefüllt und abgegeben, auch nach einer Stunde war ein Ende der Warterei nicht in Sicht. Deswegen seien sie einfach nach Hause gegangen ohne sich testen zu lassen. Zwei Tage später wurden sie telefonisch in eine 10-tägige Quarantäne beordert, denn sie seien positiv getestet worden.

Uns wird immer noch nicht mitgeteilt, was ein PCR-Test eigentlich misst. Vergleichszahlen zu anderen Jahren gibt es nicht. In Deutschland hat ein Arzt die akademische Karriere von Herrn Christian Drosten, der den PCR-Test zusammengestellt hat und die Bundesregierung massgebend berät, unter die Lupe genommen. Dessen Dissertation war erst nach mehreren Anfragen auffindbar, obwohl sie öffentlich zugänglich sein sollte.  Eine Habilitation in der Form einer Monografie gibt es nicht. Stattdessen wurden Herrn Drostens 3 Aufsätze als Habil anerkannt.

In einem weiteren Interview auf Youtube betont Prof. Bhakdi wieder die Schädlichkeit der Hygienemasken, wenn man sie stundenlang tragen und die eigene Ausatemluft wieder einatmen muss. Vor allem für Kinder sei dies eine Quälerei. Er findet es absurd, dass die Masken sogar bei Spaziergängen am Ufer der Ostsee unter Polizeiaufsicht getragen werden muss. Statt eines Nasen- und Rachenabstrichs, wie dies beim PCR-Test geschieht, solle besser die viel weniger belastete Ausatemluft auf Viren untersucht werden. Denn diese würde eventuell in Form von Aerosolen von anderen Menschen eingeatmet. Wenige Tage später wird auch dieses Video von der Zensur gelöscht.

Inzwischen gehen Anwälte in verschiedenen Ländern weltweit – auch in Österreich – gerichtlich gegen den PCR-Test vor. Dieser Test ist eigentlich nur für die Forschung im Labor zugelassen, nicht aber für den diagnostischen Alltagsgebrauch.

Genauso fragwürdig sind die mit grosser Geschwindigkeit entwickelten Impfstoffe, von denen zur Weihnachtszeit zwei nach nur 8 Monaten Forschung und durch ein sogenanntes „rollendes Zulassungsverfahren“ auf den Markt kommen sollen. Ein deutscher Biologe warnt vor Langzeitschäden, obwohl er kein Impfgegner ist. Der zuletzt genehmigte Impfstoff gegen Mumps habe 4 ½ Jahre Zeit bis zur Genehmigung benötigt, alle früheren Impfstoffe 5 bis 10 Jahre. Das Schlimmste sei, dass gesunde Menschen, die das Corona-Virus nicht haben, geimpft würden. Dadurch bekämen sie es wahrscheinlich ohne Symptome, könnten in der Folge jedoch unwissend andere Mitmenschen damit infizieren.

Was ist denn das für ein Weihnachtsgeschenk?

Der alte Eid des Hippokrates, den auch heute noch jeder Arzt und jede Ärztin ablegen, lautet: „Nihil nocere!“ Das oberste Gebot der ärztlichen Tätigkeit muss sein: „Nicht schaden!“ Menschenrechte und die Menschenwürde dürfen nicht verletzt werden. 

Foto und Text: Petra Dobrovolny  

Mein Tagebuch: 23. und 27. Oktober 2020

23. Oktober, Freitag:

Ab heute gelten in vielen Kantonen stärker einschränkende Massnahmen wegen „Corona“. Im Wallis sind auch die öffentlichen Bäder geschlossen. So stehe ich mit meiner Badetaschen vor den verschlossenen Türen des Thermalbades in Leukerbad und denke: „Alles, was unser Immunsystem stärkt, wird verboten!“ Doch vom Immunsystem redet niemand. Im März gab es moralische Appelle der Regierung und eine behördliche Selbstherrlichkeit: Sie taten so, als wüssten sie Bescheid über die Wirkung der verordneten Massnahmen, Eigenverantwortung wurde gar nicht angesprochen. So wurden wir zu Untertanen gemacht, die darauf warten, bis einer „von oben“ sagt, was wir zu tun haben. Seit Anfang Oktober sprechen die von oben plötzlich über die Eigenverantwortung von Familien. Diese sollten sich erst gar nicht treffen und schon gar nicht gemeinsam feiern. Fussballspiele mit Publikum sind noch bis Ende Oktober erlaubt.

27. Oktober, Dienstag:

Heute habe ich einen Termin für Dentalhygiene bei meiner Zahnärztin und wundere mich, dass er nicht abgesagt wurde. Die Praxis soll man mit Maske betreten und sich sofort die Hände desinfizieren. Der nette Herr vom Empfang macht mir ein Kompliment über meine schöne Stoffmaske, es sind bunte Schmetterlinge darauf. Dann fragt er mich höflich, ob er mir zur Sicherheit Fieber messen dürfe. Mit 36.1 °C ist er zufrieden. Nach diesem Ritual darf ich den Behandlungsraum betreten. Die Zahnärztin erscheint in einem Schutzmantel und sieht aus wie ein Astronaut, der gerade den Mond betritt. Sie lacht selbst darüber und meint, sie müsse übervorsichtig sein. Zum Glück hätte sie zwei Behandlungsräume, mache immer Pause zwischen den Terminen und lüfte alle Räume gut durch. In ihrer Praxis würde sich sicher niemand anstecken, höchstens unterwegs. Und davor haben viele Patient*innen Angst und verschieben ständig den Termin. Deswegen gäbe es schon eine lange Warteliste. Die Behandlung ist für mich eine sehr positive Erfahrung. Meine Zahnärztin empfiehlt mir, dass ich erst in einem Jahr wiederkommen soll. Wir verabschieden uns mit den besten Wünschen füreinander und in der Hoffnung, in einem Jahr bessere Bedingungen vorzufinden.

Im „Bund“ von gestern lese ich einen interessanten Artikel mit dem Titel: „Warnung vor dem Impfstoff der ersten Generation“. Denn dieser dürfte nicht der beste sein. Seine Zulassung könnte die Entwicklung potenziell überlegener Impfstoffe verlangsamen. „Swissmedic“ ist die verantwortliche Zulassungsbehörde. Dieser müssten die Politiker*innen jetzt genau auf die Finger sehen. Korruption lässt grüssen…

Rom greift durch. Premier Conte verbietet jeden Spass: „Das ist ein kritischer Moment. Kleine Opfer sind notwendig.“ Spanien wartet noch ab. Deutschland verordnet besonders strenge Massnahmen in der Gastronomie und Hotellerie. Übernachtungen von Tourist*innen sind nicht mehr erlaubt. In Bern sollen jetzt Masken auch unter den Lauben getragen werden. Der Vorteil: Es raucht hier niemand mehr.

In den Regalen der Lebensmittelgeschäfte fehlen ab und zu Artikel, die wie wir auch viele andere gerne mögen: Prosecco, eine bestimmte Schokolade, Thunfisch im Glas und vor allem Dinkelbrot. Hatten wir das nicht schon mal? Besonders ältere Menschen sieht man in der Stadt deutlich weniger, das unbeschwerte Lachen der Kinder hört man seltener.

Heute höre ich die passende Geräuschkulisse für diese Situation: Unter den Berner Lauben singt ein Chor „Halleluja“ und von der 50 m entfernten Baustelle der Schweizerischen Nationalbank ertönt im Refrain der Presslufthammer. 

Text: Petra Dobrovolny

Foto Chutzegarte: Georg Dobrovolny

Mein Tagebuch: 19. August 2020

19. August, Mittwoch:

Frau Merkel hat eventuelle Lockerungen auf den „Sankt-Nimmerleinstag“ verschoben. Karneval 2021 wird in Deutschland abgesagt. Hier in Bern wurde der beliebte „Zibelemärit“ Ende November wegen der Gefahr von zu grossen Menschenansammlungen gestrichen. Nun weiss man nicht wohin mit der grossen Zwiebelernte. Der Bundesrat hat sich am Montag mit den Vertreter*innen der Kantone zu weiteren Absprachen getroffen. Die kantonalen Gesundheitsdirektionen sollen die Entscheidungskompetenz über die Massnahmen erhalten. Das BAG verspricht zum x-ten Mal eine Verbesserung der Digitalisierung und der Formulare. Seit Januar ist in dieser Hinsicht nichts passiert.

Auf dem Youtube-Kanal „sandblech“ kommentiert Michael Mross die Lage in Deutschland und kritisiert, dass die Bürger*innen ihre Rechte noch lange nicht zurückerhalten werden. Die Zensur auf Youtube nimmt zu: Ein Interview mit Prof. Bhakdi wurde gelöscht.

Die Bewegung „Querdenken“, die die Demo in Berlin am 1. August organisiert hatte, wertet die Folgen davon anhand der neusten Statistiken des RKI aus. Fazit: In ganz Deutschland ist nach dem 1. August die Belegung der Intensivbetten zurückgegangen, eine Übersterblichkeit hat es nicht gegeben. Die Veranstalter orten sogar einen positiven Effekt der Demo auf die Gesundheitslage im Land und sehen der nächsten Demo am 29. August zuversichtlich entgegen. Statistisch gesehen ist ihrer Meinung nach die Pandemie seit dem 1. August beendet. Es bestehe kein Grund mehr für irgendwelche Massnahmen.  

Inzwischen werden in Deutschland pro Tag ca. 800‘000 Personen mit einem PCR-Test getestet! Gesundheitsminister Spahn hatte vor kurzem noch gewarnt: Es könnte sein, dass je mehr man teste, umso mehr hätte man falsch-positive Ergebnisse. Es werden etwa 200 verschiedene PCR-Tests mit unterschiedlicher Zuverlässigkeit verwendet. Über die Fehlerquote sagt das RKI nichts. Es gibt auch keine Meldepflicht darüber, wer wo welchen Test benutzt. Wird die Pandemie-Gefahr überschätzt? Auch in der Schweiz befinden sich kaum noch Patienten mit Covid-19 auf Intensivstationen. Dafür steigt die Anzahl der Schüler und Schülerinnen, die positiv getestet werden, jedoch keine Symptome haben.

Folgende Informationen entnehme ich der in der Schweiz herausgegebenen „ExpressZeitung“, Ausgaben Mai und August: Der PCR-Test hat weder ein amtliches Verfahren durchlaufen, noch wurde er wissenschaftlich validiert. Er kann also etwas anderes messen als er vorgibt. Dies erklärt die vielen falsch-positiven und falsch-negativen Testergebnisse gerade auch bei gesunden Personen ohne Symptome. Unser Apotheker hat uns davon abgeraten, sich „einfach so“ testen zu lassen. Die Aussagekraft des Ergebnisses sei gleich null bzw. zufällig. Das hängt damit zusammen, dass das angeblich neuartige Virus SARS-CoV-2 bisher im Labor gar nicht isoliert werden konnte. Seine mikrobiologischen Eigenschaften sind unbekannt. Optisch scheint es sich nicht von den bisher bekannten Corona-Viren zu unterscheiden. Was soll ein PCR-Test dann messen? Forscher sagen, dass dieser sich nur für die Forschung, jedoch nicht für die Diagnostik eigne. Eine chinesische Studie, die dies bim März bestätigte, wurde ohne Begründung bereits wieder zurückgezogen.
86% der Patienten, die im künstlichen Koma an Beatmungsgeräte angeschlossen wurden, sind verstorben. Eine nicht-invasive Beatmung mit Masken und bei Bewusstsein wurde lange nicht empfohlen. Erst Mitte April begannen die New Yorker Ärzte damit. Sanfte Medizin ist auch bei der medikamentösen Behandlung nicht gefragt: Starke Antibiotika und Immunsuppressiva werden verabreicht.

Professor S. Bhakdi meint: „Drakonische Massnahmen, die die Grundrechte der Menschen auf so umfassende Weise einschränken, dürfen doch nur dann verhängt werden, wenn es gesicherte Hinweise dafür gibt, dass ein neues Virus überaus gefährlich ist. Gab es einen solchen Hinweis für Covid-19? Aus meiner Sicht lautet die einfache Antwort: Nein.“

Text und Foto: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 16. Mai 2020

16. Mai, Samstag:

Die Eisheiligen sind nun spürbar vorbei: Es wird wieder wärmer!
Heute berichtet der „Bund“ davon, dass der Kanton Bern im Vergleich mit der übrigen Schweiz weniger hart vom Coronavirus getroffen wurde. Es gab sogar insgesamt weniger Todesfälle als in den gleichen Monaten der letzten 5 Jahre!
Es melden sich zusehends häufiger Leute zu Wort in dem Sinne: Das Virus muss man zwar ernst nehmen, doch der Bundesrat hätte zu spät und unvorbereitet reagiert, obwohl er bereits im Januar Bescheid wusste. Mit Schutzmasken und genügend Testkapazitäten wäre ein Lockdown nicht nötig gewesen. Dank Notrecht hätte der Bundesrat teilweise unverständliche Massnahmen ergriffen. Der Kolumnist Ruedi Strahm schrieb von „materialbezogenen Massnahmen“. Und dies passierte alles ohne die Kontrolle des Parlaments.
Auch heute werden viele für Freiheit und Bürgerrechte demonstrieren. Vom Berner Sicherheitsdirektor wurde ihnen dafür die Allmend, der grosse Platz beim Messegelände angeboten. Dort sei Abstandhalten besser möglich als in der Altstadt. Doch es gibt wieder zu viele Demonstrierende auf dem symbolträchtigen Bundesplatz, also direkt vor dem Parlamentsgebäude. Die Polizei registriert hundert davon. Der Berner Stadtpräsident erlaubt ab sofort Kleinst-Demos mit 5 Personen.   
Erstaunlich finden wir die zahlreichen Leserbriefe, die die Demonstrierenden als unverantwortlich bezeichnen. Die Presse vermutet einen „Haufen“ von Impfgegnern, Esoterikern, Verschwörungstheoretikern, G5-Gegnern usw. Dieser „Haufen“ besteht jedoch vor allem aus besorgten Bürger*innen, die gewaltlos die Gewährleistung der vom Europarat garantierten Menschenrechte einfordert und auf den guten schweizerischen Konsens setzt. Endlich sagt ein Politiker: „Ziviler Ungehorsam wird bald zur Bürgerpflicht!“ Niemand in der Schweiz will die Regierung stürzen, im Unterschied zu Deutschland.

Christina Neuhaus schrieb in der NZZ am 9. Mai: „Machen wir uns nichts vor: Notrecht bedroht die Demokratie. Es beschneidet unsere Freiheit im Namen von Sicherheit und Gesundheit. Natürlich droht der Schweiz keine Autokratie. Aber wir müssen aufpassen, dass sich die Gewichte nicht zu stark Richtung Sicherheit verschieben. Sonnst nimmt uns der Staat eines Tages auch die Verantwortung ab, die wir ihm gar nie übertragen haben.“

Heute herrscht im Bio-Garten unseres Dorfes Hochbetrieb: Nach den Eisheiligen wollen viele Hobbygärtner*innen neue Setzlinge pflanzen. Georgs Komposterde findet grossen Absatz.
Während meines Spaziergangs der Aare entlang sehe ich eine Entenmutter mit 12 Kleinen. Sie wirkt sehr entspannt. In einem Schrebergarten setzt ein Mann Salate auf seinen Kompost. Er fühlt sich geschmeichelt, dass ich sie fotografiere.



Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 14. Mai 2020

14. Mai, Donnerstag:

Es regnet, der Himmel ist grau, die Erde trägt hier ein strahlend grünes Frühlingskleid. In Neuseeland ist es Herbst. In der Tageszeitung werden auch die Temperaturen für Sydney und Auckland angegeben: 18°C, also wärmer als die 13°C bei uns.

Für die öffentlichen Verkehrsmittel werden Masken empfohlen, Pflicht sind sie nicht. Es trägt auch kaum jemand eine. Warum denn auch? Das Bundesamt für Gesundheit hatte wochenlang verkündet, sie nützten nichts, könnten sogar schaden, besser sei das Abstandhalten. Doch – siehe da! – „Selecta“, eine Firma, die Snackautomaten betreibt, hat neuerdings Hygienemasken und Desinfektionsmittel im Angebot. Kleine Nebenbemerkung: Dort hat wohl jemand mein Tagebuch gelesen.
Pascal Blum, ein Journalist beim „Bund“, analysiert heute, warum die Maske in Asien schon lange zum Alltag gehöre. In Japan hätte sich die Maske vor allem nach der Spanischen Grippe 1918 verbreitet. Diese Sitte sei damals von den USA übernommen worden. Auch die Pestepidemie in der Mandschurei von 1910/1911 hat bewirkt, dass das Maskentragen sich in Ostasien verbreitete. Damals schon vertrat der in Cambridge ausgebildete Arzt Wu Liande, ein Chinese aus British-Malaya, die Theorie, dass die Krankheit sich nicht über Rattenflöhe, sondern über die Luft übertrage. Aha!

Am letzten Freitag bewertete unser Gesundheitsminister die Entwicklung als „absolut zufriedenstellend“. Das Virus bliebe uns erhalten, eine zweite Welle gäbe es in absehbarer Zeit aber nicht. Ist Herr Berset während seiner Zeit im Homeoffice hellsichtig geworden? Wie dem auch sei, Hauptsache, wir dürfen als Angehörige einer Risikogruppe – als solche haben wir uns nie betrachtet – wieder mit gutem Gewissen selbst einkaufen.

Südtirol öffnet sich ohne Einverständnis aus Rom. Die autonome Provinz findet, es müsse wieder Zuversicht einkehren. Ab 11. Mai öffnen Restaurants, Bars und Coiffeure, ab 18. Mai Kindergärten und Grundschulen, ab 25. Mai Hotels und Seilbahnen. Auf nach Südtirol! Wenn denn auch die Landesgrenzen wieder öffnen.
Ab dem 15. Juni öffnen sich die Grenzen der Schweiz zu Deutschland, Österreich und Frankreich. Zu Italien bleiben sie noch geschlossen.

Mein Tagebuch: 12. und 13. Mai 2020

12. Mai, Dienstag: Diese Woche ist es kalt, die Eisheiligen sind da. Seit gestern dürfen die Menschen in Frankreich wieder raus und zur Arbeit gehen. Restaurants und Schulen sind noch geschlossen. Es gilt eine Maskenpflicht. Bei den Métrostationen werden Masken päckchenweise gratis verteilt. Eine Passantin sagt, die Helfer und die Polizisten könne man jederzeit um Auskunft fragen, das bewirke, dass man nicht zu viel Angst haben müsse. Nach 2 Monaten strenger Ausgangssperre liegt nun eine verhaltene Erleichterung in der Luft.
In Deutschland melden vier Landkreise steigende Infektionszahlen. Sie behalten sich vor, selbständig und schneller über Massnahmen zu entscheiden und nicht erst auf die Bundesregierung zu warten. Einige deutsche Städte haben seit 10 Tagen keinen einzigen neuen Fall und wollen mit der Lockerung vorwärts machen. Es ist sinnvoll, lokaler oder regionaler zu handeln. Seit gestern gehen die Kinder in der Schweiz wieder in die Schule. Auch hier sehen die Massnahmen in den Kantonen unterschiedlich aus. Die Rauchschwaden der nachbarlichen Zigarette nehmen leider wieder zu. Es scheint sich dort etwas zu tun: Letzte Woche haben sich verschiedene Leute das Haus angesehen. Eine Besucherin sagte auf Georgs Frage hin: Es würde neu vermietet. Wir sind gespannt, wann wir konkret informiert werden. Unsere Waschmaschine konnte inzwischen repariert werden. Jetzt muss ich nicht mehr mit Georgs Hilfe die Wäsche von Hand auswringen.

Bei der Demo am letzten Samstag war auch die Tochter von Friedrich Dürrenmatt dabei. Sie wohnt in Bern und hatte sich mit ihrem Rollator auf den Bundesplatz begeben. Gemäss offizieller Definition gehört sie zur Risikogruppe. Ein kleines Plakat hatte sie selbst gemalt und sich um den Hals gehängt: Darauf ist eine Waage zu sehen, deren Waagschalen aus dem Gleichgewicht geraten sind. In der einen liegt eine züngelnde Schlange, die die autoritäre Angstpolitik des Bundesrates symbolisiert. Aus der anderen tropft Blut. Dies zeige, wie sehr wir die letzten Wochen unter den Massnahmen gelitten hätten. Am nächsten Samstag sei sie, Ruth Dürrenmatt, wieder dabei, falls wieder demonstriert würde. Sie meint: „Irgendetwas stimmt da nicht. Das Ganze passt nicht zusammen.“

„Yes! Yes! Yes!“

13. Mai, Mittwoch:

Die heutige Schlagzeile vom „Bund“: „Zumindest Kleinstdemos sollen in Bern wieder toleriert werden“. Staatsrechtler und Politiker fordern die Stadt Bern zur Toleranz auf.

In der Nacht habe ich geträumt, dass ich mit Georg im Flughafen von London bin. Unser geplanter Rückflug in die Schweiz wurde kurzfristig abgesagt. Wir haben in einem kleinen Hotelzimmer des Flughafens übernachtet und wollen uns jetzt nach dem nächsten Flug erkundigen. Der Mann am Schalter sagt, dass der Zeitpunkt noch nicht bekannt sei, jedoch kurzfristig angesagt werde. Wir könnten solange im Restaurant warten. Das tun wir, und Georg bestellt für mich einen frisch gepressten Limonensaft mit Mineralwasser und für sich ein englisches Bier vom Fass.
Der Traum sagt mir, dass uns im Moment nichts anderes übrigbleibt als zu warten. Dass es aber plötzlich losgehen könne. In der Zwischenzeit werden wir gut versorgt mit Hotelzimmer und Getränken. Wunderbar! Was wollen wir mehr?
Es ist eine Art „Zwischenzeit“, und niemand weiss, welche Zeit danach kommen werde. Viele möchten einiges aus diesem „Dazwischen“ in den zukünftigen Alltag mitnehmen: Manche möchten im Homeoffice bleiben, mehr Familienzeit einplanen, mehr Kochrezepte ausprobieren oder erfinden.
Der Absatz von Bioprodukten hat enorm zugenommen. Diese können eigentlich nur so bezeichnet werden, wenn die Böden nicht verseucht sind. Das Bundesamt für Umwelt warnt davor, dass in 12 (!) Kantonen das Grundwasser mit Abbauprodukten des Pestizids Chlorothalonil verunreinigt sei. Die Herstellerin Syngenta kritisiert die Behörde für die Verbreitung der Wahrheit …
Ein Leserbriefschreiber meinte vor ein paar Wochen, wir befänden uns in einem dreifachen Notstand: Wegen Corona, wegen des Klimas und wegen der Pestizide. Der erste Notstand ginge vorüber, aber die zwei anderen blieben.

Text: Petra Dobrovolny
Fotos: Georg Dobrovolny

Mein Tagebuch: 11. Mai 2020

11. Mai, Montag:

In der Nacht gab es ein heftiges Gewitter.
Die Zeit vergeht so schnell! Und es passiert so viel!

Inzwischen hat die Sondersession des Parlaments stattgefunden. Wegen der Abstandsregeln in der extra zu diesem Zweck für 3 Mio. CHF aufgerüsteten Ausstellungshalle anstatt im engen Bundeshaus. Doch die neue Weite wirkte sich nicht auf das Denken der Parlamentarier*innen aus, im Gegenteil: Sie wirkten in der ungewohnten Umgebung verloren und verunsichert. Der Bundesrat wurde gelobt und verdankt, die Massnahmen wurden nachträglich durchgewunken.
Klaus Stöhlker, ein Unternehmensberater, schreibt im „Paradeplatz“: Nach 2 Monaten Virus-Ferien folgt der grosse Kater. Aus der reichen Schweiz ist über Nacht ein armes Land geworden. Der Pandemie-Lockdown sei nicht nötig gewesen.

Am 8. Mai war ein besonderer Gedenktag: Vor 75 Jahren wurde das Ende des Zweiten Weltkriegs ausgerufen. Die Briten nennen diesen Tag den Victory-in-Europe-Day. Gedenkfeiern finden wegen der jetzigen Umstände im kleinen Rahmen oder online statt. Im Radio werden Leute interviewt, die dieses Datum miterlebt haben und sich noch daran erinnern können. Eine Hörerin aus Schaffhausen, damals ein 9jähriges Kind, erzählt: Ein Nachbar sei zu ihnen gekommen und hätte ihrer Mutter die Nachricht verkündet. Die Mutter hätte kaum glauben können, dass der Krieg nach 6 Jahren auf einmal vorbei sein sollte. Sie hätte aber im Keller noch eine Flasche Wein gefunden und zusammen mit dem Nachbarn auf den Frieden angestossen. Der Nachbar hätte gemeint: „Ich habe noch eine Hakenkreuzfahne im Keller aufbewahrt. Falls die deutschen Truppen doch noch kommen sollten, hänge ich sie zur Sicherheit raus.“ Die Hörerin erzählt auch, dass sie und ihre jüngere Schwester die Erleichterung und die gleichzeitig anhaltende Skepsis der Erwachsenen mitbekommen hatten. Abends vor dem Einschlafen hätte die Mutter sie noch lange Zeit beruhigen müssen: Alles sei wieder in Ordnung. Die zwei Mädchen hatten nämlich erleben müssen, dass sie nachts bei Bombenalarm aus ihrem warmen Bettchen in den Keller fliehen mussten.

Am Samstag, den 9. Mai, finden in Bern, Basel, St. Gallen und Zürich Demonstrationen für Freiheit und Bürgerrechte statt. Die meisten Teilnehmenden gehörten zu den sogenannten Risikogruppen – ein „Mistbegriff“, meint Georg. Einige waren im Rollstuhl dabei. Sie versuchten, die Abstandsregeln einzuhalten, wurden jedoch von der Polizei, die Schutzmasken trug, umzingelt. Schliesslich seien diese nicht-bewilligten Demonstrationen aufgelöst worden, mehrere Dutzend Teilnehmende seien angezeigt worden.
Der Berner Sicherheitsdirektor sagt, dass sein Herz aus epidemiologischer Sicht geblutet hätte. Die Meinung seines „bürgerlichen Herzens“ hat er der Zeitung nicht verraten. Alle Bemühungen würden zunichte gemacht durch das Verhalten, wie es an dieser Demo zu sehen war. (Berner Zeitung vom 11. Mai)

Im „Magazin“ Nr. 19 vom 9. Mai wird die Digitalministerin Taiwans, Audrey Tang, interviewt. Sie meint, die Pandemie sei ein Verstärker: Wenn die Regierung bereits autoritär sei, verstärke sich der Autoritarismus. Wenn die Demokratie partizipatorisch sei, verstärke sie sich in diese Richtung. Auf die Frage, ob ein liberaler Ansatz wie in Schweden effektiver sei als ein autoritärer, antwortet Frau Tang, kooperatives Regieren, also eine Beteiligung der Zivilgesellschaft, sei der effektivste Weg. Taiwan hat nie einen Lockdown verhängt. Die Bürger seien der Meinung, dass sie selbst für den Erfolg verantwortlich seien! Die Regierung habe zu langsam reagiert, aber die Bürger hätten der Regierung geholfen und Taiwan gerettet. Wichtig ist die schnelle Kontaktnachverfolgung. Das Wichtigste jedoch sei es sicherzustellen, dass jeder Bürger, jede Bürgerin, den epidemiologischen Grund jeder Massnahme bzw. Entscheidung der Regierung versteht.
Das Schweizerische Bundesamt für Gesundheit hat in den letzten 2 Monaten kaum dazu beigetragen. Die Informationen der jeweiligen Pressekonferenzen waren häufig ungenau und widersprüchlich, die Entscheide nicht nachvollziehbar. Nachträgliche Korrekturen stifteten Verwirrung. Die Benutzerfreundlichkeit der entsprechenden Webseiten lässt zu wünschen übrig. In der Sonntagszeitung vom 10. Mai bemängelt der Ressortleiter für Datenjournalismus, Dominik Balmer, die „kalkulierte Ignoranz“ des BAG im Umgang mit Daten. Die Corona-Fälle wurden von den Kantonen teilweise per Fax übermittelt. Dies überforderte das BAG, so dass man hier sogar Papierstapel auf eine Waage legte, um die neuen Fallzahlen abschätzen zu können. Aufgrund dieser dürftigen Zahlen wurden Entscheide gefällt! Meine Frage: Wie können dann Bürger und Bürgerinnen solche Entscheide verstehen, geschweige denn mittragen?
Dabei hatte der Bund bereits am 30. November 2018 eine neue Strategie der Handhabung von Daten der Bundesverwaltung beschlossen: die „Open-Government-Data-Strategie“. Die Daten sollten gemäss Bundesrat „offen, frei und maschinell nutzbar publiziert werden“. Soweit die Theorie. Die Corona-Krise bringt einiges zum Vorschein.

Wie werden Anweisungen, die lange Zeit galten und ständig wiederholt wurden, wieder rückgängig gemacht? Viele Menschen haben jetzt immer noch Angst, eine Arztpraxis zu betreten. Der Verband der Fachärzte für Innere Medizin hat dazu aufgerufen, bei Beschwerden nicht länger zu warten und endlich den Hausarzt aufzusuchen. Bei bestimmten psychischen Krankheiten nehmen wahnhafte Vorstellungen zu. Die Betroffenen fühlen sich verfolgt und haben Angst, von ärztlichem Personal umgebracht zu werden. Endlich erhalten wir aus Neuseeland eine Nachricht von unseren Nachbarn! Am Donnerstag beginne dort die Phase 2, ein vorsichtiges Öffnen des sehr strengen Lockdowns. Erst dann könnten sie ihre Umgebung verlassen und wieder Ausflüge unternehmen. Die Landesgrenzen blieben aber noch geschlossen, internationale Flüge wären nur sehr beschränkt möglich. Mit ihrer Rückkehr in die Schweiz rechnen sie vorsichtig geschätzt mit Mitte Juni. Ihre Kinder, die hier in der Nähe von Bern wohnen, würden nächste Woche den inzwischen verwilderten Garten bestellen, der unmittelbare Nachbar bekäme dann die Aufgabe, die neue Saat zu begiessen. Wir sind erleichtert über diese neue Klarheit. Gestern war Muttertag mit geschlossenen Restaurants. Ab heute öffnen Schulen, weitere Geschäfte und Restaurants, natürlich unter den gebotenen Vorsichtsmassnahmen. Im öffentlichen Verkehr gilt wieder der normale Jahresfahrplan. Wo der Abstand von 2 Metern nicht eingehalten werden könne, werden jetzt doch Schutzmasken empfohlen. Auf die „Schnauze“ einiger Zürcher Trams haben die Verkehrsbetriebe eine grosse Maske gemalt nach dem Motto: „Mit gutem Beispiel voran!“ In Restaurants muss jeder Gast seinen Namen mit Telefonnummer angeben. Doch diese Anweisung wurde vom Datenschützer bereits zurückgewiesen. Es soll freiwillig sein. Aber dies ist noch nicht zu den Restaurants durchgedrungen. Am Eingang steht jeweils eine angestellte Person, die die Personalien aufnimmt und dann einen Tisch zuweist. Georg ging heute ins Casino-Café. In dem grossen Raum sassen ausser ihm nur zwei weitere Gäste. Der Betriebsleiter sagte zu Georg: „Jetzt haben wir endlich wieder geöffnet, und es kommt fast niemand!“ Zeitungen liegen keine mehr auf, da es gefährlich scheint, wenn sie von unterschiedlichen Händen angefasst werden.

Die neuste Nummer der Zeitschrift raum&zeit für Mai und Juni hat natürlich Corona zum Thema, besonders die Suche nach einem homöopathischen Mittel. Wichtig sei es, den „Genius epidemicus“ zu Covid19 herauszufinden, so wie es zur Zeit der Spanischen Grippe vor 100 Jahren gelungen war. Es wird berichtet, wie damalige Lungenentzündungen erfolgreich mit Homöopathie behandelt wurden, ohne dass die Betroffenen daran starben. Der Arzt Ravi Roy, ein erfahrener Homöopath, sähe die kollektive Lernaufgabe beim Corona-Virus darin, dass Menschen durch ihre Ängste und Unsicherheiten hindurchgehen und Sicherheit in sich selbst finden.
Dies deckt sich mit den Aussagen der Kartenlegerin Estelle für diese Woche: Während der Zeit des Lockdowns haben wir in der Zurückgezogenheit Möglichkeiten entdeckt, unser Leben anders zu gestalten. Manche stehen nun vor einer wichtigen Entscheidung. Letzte Woche unterstützten uns die Engel mit einem dreifachen „Yes! Yes! Yes!“ Dies tun sie auch diese Woche wieder, es sei jedoch an uns die Entscheidung zu treffen. Diese sollten wir im stillen Kämmerlein treffen, jenseits von „likes“ und „dislikes“ der anderen. In der Stille fänden wir die innere Führung. „Create this new life from your inner wisdom!“ Also: Verbunden mit der inneren Weisheit können wir Bedeutsames träumen! So würden sich unsere Wünsche erfüllen.   

Der Baukran über der Schweizerischen Nationalbank bewegt sich wieder. Der Präsident der SNB sagt: „Wir operieren mit erhöhter Unsicherheit.“ Die Schweizer Wirtschaft scheint nun eine Patientin zu sein, die operiert werden muss. Vielleicht müssen bisher wichtige Teile ausgewechselt werden. Georg meint: Die schweizerische Exportstärke würde durch die Corona-Krise zur Schwäche.

„Dream big! Wishes will come true!“   

 

Text und Fotos: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 15. April 2020

15. April, Mittwoch:
Morgen wird der Bundesrat die Schritte der Lockerung der Massnahmen beschliessen, «smart restart» nennt man das. Es besteht die Gefahr, dass die Risikogruppen wieder nicht richtig definiert werden. Also höchste Zeit für einen Leserbrief an den Bund:

„Deckmäntelchen Fürsorge
Bei der Diskussion um die Lockerung der Massnahmen werden die über 65-Jährigen weiter ausgegrenzt und stigmatisiert. Unter dem Vorwand, man wolle sie besonders schützen, bezeichnet man sie zu Unrecht pauschal immer noch als Risikogruppe.
Denn:
1. Das biologische Alter stimmt nicht mit dem Geburtsdatum überein.
2. Auch Junge können sogar ohne ihr Wissen das Virus haben und andere, auch Ältere anstecken.“

Auch heute ist wieder ein prachtvolles Wetter. Schweizweit besteht akute Waldbrandgefahr.

Der französische Präsident Macron findet, alle müssten sich jetzt hinterfragen, bei ihm angefangen! Alle staunen: Galt er doch bis jetzt als arrogant, also als unhinterfragbar.
Online fragt mich eine Firma: «Kennen Sie schon unser Virenschutzversprechen?» Dieses Wort wird wohl zum Unwort des Jahres 2020 gewählt werden.
Auf den Feldern in Italien besteht die Gefahr, dass die Ernte verderben wird. Es können nicht genügend Helfer aus dem Ausland in das Land, auch im Vereinigten Königreich nicht. Dort lässt man ein Flugzeug mit Erntehelfern aus Rumänien einfliegen! Mein Schwager gräbt vorsorglich schon mal seinen Rasen um und erweitert auf diese Weise den Gemüsegarten um mindestens 50 m2.
Die zu Anfang der Krise grösstenteils friedliche Stimmung beginnt bei umzuschlagen: Wir bemerken dies bei vielen Velo- und Autofahrern, vor allem bei den städtischen Buschauffeuren. Auch diejenigen, die früher sanft und meditativ fuhren, ändern spätestens jetzt ihren Fahrstil. Unser Innen- und Gesundheitsminister, der bis jetzt über die Corona-Krise hinwegstrahlte, wird langsam grantig. Seit Ende Februar dauert sein Arbeitsmarathon, der langsam Spuren hinterlässt. Anfang Mai wird das Parlament wieder tagen. Auch die Kantonsparlamente melden sich zurück. Jeder Kanton hat seine eigene Idee zum «smart restart», dann hätten wir für die Schweiz 26 Varianten!
Der blinde Tenor Andrea Bocelli steht alleine auf dem menschenleeren Platz vor dem Mailänder Dom und singt für die ganze Welt «Amazing Grace». Die Tauben flattern nicht herum, sondern sitzen ganz still zu seinen Füssen und hören zu. Die letzte Zeile heisst: «I was blind, but now I see!» , was bedeutet: «Ich war blind, doch jetzt kann ich sehen!»  

Mein Tagebuch: Karfreitag, 10. April 2020

10. April, Karfreitag: Heute kocht Georg eine Bärlauch-Kartoffel-Suppe. Wir haben jetzt viele Setzlinge vom Bio-Garten, auch Heilkräuter, die das Immunsystem stärken, wie zum Beispiel Echinacea und Löffelkraut.
Der Papst betet allein vor einem riesigen Kruzifix aus dem Jahre 1522, als die Pest in Rom endete. Die berühmte Via Dolorosa ist menschenleer.
Vor dem Virus sind wir alle gleich. Wir sind seelisch-geistig so vereint wie noch nie und physisch so getrennt wie noch nie. Sogar die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz hat bei Kreuzlingen und Konstanz einen doppelten Zaun.
Enkelkinder skypen mit ihren Grosseltern. Langsam verstehen sie nicht mehr, warum sie zu deren Schutz nicht in die Schule gehen dürfen.
Fünf Luzerner Hausärzte haben einen offenen Brief an den Bundesrat geschrieben: Sie fordern die Wiederherstellung der medizinischen Regelversorgung. Die Massnahmen, die vorgäben Leben zu retten, würden einem grossen Teil der Betroffenen schaden.
Die häusliche Gewalt hat in erschreckendem Mass zugenommen. Die Frauenhäuser sind überfüllt.
Die Behörden informieren irreführend. Die Schweiz hat nun über 24‘000 registrierte Infizierte, jeden Tag kommen jetzt noch etwa 400 dazu. Die Kurve hat sich abgeflacht. Genesene, deren Anzahl man eigentlich von der Zahl der Infizierten abziehen müsste, werden gar nicht getestet, denn es fehlen immer noch Antikörper-Tests! Immer noch werden nur Leute mit mittelschweren und schweren Symptomen getestet, dafür jedoch etwas flächendeckender. Das Tessin und die Westschweiz haben am meisten registrierte Infizierte.
Für Deutschland berichtet das Robert-Koch-Institut in Berlin von über 33‘000 Genesenen und kommentiert: „Das ist doch mal eine schöne Zahl.“ Im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen weisen inzwischen 15 % der Bevölkerung Antikörper auf. Australien und Neuseeland lockern die Massnahmen. Neuseeland hatte 500 Infizierte und 1 Verstorbenen. Wir sind gespannt, wann unsere Nachbarn zurückkommen.
Die Schweizer Gewerbeverbände drängen beim Bundesrat auf eine Lockerung der Massnahmen spätestens nach dem 19. April. Der Bundesrat wollte sich erst am 16. April dazu äussern, hat aber ein Einsehen und möchte wenigstens noch vor dem Osterwochenende der Bevölkerung eine vorsichtig optimistische Perspektive bieten. Doch er stellt in Aussicht, dass die Massnahmen mindestens bis zum 26. April dauern werden und lobt, dass wir auf Ausflugsfahrten verzichten. Obwohl Artikel 10 der Bundesverfassung u.a. die Bewegungsfreiheit garantiert. Doch wir sind jetzt in einer anderen Verfassung.

Viele stellen sich die Frage: Warum müssen wir zuhause bleiben und auf diese Art dafür büssen, dass der Bundesrat versäumt hat, rechtzeitig den Pandemieplan aus der Schublade zu ziehen? Es gibt immer noch nicht genügend Schutzmasken und Testmaterial. Wichtige Medikamente wurden in den Pflichtlagern nicht mehr nachgefüllt und fehlen jetzt.
John steckt heute ein Paar zusammengerollte weisse Socken – als Symbol für den Leichnam Christi – in eine dunkelbraune Tonvase – ein Symbol für das Grab – und legt dies auf seinen Hausaltar. Morgen werde er noch ein Gummiband um die Vase gebunden, welches die Bewachung des Grabes bedeute. Ich staune über die Kreativität in dieser symbolischen Darstellung. Ab sofort werde ich meine frisch gewaschenen weissen Socken nicht mehr so unbedarft zusammenrollen.
Kreativität ist angesagt: In Hongkong wetteifern sie mit beim Anmalen der Schutzmasken mit verschiedensten Farben und Sujets. Vor 2 Jahren hatte ich begonnen in einem Glasatelier Perlen aus Murano-Glas zu drehen. Mit meinen Kreationen habe ich schon die ganze Familie beglückt. Jetzt könnte ich stachelige Antikörper aus Murano-Glas herstellen… Das klingt vielleicht nicht gerade seriös, natürlich müsste ich dem Produkt einen „Disclaimer“ beifügen und schreiben: Dieser Antikörper könnte magische Kraft besitzen, vor allem, wenn Sie daran glauben. Fragen Sie jedoch zuerst Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob Sie es tragen dürfen. Und vor allem wiegen Sie sich nicht in falscher Sicherheit, dass Ihnen nie mehr etwas Schlimmes passieren kann… Das Glasatelier hat im Moment leider geschlossen.

Text und Fotos: Petra Dobrovolny