{"id":2799,"date":"2024-07-06T11:52:22","date_gmt":"2024-07-06T11:52:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dolphinkissis.ch\/petrasmaerchen.ch\/blog\/?p=2799"},"modified":"2024-07-06T11:53:06","modified_gmt":"2024-07-06T11:53:06","slug":"eine-marketingstrategie-fuer-leukerbad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.dolphinkissis.ch\/petrasmaerchen.ch\/blog\/?p=2799","title":{"rendered":"Eine Marketingstrategie f\u00fcr Leukerbad"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-color has-link-color wp-elements-a1268c14dd132865ebd8b2c882188068\" style=\"color:#0709e3\"><strong>Theorie und Praxis<br><\/strong><br>Am 26. Juni 2024, hat die Tourismus-Organisation von Leukerbad \u201emyleukerbad.ch\u201c Gewerbetreibende, Ferienwohnungsbesitzende und alle anderen Interessierten zum j\u00e4hrlichen Informationsabend \u00fcber die \u201eMarketingstrategie 2026\u201c und die aktuellen Entwicklungen eingeladen. Etwa 60 Leute sind in den Theatersaal des Schulhauses gekommen. Es verspricht ein interessanter Abend zu werden, an dem ich etwas \u00fcber das Marketing dieser Tourismusregion erfahren kann. \u201eNachhaltigkeit\u201c ist das Hauptthema, auf Englisch \u201esustainability\u201c. Studien sollen zeigen, dass Touristen zunehmend \u201enachhaltiger\u201c reisen m\u00f6chten und sich beim Aussuchen ihres Reiseziels dar\u00fcber informieren, ob und wie das zur Auswahl stehende Hotel oder auch die ganze Destination mit nat\u00fcrlichen Ressourcen umgehen, ob regionale Produkte und authentische Veranstaltungen angeboten werden. Demzufolge ist die Nachhaltigkeit zu einem wichtigen Faktor der Marketingstrategie geworden. Wie ich zu meinem Erstaunen erfahre, sei die Schweiz europaweit f\u00fchrend und hat daf\u00fcr das Label \u201eswisstainable\u201c kreiert. Gastronomische Betriebe k\u00f6nnen das Label oder Zertifikat f\u00fcr einen Jahresbeitrag ab 150.- CHF erhalten, wenn sie bestimmte Bedingungen erf\u00fcllen. Gepr\u00fcft wird auch, inwiefern das Personal in die Gestaltung betrieblicher Abl\u00e4ufe miteinbezogen wird und sich in Bezug auf die Nachhaltigkeit weiterbilden kann.<br>75% der G\u00e4ste, die nach Leukerbad kommen, stammen aus der Schweiz. Dies bedeutet, dass die Zeit der Schulferien die jeweilige Hochsaison bestimmt. Die meisten G\u00e4ste kommen in den Weihnachtsferien und in der sogenannten Sportwoche im Februar. Im Mai und Juni zieht es die Schweizer eher in den w\u00e4rmeren S\u00fcden statt in die Berge. Die aktuelle Vermarktungsstrategie setzt also darauf, dass Leukerbad st\u00e4ndig, d.h. 365 Tage im Jahr, eine Feriendestination werden soll. Der September und Oktober haben hier eine gute Chance, besonders wenn \u00fcber dem Mittelland und Norditalien Nebel liegt. Die L\u00fccken in der j\u00e4hrlichen Auslastung k\u00f6nnten G\u00e4ste aus ferneren L\u00e4ndern f\u00fcllen. Jetzt peilt man Japan an, Marktanalysen geben Indien und China auch eine gute Chance. Asiatische G\u00e4ste sind jedoch anderes Essen gewohnt. Der Marketingchef von Leukerbad, Herr C.D. meint, dass die Hoteliers flexibel sein und zum Fr\u00fchst\u00fcck Nudelsuppe anbieten m\u00fcssten. Ich habe bereits selbst gesehen, was ein Leukerbadner Hotel nach dem Besuch einer chinesischen Gruppe alles wegschmeissen musste. Dies sah nicht gerade nachhaltig aus.<br><br>F\u00fcr die landesweite und die internationale Vermarktung von Leukerbad hat man sich der Organisation \u201eValais Wallis Promotion\u201c, die 2012 gegr\u00fcndet wurde, angeschlossen. Diese hat f\u00fcr die Marke \u201eWallis\u201c das Motto \u201eWallis ins Herz gemeisselt\u201c lanciert. Der Gast soll das Wallis einfach lieben, es sich einpr\u00e4gen und nie mehr vergessen. Leukerbad wird mit dem Motto \u201eQuelle zum Gl\u00fcck\u201c beworben, auf Franz\u00f6sisch \u201eSource de bonheur\u201c.<br>Die hiesigen Marketingfachleute schw\u00e4rmen von der Vielfalt, die Leukerbad zu bieten hat und meinen genau zu wissen, was der Gast hier sucht: Er wolle das Freiheitsgef\u00fchl auf einem Mountainbike geniessen oder tags\u00fcber wandern und abends ins Thermalbad. Familien wollten \u201eAction\u201c und Spass. Das alles in einer Kulisse mit nat\u00fcrlicher Sch\u00f6nheit. Dies wolle man f\u00f6rdern und unbedingt die Bike-Weltmeisterschaft nach Leukerbad holen.<br><br>In der anschliessenden Frage- und Antwortrunde wird eher die Skepsis des Publikums deutlich. Ein Landwirt m\u00f6chte die f\u00fcr die WM geplante Route sehen, denn diese f\u00fchre wahrscheinlich durch sein Gebiet und die Bikes w\u00fcrde nicht so schnell behebbare Sch\u00e4den anrichten. Wie stehe es denn dann mit der Nachhaltigkeit? Antwort von Herrn C.D.: Wo es Einsprachen g\u00e4be, w\u00fcrde dies bei der Routenplanung ber\u00fccksichtigt. \u2013 Ich weise auf den Interessenkonflikt zwischen Wandernden und Bike-Fahrenden hin. Als konkretes Beispiel f\u00fchre ich den Panoramaweg an. Besonders seit einem Jahr sind dort in der schneefreien Saison an Wochenenden immer mehr Leute auf Bikes und \u201eMonster-Trotinettes\u201c unterwegs. Der Weg werde aber auch von Familien mit kleinen Kindern und von \u00e4lteren Leuten ben\u00fctzt. Bereits mehrere Wandernde h\u00e4tten mir gesagt, sie \u00fcberlegten sich, ob sie das n\u00e4chste Jahr wiederk\u00e4men. Fr\u00fcher sei es besser gewesen. Die Antwort, die ich von Herrn C.D. erhalte, lautet: Eine Mehrfachbenutzung auf Wanderwegen sei in der Schweiz prinzipiell erlaubt und meistens auch so signalisiert. Man m\u00fcsse eben R\u00fccksicht nehmen und miteinander reden. Er w\u00fcrde seit 20 Jahren Biken und h\u00e4tte noch nie ein Problem gehabt. &#8211; Meine n\u00e4chste Frage: Es gibt auch viele G\u00e4ste, die sich bei ihrem Aufenthalt in Leukerbad Ruhe und Erholung w\u00fcnschen. Wie werden diese in das Marketingkonzept eingebunden? Die Antwort: Diese k\u00f6nnten dann kommen, wenn nichts liefe. Da w\u00fcrden sich die Hoteliers freuen.<br><br>Beim anschliessenden Ap\u00e9ro, zu welchem alle eingeladen sind, frage ich Herrn Caliesch, ob der Begriff \u201enoise pollution\u201c, also L\u00e4rmverschmutzung als Faktor bei der Nachhaltigkeit aufgelistet sei. Er meint, dass Leukerbad damit bestimmt kein Problem habe. Ich entgegne: \u201eO doch, zum Beispiel auf dem Dorfplatz bei der Apr\u00e8s-Ski-Ap\u00e9ro-Bar im Freien w\u00fcrden die Boxen voll aufgedreht.\u201c Er meint, wenn dies ein privater Betrieb mache, k\u00f6nne man dagegen nichts sagen. Und die Bar g\u00e4be es nur eine Woche lang. Mein Gegenargument: Die erlaubte Grenze an Dezibel w\u00fcrde wahrscheinlich \u00fcberschritten. Die Antwort: In diesem Fall m\u00fcsste ich mich an die Gemeinde wenden und mich beschweren. Dann erz\u00e4hle ich Herrn C.D., dass ich weltweit viel gereist sei, zum Beispiel sei ich auch auf Barbados in der Karibik gewesen. Dort g\u00e4be es vor 2 Uhr nachts wegen zu lauter Musik keine Ruhe. Die Insel sei bekannt f\u00fcr \u201enoise pollution\u201c und viele G\u00e4ste w\u00fcrden deswegen ihre Ferien nicht mehr dort verbringen. Stattdessen seien andere Inseln, die weder Internets noch Events h\u00e4tten und gerade das als Marketingstrategie lancieren, st\u00e4ndig ausgebucht. Mein Gegen\u00fcber sch\u00fcttelt den Kopf. Das sei f\u00fcr Leukerbad nicht m\u00f6glich.<br><br>Von einem Bike-Verleiher werde ich gefragt, ob ich in Leukerbad ein Hotel f\u00fchre. Meine Fragen seien so entschlossen und mutig gewesen. Ich antworte lachend, dass ich Psychotherapeutin sei und unterwegs gerne mit Leuten ins Gespr\u00e4ch k\u00e4me. Ausserdem sei ich Klangtherapeutin, h\u00e4tte sehr feine Ohren und w\u00fcrde in der Kirche Klangmeditationen anbieten. Ach so, meint er, dann sei ihm alles klar. Er gibt mir recht: Die Bike-Fahrenden h\u00e4tten eine viel zu starke Lobby. Die Jungfrau-Bahnen zum Beispiel h\u00e4tten die Regel eingef\u00fchrt, dass Biker erst ab 16 Uhr auf die Kleine Scheidegg fahren d\u00fcrften, wenn alle sonstigen Touristen bereits auf dem Heimweg seien. Leukerbad m\u00fcsste Wandernde und Bike-Fahrende auf die Dauer auseinanderdividieren. Ausserdem meint er, dass Biker der Region nichts bringen. Sie seien meistens Tagesausfl\u00fcgler, die weder ein Restaurant noch ein Hotel beanspruchten. Er bek\u00e4me morgens von ihnen einen Anruf mit der Bestellung, ein Bike an einem bestimmten Bahnhof oder einer Bushaltestelle bereitzustellen. Dann w\u00fcrden sie die Route fahren, sich aus dem Rucksack verpflegen, abends das Bike am abgemachten Ort wieder hinstellen und mit dem Zug nach Hause fahren. Deswegen sei es unverst\u00e4ndlich, warum Leukerbad Tourismus die Biker so stark f\u00f6rdere.<br><br>Zum Gl\u00fcck kann ich mich in meine Wohnung, die eine Oase der Stille ist, zur\u00fcckziehen, wenn mir der Rummel im Dorf in der Hochsaison zu viel wird. Ich h\u00f6re immer wieder von Leuten, die gerade wegen der Ruhe nach Albinen, dem Nachbardorf, umgezogen sind oder dort statt in Leukerbad ihre Ferien verbringen. Ruhe zu erleben ist vielen Menschen ein tiefes Bed\u00fcrfnis. Oft sagen mir G\u00e4ste, die meinen Klangmeditationen in der Kirche zuh\u00f6ren: \u201eJetzt bin ich endlich zur Ruhe gekommen und daf\u00fcr danke ich Ihnen.\u201c Seit heute weiss ich, dass meine Klangmeditationen sogenannte authentische Veranstaltungen sind. Somit leiste ich einen Beitrag zur Nachhaltigkeit der Destination Leukerbad.<br><br>Es stellt sich die Frage, wie realistisch die Marketingstrategie 2026, die auf Biker und asiatische Touristen setzt, f\u00fcr Leukerbad ist. Wie ich erfahren habe, sind Biker meistens Tagesausfl\u00fcgler, die weder Restaurants noch Hotels in Anspruch nehmen. Biker werde nicht verhindern, dass gastronomische Familienbetriebe oft schliessen m\u00fcssen, weil die Nachfolge fehlt. Eines der \u00e4ltesten Leukerbadner Hotels hatte versucht, sich in den letzten Jahren als Biker-Hotel zu profilieren. Jetzt steht es zum Verkauf ausgeschrieben. Zunehmend ben\u00fctzen Biker beliebte Wanderwege und werden zu einer Gefahr f\u00fcr Touristen, die die Stille der Berge geniessen m\u00f6chten. Unf\u00e4lle h\u00e4ufen sich auch bei Frauen und Kindern, die ihr Fahrzeug nicht richtig beherrschen. Sie fahren in grossem Tempo auf ihren Bikes oder \u201eMonster-Trottinettes\u201c die Wanderwege bergab. Oft k\u00f6nnen sie nicht bremsen, weil ihnen die Kraft in den H\u00e4nden fehlt. Auch die engen Gassen im Dorf bleiben von Bikern nicht verschont. Wer sollte auf wen R\u00fccksicht nehmen? Ich habe schon mehrmals von langj\u00e4hrigen Stammkunden sowie von Familien mit kleinen Kindern geh\u00f6rt, dass sie sich \u00fcberlegen, eine andere Feriendestination zu suchen.<br>Die Einzigartigkeit, im Marketing \u201eUSP\u201c genannt, von Leukerbad liegt sichtlich in der Sch\u00f6nheit der Natur und dem Thermalwasser, welches europaweit am reichlichsten sprudelt und bei vielen Krankheiten heilend wirkt. Warum setzt die Marketingstrategie auf Biker, die Stammg\u00e4ste vergraulen? Hier wird eine G\u00e4stegruppe gef\u00f6rdert, die ihr Freiheitsgef\u00fchl auf Kosten von anderen auslebt. Es gibt gen\u00fcgend andere Regionen, die Bikerouten anbieten. Und asiatische Touristengruppen bleiben meistens in der Gruppe zusammen. Einzeln besuchen sie weder eine Cafeteria noch ein lokales Gesch\u00e4ft. Grosse Hotels profitieren von ihnen am meisten.<br><br>Auch stellen sich weitere Fragen:<br>Warum gibt es in Leukerbad weder eine Arzt- noch Zahnarztpraxis?<br>Warum gibt es keinen Obst- und Gem\u00fcsemarkt?<br>Warum wird eine derart realit\u00e4tsfremde Marketingstrategie entwickelt?<br><br>Foto: Leesh\u00f6rner bei Leukerbad<br>und Text: Petra Dobrovolny<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theorie und PraxisAm 26. Juni 2024, hat die Tourismus-Organisation von Leukerbad \u201emyleukerbad.ch\u201c Gewerbetreibende, Ferienwohnungsbesitzende und alle anderen Interessierten zum j\u00e4hrlichen Informationsabend \u00fcber die \u201eMarketingstrategie 2026\u201c und die aktuellen Entwicklungen eingeladen. Etwa 60 Leute sind in den Theatersaal des Schulhauses gekommen. 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