Mein Tagebuch: 22.01.2022

22. Januar, Samstag: Gute Nachrichten

Das prächtige Wetter hält an, die Nächte sind sternenklar und kalt, bis -7°C.

Es gibt gute Nachrichten: Das BAG verliert ein Verfahren und muss die Kaufverträge für die Impfstoffe öffentlich machen. Endlich! Bundesrat Berset verkündet, dass die Covid-Zertifikate bald abgeschafft werden könnten und die Homeoffice-Pflicht in eine Empfehlung umgewandelt werde. Als erstes Bundesland schafft Bayern die 2G-Regel für den Handel ab. Das oberste Gericht hat befunden, dass es verfassungswidrig sei, wenn Ungeimpften der Zutritt zu bestimmten Geschäften verwehrt bleibt. Weitere Bundesländer werden nachziehen. Endlich! Fachleute und Parlamentsmitglieder in UK und USA warnen offiziell vor Impfungen von 12- bis 15-jährigen gesunden Kindern. Hoffentlich nicht zu spät!

Heute demonstrieren Menschen weltweit gegen die Corona-Massnahmen und für Freiheit und Menschenrechte: Helsinki, Düsseldorf, Melbourne, Montreal, Paris, …

In jeder Hinsicht ist es ein besonderer Tag: Mein Bruder hat Geburtstag. Ich bin ihm sehr dankbar, denn als 5-Jähriger hatte er sich eine Schwester gewünscht. Genauer gesagt: Er hatte sich entweder einen Papagei, einen Schäferhund oder ein Schwesterchen gewünscht. Seine Eltern fanden wohl, dass der letzte Wunsch der nachhaltigste sei. Wenn er sich später über mich ärgerte, sagte er: «Hätte ich doch nur einen Schäferhund bekommen!» Doch das habe ich ihm weder übelgenommen, noch habe ich mich in einen Schäferhund verwandelt.

Das Literaturpodium bei Berlin wartet auf meinen Beitrag für den nächsten Erzählband: Mein Tagebuch 2021 soll darin erscheinen. Nun muss ich mich beeilen und die fast 100 Seiten redigieren. Bitte habt Verständnis, wenn ich deswegen in den nächsten drei Wochen das aktuelle Tagebuch nicht so oft bedienen kann! 

Foto: Leeshörner

und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 17.01.2022

17. Januar, Montag: Vollmond und Emotionen

Das Jahr 2022 ist in bezug auf seine Quersumme ein Sechserjahr. Die Sechs steht für Gemeinschaft, Mitgefühl und Kreativität. Auf Englisch sind dies drei C: community, compassion and creativity. Heute findet der erste Vollmond des Jahres im Zeichen des Krebses statt. Der Krebs steht für Gefühle – welcher Art auch immer – und für die Themen Familie, Zuhause und Geborgenheit. Somit sind für dieses Jahr die Leitthemen gegeben. Ich bin gespannt, wie sie sich im Verlaufe des Jahres bei mir persönlich und kollektiv zeigen werden.

Breaking news: Der Chef der European Medicine Agency EMA hat in einem offiziellen Fernsehinterview gesagt: «Too many boosters could weaken immune response.» Zu viele Auffrischungsimpfungen könnten die Antwort des Immunsystems schwächen. Weil die T-Zellen erschöpft seien. Nach kurzer Zeit wurde das Interview gelöscht, doch die Aussage hatte bereits den Weg in die Medien gefunden. Die Schlagzeilen werden jedoch ständig geändert und in ihrer Brisanz abgeschwächt in dem Sinne, dass ein oder zwei Booster sinnvoll, weitere vielleicht keine nachhaltige Lösung seien.

Novak Djokovic muss nach 11 Tagen hin und her zwischen Gerichten und Instanzen Australien doch verlassen. Seinen Titel an den heute beginnenden «Australian Open» darf er nicht verteidigen. Er würde die Sicherheit des Landes gefährden. Die Emotionen gehen hoch: Viele empfinden Schadenfreude und triumphieren, andere kochen vor Wut über diese Ungerechtigkeit. Vollmond im Krebs! Djokovic gefährdet wohl so oder so die Macht der Regierung, ob er nun hätte bleiben dürfen oder nicht. Wenn die australischen Gerichte sich untereinander nicht klar sind, welche Vorschriften gelten, desavouiert sich der Staat durch den «Fall Djokovic» selbst.

Dieser Vorfall erinnert mich an meinen Schwiegervater, der in den 1950er Jahren als politischer Gefangener in der Tschechoslowakei zu 10 Jahren Zwangsarbeit in den Urangruben des böhmischen Erzgebirges verurteilt worden war. Der Richter begründete die Strafe so: «Sie erschüttern das Fundament der Republik.» Daraufhin entgegnete Georgs Vater: «Da überschätzen Sie mich aber sehr! Oder das Fundament muss in dem Fall ziemlich schwach sein.» Daraufhin wurden ihm zwei weitere Jahre aufgebrummt. Die Machthabenden eines Staates können vor einem einzigen Menschen so viel Angst haben!

Foto: Vollmond über Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 07.01.2022

7. Januar, Freitag: Grenzerfahrungen

Gestern hatte ich unsere französischen Nachbarn, ein älteres Ehepaar, zu mir zum Apéritif eingeladen. Sie wohnen in der Gegend von Paris und kommen schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder nach Leukerbad. Während der Corona-Zeit wurden sie zu ihrer Verwunderung beim Grenzübertritt nie angehalten ausser diesem Mal bei der Herfahrt. Ein Schweizer Zollbeamter zeigte ihnen das Stoppschild, sie dachten, sie müssten jetzt das Covid-Zertifikat vorzeigen und machten ihre Handys bereit. Doch der Zöllner wollte davon gar nichts wissen. Er fragte, ob sie Fleisch importieren würden. Sie verneinten. Daraufhin bestand er auf einer Durchsuchung des Wagens, die er ohne Maske und Handschuhe durchführte. Nach kurzer Zeit fand er vier Stück Rindfleisch. Die Nachbarin erklärte, dass sie diese während ihrer Ferien in der Schweiz nicht zuhause im Kühlschrank verderben lassen wollten und deswegen mitgenommen hätte. Sie würden nicht beabsichtigen, das Fleisch in der Schweiz zu verkaufen. Schliesslich bekamen sie freie Fahrt.   

Sie erzählen mir, wie sehr in Frankreich auf die Ungeimpften geschimpft werde. Offiziell wird gesagt, dass wegen einiger sturer Erwachsener, die sich nicht impfen lassen wollten, jetzt die Kinder geimpft werden müssten. Gestern habe Macron gesagt, er würde die Ungeimpften so lange «emmerder», bis sie endlich nachgäben. «Der Bund» übersetzt das präsidiale «emmerder» mit «auf die Nerven gehen». Das ist sehr milde ausgedrückt. Das französische Wort beinhaltet «merde», was «Scheisse» bedeutet. Die Nachbarin meint, Macron würde nur aussprechen, was viele Menschen im Land denken.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 03.01.2022

3. Januar, Montag: Mit Farben und Pinsel in das neue Jahr

Nach Tagen mit Tauwetter ist es in den Walliser Alpen wieder kalt geworden. Viele Familien reisen heute wieder nach Hause. Gut erholt und mit schönen Erinnerungen an die Feiertage in Leukerbad. Die Schneeverhältnisse waren sehr gut, die Stimmung auch. Am Silvesternachmittag hatten Georg und ich auf der vollbesetzten Terrasse vom «Weidstübli» eine fröhliche Gruppe aus Bayern erlebt. Ein älterer Herr spielte auf eine Harmonika bekannte deutsche Lieder wie «Junge, komm’ bald wieder!» oder «I möcht’ wieder heim!» Die etwa zehnköpfige Gruppe, Familienmitglieder dreier Generationen, schunkelte singend dazu und steckte alle Gäste mit ihrer Lebensfreude an. Die Chefin des Restaurants hatte sogar die für uns immer zu laute Radiomusik aus den Lautsprechern abgestellt und lief nicht mehr gestresst herum. So schenkte diese Gruppe der ganzen Umgebung einen wunderbaren Jahresausklang mit deutschen Schnulzen, deren herzerwärmende Darbietung in dieser «Corona-Zeit» besonders dankbar angenommen wurden.

Am 2. Januar fuhr Georg wieder nach Hause. Er war zufrieden mit dem Fortschritt der Heilung seines linken Unterarms und Handgelenks, das er sich bei einem Sturz im letzten Oktober zugezogen hatte. Das Leukerbader Wasser aus dem Brunnen und Umschläge mit Weisskohlblättern hatten ihm geholfen.

An Neujahr träume ich: Es zeigen sich mir viele ausgepackte Umzugsschachteln. Darunter finde ich in einem Keramikbecher meine Malpinsel zu einem Strauss gebündelt. Diesen Traum verstehe ich als eine Aufforderung, wieder einmal zu malen. Ich kaufe mir einen Malkasten mit Gouache-Farben. Sogar so etwas kann man in Leukerbad finden! Die Farben sind genau in den Tönen, wie ich sie mir wünsche und ich erinnere mich daran, mit welcher Freude ich als Kind im ersten Schuljahr meinen neuen Malkasten öffnete. Ich liess meine Pinsel über das Papier tanzen, eine neue Welt tat sich mir auf. Meinen Eltern verkündete ich, dass ich einmal Malerin werden möchte, wenn ich gross bin. Malen und Werken war mein Lieblingsfach. Ab der dritten Klasse Oberstufe wurde dies jedoch durch Kunstgeschichte ersetzt. Ab einem Alter von 13 Jahren wurde ausgerechnet der Selbstausdruck mit Farben nicht mehr unterrichtet. Dies machte mich damals sehr traurig. Zum Trost kauften mir meine Eltern eine Staffelei und Ölfarben. Ich erhielt aber keine Anweisungen dazu, die Staffelei wackelte und hatte keinen stabilen Stand. Auch hatte ich neben der Schule zu wenig freie Zeit für Pinsel und Farben. Somit schlief dieses Hobby nach kurzer Zeit ein, bis ich etwa 15 Jahre später auf Anraten meines Jung’schen Psychoanalytikers die Malutensilien meiner Kindheit aus einer Umzugsschachtel befreite. Ich malte Bilder aus meinen Träumen oder folgte meiner Intuition, ohne den Anspruch zu haben ein grossartiges Werk zu schaffen. Dem Pinsel absichtslos folgend, freute ich mich an der Vielfalt der Farben und an dem, was sich meiner Seele entspringend formulieren wollte.

In den 80er Jahren lernte ich durch meine Freundin Silvia, die in St. Gallen ein Malatelier leitete, die Methode von Arno Stern kennen. In einem Raum ohne Fenster, also ohne Ablenkung von aussen, finden sich Malende im Alter von etwa sieben bis über 90 Jahren zusammen. In der Mitte des Raumes steht eine lange Palette mit wasserlöslichen Farben in Bechern. Jeder Farbe ist ein dünner und ein dicker Pinsel zugeordnet. Die Atelierleiterin steht ganz im Dienst der Malenden. Mit Reissnägeln befestigt sie jeweils ein kleines oder grosses Blatt in der richtigen Höhe an der grossen Malwand, die vom Boden bis zur Decke reicht. Nach getaner Arbeit nimmt sie es ab oder fügt ein nächstes Blatt an, falls die farbigen Linien sich weiter in den Raum schlängeln möchten. Auf Wunsch mischt die Leiterin verschiedene Farben in kleinen Schälchen. Gesprochen wird nur das Nötigste. Meistens ist es während des Malens im Atelier mucksmäuschenstill. Weder die Tätigkeit der Malenden noch das Ergebnis werden bewertet oder etwa interpretiert. Die Bilder werden auch nicht mit nach Hause genommen, denn sie sind nicht für die Blicke anderer bestimmt.

Silvia und ich entwickelten gemeinsam Kurse für Erwachsene, die wir «atmen -bewegen – malen» nannten. Ich leitet die Gruppe jeweils für 1 ½ Stunden in der Methode «Atem und Bewegung» nach Ilse Middendorf an, anschliessend stand Silvia für 1 ½ Stunden den Teilnehmenden im Atelier zu Diensten. Der Atem hatte das Tor zur Inspiration geöffnet. Was sich nun aus der Tiefe der Seele ausdrücken wollte, fand durch Pinsel und Farbe zu farbigen Spuren auf das weisse Papier. Voller kindlicher Freude malte ich auch mit. Eine kurze Gesprächsrunde rundete das Erlebte ab. Jeder und jede erzählte nach eigenem Ermessen etwas über das Erfahrene.

Diese Kurse waren so beliebt, dass wir sie auch noch ein paar Jahre fortsetzten, nachdem ich nach Bern umgezogen war. Nach kurzer Zeit lernte ich an meinem neuen Wohnort eine weitere Malatelierleiterin kennen, mit welcher ich ebenfalls viele Jahre gemeinsam solche Kurse anbieten konnte. Die meisten meiner Bilder, die im Rahmen unserer Kurse entstanden sind, habe ich bis heute aufbewahrt. Einige davon fanden den Weg in mein erstes Buch «Lass mich atmen! Selbstwerdung und Sinnfindung durch Traum und Atem». Diese «Seelenbilder» könnt Ihr im Internet finden auf petrasmaerchen.ch

Noch eine Bemerkung: Arno Stern hatte nach dem 2. Weltkrieg kriegstraumatisierte Kinder in seinem Atelier in Paris malen lassen. Er wusste, wie sehr die Malspuren solcher Kinder geschützt werden mussten und nannte sein Atelier «clos lieu», einen geschlossenen Raum. Keine andere Person durfte den Raum betreten, auch die Eltern nicht. «Einen sicheren Raum für Kinder» nennt heute die Caritas ihre Projekte mit Malateliers für kriegstraumatisierte Kinder in der Ostukraine. Arno Sterns Samen ist aufgegangen. Seine Forderung nach einer Pädagogik, die das fördert, was sich aus der inneren Seelenquelle formulieren möchtet, findet immer mehr Gehör. Sein Sohn André setzt und entwickelt die Arbeit seines inzwischen über 90-jährigen Vaters heute fort.

Nun öffne ich meinen neu erstandenen Malkasten und probiere neugierig mit dem beigelegten kleinen Pinsel die lichtvollen Farben aus. Es entsteht eine Sonne, die ihre Strahlen in goldgelben, orangen und rosa Tönen über das ganze Blatt strahlt. Möge dieses Licht in das neue Jahr hineinstrahlen! Es werde Licht!

Bild und Foto: Licht für 2022!

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 31.12.2021

31. Dezember, Freitag:
Nun wünsche ich allen, die dies lesen oder sogar den ganzen Text meines diesjährigen Tagebuchs gelesen haben, ein glückliches neues Jahr: Gesundheit, Heiterkeit und viel Freude im Herzen.
Das neue Jahr soll leichter und lichter werden. Wer mehr wissen möchte, dem kann ich die Astrologinnen Pam Gregory und Bracha Goldsmith auf Youtube empfehlen, auf Deutsch können Silke Schäfer und Günter Kerschbaummayr auch inspirieren.

Leukerbad ist über die Festtage überfüllt von Leuten, die feiern möchten und keine Angst haben. Sie bringen viele Hunde mit. Beim Tauwetter kommen deren Hinterbleibsel zum Vorschein. Vielleicht ist dies auch symbolisch für dieses Jahr: Die Wahrheit kommt ans Licht!

Von einem Bekannten, der Arzt ist, erfahren wir, dass er sich in seiner Praxis mit Covid angesteckt hatte. Er musste notfallmässig ins Spital, obwohl er viermal geimpft ist. Auch eine andere Nachricht stimmt nachdenklich: Ein Kreuzschiff mit über 2000 Menschen an Bord, die alle geimpft oder genesen und getestet waren, musste nach Lissabon zurückkehren, da das Virus auch mit auf die Kanarischen Inseln wollte. Georg schenkt mir wunderschöne orange Tulpen. Ich freue mich sehr über diese Vorboten des Frühlings.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 30.12.2021

30. Dezember, Donnerstag: Jahresrückblick

Das Jahresende lädt zu einem Rückblick ein: Am 1. Januar dieses Jahres konnte ich hier in Leukerbad ein Neujahrskonzert im Hotel Beau Séjour geben. Die Hotelbesitzerin war begeistert von meinen Klängen und spendierte einen grosszügigen Aperitif. Damals durften wegen «Corona» nur 10 Personen anwesend sein, das Zertifikat gab es noch nicht. Jetzt gilt die 2G-Regel. Unter solchen Bedingungen möchte ich gar nicht auftreten.

Im Mai und Oktober durfte ich im evangelisch-reformierten Kirchenzentrum in Leukerbad beim Gottesdienst meine Kristall-Lyra auf den Altar legen und meditative Klänge spielen. Die Zuhörenden waren dafür sehr dankbar und staunten darüber, wie Bergkristall klingt, aus welchem die Klangröhren der Lyra bestehen. Georg war am 17. Oktober auch dabei, obwohl er erst ein paar Stunden vorher auf seine linke Hand gestürzt war und grosse Schmerzen hatte.

Mitte Januar liess ich die letzten Sachen aus meiner Praxis in der Berner Altstadt nach Leukerbad transportieren und gab den Raum ab. Er war für mich während 12 Jahren eine Oase für meine therapeutische Arbeit und mein kreatives Tun, wie Meditieren, Komponieren und Schreiben, gewesen. Drei Kolleginnen hatten ursprünglich diesen Raum an der Toplage übernehmen wollen. Sie sagten jedoch kurzfristig ab. Wegen «Corona» sei die Situation für sie als selbständig Tätige nicht mehr planbar. Ich war froh, die Berner Altstadt wegen der zunehmenden Baustellen, Demonstrationen und Gross-Events mit lauter Musik zu verlassen. Im Februar konnte ich in Leukerbad bereits wieder Patientinnen empfangen.

Im Mai begann ich mein 50. Album zu komponieren: Mein Tontechniker hatte mir beigebracht, wie ich mit einem kleinen Audiogerät die Klänge der Natur und meiner Instrumente selbst aufnehmen kann. Es erfüllt mich mit grosser Freude, wenn ich die Stille der Berge und die Ruhe im Haus vor allem nach Mitternacht für Aufnahmen nutzen kann. Vor kurzem konnte ich das Album mit dem Titel «Life River – Fluss des Lebens» mit den Klängen der Bergbäche und meiner Traumharfe veröffentlichen. Es ist im Internet via www.dolphinkissis.ch erhältlich.

Ende Mai wurde ich gebeten mein Märchen «Das Ei der Weisheit» in der Kirche Bremgarten im Rahmen eines Kinderprogramms für den Event «Die lange Nacht der Kirchen» vorzulesen und mit Spielpuppen aufzuführen. Im Jahr 2017 wurde dieses Märchen im united-Verlag veröffentlicht. Ich habe es auch verfilmt und vertont. Es wäre DAS Märchen für die Klimabewegung: Eines Tages verschwindet das Ei der Weisheit, das Liebe und Wissen vereint und Harmonie garantiert, von der Erde. Seither passieren nur noch Naturkatastrophen. Das kleine Mädchen Anastasia bringt es dank ihrem grossen Herzen zustande, das Ei der Weisheit wieder auf die Erde zurückzubringen. Es geht in diesem Märchen um die Frage, ob wir alles, was wir wissen und zu dem wir technisch fähig sind, auch anwenden dürfen, wenn dann die Gefahr besteht, dass die Welt untergeht. Dies erleben wir jetzt mit «Corona». Ein von Menschen genmanipulierter Virus, der auf eine noch nicht geklärte Weise aus einem Labor entwichen ist, bringt die Welt an den Abgrund. Ich hätte nie gedacht, dass mein Märchen eine solche Brisanz bzw. Realität erlangt. Es geht darum, ethisch abzuwägen, ob wir alles, was wir wissen und können, auch in die Wirklichkeit umsetzen dürfen. Die Live-Übertragung von dem Märchen findet ihr auf meinem Youtube-Kanal.

In der ersten Juliwoche besuchten uns Georgs älteste Nichte und ihre zwei bereits erwachsenen Kinder aus der Tschechischen Republik. Georg hatte sie dazu gedrängt nicht noch bis Herbst zu warten, da sich seit Juni die Covid-Situation samt den damit verordneten Massnahmen gebessert hatte. Wir mieteten für unseren Besuch eine Ferienwohnung unter der unsrigen und verbrachten gemeinsam wunderbare Tage. Der Zeitpunkt war – Georg hatte Recht – sehr gut gewählt: Ein Tag vor der Abfahrt unseres Besuches setzte starker Regen ein, der länger andauern sollte. Kurz darauf traf ein heftiger Hagelschlag auch unseren Garten in Bremgarten und vernichtete unsere gesamte Tomatenernte. Und im Herbst verschlimmerte sich die «Corona-Situation» mitsamt den dazugehörenden Einreise- und Quarantäneregeln. Diese bewirkten auch, dass Georg und ich nicht zum achtzigsten Geburtstag seiner ältesten Schwester nach Nordmähren fahren konnten.

Mitte Juli begann ein verregneter Sommer mit starken Überschwemmungen. Meine Gedichtvorlesung, die an einem Campingplatz am Neuenburgersee im Rahmen eines Kulturprogramms stattfinden sollte, fiel ins Wasser. Und mein Wohnwagen wurde von den Fluten erreicht. Mindestens eine Woche lang war er nicht zugänglich. Vor allem bangte ich um meine neue Traumharfe, die ich dort auf dem Boden hatte liegen lassen. Ich hatte sie zwischendurch an meiner Gedichtlesung spielen wollen. Ein guter Freund konnte sie zum Glück retten, sobald der Pegelstand es erlaubte, die Wohnwagentüre zu öffnen. Er konnte das Instrument unbeschadet Georg in Bremgarten übergeben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie glücklich und erleichtert ich war.

Im August beschloss ich, meinen Wohnwagen zu verschenken. Er war vom Hochwasser beschädigt worden, aber noch brauchbar. Es meldete sich eine mir unbekannte Frau, die bereits sieben Jahre lang auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte. Somit nahm ich nach 34 Jahren Abschied von meinem Refugium am Neuenburgersee. Die Überschwemmung verstand ich als Zeichen dafür, dass sich für mich ein Kreis geschlossen hatte. Zum zweiten Mal in diesem Jahr: Ebenfalls nach 34 Jahren habe ich die Stadt Bern verlassen, wo ich während dieser Zeit Praxisräume gemietet hatte.  

Im Oktober beschliessen wir die 40-jährige Leukerbader Küche, die wir von den Vorgängern übernommen hatten, renovieren zu lassen. Der Kühlschrank funktionierte nicht mehr richtig und die Einrichtung entsprach nicht unseren Bedürfnissen. Zu Beginn hatten wir die Illusion, dass die Arbeiten nach einer Woche abgeschlossen wären. Am 8. November wurde die Küche demontiert, erst am 10. Dezember konnte ich sie wieder in Betrieb nehmen. Am 12. Januar wird noch die Glasabdeckung an den Wänden montiert. Gut Ding will Weile haben. Der Raum wirkt jetzt viel heller und grösser, ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn betrete. Vor allem haben wir jetzt mehr Stauraum für Lebensmittel.

Ende Oktober erlebten wir die erste Eigentümerversammlung des Hauses. Diese hatte wegen «Corona» im Jahr zuvor nur in Form einer brieflichen Abstimmung stattgefunden. Dieses Jahr konnten wir uns in einem Restaurant mit Zertifikatspflicht treffen. Die heikelste Angelegenheit war die Abstimmung über die Renovation des über vierzigjährigen Hausdachs, welches im letzten Jahr undicht geworden war. Der Erneuerungsfonds war nicht rechtzeitig genügend geäufnet worden. Es wurde entschieden, es noch im November provisorisch zu reparieren. So hoffte man, die Gesamtrenovation so lange aufschieben zu können, bis sich genügend Geld im Fonds befände. Mein Wunsch nach einer Solaranlage stand nicht mehr zu Diskussion, da allein die notwendige Renovation bereits eine sehr hohe Summe ausmacht.

Zusammengefasst war 2021 für mich ein Jahr der intensiven Begegnungen mit dem Element Wasser. Dieses zeigte sich mir in vielfältigen Formen: Als Heilquellen von Leukerbad, Regen, Schnee, Hagel, Überschwemmung, Wasserfälle, Regenbogen, Tränen des Abschieds, der Erleichterung und des Glücks und als Bergbäche, deren Lieder ihren Weg in meine Kompositionen gefunden haben. Der Fluss des Lebens ist vielfältig. Ich kann auch sagen, dass dieses Jahr für mich unter dem Motto stand: «Auf zu neuen Ufern!» Und dafür bin ich sehr dankbar.

Georg meint, dass ich den Jahresrückblick noch gar nicht abschliessen könnte, weil noch nicht klar sei, wieviel noch passieren wird. Vielleicht werde ich noch schnell herausfinden, wie man aus einem quadratischen Stück Papier einen Kranich faltet.

Stossen wir gemeinsam in Dankbarkeit auf das alte Jahr an!

Foto und Text: Petra Dobrovolny


Mein Tagebuch: 29.12.2021

29. Dezember, Mittwoch: Winterschlaf und Spaziergänge

Es schneit und schneit. Der Leukerbader Lawinenwarndienst benachrichtigt mich: Einige Wege und Strassen werden geschlossen, man solle rechtzeitig Vorräte einkaufen.

Ich verwandle mich in ein Murmeltier. Georg kocht und schmuust in der noch nicht ganz fertig renovierten, jedoch funktionierenden neuen Küche. Seine seit dem 17. Oktober verletzte linke Hand badet er seit sechs Tagen regelmässig in den hiesigen Brunnen, das heilende Wasser trägt er in Flaschen nach Hause. Der Unterarm und das Handgelenk sehen schon viel besser aus. Ausserdem macht Georg sich Umschläge mit Weisskohlblättern, die die Verbrennung durch die Röntgenstrahlen ausleiten. Vor dem Einschlafen hülle ich ihn mit heilenden Klängen meiner Kristallklangschalen ein.

Auch bei schlechtem Wetter fanden vorgestern die Montagsspaziergänge in Deutschland statt. Vor einem Jahr wurde im sächsischen Erzgebirge damit begonnen. So wie vor der Wende gehen auch jetzt die Menschen auf die Strasse, um friedlich ihren Widerstand bekannt zu geben. Mahatma Ghandi hatte zu seiner Zeit zu dieser Form des gewaltlosen Protests aufgerufen. Mit Erfolg. Indien wurde selbständig. Steter Tropfen höhlt den Stein. Die Berliner Mauer ist gefallen. Schon in über 200 Städten Deutschlands gehen jetzt die Menschen jeden Montag spazieren. Und es werden immer mehr.

Der britische Astrologe Steve Judd sagt für 2022 voraus, dass es ein leichteres Jahr als dieses werde. Im Februar käme die bis jetzt verborgene Wahrheit zum Vorschein, im März ändere sich die Situation zum Besseren.

Dr. John Campbell berichtet über die neusten Statistiken: Omikron überholt die Delta-Variante des Virus. Die Symptome merkt man bereits nach 3 Tagen, sie sind jedoch viel schwächer, halten nur 5 Tage an und bringen die Erkrankten nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% ins Spital. Good news!  

Foto und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 25.12.2021

25. Dezember, Samstag: Weihnachten

Allen wünsche ich frohe Weihnachten und besinnliche Rauhnächte, die dazu inspirieren zu fragen: Wie wollen wir leben? Wie möchten wir unser Licht in die Welt bringen?

Gunnar Kaiser hat auf Youtube den jungen Musiker Taylor interviewt.

Hier der Link:

Mein Tagebuch: 22.12.2021

22. Dezember, Mittwoch: Gestern und heute: Kirche und Ablass

Seit letztem Montag gilt in der Schweiz für öffentliche Innenräume die 2G-Regel: Nur Geimpfte und Genesene dürfen zum Beispiel in Restaurants und Kirchen.

Spätestens jetzt würde ich aus der Kirche austreten, wenn ich es nicht schon längst wäre, egal, ob geimpft oder nicht. Wie kann dies eine christliche Kirche machen? Wurde die Botschaft von Christus vergessen? Die Aufgabe der Kirchen wäre alle aufzunehmen ohne Zertifikat. Dazu noch mit welcher Begründung, wenn es klar ist, dass Geimpfte das Virus auch verbreiten können? Tatsächlich lese ich hier in Leukerbad beim Anschlag vor der Kirche über den Fahrplan der Veranstaltungen über Weihnachten und Neujahr: Zertifikatspflicht! Ich traue meinen Augen kaum. Dabei könnte die Kirche gerade jetzt …

Die Sternenkonstellation von vor 500 Jahren wiederholt sich heute als Konjunktion von Saturn und Pluto, die am kommenden Heiligabend exakt wird. Damals schlug Martin Luther seine Thesen an die Türe der Kirche von Wittenberg. Den entscheidenden Ausschlag dazu gab der damalige Ablasshandel der römisch-katholischen Kirche. Wenn du für deine Sünden bezahlt hast, kommst du in den Himmel! Gibt es da eine Parallele zu heute? Wenn du dich impfen lässt, bekommst du für ein paar Monate eine gewisse Freiheit. Wer verdiente damals und wer verdient daran?

Als ich zwei Jahre alt war, ging ich an der Hand des lutherisch-reformierten Bischofs – ich glaube, es gibt in dieser Kirchenhierarchie nur einen einzigen Bischof – an der Hand in der einzigen lutherischen Kirche im zu 99% katholischen Luxemburg zum Taufaltar. Er taufte mich, ohne das Chakra meines dritten Auges noch mein Kronenchakra – wie dies in der Regel bei Taufen geschieht – zu verschliessen. Er schenkte mir einen Teddybären. Diesen nannte ich «Bischofbär». Er hat mich viele Jahre lang beschützt und getröstet.

Das Wichtigste vom Konfirmandenunterricht des damaligen lutherischen Pastors in Luxemburg für mich als 13-Jährige war, dass jeder und jede selbst Verbindung zu Gott aufnehmen kann und IHN selbst um Vergebung bitten kann. Vor unserer Hochzeit in der evangelisch-reformierten Kirche in Kilchberg, Kanton Zürich, bat Georg nicht Gott um Vergebung dafür, dass seine Wahl auf eine Lutheranerin gefallen war, sondern – in Rücksicht auf seine römisch-katholische Familie in Mähren – bat er um einen «Ablass» bei einem Stellvertreter der römisch-katholischen Kirche. Das bedeutet: Georg erhielt eine schriftliche Bestätigung dafür, dass er nicht in die Hölle kommt, wenn er eine Lutheranerin heiratet. Wir gingen damals gemeinsam zu dem Gespräch mit einem Jesuitenpater, damit dieser sich selbst davon überzeugen konnte, dass ich keine Ketzerin war. Ich machte dies alles mit, da ich Georgs mährische Familie achte und respektiere. Ich weiss, wie sehr ihnen der christliche Glauben, der für sie nun mal mit der römisch-katholischen Kirche verbunden war und ist, in den schweren Zeiten des Kommunismus geholfen hat. Bei der Beerdigungsfeier meines Schwiegervaters, der 12 Jahre lang ein politisch Gefangener des kommunistischen Regimes gewesen war, war am 3. Januar 1982 die kleine Kirche in einem Dorf in Nordmähren mit Leuten überfüllt, die ihre Teilnahme an dieser Trauerfeier auch als politisch oppositionelle Handlung zu verstehen gaben. Deren Augen waren auch auf die zwei Schwiegertöchter aus dem westlichen Ausland gerichtet. – Nebenbei: Die zwei Söhne durften nicht zur Beerdigung ihres Vaters aus der Schweiz einreisen. Sie wären an der Grenze zur tschechoslowakischen Republik verhaftet worden. – Beim Aufruf zur Kommunion gingen wir aus Respekt vor allen Opfern des kommunistischen Regimes zum Altar. Meine damalige Handlung sagte aus, dass ich mich vor dem Mut und der Integrität meines verstorbenen Schwiegervaters verneige.

Foto der Kerze von Amnesty International und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.12.2021

21. Dezember, Dienstag: Wintersonnenwende

Das Motto des Kanals von Boris Reitschuster hat zum Titel ein Zitat aus der Bundespressekonferenz in Berlin: «Eine Frage noch Herr Reitschuster!»

Meine Frage lautet:
«Will ich, dass eine Regierung angeblich aus lauter Liebe und Fürsorge zur Bevölkerung darüber bestimmt, wie und wann ich sterbe?»
Ich antworte mit einem Zitat aus dem Song der Band «Queen»:
«Too much love can kill you!» Auf Deutsch: «Zuviel Liebe kann töten!»

Heute ist Wintersonnenwende in einer kraftvollen Sternkonstellation, die begünstigt, dass wir uns nach unserer Göttlichkeit fragen.

Wo ist mein inneres Licht? Wie bringe ich es in die Welt? Was möchte ich noch in die Welt bringen?

Foto und Text: Petra Dobrovolny