Mein Tagebuch: 30.10.2022

30. Oktober, Sonntag: Die heilige Maria von Fatima und die Weihe

Jeden zweiten Tag singe und klinge ich mit meinen Kristallklangschalen in der Seitenkapelle der Marienkirche von Leukerbad. Dabei stehe ich neben eine Statue aus Zedernholz, welche die heilige Maria von Fatima darstellt. Diese Statue hat eine so lebendige Ausstrahlung, dass mir scheint, als würde mir die Muttergottes persönlich zuhören. Da ich kaum etwas von Fatima in Portugal weiss, habe ich im Internet bei Wikipedia recherchiert und herausgefunden, dass dieser heilige Ort 130 km nördlich von Lissabon mindestens so bedeutsam ist wie die zwei bekanntesten Marienpilgerorte Lourdes und Medjugorje.

In den Jahren 1917 bis 1919 erschien in dem ländlichen portugiesischen Ort insgesamt dreimal die Muttergottes drei Hirtenkindern und vermittelte ihnen jedes Mal eine Botschaft, welche «die drei Geheimnisse von Fatima» genannt werden. Im ersten Geheimnis wurde die Hölle dargestellt. Das zweite Geheimnis lautet:

„Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XI. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“

Am 25. März 2022 weihte Papst Franziskus Russland und die Ukraine dem unbefleckten Herzen Mariens.

Ich bin zutiefst bewegt und erstaunt. Man könnte meinen, Leukerbad sei weit weg von dem russischen Angriffskrieg, der uns seit dem 24. Februar dieses Jahres so erschüttert. Irrtum: Bei meinen Klangmeditationen bin ich zwei Meter von der Marienstatue aus Fatima entfernt, und Georg in Bremgarten 30 m von den ukrainischen Flüchtlingen mit dem kleinen Platon.

Dass meine Klänge und Gesänge dem Frieden dienen, weiss ich. Aber jetzt wird mir ihre Bedeutsamkeit noch bewusster. Ich bin sehr dankbar dafür, so wirken zu dürfen. 

P.S.: Zur Zeit von Papst Pius XI. fand der 2. Weltkrieg statt. Mehr Info findet ihr bei Wikipedia: Die drei Geheimnisse von Fatima. Das letzte wurde erst im Jahre 2002 veröffentlicht.

Foto: Marienkirche Leukerbad und meine Kristallklangschalen mit dem Gebet „Salve Maria“

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 07.10.2022

07. Oktober, Freitag: Goldener Oktober und Kristallklänge

Nach ein paar kalten Regentagen mit Schnee bis 1700 m ist der milde Herbst zurückgekehrt. Die Feriengäste geniessen auf den zahlreichen Leukerbadner Restaurantterrassen die noch wärmende Oktobersonne. Ab und zu schaut jemand in die Marienkirche, wenn ich zur Mittagszeit dort in der Seitenkapelle übe. Viele lauschen meinem Gesang und den Klängen meiner Instrumente aus Bergkristall. Meistens sind es Frauen, die bei der Marienstatue aus Fatima eine Kerze anzünden. Andere nehmen mit ihrem Handy meine Klänge auf. Mit einer Geste des Dankes und der Wertschätzung in meine Richtung verabschieden sie sich. Heute kam nach kurzer Zeit ein Besucher zum zweiten Mal, nahm sich noch mehr Zeit als beim ersten Mal, nahm in meiner Nähe auf einer Kirchenbank Platz und versank voller Andacht in einem stillen Gebet, als ich das «Credo» sang. Dies hat mich sehr berührt. – Am letzten Samstag kamen der Pfarrer und der Organist in die Kirche, als ich gerade meine Version des «Ave Maria» übte. Letzterer meine, das sei doch gregorianisch, was ich singe, und er sei beeindruckt von der Reinheit der Kristallklänge. Falls ich möchte, könnte ich am Samstag, den 15. Oktober die Abendmesse begleiten. Auch der Pfarrer findet dies einen Versuch wert. Jede Art von Musik oder Klängen würden immer wichtiger, denn die Menschen fühlten sich davon sogar eher angesprochen als von langen Predigten, bei denen sie öfters auf die Uhr schauen und sich fragten, wie lange rede «der da vorne» eigentlich noch. Ich sage zu und bitte die heilige Maria von Fatima um ihre Unterstützung. Der für mich schwierigste Punkt ist, dass ich in der Seitenkapelle ohne Sicht auf den Hauptaltar spielen werde. Der Organist will mir von seiner Empore her jeweils ein Zeichen geben. Ob das klappt?

Foto: Kirche „Maria, Hilfe der Christen“ in Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 11.09.2022

11. September, Sonntag: Ein Abschied, singende Flügel und eine Marienstatue

Gestern ist unser Besuch nach einer Woche wieder nach Hause in die Tschechische Republik gefahren. Sie hatten Glück mit dem Wetter gehabt. Georgs jüngster Neffe, seine Frau und ihre zwei Kinder im Alter von 5 und 2 Jahren haben Ausflüge in die Berge und Schifffahrten auf dem Genfer und Thuner See sehr genossen. Den Kindern waren die verschiedenen Spielplätze, auf denen sie sich austoben konnten, am wichtigsten. Schöne Aussichten oder Wanderungen können sie nicht begeistern. Der grösste Hit war der Familienwagen des IC nach Genf: Gleichzeitig Zugfahren und eine Rutschbahn runterrutschen! Die Kinder wollten gar nicht mehr aussteigen.

Heute wurde Georg von «seinen» Ukrainerinnen in Bremgarten zu einer kleinen Abschiedsfeier eingeladen. Am Dienstag wird die Grossmutter und ihre jüngere Tochter mit ihren zwei kleinen Kindern nach 6 Monaten sicheren Aufenthalt in der Schweiz wieder in ihr Heimatland zurückreisen. Der Schwiegersohn hat in der Nähe von Kiew eine Wohnung gefunden. In ihre Heimatstadt Mariupol können sie zumindest vorläufig noch nicht zurück. Die Reise mit dem Zug über Wien und Polen dauert zwei Tage. Georg bringt ihnen eine grosse Wassermelone, die er während zwei Wochen auf unserer Veranda hat reifen lassen. Der Geschmack erinnere sie an die Melonen in der Ukraine, meinen seine Gastgeberinnen. Die ältere Tochter wird mit ihren inzwischen drei Kindern noch weiterhin in der Schweiz bleiben.

Bei herrlichem Sonnenschein und 23°C im Schatten geniesse ich heute die Sonntagsruhe auf meiner Terrasse in Leukerbad. Der Stand der Sonne ist schon niedriger, bald sind wir bei der Tag-und-Nachtgleiche angelangt. Ein grüner Gast, eine grosse Grille, besucht mich. Bei Sonnenuntergang lässt sie ihre Flügel singen. Beneidenswert: Ich hätte auch gerne singende Flügel. Stattdessen versuche ich nun beim Proben in der Kirche meine Stimme möglichst ohne Heiserkeit singen zu lassen. Über die Mittagszeit legen einige Menschen, vor allem Frauen, auf ihrer Wanderschaft einen Halt ein und nehmen sich Zeit für ein Gebet. Es ist zu spüren, dass sie sich nach Frieden und Geborgenheit sehnen. Viele zünden eine Kerze an, stellen sie in den metallenen Ständer unter der Marienstatue in der Nische der Seitenkapelle und beten. Als ich diese Statue zum ersten Mal sah, dachte ich, dass die heilige Marie wohl tatsächlich so ausgesehen haben muss, denn ich empfand sie als sehr realistisch dargestellt. Heute habe ich im Kirchenführer gelesen, dass der portugiesische Künstler Antonio Alvas die Statue nach den Aussagen der Kinder von Fatima, denen die Muttergottes erschienen war, aus Zedernholz erschaffen hat. Im Jahre 1954 wurde sie aus Portugal übers Meer, den Rhein hinauf bis Basel und schliesslich bis ins Wallis nach Sitten, dem Bischofssitz, transportiert. Im Rahmen des «Marianischen Jahres» wurde sie von Gemeinde zu Gemeinde weitergereicht und danach von dem damaligen Pfarrer für Leukerbad erworben. Für die zahlreichen Portugies:innen, die hier wohnen und vor allem in der Gastronomie arbeiten, stellt diese Statue der Maria von Fatima ein Stück Heimat dar. – Die hiesige Pfarreikirche trägt seit ihrer Erweiterung und Drehung um 90° nach Norden in den Jahren 1864 bis 1866 den Namen «Maria, Hilfe der Christen». Ursprünglich war sie nach Osten ausgerichtet und seit ihrer Fertigerstellung im Jahre 1501 der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergbevölkerung, geweiht. Das ursprüngliche Kirchengebäude wurde bei der Erweiterung zum Glück nicht gänzlich abgerissen. Bis heute gibt es den Glockenturm, den Chor, die Nord- und Westwand mit dem gotischen Kirchenportal, welches heute als Seiteneingang dient. Der damalige Chor wurde zur Seitenkapelle umfunktioniert. Unter dessen Mitte, unter den spitz zulaufenden gotischen Bögen, darf ich nun musizieren, unter dem gütigen Blick der Heiligen Maria von Fatima.     

Die Besuchenden lauschen andächtig den Klängen meiner Lyra und Klangschalen aus Bergkristall und meinem Gesang, bleiben ein paar Minuten oder sogar so lange, bis ich mein Proben beende, schenken mir ein Lächeln oder ein Winken als Dank. Manchmal ergibt sich ein Gespräch. Ich werde gefragt, aus welchem Material meine Instrumente seien und wer die von mir gesungenen Gebete komponiert habe.

Fotos: Mein grüner Gast

und zu Gast bei der Heiligen Maria von Fatima

und Text: Petra Dobrovolny

Heilige Maria aus Fatima in der Kirche „Maria, Hilfe der Christen, in Leukerbad VS

Mein Tagebuch: 08. und 09. 09.2022

08. September, Donnerstag: Eine Ära geht zu Ende

In der Nacht auf heute zog eine heftige Gewitterfront über die Schweiz hinweg und setzte dem langen Sommer ein Ende.
Am Abend stirbt Her Majesty The Queen in ihrem Sommerschloss in Schottland. Friedlich und im Kreise ihrer Nächsten. Die Fernsehsender unterbrechen ihr normales Programm, Fahnen werden auf Halbmast gesetzt, die Welt hält inne. Zum letzten Mal ertönt «God save the Queen». Eine Ära geht zu Ende.

09. September, Freitag: Klänge für die Queen und eine Vision

Seit dem 30. August habe ich die Erlaubnis während der Mittagszeit in der katholischen Kirche Leukerbad für ein späteres Konzert in Form einer «Klangmeditation für den Frieden» zu proben. Heute nehme ich noch eine dritte Kristallklangschale mit, denn im Gedenken Ihrer Majestät möchte ich ganz besondere Klänge spielen. Während meines Spiels habe ich eine Vision: Die Queen, gekleidet mit einem langen weissen Kleid und einer diamantenen Krone, fährt in einer kristallenen Kutsche mit einem Gespann bestehend aus acht Schimmeln schräg hinauf in den Himmel. Erzengel Michael und weitere Engel begleiten sie. Oben angekommen hält die Kutsche an, ein Engel öffnet die Tür und schon steht ihr kürzlich verstorbener Ehegatte bereit und bietet ihr galant seine Hand, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein. Sie lächelt ihn an und sagt: «Here We are.» Er lächelt zurück: «That’s why I came here earlier, to welcome you.» Jetzt verstehen wir also, warum Prince Philip es so eilig hatte: Er wollte noch vor seiner Liebsten im Himmel sein, um sie jetzt willkommen zu heissen. «Let’s go then!» fordert sie ihn auf und hakt bei ihm ein. Beide begeben sich auf den himmlischen Balkon, der demjenigen vom Buckingham Palast sehr ähnlichsieht, um die Abschiedsfeierlichkeiten, die ihr zu Ehren auf der Erde stattfinden, zu verfolgen. Und siehe da: Auf dem Balkon warten bereits die vor längerer Zeit verstorbenen Familienmitglieder, allen voran ihre Mutter, die «Queen Mumm», auf sie. In meiner Vision hatte die Queen ihre Krone mit in den Himmel genommen. Sie hatte einmal gesagt, dass sie mit der Krone auf dem Haupt sterben werde. Und jetzt hat sie sie sogar mit in den Himmel genommen. Nicht in der bunten Form, wie wir sie aus den Medien kennen, sondern bestehend aus reinsten strahlenden Diamanten.

Foto: Kirche Maria, Hilfe der Christen, Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny