Mein Tagebuch: 03.01.2022

3. Januar, Montag: Mit Farben und Pinsel in das neue Jahr

Nach Tagen mit Tauwetter ist es in den Walliser Alpen wieder kalt geworden. Viele Familien reisen heute wieder nach Hause. Gut erholt und mit schönen Erinnerungen an die Feiertage in Leukerbad. Die Schneeverhältnisse waren sehr gut, die Stimmung auch. Am Silvesternachmittag hatten Georg und ich auf der vollbesetzten Terrasse vom «Weidstübli» eine fröhliche Gruppe aus Bayern erlebt. Ein älterer Herr spielte auf eine Harmonika bekannte deutsche Lieder wie «Junge, komm’ bald wieder!» oder «I möcht’ wieder heim!» Die etwa zehnköpfige Gruppe, Familienmitglieder dreier Generationen, schunkelte singend dazu und steckte alle Gäste mit ihrer Lebensfreude an. Die Chefin des Restaurants hatte sogar die für uns immer zu laute Radiomusik aus den Lautsprechern abgestellt und lief nicht mehr gestresst herum. So schenkte diese Gruppe der ganzen Umgebung einen wunderbaren Jahresausklang mit deutschen Schnulzen, deren herzerwärmende Darbietung in dieser «Corona-Zeit» besonders dankbar angenommen wurden.

Am 2. Januar fuhr Georg wieder nach Hause. Er war zufrieden mit dem Fortschritt der Heilung seines linken Unterarms und Handgelenks, das er sich bei einem Sturz im letzten Oktober zugezogen hatte. Das Leukerbader Wasser aus dem Brunnen und Umschläge mit Weisskohlblättern hatten ihm geholfen.

An Neujahr träume ich: Es zeigen sich mir viele ausgepackte Umzugsschachteln. Darunter finde ich in einem Keramikbecher meine Malpinsel zu einem Strauss gebündelt. Diesen Traum verstehe ich als eine Aufforderung, wieder einmal zu malen. Ich kaufe mir einen Malkasten mit Gouache-Farben. Sogar so etwas kann man in Leukerbad finden! Die Farben sind genau in den Tönen, wie ich sie mir wünsche und ich erinnere mich daran, mit welcher Freude ich als Kind im ersten Schuljahr meinen neuen Malkasten öffnete. Ich liess meine Pinsel über das Papier tanzen, eine neue Welt tat sich mir auf. Meinen Eltern verkündete ich, dass ich einmal Malerin werden möchte, wenn ich gross bin. Malen und Werken war mein Lieblingsfach. Ab der dritten Klasse Oberstufe wurde dies jedoch durch Kunstgeschichte ersetzt. Ab einem Alter von 13 Jahren wurde ausgerechnet der Selbstausdruck mit Farben nicht mehr unterrichtet. Dies machte mich damals sehr traurig. Zum Trost kauften mir meine Eltern eine Staffelei und Ölfarben. Ich erhielt aber keine Anweisungen dazu, die Staffelei wackelte und hatte keinen stabilen Stand. Auch hatte ich neben der Schule zu wenig freie Zeit für Pinsel und Farben. Somit schlief dieses Hobby nach kurzer Zeit ein, bis ich etwa 15 Jahre später auf Anraten meines Jung’schen Psychoanalytikers die Malutensilien meiner Kindheit aus einer Umzugsschachtel befreite. Ich malte Bilder aus meinen Träumen oder folgte meiner Intuition, ohne den Anspruch zu haben ein grossartiges Werk zu schaffen. Dem Pinsel absichtslos folgend, freute ich mich an der Vielfalt der Farben und an dem, was sich meiner Seele entspringend formulieren wollte.

In den 80er Jahren lernte ich durch meine Freundin Silvia, die in St. Gallen ein Malatelier leitete, die Methode von Arno Stern kennen. In einem Raum ohne Fenster, also ohne Ablenkung von aussen, finden sich Malende im Alter von etwa sieben bis über 90 Jahren zusammen. In der Mitte des Raumes steht eine lange Palette mit wasserlöslichen Farben in Bechern. Jeder Farbe ist ein dünner und ein dicker Pinsel zugeordnet. Die Atelierleiterin steht ganz im Dienst der Malenden. Mit Reissnägeln befestigt sie jeweils ein kleines oder grosses Blatt in der richtigen Höhe an der grossen Malwand, die vom Boden bis zur Decke reicht. Nach getaner Arbeit nimmt sie es ab oder fügt ein nächstes Blatt an, falls die farbigen Linien sich weiter in den Raum schlängeln möchten. Auf Wunsch mischt die Leiterin verschiedene Farben in kleinen Schälchen. Gesprochen wird nur das Nötigste. Meistens ist es während des Malens im Atelier mucksmäuschenstill. Weder die Tätigkeit der Malenden noch das Ergebnis werden bewertet oder etwa interpretiert. Die Bilder werden auch nicht mit nach Hause genommen, denn sie sind nicht für die Blicke anderer bestimmt.

Silvia und ich entwickelten gemeinsam Kurse für Erwachsene, die wir «atmen -bewegen – malen» nannten. Ich leitet die Gruppe jeweils für 1 ½ Stunden in der Methode «Atem und Bewegung» nach Ilse Middendorf an, anschliessend stand Silvia für 1 ½ Stunden den Teilnehmenden im Atelier zu Diensten. Der Atem hatte das Tor zur Inspiration geöffnet. Was sich nun aus der Tiefe der Seele ausdrücken wollte, fand durch Pinsel und Farbe zu farbigen Spuren auf das weisse Papier. Voller kindlicher Freude malte ich auch mit. Eine kurze Gesprächsrunde rundete das Erlebte ab. Jeder und jede erzählte nach eigenem Ermessen etwas über das Erfahrene.

Diese Kurse waren so beliebt, dass wir sie auch noch ein paar Jahre fortsetzten, nachdem ich nach Bern umgezogen war. Nach kurzer Zeit lernte ich an meinem neuen Wohnort eine weitere Malatelierleiterin kennen, mit welcher ich ebenfalls viele Jahre gemeinsam solche Kurse anbieten konnte. Die meisten meiner Bilder, die im Rahmen unserer Kurse entstanden sind, habe ich bis heute aufbewahrt. Einige davon fanden den Weg in mein erstes Buch «Lass mich atmen! Selbstwerdung und Sinnfindung durch Traum und Atem». Diese «Seelenbilder» könnt Ihr im Internet finden auf petrasmaerchen.ch

Noch eine Bemerkung: Arno Stern hatte nach dem 2. Weltkrieg kriegstraumatisierte Kinder in seinem Atelier in Paris malen lassen. Er wusste, wie sehr die Malspuren solcher Kinder geschützt werden mussten und nannte sein Atelier «clos lieu», einen geschlossenen Raum. Keine andere Person durfte den Raum betreten, auch die Eltern nicht. «Einen sicheren Raum für Kinder» nennt heute die Caritas ihre Projekte mit Malateliers für kriegstraumatisierte Kinder in der Ostukraine. Arno Sterns Samen ist aufgegangen. Seine Forderung nach einer Pädagogik, die das fördert, was sich aus der inneren Seelenquelle formulieren möchtet, findet immer mehr Gehör. Sein Sohn André setzt und entwickelt die Arbeit seines inzwischen über 90-jährigen Vaters heute fort.

Nun öffne ich meinen neu erstandenen Malkasten und probiere neugierig mit dem beigelegten kleinen Pinsel die lichtvollen Farben aus. Es entsteht eine Sonne, die ihre Strahlen in goldgelben, orangen und rosa Tönen über das ganze Blatt strahlt. Möge dieses Licht in das neue Jahr hineinstrahlen! Es werde Licht!

Bild und Foto: Licht für 2022!

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 31.12.2020

31. Dezember, Donnerstag:

Ein Kreis schliesst sich

Es hat viel geschneit. Georg dreht eine Runde auf unserer verschneiten Dachterrasse, barfuss.

Im Kanton Luzern ist ein 91-Jähriger an Demenz erkrankter Mann 5 Tage nach der Impfung gegen Covid19 gestorben. Die Zeitschrift Zeitpunkt bringt als erste die Meldung: «Erster Todesfall in Folge der Covid-19-Impfung in der Schweiz!» Die Zulassungsbehörde Swissmedic beeilt sich zu entwarnen: Es sei kein Zusammenhang mit der Impfung ersichtlich. Auch eine andere Tageszeitung beschwichtigt: Pro Monat sterben in der Schweiz sowieso 1400 Menschen, davon seien 600 über 85-jährig.

Zahlreiche Astrolog*innen sagen uns ein lichtvolles und glückliches neues Jahr voraus. Zusammenarbeit werde ein wichtiges Thema, um die beste Lösung für alle zu finden.

Wir wünschen allen ein Jahr voller Freude. 2021 hat die Quersumme 5: Diese Zahl spricht für einen Willen zur Freiheit und den Mut zu Abenteuern. Treffen wir dieses Jahr Entscheidungen aus dem Herzen, werden wir ein Magnet für Fülle und Erfolg.

Morgen werde ich hier in Leukerbad im Hotel Beau Séjour eine Klangmeditation geben. Ich werde die Gäste dazu auffordern, sich ihre Wünsche für das neue Jahr so vorzustellen, als wären sie bereits Wirklichkeit geworden. Die Klänge meiner Kristall-Lyra werden sie darin unterstützen. An Weihnachten 2019 durfte ich die Christnachtfeier in der Kirche Meikirch bei Bern mit meinen Klängen begleiten, nun schliesst sich für mich ein Kreis, und es öffnet sich ein neuer hier in Leukerbad. 

Im vergangenen Frühjahr waren unsere Nachbarn in Neuseeland wegen Corona gestrandet und konnten erst im Juli wieder in die Schweiz zurückkehren. Heute meldet das Schweizer Radio: Neuseeland begrüsst das neue Jahr mit Feuerwerken und ohne Corona-Massnahmen. Seit einem Monat sei das Virus nicht mehr nachgewiesen worden. So etwas ist also tatsächlich möglich!

Zum Schluss meines Tagebuchs möchte ich die Engel zu Wort kommen lassen.
  
In Deutschland spielen bei den Demonstrationen gegen die Corona-Massnahmen der Regierung Fahnen eine wichtige Rolle. Es ist ein grosses Thema, wer sich was auf die Fahne schreibt. Ich frage die Engel um ihre Meinung, und sie sagen:

«Schreibt die Demut
auf eure Fahne
und alles wird heil.

Schreibt die Dankbarkeit
auf eure Fahne
und ihr werdet alles bekommen.

Schreibt die Liebe
auf eure Fahne
und ihr kommt in Frieden.

Erinnert euch:
Ihr seid göttlich
in Demut, Dankbarkeit und Liebe.
Und ihr werdet unendlich geliebt.

Eure Engel»

Foto: Fenster in Leukerbad mit Sinnspruch zur Poesie der Winterreise
und Text: Petra Dobrovolny

P.S.: Allen Blog-Lesenden wünsche ich ein glückliches neues Jahr! Vielen Dank, dass ihr mir bis hierher gefolgt seid. Diesen Text werde ich in den nächsten Wochen redigieren und an das www.literaturpodium.de schicken. Im Frühjahr 2021 wird mein Tagebuch gemeinsam mit den Erzählungen anderer Autor*innen in einem ca. 400-seitigen Sammelband erscheinen und auch in der Schweiz im Buchhandel erhältlich sein. Vor einem Jahr hätte ich nicht gedacht, dass so viele Seiten zusammenkommen werden.

Welche Erzähl- und Gedichtbände mit meinen Beiträgen bis jetzt in der Dorante Edition Berlin erschienen sind, könnt ihr bei www.petrasmaerchen.ch unter „Angebot“ oder bei www.literaturpodium.de nachschauen.

Ich werde auch weiterhin Tagebuch-Beiträge auf diesem Blog posten. Lassen wir uns überraschen, was das neue Jahr bringt! Ich freue mich, meine Gedanken mit euch zu teilen.