Mein Tagebuch: 07.10.2021

07. Oktober, Donnerstag: Ein Leserbrief

Es ist wieder mal Zeit für einen Leserbrief. Georg schreibt zum Thema General-Verdacht, Eigenverantwortung und Vertrauen:

«Von Eigenverantwortung ist sowohl von behördlicher wie auch von medialer Seite keine Rede mehr, von der Stärkung der Immunität auch nicht. Die natürlichen Abwehrkräfte scheinen als Thema schon längst Tabu zu sein.

Warum gilt der Covid-Selbsttest nicht als Basis für ein Zertifikat so wie u.a. in einigen EU- Staaten? Wenn ich mich vor einem Anlass selbst teste, kann ich entscheiden, dass ich nicht hingehe, falls der Test positiv ausfällt.

Warum soll ich in einer Warteschlange vor einem Testzentrum stehen? Gerade dort könnte ich mich anstecken, der Test wäre gerade mal noch negativ. Das Zertifikat gilt dann aber auch später, wenn ich positiv wäre.

Anstatt dass der Bundesrat mündigen und selbständigen Bürgerinnen vertraut und sie fördert, klagt er, dass das Testen zu viel koste, und gleist für viel Geld eine ‘Impf-Offensive’ auf, die wir dann alle bezahlen werden. Gegen wen wird Krieg geführt?

Die Regierung, wie jeder Staat, der seinem Volk misstraut, wundert sich, wenn das Volk der Bürokratie und der Führung kein Vertrauen mehr schenkt bzw. schenken wird.»

Heute wird in Bern wahrscheinlich wieder friedlich für Freiheit und Demokratie demonstriert. Der oberste Polizeichef sagt, dass die Polizei bestens darauf vorbereitet sei. Die Demonstrierende seien zunehmend gewaltbereit und müssten mit hohen Bussen rechnen. «Der Bund» vom 5. Oktober schreibt auf der Seite 19: Das Zertifikatstheater solle endlich aufhören, die Demonstrierenden sollten mal zu Hause bleiben und eine Denkpause einlegen. Wir fragen uns: Ist es die Aufgabe von Journalisten und Journalistinnen zu moralisieren und anderen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu lassen haben?

Ab dem 11. Oktober werden die Tests für Ungeimpfte ohne Symptome, die letztes Jahr noch als sinnlos betrachtet wurden, nicht mehr kostenlos sein.

Foto: Heiliggeistkirche in Bern
und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 29. Juni 2020

29. Juni, Montag:

Gestern Abend gab es ein kräftiges Gewitter mit kurzem Hagel. Der Wind hat unsere Tomatentöpfe umgeworfen.

Letzte Woche musste ich mir ein neues Handy besorgen. Mein Mobilfunkanbieter hat die 2G-Antennen abgestellt, sang- und klanglos. Ohne mich zu benachrichtigen. Das ist eben genau das, wovor die 5G-Gegner warnen: Mit der Zeit werden die schwächeren Antennen einschliesslich 4G einfach abgestellt, und wir werden so indirekt gezwungen 5G zu benutzen. Die von diesen Antennen ausgehende starke Strahlenbelastung schwächt das Immunsystem und öffnet die Blut-Hirn-Schranke, sodass sich Gifte wie Schwermetalle noch besser im Gehirn ablagern. Dafür können wir unterwegs Filme anschauen und die Fensterstoren unserer Wohnung aus der Ferne bedienen.
Nun habe ich ein Handy, kein Smartphone, das 4G empfangen kann, aber meine private Nummer funktioniert nicht mehr, nur die geschäftliche. So muss ich heute wohl zum 3. Mal zum „help desk“ gehen, denn ausserdem gibt es noch eine „Misconfiguration“.

Die Zahlen der registrierten Infizierten steigen weltweit, besonders in den USA und in Brasilien. Die WHO schlägt Alarm. Präsident Trump sagt, das sei eben toll, wie fleissig in den USA getestet werde, „America first!“. Einige US-Staaten machen Lockerungen wieder rückgängig. Die Befugnis dazu hat Trump vor kurzem den Gouverneuren überlassen.
Auch in der Schweiz steigen die Zahlen. Seitdem die Klubs wieder öffnen dürfen, werden Partys nachgeholt. Am Wochenende hat in Zürich eine einzige Person 300 Mitfeiernde angesteckt. Viele davon haben fiktive Handynummern oder E-Mail-Adressen angegeben. Das „Tracing“ ist also nur begrenzt möglich.
Aus dem Ausland – Serbien! – Zurückkehrende sorgen für vermehrte Ansteckungen. Der Ruf nach Grenzkontrollen und Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln wird laut. Der Bundesrat tut sich noch immer schwer damit: Von Mitte März bis Anfang Juni hatte er die Bevölkerung bevormundet, das Maskentragen nur Erkrankten mit Symptomen empfohlen, besser liesse man es aber sein, denn Masken vermittelten eine falsche Sicherheit. Dies war eine konträre Aussage zur Empfehlung der WHO und der Virologen auch hier im Land. Ab Anfang Juni, als es endlich Masken gab, setzte der Bundesrat auf Eigenverantwortung der Bevölkerung. Das Resultat: Es trägt fast niemand eine Maske, auch nicht beim Einkaufen in Deutschland, wo in Geschäften immer noch eine Maskenpflicht gilt. Noch vor ein paar Tagen meine Bundesrat Berset, die Virologen hätten ihre Meinung, der Bundesrat die seinige. Vorgestern sagte mir eine Freundin, wie wunderbar der Bundesrat alles gemacht hätte. Sie hätte sich sehr beschützt gefühlt.

Der Schritt von der Eigenverantwortung nach einer längeren Zeit der Bevormundung ist sehr gross. Eigenverantwortung bedingt eine klare und sachlich richtige Information, aufgrund welcher jeder und jede für sich entscheiden kann. Als Georg im April im Bus eine Maske trug, wurde er manchmal angepöbelt oder Mitfahrende mieden ihn wie die Pest. Dabei trägt die Maske auch zur Sicherheit der anderen bei. Dies wurde vom Bundesrat nie kommuniziert. Ein Leserbriefschreiber meint, das Wort „Mitverantwortung“ sei besser als „Eigenverantwortung“, welches nach Egoismus töne.