Mein Tagebuch: 23.06.2021

23. Juni, Mittwoch: Die asiatische Tigermücke impft mich!

Vorgestern sind wir am Abend nach einem Gewitter noch kurz spazieren gegangen, um die frische Luft zu geniessen. Gestern Morgen entdeckte ich, dass mein oberer Rücken von einem aggressiven Insekt als Tatort ausgewählt worden war: Beim Spaziergang hatte ich nichts gemerkt, doch jetzt jucken mich mindestens ein Dutzend Stiche. An zwei Orten ist meine Haut zu grossen Beulen angeschwollen. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich kenne die Stiche von Bremsen. Doch dieses hier? «Der Bund» von heute bildet auf der Frontseite die Täterin ab mit der Schlagzeile: «Die Tigermücke hat Bern erreicht!» Mich auch! Ein homöopathisches Insektenspray und Georgs liebevolle Behandlung tun mir gut.

Der Bundesrat ist zufrieden und lockert ab diesem Samstag die Corona-Massnahmen schneller als erwartet. Es bleibt jedoch die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr und Geschäften. Unter unter freiem Himmel entfällt sie. Homeoffice ist keine Pflicht mehr, sie wird nur noch empfohlen. In Restaurants dürfen wieder mehr Gäste an einem Tisch sitzen, die Kapazitätsbegrenzung in Geschäften fällt weg. Sogar der Gewerbeverband lobt den Bundesrat für dessen unerwartet grossen Lockerungsschritte.

Ab sofort können in der Schweiz auch 12-Jährige geimpft werden. Es wird empfohlen, dass vor allem Kinder mit Vorerkrankungen diese Gelegenheit wahrnehmen sollten. In den USA werden jetzt auch 12- bis 17-Jährige geimpft. Grossbritannien empfiehlt dies bis auf weiteres erstaunlicherweise nicht.

Foto: Neuenburgersee
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.06.2021

21. Juni, Montag: Sommersonnenwende

Die erste Hitzewelle in diesem Sommer endete gestern mit einem heftigen Gewitter mit Hagelschlag. Unser kleiner Garten hat es zum Glück gut überstanden.

Am letzten Abstimmungssonntag, den 13. Juni, wurde die Initiative für sauberes Trinkwasser und jene für eine Schweiz ohne Pestizide vom Stimmvolk abgelehnt. Auch das geplante CO2-Gesetz zum Schutz des Klimas. Also bleibt mein Märchen «Das Ei der Weisheit» vorläufig noch aktuell. Ich hatte es vor neun Jahren einmal einer Gruppe von Kindern vorgelesen. Eine Grossmutter erzählte mir am folgenden Tag, an dem die Sonne nicht schien, dass ihre Enkelin ihr ganz aufgeregt gesagt hatte: «Ich glaube, das Ei der Weisheit ist wieder von der Erde verschwunden! Wir müssen es wieder zurückholen!» Diese Aussage finde ich jetzt passend als Kommentar zu dem neusten Abstimmungsergebnis.

Angenommen hat das Stimmvolk das neue Covid-Gesetz, welches dem Bundesrat während einer Pandemie mehr Kompetenzen gibt.  

Inzwischen ist das Bücherpaket vom Literaturpodium angekommen: Der Erzählband 2020 ist erschienen. Der Titel: Nie wieder Martini! Zwei längere Erzählungen habe ich beigetragen: «Meine Reisen in die Tschechoslowakei von 1972 bis 1990» mit 25 Seiten und «Mein Corona-Tagebuch 2020: Corona-Zeit» mit 156 Seiten. Ich beginne sofort im «Tagebuch» zu lesen und staune über die letztjährigen Begebenheiten, die ich teilweise nicht mehr oder nicht mehr so detailliert im Gedächtnis habe. Vor einem Jahr habe ich nicht gedacht, dass wir uns jetzt immer noch in einer «Corona-Zeit» befinden und ich immer noch Tagebuch schreibe. Georg meint bereits seit Anfang Jahr immer wieder, dass ich damit aufhören soll, denn das Thema interessiere doch niemanden mehr. Wahrscheinlich werde ich ab jetzt in grösseren zeitlichen Abständen etwas schreiben. Mich interessiert, wie sich die weltweite Situation weiterentwickeln wird und wann endlich Wissenschaftler*innen, die nicht die offizielle Meinung vertreten, ungehindert zu Wort kommen.

Seit Juni dürfen auch die Innenräume von Restaurants und Schwimmbädern wieder öffnen. Bis Ende August sollen es allmählich auch weitere Lockerungen bei Grossveranstaltungen geben. Masken im öffentlichen Verkehr und beim Einkaufen werden wohl noch eine Zeit lang Pflicht bleiben. In der Schweiz können sich seit dem 1. Juni 64- bis 18-Jährige impfen lassen. Ab nächster Woche auch 16- bis 17-Jährige. Bald soll ein Impfstoff auch für 15- bis 12-Jährige bewilligt werden. Das Gratisblatt 20minuten hat eine Umfrage gemacht: Unter dem Alter von 35 will sich nur jeder oder jede zweite Person impfen lassen. Diese sehen Covid19 für sich nicht als gefährlich an. Sie betrachten die Impfung als eine grössere Gefahr. Viele meinen, dass sie durch eine Impfung unfruchtbar würden. Besonders bei Frauen sind die unmittelbaren Nebenwirkungen nach einer Impfung stärker und häufiger.

Weitere Mutanten verbreiten neue Ängste: Jetzt gibt es die sogenannte Delta-Mutante, angeblich aus Indien, die sehr gefährlich und hoch ansteckend sein soll. Von der britischen, der brasilianischen und der südafrikanischen Variante hören wir nichts mehr. Ist diese etwa verschwunden?  Delta verbreitet sich zurzeit in Moskau, Lissabon, besonders in Grossbritannien. Und langsam auch in der Schweiz. Die hiesigen Medien zeigen mit dem moralischen Zeigefinger auf Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Denn diese würden zu einer Verbreitung der Delta-Variante beitragen.

Foto: Fähre über die Aare bei Reichenbach
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 16.04.2021

16. April, Freitag:

Die grosse Überraschung: Ab Montag dürfen Restaurantterrassen, Konzertsäle, Kinos und Fitnesszentren in der Schweiz wieder öffnen. Mit Sicherheitsauflagen und zahlenmässig eingeschränktem Publikum. Die Pflicht zum Homeoffice bleibt. In der Kirche darf die Gemeinde mit Masken singen, Chöre jedoch nicht. Immerhin: Es sind mehr Lockerungen als erwartet wurden. Die Begründung: Die Bevölkerung habe sich bisher gut an die Regeln gehalten, die Intensivstationen seien nicht ausgelastet, die geöffneten Wintersportgebiete hätten nicht zur Verschlimmerung des Infektionsgeschehens beigetragen. Man wolle auch illegalen Partys, die sonst in Innenräumen stattfinden, vorbeugen. Die Impfungen zeigen ihre Wirkung, es sterben weniger alte Menschen in den Heimen. Das BAG meint, dass die neu erhältlichen Selbsttests die Inzidenzzahlen verzerren, sodass diese nicht mehr so entscheidend wie früher für die Entscheidung über eventuell strengere Massnahmen herangezogen werden können.

Ein deutscher Bild-Reporter hat für ein paar Tage die Schweiz besucht und berichtet, er hätte sich hier wie «im Corona-Paradies» gefühlt und zum Beispiel in der Stadt Zug nur glückliche Menschen gesehen.

Zurzeit debattiert das Parlament in Berlin über die von Angela Merkel vorgeschlagene Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes. Der Bund soll bei einer Inzidenzzahl von über 100 eigenmächtig, also ohne die Länder, über eine Verschärfung der Massnahmen wie Ausgangssperren, Läden- und Schulschliessungen entscheiden können. Die Bundeskanzlerin verteidigt diese «Notbremse» mit den Hilferufen der Intensivmediziner*innen, die sie ständig erhielte. Andere Hilferufe scheint sie nicht zu hören. Ausgerechnet jetzt wird bekannt, dass die britische Mutante gar nicht schlimmer oder tödlicher sei wie das bisher bekannte Virus. Und die Berechnung des Inzidenzwertes beruht immer noch auf dem nicht validierten PCR-Test. Der Bonner Virologe Prof. Streeck ist nicht der einzige Experte, der Ausgangssperren kontraproduktiv findet. Wenn die Menschen in engen Wohnungen eingesperrt seien, würde sich das Virus erst recht vermehren. Auf welcher „wissenschaftlichen“ Grundlage basiert dann das neue Gesetz? Am besten argumentiert die AfD dagegen. Auf das Ergebnis der Bundestagswahlen im kommenden September darf man gespannt sein. Inzwischen wurde eine neue Partei gegründet: DieBasis.  

Foto: Bergdohlen auf unserer Dachterrasse
und Text: Petra Dobrovolny        

Mein Tagebuch: 20. und 21. Juni 2020

20. Juni 2020, Samstag:

Der Bundesrat hat über neue Lockerungen entschieden. Das Notrecht gilt ab sofort nicht mehr, die Kantone sollen wieder für die Sicherheit zuständig sein. Weiterhin gelten Empfehlungen: Bei Symptomen solle man sich testen lassen und in Quarantäne begeben, Homeoffice, wenn möglich, ab Montag gilt ein Abstand von 1,5 m, Demonstrierende sollten Masken tragen. Dringendst empfohlen sind Hygienemasken im öffentlichen Verkehr. Ab jetzt sind Versammlungen mit 1000 Menschen zugelassen.
Die Experten der Taskforce kritisieren diese ihrer Ansicht nach zu frühen und zu weitgehenden Lockerungen. Die Schweiz sei nicht darauf vorbereitet, die Zahl der Infizierten stieg in dieser Woche von 30 auf 50 pro Tag.

An manchen Orten tauchen kleine Plakate auf, die im Layout jenen des BAG zum Verwechseln ähneln. Nur der Text der Empfehlungen ist anders. Der Titel lautet: „Positivität fördern statt Angst.“ Das Motto des BAG „So schützen wir uns“ wurde kopiert. Das grösste Piktogramm zeigt kleine männliche und weibliche Figuren, die in der Form eines Herzens zusammenstehen. Der dazugehörende Text: „Eine bessere freie Welt für ALLE aktiv mitgestalten. Unsere Grundrechte bewahren!“ Unter der Rubrik „Weiterhin wichtig“ sind auf zwei Zeilen verteilt je 4 Piktogramme zu sehen mit dem Text: „Regelmässig meditieren, die geistige Welt um Hilfe bitten, aufbauende Texte lesen, Durchblick anstreben, nachdenken und hinterfragen, sich nichts vorgaukeln lassen, gleichschalten nicht zulassen, die geistige Freiheit nie aufgeben.“

21. Juni, Sonntag:

Sommerwetter und Ruhe im Quartier. Am Abend lacht eine Familie bei einer Feier in ihrem Garten. Die Lebensfreude ist nicht aufzuhalten! Auch die Restaurants in der Berner Altstadt sind im Freien gut besetzt, der Duft von Oregano und Pizza liegt in der Luft. Es ist friedlich. Während ich über den Waisenhausplatz zum Bahnhof laufe, schenke ich den Gästen ein Lächeln, sie lächeln freudig zurück. Kinder spielen Nachlaufen, Hunde sitzen schwanzwedelnd vor Herrchen oder Frauchen in der Hoffnung auf ein Stück Pizza. Das Auto aus Luxemburg steht immer noch vor dem Hotel Savoy, ein Gast aus Deutschland fährt vor. Weitere deutsche Gäste rollen Ihre Koffer vom Bahnhof herkommend in die Altstadt.

Gemäss dem britischen Astrologen Steve Judd braut sich am Himmel einiges zusammen: Gestern Nacht war die Sommersonnenwende, 9 Stunden später, also heute Morgen fand eine ringförmige Sonnenfinsternis bei Neumond statt. Fünf Planeten sind rückläufig, ab Montag bis Donnerstag nächster Woche sogar sechs. Mars ist bis Januar rückläufig. Dies ist er sonst höchstens für 4 Wochen. Welche Zeitqualität lässt sich aus dieser ausserordentlichen Konstellation ableiten? Steve Judd rät zu einer vorsichtigen Haltung gegenüber der nächsten Zukunft. Das Schlimmste ist noch nicht vorbei, es kämen tiefgreifende Änderungen auf uns zu. Bisheriges und Alt-Bewährtes werden wir überdenken, der Ruf nach Reformen wird laut. Strukturen lösen sich auf. Neue Lösungen sind noch nicht greifbar. Bis Ende Jahr sind starke geo-physikalische Ereignisse, also Vulkanausbrüche und Erdbeben zu erwarten, besonders in der Zeit vom 12. bis 14. Juli und in der 2. Hälfte Oktober.

Heute koche ich zum letzten Mal Rhabarberkompott. Die Saison dafür ist zu Ende. Ich mische eine Handvoll schwarzer Johannisbeeren aus unserem Garten hinzu und würze alles mit Zimt – sehr viel -, Sternanis – eher wenig -, Nelken, Muskat, Bourbon-Vanille und Rohrzucker. „Mmmh!“ meint Georg. Dieses Rezept sollte ich patentieren lassen.

Estelle liest die Karten für die kommende Woche: Wir gebrauchen unsere Intuition und betrachten die Welt aus der Perspektive der Einheit. Wir sind entschlossen und bringen unsere Schöpferkraft zum Ausdruck. Uns erwartet ein neuer Anfang, bei welchem unsere neu entdeckte Kreativität eine Rolle spielt. Wir können uns und den Geschehnissen vertrauen, auch wenn wir nicht alles verstehen. Es passiert viel hinter der Bühne. Die Engel finden: „Ihr seid bereit! You are ready! You can create heaven on earth! Ihr könnt den Himmel auf Erden erschaffen!“

Ich will es genauer wissen und besuche auf meinem Sonntagsspaziergang meine Freundin, die Eiche. Sie war schon vor mir da und wird es auch nach mir sein. Deswegen hat sie mit ihrer Weisheit eine andere Perspektive als ich. Sie flüstert mir zu:

Mach‘ dir keine Sorgen,
denke nicht an morgen
und schon gar nicht an übermorgen!
Eine Annahme ist das alles,
du stellst dir damit eine Falle!

Darauf fällst du nicht herein,
am besten lässt du das Morgen sein
und hörst auf meinen Rat,
den du umsetzt in die Tat:

Denk‘ nur an heute
und das mit aller Freude.
Geh‘ mit Sonne im Herzen
durch die Welt,
in der es nie an etwas fehlt.

Hülle und Fülle
jetzt und hier.
Es geschehe SEIN Wille!
Amen. So ist es.
Das sag‘ ich dir.

Deine Freundin, die Eiche


In der Sprache des indigenen Volkes der Hopi in Nordamerika gibt es nur die Gegenwart. Vergangenheit und Zukunft sind darin eingeschlossen und mitgemeint.
Ich finde das sehr weise. Auch Gregg Braden betont in seinem Buch „Der Jesaja-Effekt“, dass wir nicht aus einem Mangelgefühl heraus um eine bessere Zukunft bitten sollen. Das Geheimnis für die Erfüllung von Gebeten liegt darin, dass wir uns unsere Wünsche so vorstellen, als seien sie bereits in Erfüllung gegangen. Zum Beispiel würde der Satz des Liedes „Möge Heilung gescheh’n!“ zur kraftvollen Version „Ja, ja, Heilung ist geschehen“.

              

   
  Fotos und Text: Petra Dobrovolny    

  

Mein Tagebuch: 23. Mai 2020

23. Mai, Samstag:

Am letzten Donnerstag, am Tag der Auffahrt, waren bei schönem Sommerwetter viele Leute unterwegs, das Abstandhalten eine Illusion. Die Fallzahlen in der Schweiz halten sich auf tiefem Niveau. Aber man wisse erst Anfang Juni, wie sich die Lockerungen seit Mitte Mai auswirken. Der Epidemiologe Marcel Tanner, der in der wissenschaftlichen Taskforce des Bundesrats die Expertengruppe für öffentliche Gesundheit leitet, meint: „Die Schweiz könne man nicht noch einmal abschalten“. Das ginge nicht. Dank Tracing könne jetzt lokal und fokussiert reagiert werden. Das klingt schon mal gut.


Eine Freundin aus Schmerikon verrät mir den Grund für die Fahnen: Das gelte nicht nur für Bern, sondern für das ganze Land! Auf diese Weise solle ein Zeichen des Dankes an das medizinische Personal und alle anderen gesetzt werden, die sich unermüdlich während dieser Zeit engagieren. Applaus und mehr Anerkennung genügen aber nicht, meinen diese und fordern mehr Lohn.

 
Heute kam die Regenfront gegen Mittag bei uns an. Es ist kühler geworden.
Unsere Nachbarn melden sich aus Neuseeland. Die Landesgrenzen sind immer noch geschlossen. Sie schätzen, dass sie etwa Mitte Juni zurückreisen können. Zum Glück wird ihr Garten heute von vielen liebevollen Händen in Ordnung gebracht. Neue Gemüsesetzlinge werden überall verteilt und können jetzt schon mal in Ruhe wachsen.
Und die Fische im Aquarium sind noch alle da.

In Zürich verteilen Mitarbeiter*innen der Verkehrsbetriebe Tausende Gratismasken. Am kommenden Mittwoch wird der Bundesrat entscheiden, welche Lockerungen ab dem 8. Juni möglich sein werden. Über Pfingsten sollen die Campingplätze voraussichtlich noch geschlossen bleiben.




Text und Fotos: Petra Dobrovolny