Mein Tagebuch: 02.12.2022

02. Dezember, Freitag: Advent von innen: Unser Herz kann leuchten!

Am Montag fand der Berner «Zibelemärit» wieder in seiner traditionellen Form statt. Vorletztes Jahr war er «wegen Corona» ausgefallen, letztes Jahr durfte «wegen Corona» kein Alkohol ausgeschenkt werden, dieses Jahr ist fast alles wieder beim Alten. Es duftet nach Glühwein und Zwiebelkuchen. Die Stimmung ist friedlich, die Menschen sind dankbar und freuen sich. Sie stehen in Gruppen zusammen und prosten sich zu. Niemand trägt eine Maske. Ein neues Vertrauen ins Leben scheint zu keimen.  
Nach vier Tagen unter dem Berner Hochnebel bin ich gestern wieder unter dem blauen Walliser Himmel angekommen.

Heute Morgen, als ich das Radio einschaltete, sang gerade Udo Jürgens: «Es werde Licht, es werde Menschlichkeit, nicht nur zur Weihnachtszeit». Wie wahr!
«Die Urkraft im Kern des menschlichen Herzens» ist der Titel des neusten Buches des bekannten Geomanten Marko Pogacnik. Er beschreibt, wie unser Herz mit jenem von Mutter Erde verbunden ist, die mit ihrem Liebesfeld ständig alle Lebewesen durchdringt und liebkost. Wir seien uns dessen nur noch nicht bewusst, da unser Verstand uns zu sehr dominiere, und auch weil wir die Verbindung zu der Herzenskraft der Drachen und Feen verloren hätten. Jedoch sei die volle Liebeskraft des menschlichen Herzens am Erwachen und dabei, die ungünstige Weltentwicklung umzuwandeln. Seine Visionen und Träume haben Marco Pogacnik dazu inspiriert, dieses Buch zu schreiben, um uns die frohe Botschaft darüber mitzuteilen, welches Liebespotenzial noch in uns schlummert.

Mein Kommentar: Wir sehen im Aussen überwiegend den Mangel bzw. haben Angst vor einem drohenden Mangel, auch wenn wir im Überfluss leben. Das Wort «Strommangellage» wurde zum «Unwort des Jahres» deklariert. Viele Menschen resignieren und sagen: «Da kann ich sowieso nichts dran ändern.» Helfen kann nur ein Retter, der von aussen – von woher denn? – kommt. Jetzt leben wir in der Adventzeit. Wie wäre es, wenn wir unser inneres Licht immer stärker strahlen lassen? Jedes Mal, wenn wir eine Kerze anzünden, können wir uns mit unserem Herzenslicht verbinden und es zusammen mit dem Licht der Kerze in die Welt schicken. Unser Herzmuskel funktioniert durch Elektrizität. Solange wir leben und gesund sind, herrscht dort keine Strommangellage.
Es ist Mittag und Zeit für mich, in der Kirche meine Klangschalen aufzustellen und zu singen: «Pleni sunt caeli et terra gloria tua.» Mutter Erde, Drachen und Feen gehören zur Glorie der göttlichen Schöpfung, wir auch.

Die Tage bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember sind besondere Tage der Einkehr, des Abschieds von diesem Jahr oder von schon länger Vergangenem. Noch einmal danken für Erlebtes, Gelerntes, jemandem … Ich zünde eine zartgelbe Allgäuer Kräuterkerze mit den Inhaltsstoffen von Salbei, Ringelblume, Gänseblümchen und Sonnenblume zum Thema Dank an. Für vieles kann ich in meinem Leben dankbar sein … Mir kommt jetzt ein Mensch in den Sinn – er lebt nicht mehr – , dem ich dafür danken möchte, dass er mir so viele Stunden zugehört hat. Vor allem hat er meinem Schweigen zugehört. Das ist eine besondere Kunst. Ich durfte sie erfahren und erlernen. Danke für dieses Geschenk.

Foto: Unser Adventsschmuck vom „Chutzegarte“ in Bremgarten

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 25.11.2022

25. November, Freitag: Ein erstes Klimagesetz im Wallis? Und: «Voie gras»

Das Wallis ist u.a. durch Erdrutsche, Gletscherschmelze, Wasserknappheit und Schneemangel von der Klimaveränderung betroffen. Mit 80 Massnahmen und 200 Aktionen will der Kanton das Klima retten. So steht es heute im «Walliser Boten». In der ersten Hälfte 2023 soll das Parlament über das Klimagesetz abstimmen. Auf kantonaler Ebene ist dies ein Novum. Es sind keine Verbote vorgesehen, sondern Anreize. Zum Beispiel wird empfohlen weniger Fleisch zu essen, vor allem keines, welches erst nach langen Transportwegen in die Schweiz gelangt. Der ÖV soll um 30% erhöht werden, der Energieverbrauch der Haushalte soll um 30% gesenkt werden, die Industrie soll den Anteil an der erneuerbaren Energie um 50% erhöhen und ihren Energieverbrauch um 10% senken. So sollen die Treibhausgasemissionen im Jahr 2050 etwa die «Netto-Null» erreichen. Pro Jahr kostet dies den Staatshaushalt 70 Millionen Franken. Ein Reservefonds mit anfänglichen 150 Millionen Franken soll zusätzlich erschaffen werden. Neue Steuern oder Abgaben werde es nicht gebe, beteuert der Walliser Energieminister Roberto Schmidt und meint: «Die Kosten des Nichtstuns sind deutlich höher. Wenn es schlecht läuft, bis zu zehn Mal so hoch.» (Quelle: Walliser Bote vom 25.11.2022, S.3) Im Februar will das Walliser Parlament eine Sondersession zur Solarenergie durchführen. Thema sind die grossen alpinen Anlagen über dem Nebelmeer. Und, wie ich hoffen, auch jene auf den Dächern von Privathäusern. Wir wünschen uns, dass sich unsere Hauseigentümergemeinschaft bewegt und die im Jahr 2026 anstehende Dachrenovation mit Solarpanels verbunden wird.

Am Schreibtisch kann viel geplant werden. Wie sieht aber die Wirklichkeit aus? Es fehlen Fachkräfte, derzeit sind 500 Stellen von Solarfachleuten unbesetzt, die Wartefrist auf eine Solaranlage dauert ein Jahr. Dies schreibt Rudolf Strahm im «Bund» vom 22.11.2022: «Zur Erreichung der Ziele der Solarstromproduktion bis 2035 bräuchte es jährlich tausend gelernte Fachkräfte mehr.» Zumindest wurden jetzt zwei neue Berufe bzw. Lehrgänge anerkannt: Eine zweijährige Berufslehre zu «Solarmonteuren», die die Solarpanels auf Dächer und Alpabhänge montieren, sowie eine dreijährige Berufslehre zu «Solateuren», welche die elektrischen Anlagen und Wechselrichter zur Netzrückspeisung des Stroms installieren.  (Quelle: «Der Bund» vom 22.11.22, S.13)

Wie wäre es mit einem veganen Weihnachtsessen, tierfreundlich und umweltschonend? Nestlé bietet einen Braten aus Erbsen an. Eine vegane Variante der besonders in der Westschweiz an Weihnachten beliebten Gänseleberpastete gibt es auch bereits. «Voie Gras» statt «Foie gras». Die Schweiz importiert jährlich 200 Tonnen Stopfleber. Tierschützer rechnen vor, dass dafür 377 000 Enten und 7500 Gänse auf qualvolle Art gemästet werden. Ein Verbot des Imports scheiterte im Parlament. Es ist paradox: Der inländischen Landwirtschaft werden hohe Auflagen gemacht, gleichzeitig werden Produkte, die mit Tierquälerei verbunden sind, importiert. (Quelle: Walliser Bote» vom 25.11.2022, S. 24)   

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 24.11.2022

24. November, Donnerstag: Mein Entsorger

Seit drei Tagen hat es zweimal heftig geschneit. In Leukerbad liegen 10 cm Schnee. Das Dorf wurde heute für die kommende Adventszeit lichtvoll geschmückt. So wie letztes Jahr, als noch niemand von einem Strommangel sprach. Doch offiziell wird behauptet, es werde nicht so schlimm wie befürchtet. – Bei meiner mittäglichen Klangmeditation singe ich gemeinsam mit meinen Kristallklangschalen: „Pleni sunt caeli et terra gloria tua.“ Wenn also Himmel und Erde gefüllt sind von der göttlichen Glorie, kann es keinen Mangel geben.

Georg entsorgt nicht nur meine Sorgen, sondern auch meinen Abfall, in der Schweiz «Kehricht» genannt. Er durchwühlt jeden Sack auf Wiederverwertbares, bevor dieser im Container landet. Küchenabfall bringen wir zum nachbarlichen Garten, an dessen Ecke ein Komposthaufen steht. Die Gemeinde Leukerbad stellt nämlich noch keine Grünabfuhr zur Verfügung. Nun hat Georg auch dort gewühlt und zwei ausgewachsene Kartoffeln mit nach Hause gebracht. Diese werde er in einem Abfallsack in unserer «Remise», sprich Kabäuschen, auf der Terrasse überwintern und im Frühjahr nachschauen, ob die Plantage gewachsen ist, verkündet er mir. Mein Lachanfall darüber erstaunt ihn nicht mehr, als ich ihm erzähle: Nach der Abfahrt unserer Nachbarn hatte ich gemäss deren Auftrag in ihrer Wohnung nach dem Rechten geschaut und etwa fünf ausgewachsene Kartoffeln gefunden, die ich sodann und auf dem besagten Komposthaufen entsorgt hatte. Georgs Spürnase findet alles!

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 16.11.2022

16. November, Mittwoch: Weiter zum Thema C…

Nach einer Woche Martini-Sommer ist es kalt geworden, der erste Schnee ist in Leukerbad aber nur kurz liegengeblieben. Die Lärchen geben sich alle Mühe, um ihr gelbgoldenes Kleid strahlen zu lassen.

In Europa gibt es eine Übersterblichkeit, die um 16,3 % höher ist als in den letzten 3 Jahren. In Deutschland sollen es sogar 25% sein. Und es gibt in UK 41% mehr Menschen, die chronisch krank sind. Meistens leiden sie an Herz- und Kreislauferkrankungen. Dr. med. John Campbell erklärt und kommentiert auf seinem Youtube-Kanal die entsprechenden Statistiken und fragt, warum diese Zahlen nicht besser ausgewertet und viele Daten erst gar nicht erhoben werden.

Wir fragen uns, warum die Medien immer noch manipulativ berichten, nachdem «Pfizer» zugegeben hat, dass die Impfung weder in Bezug auf den Eigen- noch den Fremdschutz getestet wurde. So bringt zum Beispiel die Berner Zeitung BZ vom 12. November einen ganzseitigen Artikel (Seite 26) mit dem Titel «Geimpft und genesen – doppelt geschützt hält besser». Der Untertitel lautet: «Wer nur genesen ist, hat einen deutlich schlechteren Schutz gegen schwere Verläufe als Menschen mit einer ‘hybriden’ Immunität.» Weiter unten im Text erfährt man, dass es sich um eine Studie handelt, die noch nicht von Experten begutachtet wurde. Am Schluss des Textes sagt ein Forschungsleiter, dass vieles noch unklar sei und dass man vieles nicht wisse. Warum bringt die Zeitung einen ganzseitigen Artikel über Unklarheiten mit einem Titel, der eine klare Gegebenheit verspricht? Ausserdem scheint es jetzt offiziell nicht nur selbstverständlich zu sein, dass Geimpfte an Covid erkranken können. Sie geniessen sogar noch einen Vorteil, wenn sie erkranken!

Im Schweizer Radio wird berichtet, dass Rechtsanwalt Philipp Kruse gegen drei Vertreter der Swissmedic (schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte) und gegen fünf impfende Ärzte des Berner Inselspitals im Namen von sechs mutmasslich durch mRNA-Impfungen Geschädigten eine Strafanzeige eingereicht hat. Dieser Nachricht wird sofort eine Befragung der «wissenschaftlichen Mitarbeiterin» des Radios nachgeschoben, die sagt, es sei doch wissenschaftlich bewiesen, dass die Impfung wirke.

https://www.srf.ch/news/schweiz/folgen-der-covid-impfung-darum-geht-es-bei-der-strafanzeige-gegen-swissmedic

Der Rechtsanwalt Kruse sagt, dass Swissmedic Substanzen für den Markt zugelassen hätte, die eine Gefahr für die Schweizer Bevölkerung bedeuten. Ausserdem habe Swissmedic es versäumt, die Wirkung dieser Substanzen zu überwachen und darüber zu informieren. 

Foto: Umgebung von Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 08.11.2022

08. November, Dienstag: Was gilt ein Letzter Wille?

Am 27. Oktober ist unsere 92-jährige Nachbarin Sonja in Bremgarten gestorben. Drei Tage zuvor hatte ihr Sohn sie mit einigen Möbeln ins Seniorenheim gebracht. Nun brachte er die Möbel wieder zurück – ohne seine Mutter. Wir wissen, dass sie nicht ins Altersheim wollte. Bis zuletzt führte sie selbständig ihren Haushalt, ging täglich schick gekleidet einkaufen und freute sich immer über einen Schwatz mit der Nachbarschaft. Sonja war sehr mager. Georg schenkte ihr im September ein Stück Speck, das wir geschenkt bekommen hatten, aber selbst nicht essen. Sie freute sich sehr darüber, denn Speck mit Bohnen sei ihr Lieblingsessen. Wir wissen auch, dass sie nicht im Gemeinschaftsgrab beerdigt werden wollte. Nun kommt am Donnerstag ihre Urne aber doch dorthin. Wir staunen. Wie kann es sein, dass der letzte Wille so missachtet wird?

Ähnlich geht es mit dem Biogarten im Dorfzentrum. Nach dem Willen des vor drei Jahren verstorbenen Besitzers sollte dieser Kraftort als Garten samt Haus erhalten bleiben. Eine Gärtnerin wirkt hier schon seit 6 Jahren mit viel Begeisterung und Wertschätzung der näheren und weiteren Umgebung. Nun hat die Alleinerbin das Grundstück mit dem grossen Haus an eine Pensionskasse verkauft.

Spontan hat sich im Dorf die Interessengemeinschaft «Chutzenoase» zusammengefunden und sammelt Unterschriften. Wir haben auch unterschrieben. Die Argumente für die Erhaltung beschreibt die Quartierzeitung «Dr Wecker» vom 27.09.22 so:

«Der Garten und der Baumbestand sind

  • ein einmaliger Biodiversitätshotspot
  • ein Erholungsraum und Aushängeschild für ein Zentrum mit Lebensqualität
  • ein Klimaregulierer
  • sichtbare Identität und Individualität, die Brem-GARTEN und seiner Geschichte würdig sind.»

Also drückt uns die Daumen, dass der Garten nicht wegen Profitgier weichen muss. Oder schreibt selbst an die Interessengemeinschaft: chutzenoase@mail.ch

Foto: Die Blume des Lebens auf einem Grabstein, Friedhof Bremgarten

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30.10.2022

30. Oktober, Sonntag: Die heilige Maria von Fatima und die Weihe

Jeden zweiten Tag singe und klinge ich mit meinen Kristallklangschalen in der Seitenkapelle der Marienkirche von Leukerbad. Dabei stehe ich neben eine Statue aus Zedernholz, welche die heilige Maria von Fatima darstellt. Diese Statue hat eine so lebendige Ausstrahlung, dass mir scheint, als würde mir die Muttergottes persönlich zuhören. Da ich kaum etwas von Fatima in Portugal weiss, habe ich im Internet bei Wikipedia recherchiert und herausgefunden, dass dieser heilige Ort 130 km nördlich von Lissabon mindestens so bedeutsam ist wie die zwei bekanntesten Marienpilgerorte Lourdes und Medjugorje.

In den Jahren 1917 bis 1919 erschien in dem ländlichen portugiesischen Ort insgesamt dreimal die Muttergottes drei Hirtenkindern und vermittelte ihnen jedes Mal eine Botschaft, welche «die drei Geheimnisse von Fatima» genannt werden. Im ersten Geheimnis wurde die Hölle dargestellt. Das zweite Geheimnis lautet:

„Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, will Gott in der Welt die Andacht zu meinem unbefleckten Herzen begründen. Wenn man tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden, und es wird Friede sein. Der Krieg wird ein Ende nehmen. Wenn man aber nicht aufhört, Gott zu beleidigen, wird unter dem Pontifikat von Papst Pius XI. ein anderer, schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht von einem unbekannten Licht erhellt seht, dann wisst, dass dies das große Zeichen ist, das Gott euch gibt, dass Er die Welt für ihre Missetaten durch Krieg, Hungersnot, Verfolgungen der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird. Um das zu verhüten, werde ich kommen, um die Weihe Russlands an mein unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen des Monats zu verlangen. Wenn man auf meine Wünsche hört, wird Russland sich bekehren und es wird Friede sein. Wenn nicht, wird es seine Irrlehren über die Welt verbreiten, wird Kriege und Kirchenverfolgungen heraufbeschwören. Die Guten werden gemartert werden, der Heilige Vater wird viel zu leiden haben, verschiedene Nationen werden vernichtet werden, am Ende aber wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren. Der Heilige Vater wird mir Russland weihen, das sich bekehren wird, und der Welt wird eine Zeit des Friedens geschenkt werden.“

Am 25. März 2022 weihte Papst Franziskus Russland und die Ukraine dem unbefleckten Herzen Mariens.

Ich bin zutiefst bewegt und erstaunt. Man könnte meinen, Leukerbad sei weit weg von dem russischen Angriffskrieg, der uns seit dem 24. Februar dieses Jahres so erschüttert. Irrtum: Bei meinen Klangmeditationen bin ich zwei Meter von der Marienstatue aus Fatima entfernt, und Georg in Bremgarten 30 m von den ukrainischen Flüchtlingen mit dem kleinen Platon.

Dass meine Klänge und Gesänge dem Frieden dienen, weiss ich. Aber jetzt wird mir ihre Bedeutsamkeit noch bewusster. Ich bin sehr dankbar dafür, so wirken zu dürfen. 

P.S.: Zur Zeit von Papst Pius XI. fand der 2. Weltkrieg statt. Mehr Info findet ihr bei Wikipedia: Die drei Geheimnisse von Fatima. Das letzte wurde erst im Jahre 2002 veröffentlicht.

Foto: Marienkirche Leukerbad und meine Kristallklangschalen mit dem Gebet „Salve Maria“

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 27.10.2022

27. Oktober, Donnerstag: Wer kann das verstehen? Energieparadies Wallis

Die Auszeichnung für die Verteidigung der Menschenrechte, der Sacharow-Preis, geht dieses Jahr an das ukrainische Volk. Es kämpft für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit, so lautet die Begründung. – Unterdessen verschärft sich der russische Angriffskrieg. Christina schreibt uns aus Kiew, dass es ihnen den Umständen entsprechend trotz ständigem Fliegeralarm einigermassen gut geht, und bedankt sich dafür, dass wir an sie denken. Ihre ältere Schwester Veronika ist nach sechs Wochen mit ihren drei Kindern wieder zu ihren vorherigen Gastgebern, unseren Nachbarn, zurückgekehrt. Sie konnte in Odessa keine Wohnung finden. Es bleibt ihr nichts anderes übrig, als den Winter in der Schweiz verbringen, ohne ihren Mann und Vater der Kinder. Georg bringt ihnen wieder frischen Fisch vom Berner «Märit».
Der Kreml erzählt seinen Soldaten, dass sie ihre Heimat verteidigen. Zu Beginn des Krieges durfte niemand das Wort «Krieg» in den Mund nehmen, ohne dass eine Verhaftung drohte. Die «Aktion» hiess offiziell «Spezialoperation». Und jetzt spricht der Kreml von einer «Kriegsmobilmachung». Wer kann das verstehen?

Bis vor kurzem galt man als Verschwörungstheoretiker:in, wenn man sagte, dass das Virus künstlich „in einem Labor“ hergestellt wurde. Jetzt kann man dies sogar im Gratisblatt «20Minuten». Wer kann das verstehen?

Die Wahrheit kommt ans Licht: Auf Nachfrage des europäischen Parlaments hat die Firma Pfizer zugegeben, dass sie gar nicht getestet hatte, ob der Impfstoff vor einer Übertragung des Virus schützt. Die EU-Kommission wusste dies. Trotzdem wurden Millionen von Menschen, die sich nicht haben impfen lassen wollen, schikaniert und diskriminiert. Wer kann das verstehen?
Die EU-Kommission bestellte bei Pfizer für jeden und jede der Bevölkerung in den EU-Ländern 10 Dosen zu einem Preis von 71 Milliarden Euro. Der hundertseitige Kaufvertrag ist geheim. Auf Anfrage des Europäischen Parlaments schickte Pfizer eine Vertragskopie mit 100 geschwärzten Seiten. Wer kann das verstehen? 

Schottische Statistiken zeigen, dass seit 2021 doppelt so viele Neugeborene im ersten Lebensmonat sterben als sonst. Die Behörden halten es nicht für nötig nachzufragen, ob die schwangeren Mütter dieser Babys geimpft waren oder nicht. Entsprechende Daten werden nicht erhoben. Das Bundesamt für Gesundheit in Bern empfiehlt jetzt im Herbst die Impfung für Schwangere, über 65-Jährige und Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Wer kann das verstehen?

Von Januar bis September dieses Jahres hat die Schweiz für mindestens 5 Milliarden Schweizerfranken Energie in das nahe Ausland exportiert. Offiziell wird für den kommenden Winter eine Energieknappheit vorausgesagt. Wer kann das verstehen?

Das Dach «unseres» Hauses in Leukerbad muss renoviert werden. Bei der Stockwerkeigentümerversammlung wurde dagegen gestimmt, bei der Renovation Solarpaneels zu installieren. Wenn ich oberhalb des Dorfes – in der besten Sonnenlage – spazieren gehe, sehe ich viele Hausdächer, die im Sommer renoviert wurden. Keines hat eine Solaranlage erhalten. Die Gemeinde ist der Meinung, dass es in Leukerbad wegen der hohen Felswände tagsüber zu wenige Stunden Sonne gibt. Besonders im Winter könnte die Sonneneinstrahlung nur von 10 bis 16 Uhr genutzt werden. Das lohne sich nicht.

Der Kanton Wallis produziert zu 100% die hier benötigte Energie selbst. Davon kommen 93% vom Wasser. Die Stauseen sind zurzeit zu 85% gefüllt. Also müssen wir uns keine Sorgen machen wegen einer eventuellen Energieknappheit. Auch die Preise sollen konstant bleiben, teilt uns der regionale Energieversorger mit. Das Wallis plant jetzt drei grosse alpine Solaranlagen, die zunächst einmal den ganzen Kanton versorgen könnten und auch sollen. Es wird daran gearbeitet, dass die juristischen Hürden für solche Projekte in den geschützten Alpenlandschaften fallen.  

Hier in Leukerbad warten alle auf das Projekt «Fernheizung mit dem Abwasser der Therme», mit dem jedes Haus beheizt werden soll. Diese Idee gab es bereits vor 60 Jahren. Doch die Öl-Lobby verhinderte erfolgreich, dass damals die Gemeinde in Bezug auf die Energieversorgung unabhängig wurde. Das kann heute niemand mehr verstehen. Nun ist es als «Generationen-Projekt» endlich aufgegleist, die grossen Rohre für die ersten 150 m wurden im Sommer gelegt. Wir wissen noch nicht, in welcher Generation wir im oberen Teil des Dorfes an diese Fernwärme angeschlossen werden.

Foto: Blick auf die südliche Alpenkette mit den über 4000m hohen Bergen wie der Mischabelgruppe, dem Weisshorn, dem Zinalrothorn

und Text: Petra Dobrovolny         

Mein Tagebuch: 23.10.2022

23. Oktober, Sonntag: Die Provence und Spanien im Wallis vereint

Dass Rainer Maria Rilke seine letzten Jahre in der Schweiz verbracht hatte, wusste ich. Beim Besuch des Rilke-Museums in Sierre am letzten Dienstag erfuhr ich mehr. Mit 44 Jahren, im Jahre 1919, verliess Rainer Maria Rilke Deutschland, um in der Schweiz eine Bleibe zu finden, wo er als Dichter in Ruhe arbeiten konnte. Bei einem Ausflug ins Wallis verliebte er sich in die Landschaft der Umgebung von Sierre: Das weite Tal und der offene Himmel schienen ihm so rein wie am ersten Schöpfungstag. Hier fand er die Provence und Spanien auf engstem Raum vereint und auch er, Rilke, konnte sich mit dieser Landschaft vereinen. Das «Château de Muzot» oberhalb von Sierre war zur Miete oder zum Kauf ausgeschrieben: Ein Gebäude aus dem 13. Jahrhundert mit Möbeln aus dem 17. Jahrhundert, ohne Strom und Wasser. Dieser massive viereckige Burgturm, den Rilke «Castel» nannte, wurde für seine letzten fünf Lebensjahre sein Zuhause. In dieser Abgeschiedenheit verschmolz er mit der Landschaft, Innen und Aussen wurden Eins. Der Dichter fand hier Zugang zum «Weltinnenraum», wie er sich ausdrückte, und konnte endlich – nach 10 Jahren Pause – die Duineser Elegien vollenden und seinem Werk u.a. die Sonetten an Orpheus sowie über 400 Gedichte auf Französisch hinzufügen. Jean-Michel Henny beschreibt in seinem Buch «Rilke en Valais» dessen letzten Lebensabschnitt sehr einfühlsam und liebevoll. Zahlreiche Zitate aus den vielen Briefen, die Rilke schrieb, bringen dem Leser oder der Leserin das «Seelengeschehen» des Dichters – so würde ich es nennen – nahe.

Die Ähnlichkeit des Wallis mit der Provence und Spanien entdeckte Rilke auch in Büchern über die hiesige Flora und Fauna. Einige Pflanzen und Schmetterlinge des Wallis gibt es auch in der Provence und in Spanien. Sonst nirgends auf der Welt. Durch meine Lektüre des Buches «Rilke en Valais» wird mir bewusst, warum ich das Wallis so liebe und hier das Gefühl habe, im Aussen und Innen angekommen zu sein. In meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich die Sommerferien entweder in der Provence oder in Spanien. Meine Eltern waren sehr reiselustig und hatten vor dem grauen Winter im nördlich gelegenen Luxemburg, wo wir wohnten, Sehnsucht nach dem Süden und dem Meer. Diese alljährliche Erfahrung des Südens gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Die Landschaft, das Klima, die Gerüche, der Geschmack bestimmter Speisen, besonders Mandelgebäck, haben mich so geprägt, dass ich mich dort zuhause fühle. Die Menschen dort begegneten mir als Kind mit grosser und der ihnen eigenen spontanen Herzlichkeit. Spanische Frauen hoben mich manchmal hoch und küssten mich, obwohl sie mich gar nicht kannten.

Und nun hören mir die Menschen, die zur Mittagszeit auf ihrer Wanderschaft in der Marienkirche von Leukerbad einen Halt einlegen, zu, obwohl sie mich nicht kennen. Und obwohl diese «Veranstaltung» im Internet nicht zu finden ist. Ich kenne diese Menschen auch nicht, doch wir begegnen uns in unserem gemeinsamen Menschsein als Gottes Geschöpf. Ich schenke ihnen meine Klänge und Gesänge. Dankbar nehmen sie mein «Benedictus, benedicta, qui venit in nomine domini» und «Andate in pacem» mit auf ihren weiteren Weg.

Foto: Foto auf dem Bildschirm im Rilke-Museum in Siders: Château-de-Muzot-sur-Sierre, und Text: Petra Dobrovolny               

Mein Tagebuch: 22.10.2022

22. Oktober, Samstag: Leben in wachsenden Ringen

Im Alter von 13 Jahren begann ich Gedichte von Rainer Marie Rilke zu lesen und zu lieben. Ich fühlte eine Seelenverwandtschaft zu ihm, denn er fasste in Worte, was ich auch empfand, aber nicht ausdrücken konnte. Er ging an den Rand, wo Sprache noch möglich ist. – Die Aufgabe von Künstler:innen ist es, durch Literatur, Musik, Bildhauerei oder eine andere Art von Kunstwerken das auszudrücken, was im kollektiven Unbewussten schlummert. C.G. Jung vergleicht den künstlerischen Schöpfungsakt mit dem Heben eines kostbaren Schatzes aus einem tiefen See. So sind zum Beispiel Kunstwerke wie eine Beethoven-Sinfonie, die «Guernica» von Picasso, eine Statue von Rodin oder ein Gedicht von Rose Ausländer oder eben von Rilke auch immer ein Ausdruck von uns – als Teil des kollektiven Unbewussten -, der uns etwas bewusst macht und an dem wir wachsen können. Bei der Betrachtung oder Wahrnehmen eines solchen Werkes können wir einen «göttlichen Aha-Moment» erleben. Die Griechen nennen diesen Moment «Kairos». Der Künstler oder die Künstlerin selbst kann im Moment der Schöpfung eine Lust empfinden und eine erhöhte Wachheit, die ihn mit der Ewigkeit verbindet. In dem Moment sind Widersprüche überwunden, ein «Kairos», der Rosenduft verströmt. So verstehe ich den Spruch auf dem Rilkes Grabstein, in welchem der Dichter die Essenz seines Lebens zusammenfasst:

«Rose, oh reiner Widerspruch

Lust

Niemandes Schlaf zu sein

Unter soviel Lidern

Nun bin ich meinem Empfinden nach noch nicht bei meinem Grabstein angelangt. Mit Rilke würde ich es so ausdrücken:

«Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen.

Den letzten werde ich vielleicht nicht vollbringen,

aber versuchen will ich ihn.»

Vor zwei Wochen durfte ich einen runden Geburtstag feiern, mit einer Sieben vor der Null. Dies ist vielleicht mein vorletzter runder Geburtstag. Georg hat mir mit einem Gedicht in seiner Muttersprache gratuliert. Darin dankt er mir für mein Dasein und meine Werke und fragt mich, welche Werke noch entstehen werden. Er lässt meine kleine Theatertruppe – gestrickte Fingerpuppen – sprechen: Ich hätte sie wohl vergessen! Es sei jetzt höchste Zeit, mich wieder an sie zu erinnern. Ich solle sie wieder zum Leben erwecken und mir kleine Theaterstücke für Gross und Klein ausdenken.

Ich finde es rührend, wie viele liebe Menschen sich passende Geschenke zu meinem Geburtstag ausgedacht haben: Mein Bruder schickte mir aus London einen Teekannenwärmer – a teapot cosy – mit der Krone der Queen darauf. Meine Schwägerinnen und Georgs Nichten und Neffen schenkten mir zwei handbemalte Seidenschals, Kräutertee, eine Kräuterteetasse, mährischen Wein, selbstgemachtes Hautöl, Lavendelseife, frische Wolle vom eigenen Schaf, ein kleines Kräuterkissen für einen guten Schlaf … Alles Dinge für mein Wohlbefinden. Heute nennt man dies «Wellnessprodukte». Zweimal wird mir gewünscht, dass ich 100 Jahre werden möge bzw. auf dem besten Weg dazu sei.

Meine eigenen Geburtstagsfeiern sind mir nicht so wichtig, auch wenn mein 40. und 60. Geburtstag für mich Meilensteine waren. Den 40. Geburtstag verbrachte ich in einem Kloster am Vierwaldstättersee. Die Nonnen hatten mich um ein Seminarwochenende mit Atem- und Entspannungsübungen gebeten. Meinen 60. Geburtstag verbrachte ich mit Georg auf Kauai’i. Zufälligerweise feierte an demselben Tag das neben unserem Hotel gelegene Zentrum für einheimische Kultur seinen ersten Geburtstag. Diese Feier mit dem Vaterunser und weiteren Liedern auf Hawaiianisch, Tänzen und Umarmungen werde ich nie vergessen. – Kurz gesagt: Familienfeiern liebe ich nicht, denn sie sind für mich für ein paar Stunden eine geballte Ladung ohne Zeit für tiefe Gespräche, im schlimmsten Fall noch mit zu lauter Musik. Deswegen hatte ich gesagt, sie könnten mich zu einem ihnen passenden Zeitpunkt in Leukerbad besuchen und dies mit Ferien verbinden. Meine Idee fand Gefallen und so habe ich gefühlte drei Monate, in denen sich die Besuche abwechselten, gefeiert.

An meinen Geburtstagen bin ich besonders dankbar für mein Leben, Aber ich empfinde es viel wichtiger zu feiern, wenn meine Werke geboren werden und den Weg in die Welt finden. Blicke ich auf mein gerade vollendetes Lebensjahr zurück, freue ich mich über folgendes: Mein Tagebuch des Jahres 2021 im Sammelband «Tanz im Zwielicht» wurde im Frühling vom Literaturpodium in der Dorante Edition Berlin herausgegeben. Zwei weitere Alben bzw. CDs mit meinen Klängen und den Titeln «Waves of Love» und «Holy Grail» konnte ich komponieren, aufnehmen und online zur Verfügung stellen. Zwei Mal durfte ich im evangelischen Kirchenzentrum in Leukerbad meine Gedichte vorlesen. Und zu meiner grossen Freude darf ich in der katholischen Pfarrkirche meine Kristallklänge und Gesänge präsentieren. Gründe genug zum Feiern. Und um sich den nächsten wachsenden Ring des Lebens vorzunehmen und zu wagen. Versuchen will ich ihn.

Zu den Trailern von CD 51 und 52 auf meinem Youtube-Kanal:

https://www.youtube.com/watch?v=RzRR-BYy8hw

https://www.youtube.com/watch?v=Ibgh94QV1JE

Foto: Meine Theatertruppe

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch 19.10.2022

19. Oktober, Mittwoch: Die Talente in die Welt bringen

Die Lärchen färben sich goldgelb, die Mauersegler sind weiter in den Süden geflogen. Ab und zu höre ich abends das Zirpen einer einsamen Feldgrille. Seit der Abreise von Georgs jüngster Schwester und ihrem Ehepartner – unserem Besuch aus Mähren – am 1. Oktober hält das milde und sonnige Wetter an. In der Nacht wird es hier auf 1450 m Höhe nicht kälter als 10°C, tagsüber zeigt das Thermometer mindestens 23°C.

Diesen Monat ist schon so viel passiert, dass ich gar nicht mehr mit dem Schreiben nachkomme. Also Schritt für Schritt der Reihe nach:

Habt ihr mal etwas von dem Amerikaner William Toel gehört? In meinem Tagebuch habe ich ihn bereits erwähnt. Er erzählt auf Youtube, dass er von Gott dazu auserkoren wurde, ein Wächter oder Hüter Deutschlands zu sein. Ungefähr 1984 hatte er die Vision vom Fall der Mauer. Niemand glaubte ihm. Letztes Jahr organisierte er zum ersten Mal einen «Walk am Rhein» im Gedenken an die jungen deutschen Soldaten, die als Gefangene unter amerikanischer Besatzung in den Rheinwiesenlagern verhungerten, verdursteten oder erschossen wurden. Tausende von Menschen, besonders Familien mit drei Generationen, nahmen an dem Spaziergang teil, beteten und trauerten. Viele Tränen durften endlich fliessen. Diese «Aktion» bewirkte eine wichtige Heilung von alten Traumata.- Dieses Jahr rief William Toel im September wieder zu einem «Walk am Rhein» auf: Wir sollten in diesem Monat am Ort unserer Wahl eine Stunde lang für die Freiheit und Souveränität Deutschlands beten. Auch in der Schweiz beteten Menschen am Ufer des Rheins. Ich tat dies am Ufer der Aare, die in den Rhein fliesst. Deutsche sollten sich nicht mehr für ihr Deutschsein schämen und schuldig fühlen, sondern sich mit der deutschen Seele, Tugenden und Begabungen verbinden, um positiv für das Allgemeinwohl zu wirken. Es geht nicht darum, überheblich zu werden und sich anderen gegenüber überlegen zu fühlen. Jedes Volk auf der Welt hat wie die Figuren auf einem Schachbrett eine bestimmte Rolle und Aufgabe. Jetzt sei es höchste der Zeit, so William Toel, dass die Deutschen sich an ihre einzigartige Rolle im Dienst der Welt erinnern und diese wahrnehmen. In diesem Sinne hielt er am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, eine Rede in Berlin. Zu Beginn erzählt er, dass er zu Hause in den USA vor zehn Tagen eine schlaflose Nacht hatte. Seine deutsche Frau riet ihm zu beten. Gott sprach zu ihm und gab ihm den Auftrag sofort nach Berlin zu reisen, um am Tag der deutschen Einheit zu den Menschen zu sprechen. William Toel prophezeit, dass Deutschland in vier bis fünf Monaten frei und souverän sein wird – gemäss dem Willen Gottes.

Gott hat uns alle – egal welcher Nation wir angehören – mit Talenten geschaffen und uns Begabungen geschenkt, damit wir uns frei – und nach bestem Wissen und Gewissen – ausdrücken und für das allgemeine Wohl wirken. Durch Minderwertigkeitsgefühle, Selbstboykott, Angst und Scham oder dem Gegenteil davon, durch Konkurrenzdenken, ein überhebliches Auftreten als Besserwisser oder Prahlhans verhindern wir dies.

Bei seiner Einsetzung am 14. August hatte der neue Pfarrer, der ursprünglich deutscher Herkunft ist, in Leukerbad gewünscht, dass jede und jeder mit seinen Talenten zum Wohl der Dorfgemeinschaft beitragen möge. Dies hat mich dazu motiviert, meine Kristallklänge in die Kirche zu bringen. Am Samstagabend, den 15. Oktober war es so weit. Das Programm des Ablaufs der Messe erhielt ich erst am Tag zuvor. Es enthielt einige vorher nicht besprochene Änderungen. Eine gemeinsame Probe hatte nicht stattgefunden. Zum Glück hatte ich die Idee, den Tisch mit meinen Instrumenten nicht in der Seitenkapelle lassen, sondern hinten in das Hauptschiff mit freiem Blick auf den Hauptaltar zu stellen. Zur Mittagszeit probte ich noch einmal für mich und merkte, wie sich meine Selbstzweifel leise, aber deutlich meldeten. Worauf hatte ich mich da eingelassen? Es gibt kein Zurück: Das Plakat vor dem Eingang kündigt klar und deutlich an, dass ich heute die Messe mit Gesang und Instrumenten aus Bergkristall begleite. Ein Musikinstrument kann man auch mit Selbstzweifeln einigermassen spielen, aber … singen? Der Atem reagiert wie ein Seismograf und verrät den inneren Zustand. Ich versuche während meiner letzten Probe so gut wie möglich zu singen, und – siehe da – mir kommt Unterstützung zu: An diesem Mittag besuchen so viele Menschen wie noch nie bei meinen bisherigen Proben die Kirche, nehmen für kurze oder längere Zeit Platz auf einer Kirchenbank, hören mir zu und zeigen mir einen «Daumen hoch», wenn sie wieder gehen. Diese Geste beruhigt mich und ich freue mich sehr darüber. 

Kurz vor Beginn der Messe begrüsst mich der Pfarrer und fragt, ob ich die Ruhe selbst sei, oder ob er noch für mich beten solle. Ich antworte, er könne immer für mich beten, und frage ihn, ob ich auch für ihn beten solle. Ja, meint er, das sei dann gegenseitig. Die Orgel beginnt, der Pfarrer begrüsst die Gemeinde, stellt mich als Klangtherapeutin vor und meint zu den etwa 130 Versammelten, sie müssten nicht mehr extra in eine Therapie gehen, es genüge ihre jetzige Anwesenheit hier. Hauptthema der Predigt ist das Gebet: Wann man beten solle oder könne, welche Formen ein Gebet haben könne – ich verstehe auch meine Klänge und Gesänge als Gebet – und dass der Spruch «Jetzt können wir NUR NOCH beten» das Gebet abwerte. Bald ist mein erster Beitrag «Kyrie eleison» dran. Es geht. Der Pfarrer sagt danach ein paar Worte zum Erbarmen des Herrn. Ich fuhr fort mit «Gloria» und fühlte mich etwas sicherer. Während der Gabenbereitung spielte ich Klänge ohne Gesang, bald steht mein «Agnus Dei» auf dem Programm, doch ich weiss weder, wann ich damit anfangen noch aufhören soll. Die Orgel schweigt, der Pfarrer vollzieht die Zeremonie und auf gut Glück singe und klinge ich. Es geht gut, die grösste Hürde ist genommen. Während der Kommunion spiele ich sehr meditativ eine tonmässig absteigende Melodie, mit der Absicht, die Betenden zu inspirieren. Ich fühle, dass ich jetzt im Geschehen angekommen bin und spüre, wie sich das göttliche Licht von oben her auf die andächtigen Menschen senkt. Am Schluss der Messe dankt mir der Pfarrer und zur Gemeinde sagt er: „Hoffentlich sind jetzt alle geheilt.“ Er beginnt mir Beifall zu klatschen, die Anwesenden schliessen sich ihm an und wenden sich dem Ausgang und damit auch mir zu. Jetzt habe ich ein Dilemma: Zum Ende wollte ich ursprünglich «Andate in Pacem» singen und klingen, doch der Organist hatte mich damit beauftragt, unbedingt noch ein Marienlied einzuflechten, denn es sei eine bestimmte Marienwoche. Ich hatte ihm entgegnet, dass es doch Maria gegenüber unhöflich sei, wenn die Leute in dem Moment ihrer Begrüssung die Kirche verlassen. Er meinte aber, die Leute blieben dann sitzen! Ich finde auch, dass die göttliche weibliche Kraft unbedingt noch begrüsst werden sollte und beginne vor dem mir jetzt zugewendeten Publikum mutig mit «Ave Maria», – und, siehe da, die Leute bleiben stehen oder noch sitzen! Ich kürze ab mit «gratia plena, ora pro nobis» und leite über zu «Andate in pacem» und «Amen». Alle klatschen noch einmal dankbar Beifall und werfen beim Hinausgehen neugierige und staunende Blicke auf meine Bergkristall-Instrumente.

Foto des Hauptaltars im Rokokostil, Pfarrkirche „Maria, Hilfe der Christen“ , Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny