Mein Tagebuch: 12.09.2021

12. September, Sonntag: Immer wieder anders

Der Spätsommer hält noch an. Georg bringt von der Bio-Gärtnerei zwei noch blühende Tomatensetzlinge. Vielleicht bringen sie bis Oktober noch ein paar Früchte? Das wäre ein kleiner Trost nach dem Hagelschlag auf unsere Tomaten im Juli. Die Hoffnung geben wir nicht auf.

Ab Montag soll eine erweiterte Zertifikatpflicht gelten. Auch für die Innenbereiche der Restaurants. Vor einer Woche meinte Bundesrat Berset noch, dies sei eine «bizarre» Vorstellung. Jetzt hat er wieder mal seine Meinung geändert. – Spucktests in Schulen sollen doch nichts bringen. Die Maskenpflicht für Schüler und Schülerinnen wurde in den letzten Monaten mal als notwendig erachtet, zwischendurch wieder abgeschafft. Seit 18 Monaten werden uns sich ständig ändernde Regeln auferlegt, die vorher als sinnlos betrachtet wurden. Zunächst wurden Leute ohne Symptome gar nicht für Tests zugelassen, und es hiess, Masken seien eher schädlich als nützlich. Viele Spitäler wurden in der Pandemiezeit geschlossen, weil sie nicht rentieren. Jetzt, nach den Sommerferien, erweist sich die Bettenkapazität in den Intensivstationen als zu klein. Nicht dringende Operationen werden wieder verschoben. Ein grösseres Problem ist das fehlende Pflegepersonal. Unter solchen Bedingungen wie ständiger Überlastung und Impfpflicht haben viele gekündigt und orientieren sich beruflich um.

Die offiziellen Medien hetzen gegen die angeblich uneinsichtigen und arroganten Ungeimpften, die alles andere als solidarisch seien. Leserbriefschreibende rufen dazu auf, im eigenen Familien- und Bekanntenkreis Ungeimpfte unter sozialen Druck zu setzen. Jemand schreibt im «Bund» vom 11.09.: Wenn ab Montag die Zertifikatspflicht in Restaurants gilt, werde er als geimpfter Gast vor seiner Bestellung fragen, ob das gesamte Personal geimpft sei. Ist dies nicht der Fall, würde er aufstehen und sagen: «Tut mir leid! In dem Fall gehe ich wieder!»

Georg meint: «Die neue Krankheit heisst Kontrollitis. Jeder kontrolliert jeden.»
Die Welt wird bizarrer. Vor allem Kinder und Jugendliche kommen damit nicht zurecht. Besonders nicht damit, dass ihnen gesagt wird, sie könnten den Tod ihrer Grosseltern und Eltern verursachen. Die psychiatrischen Kliniken sind überfüllt.

Die Demonstrationen gegen die Massnahmen nehmen seit letztem Donnerstag, an welchem der Bundesrat die Erweiterung der Zertifikatspflicht ankündigte zu. Die Warteschlangen vor den Impfzentren werden wieder länger.

Wie wird das Volk am 28. November über das Covid-Gesetz abstimmen? Die Hoffnung geben wir nicht auf.

Ich nehme mein viersaitiges indisches Musikinstrument, die Tampura, und fahre nach Leukerbad. Am Abend gehe ich noch in die Therme, denn ab Morgen wird für den Eintritt ein Zertifikat verlangt. 

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 23. August 2020

23. August, Sonntag:

Es ist ruhig in unserem Quartier, friedliches Spätsommerwetter lässt die Blumen noch einmal in voller Pracht gelb, rot und weiss strahlen.

Unruhig ist die Bevölkerung in vielen Ländern, etwa in Thailand, dem Libanon, Israel und in unserer Nähe Weissrussland. Die Oppositionsführerin musste nach Litauen fliehen. Der Diktator Lukaschenko wurde in der Öffentlichkeit desavouiert: Die Belegschaft einer Fabrik rief nach seiner Rede: „Hau‘ ab!“ Die Bevölkerung verliert ihre Angst, ca. 200‘000 Menschen demonstrieren heute friedlich in der Hauptstadt Minsk mit weissroten Fahnen der Opposition. Die Armee steht in bereit, greift aber nicht ein.

Vor 2 Tagen, am 21. August jährte sich die Invasion der Tschechoslowakei durch die Truppen der Warschauer-Pakt-Staaten – ausser Rumänien – unter der Führung des Kremls zum 52. Mal. Die hiesigen Tageszeitungen erwähnen dieses Ereignis, dem 22 Jahre lang eine Okkupation des Landes folgte, nicht. Doch in der Tschechischen Republik gibt es heute junge Medienschaffende, die nach der Wahrheit fragen. Die Bilder aus Minsk erinnern uns an jene vom 21. August 1968 in Prag, doch die Zeiten haben sich zum Glück geändert: Eine militärische Unterdrückung ist heute in Europa nicht mehr möglich.

Der Präsident Lukaschenko hatte aus einem Helikopter heraus die riesige Menschenmenge betrachtet, mit Bleiweste und Gewehr in der Hand. Er bezeichnete die Demonstrierenden verächtlich als Ratten. Georg meint, dass dieser Ausdruck eigentlich gut gewählt sei: Ratten wären intelligente Tiere, die ein sinkendes Schiff vorzeitig verliessen.  

Am 21. August hatte Herr Prof. Bhakdi an einem Ärztekongress in Budapest teilgenommen. Er hatte ein allgemein verständliches Referat über Corona und Impfung gehalten. Auch Laien waren anwesend, der Saal konnte 300 Personen fassen, viele konnten nicht eingelassen werden, so gross war der Andrang. Das Referat wurde auf Youtube veröffentlicht, nach kurzer Zeit jedoch durch die Zensur gelöscht. Obwohl das Thema wissenschaftlich fundiert vorgetragen worden war, und Herr Bhakdi seinen Beitrag zur Diskussion gestellt hatte. Der Youtube- Kanal Bittel TV hat den Vortrag inzwischen wieder hochgeladen. Wie lange dieser wohl bleibt …?  

Text und Foto: Petra Dobrovolny