Mein Tagebuch: 2. Oktober 2020

2. Oktober, Freitag:

Der extremwarme September endete mit Schnee bis zu 1‘400 m. Der Winter macht sich für ein paar Tage bemerkbar.

Wir waren im Wallis und mussten auch in Geschäften und in öffentlich zugänglichen Räumen eine Maske tragen. Das ist sehr unangenehm. Der Kanton Bern erlässt vorläufig keine Maskenpflicht beim Einkaufen. Auch deswegen kommen viele hierher. Der Widerstand gegen die Corona-Massnahmen wächst. Unser Gesundheitsminister Berset wurde bei einer Veranstaltung sogar ausgepfiffen und als Landesverräter beschimpft.

Es ist sehr verwirrend: Manche reden oder schreiben jetzt von einer 3. Welle, andere meinen, die 2. beginne gerade, wieder andere bestehen darauf, dass es nie eine erste Welle gegeben hat. Wer kann das noch verstehen? Viele Fragen sind nach wie vor ungeklärt: Wer ist an und wer mit Covid19 gestorben? Warum sind die Spitäler immer noch unterbelegt? Warum sterben weniger Menschen? Nützen die Masken etwas oder schaden sie? Übertragen zum Beispiel Stechmücken das Virus? Vor etwa einer Woche war die Schweiz nach eigenen Kriterien noch ein Risikoland. Gestern stand in der Zeitung, sie sei es jetzt nicht mehr.

Unser Freund hat sich in einem Drive-in testen lassen, innerhalb weniger Stunden hatte er das Ergebnis und ein Attest. Jetzt kann er zurück nach Moskau fliegen, wo er lebt, ohne in Quarantäne zu müssen. Er rät davon ab, sich beim Hausarzt testen zu lassen. Hausärzt*innen seien nicht dafür eingerichtet.

Die Werbetrommel für Grippeimpfungen wird kräftig gerührt. „Man“ – auch Babys ab 6 Monaten – solle sich doch impfen lassen, um im Winter die Spitäler nicht zu belasten, denn die Betten müssten für Corona-Patient*innen freigehalten werden. Andererseits sei der Impfstoff knapp. Von woher wird er wohl importiert? Also hätten Risikopersonen den Vortritt. Aha! Jetzt wird von „Risikopersonen“ und nicht mehr von „Risikogruppen“ gesprochen. Eine Immunologin erklärt, wie man sich zur Begrüssung umarmen bzw. lieber nicht umarmen soll. Georg meint, die Anmassung der Behörden, die Privatsphäre zu regeln, sei kolossal. Sogar unter dem Kommunismus sei es nie ein Thema gewesen, ob Grosseltern ihre Enkelkinder umarmen dürfen oder ob Paare sich küssen dürfen.

Die Karten von Estelle sagen: Innerhalb der kommenden Monate erschafft Ihr den Himmel auf Erden. „Focus on your dreams!“ Neue Abenteuer erwarten Euch!

Foto in Leukerbad und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 24. September 2020

24. September, Donnerstag:

Am Montag begannen die Klima-Aktivist*innen ihr Camp auf dem Berner Bundesplatz aufzubauen. Sie wollten mindestens eine Woche Tag und Nacht bleiben. Dazu waren sie professionell organisiert und ausgerüstet: Grosse Lastwagen transportierten das nötige Material. Vor dem Gebäude der Schweizer Nationalbank wurde ein riesiges Zelt für die Küche aufgebaut, die etwa 200 Leute pro Tag versorgen sollte. Im Vergleich dazu wirkte Greta Thunberg mit ihrem Schulstreikschild bei ihren ersten Auftritten romantisch naiv, aber auch beeindruckender. Diese Demo war nicht bewilligt, die Polizei hielt sich zunächst zurück. Am Dienstag findet hier der Berner Wochenmarkt statt. Die Gemüsebauern waren nicht gerade begeistert über die Blockade des Platzes, konnten aber schliesslich ihre Stände aufbauen. An diesem Tag machten sie trotzdem ein gutes Geschäft: Die Demonstrierenden und deren Küche kauften sehr viel Gemüse ein. Am Abend gab es eine weitere unbewilligte Demo von Flüchtlingen und Asylsuchenden gegen die Bedingungen in den Unterkünften. Diese wollten sich dem Klima-Camp anschliessen, wurden jedoch durch einen massiven Polizei-Einsatz daran gehindert. Viele bürgerliche Politiker*innen reagierten sehr erbost auf die Besetzung des Bundesplatzes und die massive Blockierung des öffentlichen Verkehrs. Über Inhalte wird nicht gesprochen, eine Nationalrätin spricht von einer „Empörungshysterie“ ihrer Kolleg*innen. Dies erinnert mich an die Demo vom 29. August in Berlin. Das beherrschende Thema in den Medien waren die etwa 7 reichsdeutschen Fahnen und der Versuch einiger rechtsextremer Demonstranten in das Reichstagsgebäude einzudringen. Am Mittwoch löste die Berner Stadtpolizei das Klima-Camp friedlich auf. Es kam zu Festnahmen.   

Gesundheitsminister Berset kann sich ein Impfobligatorium für das Personal in Alters- und Pflegeheimen vorstellen, falls dies die Kantone wünschten. Dabei gibt es noch keinen Impfstoff! Und wer würde für die Impfschäden haften?

Eine neue Volksinitiative ist im Umlauf: Die Mobilfunkhaftungsinitiative. Falls es genügend Unterschriften gibt, kann über eine Gesetzesänderung abgestimmt. Stimmt das Volk „ja“, müssten die Mobilfunkanbieter für gesundheitliche Schäden, die der Mobilfunk verursacht, haften.

Text und Foto: Petra Dobrovolny