Mein Tagebuch: 27.10.2021

27. Oktober, Mittwoch: Eine neue Küche und «Schmusen»

Eine neue Virusmutante ist entdeckt worden, man nennt sie jetzt A.Y.4.2. oder Delta plus. Grossbritannien sei schon der Hotspot Westeuropas. Der britische Arzt Dr. John Campbell versteht nicht, warum immer noch Impfstoff mit Teilen der Alpha-Variante, also der ersten Form, hergestellt und verimpft wird. Die Wirkung der Impfungen lässt nach 6 Monaten deutlich nach. Bei den Geimpften steigen die Infektionen, obwohl ständig behauptet wird, man nach zwei Dosen vollständig immunisiert sei. Es handle sich jetzt um eine Pandemie der Ungeimpften. Und es wird behauptet, dass Ungeimpfte für Geimpfte eine Bedrohung seien. Warum? Wenn Geimpfte doch immun sind? Trotz doppelter Impfung sterben jetzt auch in der Schweiz ältere Menschen an Corona. Der Ruf wird laut, dass die Behörden in der Schweiz endlich eine dritte Impfung als «Auffrischung» genehmigen sollten.

Ich werde dieses Thema in den kommenden Wochen nicht mehr so intensiv verfolgen wie bisher. Die Renovation unserer Küche in Leukerbad steht an. Mit der Organisation habe ich jetzt viel zu tun. Der Bauleiter, Elektriker, Schreiner und Maler haben sich bereits in unserer 4 m2 grossen Küche miteinander abgesprochen. In Walliser Ditsch, von dem ich nur die Hälfte verstehe, und in einem hohen Tempo, das ich von Bern nicht gewohnt bin.  Doch sie sind von dem Projekt begeistert und meinen, dass wir mit dem Resultat bestimmt zufrieden sein werden. Es sei interessant, dass wir weder Backofen noch Mikrowelle noch Geschirrspüler noch in die Decke eingelassene Spotlampen benötigen.

Nun werde ich alle Sachen einpacken, bevor die Küche am 8. November abgerissen wird. Die Umzugsschachteln stapeln sich wie schon so oft in diesem Jahr. In unserem Wohnzimmer richte ich eine provisorische Kochecke ein. Ich erinnere mich an meine ersten Besuche in der damaligen Tschechoslowakei, als ich Georgs jüngere Schwester kennenlernte. Sie lebte mit ihrem Mann in einem einzigen Zimmer mit einer sehr praktisch eingerichteten Kochecke: Ein Gerät mit zwei Kochplatten und ein pfannenähnliches Gerät zum Backen. Letzteres hiess «Remoska». So etwas hatte ich noch nie gesehen. Es liessen sich aber wunderbare Speisen der mährischen Küche daraus hervorzaubern. Fliessendes Wasser gab es in dem Wohn-Schlafzimmer nicht. Meine zukünftige Schwägerin holte es damals in der angrenzenden Küche der Tante ihres Mannes.
Mit meiner jetzigen mobilen Kochplatte muss ich zum Glück kein mährisches Gebäck und schon gar keinen Sonntagsbraten hervorzaubern. Mir genügt es, wenn ich Kartoffeln oder Risotto kochen kann. Fliessendes Wasser wird es während der Renovation nach wie vor im Badezimmer geben. Die Kunst Smoothies zuzubereiten überlasse ich Georg. Ein solches «Kochen» nennen wir aus dem Englischen « to smoothe» abgeleitet «Schmusen». Georg ist darin ein Meister.

Foto: Blick auf die Leeshörner und die Gemmi bei Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.06.2021

21. Juni, Montag: Sommersonnenwende

Die erste Hitzewelle in diesem Sommer endete gestern mit einem heftigen Gewitter mit Hagelschlag. Unser kleiner Garten hat es zum Glück gut überstanden.

Am letzten Abstimmungssonntag, den 13. Juni, wurde die Initiative für sauberes Trinkwasser und jene für eine Schweiz ohne Pestizide vom Stimmvolk abgelehnt. Auch das geplante CO2-Gesetz zum Schutz des Klimas. Also bleibt mein Märchen «Das Ei der Weisheit» vorläufig noch aktuell. Ich hatte es vor neun Jahren einmal einer Gruppe von Kindern vorgelesen. Eine Grossmutter erzählte mir am folgenden Tag, an dem die Sonne nicht schien, dass ihre Enkelin ihr ganz aufgeregt gesagt hatte: «Ich glaube, das Ei der Weisheit ist wieder von der Erde verschwunden! Wir müssen es wieder zurückholen!» Diese Aussage finde ich jetzt passend als Kommentar zu dem neusten Abstimmungsergebnis.

Angenommen hat das Stimmvolk das neue Covid-Gesetz, welches dem Bundesrat während einer Pandemie mehr Kompetenzen gibt.  

Inzwischen ist das Bücherpaket vom Literaturpodium angekommen: Der Erzählband 2020 ist erschienen. Der Titel: Nie wieder Martini! Zwei längere Erzählungen habe ich beigetragen: «Meine Reisen in die Tschechoslowakei von 1972 bis 1990» mit 25 Seiten und «Mein Corona-Tagebuch 2020: Corona-Zeit» mit 156 Seiten. Ich beginne sofort im «Tagebuch» zu lesen und staune über die letztjährigen Begebenheiten, die ich teilweise nicht mehr oder nicht mehr so detailliert im Gedächtnis habe. Vor einem Jahr habe ich nicht gedacht, dass wir uns jetzt immer noch in einer «Corona-Zeit» befinden und ich immer noch Tagebuch schreibe. Georg meint bereits seit Anfang Jahr immer wieder, dass ich damit aufhören soll, denn das Thema interessiere doch niemanden mehr. Wahrscheinlich werde ich ab jetzt in grösseren zeitlichen Abständen etwas schreiben. Mich interessiert, wie sich die weltweite Situation weiterentwickeln wird und wann endlich Wissenschaftler*innen, die nicht die offizielle Meinung vertreten, ungehindert zu Wort kommen.

Seit Juni dürfen auch die Innenräume von Restaurants und Schwimmbädern wieder öffnen. Bis Ende August sollen es allmählich auch weitere Lockerungen bei Grossveranstaltungen geben. Masken im öffentlichen Verkehr und beim Einkaufen werden wohl noch eine Zeit lang Pflicht bleiben. In der Schweiz können sich seit dem 1. Juni 64- bis 18-Jährige impfen lassen. Ab nächster Woche auch 16- bis 17-Jährige. Bald soll ein Impfstoff auch für 15- bis 12-Jährige bewilligt werden. Das Gratisblatt 20minuten hat eine Umfrage gemacht: Unter dem Alter von 35 will sich nur jeder oder jede zweite Person impfen lassen. Diese sehen Covid19 für sich nicht als gefährlich an. Sie betrachten die Impfung als eine grössere Gefahr. Viele meinen, dass sie durch eine Impfung unfruchtbar würden. Besonders bei Frauen sind die unmittelbaren Nebenwirkungen nach einer Impfung stärker und häufiger.

Weitere Mutanten verbreiten neue Ängste: Jetzt gibt es die sogenannte Delta-Mutante, angeblich aus Indien, die sehr gefährlich und hoch ansteckend sein soll. Von der britischen, der brasilianischen und der südafrikanischen Variante hören wir nichts mehr. Ist diese etwa verschwunden?  Delta verbreitet sich zurzeit in Moskau, Lissabon, besonders in Grossbritannien. Und langsam auch in der Schweiz. Die hiesigen Medien zeigen mit dem moralischen Zeigefinger auf Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Denn diese würden zu einer Verbreitung der Delta-Variante beitragen.

Foto: Fähre über die Aare bei Reichenbach
und Text: Petra Dobrovolny