Mein Tagebuch: 16.07.2022

16. Juli, Samstag: Das Leben – ein Zirkus

Gestern Abend habe ich die Vorstellung des Zirkus Harlekin hier in Leukerbad besucht. So wie vor einem Jahr. Damals musste das Publikum wegen Corona noch Maske tragen. Die heutige Vorstellung beginnt mit der Nachricht, dass letzte Nacht unerwarteterweise Pedro, der jahrzehntelange Zirkusdirektor, gestorben ist. Das Publikum erhebt sich für eine Schweigeminute. Ganz in Pedros Sinne soll das Programm weitergehen. Alle Mitwirkenden geben ihr Bestes, auch die Kamele, das Lama, die Ponys, die zwei Kühe und die Ziege. Die ukrainischen Musikanten des Zirkusorchesters durften ihr Land leider nicht verlassen. Sie werden zwar durch andere ersetzt, doch an den letztjährigen Sound kann ich mich noch erinnern. Niemand ist ersetzbar. Ich spüre die Präsenz der Seele des soeben verstorbenen Zirkusdirektors oben unter der Kuppel des grossen Zeltes. Es scheint, als habe er dort einen Ehrenplatz und würde nun, erlöst von seinen Altersbeschwerden, die Vorstellung erst recht geniessen. Das Motto des Zirkus Harlekin lautet: «Wir sind alle eine grosse Familie, und wir gehören alle zusammen.» In dieses Lied stimmt zum Schluss der Vorstellung auch das Publikum mit ein, in Dankbarkeit für die zwei kostbaren Stunden, die wir alle unter demselben Zelt verbracht haben, gemeinsam mit Artist:innen aus vielen verschiedenen Ländern wie Portugal, Weissrussland, Frankreich, Italien, Äthiopien, Deutschland, Marokko und der Schweiz. Der verstorbene Zirkusdirektor stammt ursprünglich aus Leukerbad. Sein Lebenskreis hat sich hier geschlossen. Sein Vermächtnis lebt weiter: Magie, Poesie, Humor, die Überwindung der Schwerkraft in gewagten Sprüngen, einander darin unterstützen … Wenn wir auch nur ein bisschen Zirkus in unseren Alltag mitnähmen, würde die Welt um einiges friedlicher.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 25.06.2022

25. Juni, Samstag: Literaturfans treffen sich in Leukerbad      

Vom 23. bis 26. Juni findet das 26. Internationale Literaturfestival in Leukerbad statt. Vor einem Jahr konnte es trotz Corona durchgeführt werden, im grossen weissen Zelt musste das Publikum Hygienemasken tragen. Das ist jetzt zum Glück nicht mehr nötig. Das Publikum ist etwas zahlreicher als letztes Jahr. Es besteht zu mindestens 70% aus Frauen im Alter von 50 bis über 80. Einige haben ihre Ehepartner, noch mehr ihre Schwestern, Mütter und Freundinnen mitgebracht. Ich besuche wieder den samstäglichen Literaturabend, an welchem 12 Schriftsteller:innen für jeweils ca. 20 Minuten aus ihren Werken vorlesen. Das dominierende Thema ist die Ukraine und wie die Betroffenheit seit der Annexion der Krim 2014 und die weiteren Ereignisse in dem Land, „das am Rande liegt“, so heisst die Ukraine wörtlich übersetzt, literarisch verarbeitet werden. Eindrucksvolle Worte findet die seit 11 Jahren in Wien lebende ukrainische Schriftstellerin Tanja Maljartschuk: „Was ist Heimat? Heimat ist woher die Traumata kommen.“ Und sie fragt: „Kann man Kriege mit Kriegen beenden und statt der Bienen Nektar sammeln …?“

Mich erstaunt, dass „Corona“ kaum ein Thema ist. Oder habe ich etwas verpasst? Wie findet die Erosion der Demokratie, der Menschenrechte, der Meinungsfreiheit usw. ihren Eingang in die zeitgenössische Literatur? Darauf erhalte ich keine Antwort. Jonas Lüscher beschreibt lediglich seine „tropische Traurigkeit“ während einer ungeplanten Quarantäne in einem Hotelzimmer in Kapstadt. – Lukas Bärfuss hinterfragt den europäischen Lebensstil. Dazu gehöre, im Sommer ans Meer zu fahren. Er hatte Ferien in einem Ort der Toskana gebucht und stellt nach seiner Ankunft fest, dass dort die Spuren des Faschismus noch sehr präsent sind. Auch der „Duce“ und seine Anhänger:innen hatten eine Vorliebe für diesen Ort. Dies veranlasst den Schweizer Schriftsteller über die toxische Maskulinität nicht nur des „Duce“, sondern auch zeitgenössischer Regierungshäupter in Ost und West zu schreiben, Berlusconi mit seinem „nachgezeichneten Haaransatz“ schliesst er nicht aus. Auch die Sicht auf das wunderbar türkise Mittelmeer lässt in Herrn Bärfuss keine Ferienlaune aufkommen: Jedes Jahr ertrinken dort doppelt so viele Flüchtlinge wie Leukerbad Einwohner:innen hat. Somit habe er eher nachdenkliche als erholsame Ferien verbracht. Vielleicht wird er in Zukunft lieber in die Walliser Berge fahren? Ich habe ihn nicht gefragt. Dankbar und zufrieden reisen alle wieder nach Hause, in der Gewissheit, dass es auch nächstes Jahr wieder genügend Sponsor:innen und Menschen mit Tatkraft geben wird, die dieses Festival ermöglichen. Auch wenn der Preis für Papier sich verdoppelt hat.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 23.06.2022

23. Juni: Ist Leukerbad erwacht?

Für heute Abend lädt die Leukerbad Tourismus AG „My Leukerbad“ die am Ort tätigen Geschäftsleute und sonstigen Unternehmer:innen zu einer Informations-veranstaltung ein. Ein Team von Fachleuten hat seit 2019 an einem Masterplan zur Förderung des Tourismus in der Region erstellt und nun abgeschlossen mit der Feststellung: „Leukerbad ist erwacht.“ Mit viel Selbstlob über die fast dreijährige Arbeit, besonders über den neuen Internetauftritt leukerbad.ch, stellt das Team dem gespannten Publikum vor, wie die Weichen für das Generationen-Projekt gestellt wurden und wie nun dieses Erwachen in die Tat umgesetzt werden soll. A m Anfang stand die Rückbesinnung auf die unglaublich reichhaltigen Ressourcen der Umgebung: Thermalwasser und Natur. Die Region von 27 km Durchmesser – man müsse eben über den Tellerrand hinausdenken und sich nicht nur auf das Dorf Leukerbad konzentrieren – bietet auf kleinem Raum eine grössere Vielfalt als andere Regionen in der Schweiz. Man kann hier Wein und gutes Essen geniessen, in der Natur wandern und Biken, Schneesport betreiben, die Gesundheit stärken und Kulturelles erleben. Leukerbad soll neu als ganzjährige Destination vermarktet werden mit den Schwerpunkten Gesundheit und Naturerlebnis. So würde Leukerbad eine der 10 „Wellnessdestinationen“ der Schweiz. Dazu werden nun Partner:innen gesucht, die etwa Yoga usw. anbieten. Ich spitze die Ohren und sage mir: „Hier sind meine Wellness-Klänge am richtigen Ort!“ In den kommenden 5 Jahre sind Investitionen von 75 bis 100 Mill. CHF geplant. Davon benötigt der Bau eines zentralen Fernwärmenetzes 10 bis 15 Mill. CHF. In Zukunft soll das Abwasser der Thermalbäder alle Haushalte des Dorfes beheizen, klimaneutral. Die grösste Therme und die Sportarena müssen dringend renoviert werden, neue Alterswohnungen geschaffen werden. Der jährliche Umsatz der Gemeinde beträgt 22 Mill. CHF. Der Bund, d.h. das Staatssekretariat für Wirtschaft Séco, wird finanziell mithelfen und hat die Entwicklung dieses Masterplans bereits mit 1,2 Mill CHF unterstützt. Das Argument: Leukerbad kommt eine Pionierrolle zu. Die gemachten Erfahrungen werde man für weitere Tourismusprojekte im Land nutzbar machen. Dies sagt die eingeladene junge Mitarbeiterin des Séco und lobt wie eine gute Mutter die Herren Vortragenden vor allem dafür, dass der Masterplan ein halbes Jahr früher als geplant abgeschlossen werden konnte.
Dem Optimismus und der Begeisterung der Vortragenden steht eine gewisse Skepsis im Publikum gegenüber. Leukerbad hat 1329 Einwohner:innen und 2700 Zweitwohnungen, die seit „Corona“ zwar weniger, aber doch die meiste Zeit leer stehen. Sehr viele sind renovationsbedürftig. Die Gemeinde schickt den Eigentümer:innen hohe Steuerrechnungen, kommuniziert aber sonst nicht mit ihnen. Das soll jetzt eine neu gegründet Gesellschaft mit Namen myval.ch ändern. Diese will die Eigentümer:innen mit Vermietungen, Renovationen und weiteren Dienstleistungen unterstützen.

Zum Schluss bleiben noch 10 Minuten für Fragen aus dem Publikum. Eine Zweitwohnungseigentümerin kritisiert, dass sie erst gestern über diese doch so wichtige Veranstaltung informiert worden sei. Weitere Kritikpunkte: Die Anschlüsse innerhalb des öffentlichen Verkehrs seien alles andere als optimal, besser aus der Richtung Genf als aus der Richtung Zürich. Der regionale Anschlussbus, der um das ganze Dorf herumfährt, werde oft von den gerade aus dem Tal Angekommenen verpasst. Die mangelhafte Auswahl an Lebensmitteln bewirke, dass Familien ihr Privatauto bevorzugen und es mit ihrem Lieblingsessen vollpacken, sodass sie hier erst gar nicht einkaufen müssen. Ein Herr fragt, warum auf der Internet-Plattform booking.com bei den Angeboten von Leukerbad ein Foto von Bad Gastein – ausgerechnet! – oben im Bild dominiere. Die Antwort: Darauf habe man keinen Einfluss, das sei Sache von booking.com. Ich frage, was unter dem Kapitel „Wassererlebnis“ geplant sei. Die inzwischen abgeschlossenen Bauarbeiten zum Hochwasserschutz der Dala habe doch vor dem Eingang zum Thermalquellensteg eine Rampe freigelassen. Sei dort eine Bank geplant? Kinder würden dort doch gerne ihre Hände und Füsse in die Dala tauchen. Der Gemeindepräsident winkt entsetzt ab: „Nein, die Stelle werde noch zugeschüttet. Das ist eine Gefahrenzone.“ Auch frage ich nach Partnerschaften mit Gemeinden im In- und Ausland. Ja, da sei etwas geplant, doch jetzt wäre höchste Zeit zum Apero, zu dem die Leukerbad Tourismus AG einlädt.

In weiteren Gesprächen bei einem Glas Walliser Wein meinen viele, dass Leukerbad teilweise noch immer schlafe und das Aufwachen Zeit braucht.

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 21.05.2022

21. Mai, Samstag: Endlich wieder Musik!

An diesem Wochenende findet das 78. Treffen der Musikgesellschaften des Bezirks Leuk statt. Zwei Jahre lang war dies nicht möglich, Blasmusik war in der Corona-Zeit nicht erlaubt. Umso mehr freuen sich alle darauf, die Gemeinde Leukerbad ist die Gastgeberin. Das Motto: «Äntli widär Müsig!» 11 Verbände aus allen Dörfern der Umgebung mit durchschnittlich 50 bis 70 Mitgliedern dreier Generationen marschieren in ihren traditionellen Uniformen und Fahnen voller Freude und Dankbarkeit durch die Gassen, angeführt von Kindern und Ehrendamen in Trachten und mit Blumensträussen. Zwei weitere Musikverbände wurden eingeladen: Einer von Lauterbrunnen im Kanton Bern und einer von Vimbuch aus Süddeutschland. Trommeln, Hörner, Trompeten und weitere Blasinstrumente werden gekonnt und schwungvoll gespielt. Das gute Wetter trägt zur feierlichen und fröhlichen Stimmung bei. Besonders gefällt mir die Gruppe der Majoretten. In ihren weiss-roten Kleidchen tanzen die 6- bis 15-jährigen Mädchen leichtfüssig zum Rhythmus der Musik und erhalten viel Beifall vom Publikum am Strassenrand.

Fotos und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 17.05.2022

17. Mai, Dienstag: Eine Versammlung kurz vor Vollmond

Am letzten Samstagabend, den 14. Mai, fand die 19. Mitgliederversammlung der Leukerbader Thermalquellenzunft statt. Diese Zunft setzt sich für Informationen rund um das hiesige Thermalwasser ein und hat den Thermalquellensteg in der Dalaschlucht erstellt, der besonders seit der Corona-Zeit sehr beliebt ist und seit 2020 jährlich mindestens von 48’000 Personen besucht wird. Im Oktober muss der Steg wegen der grossen Lawinengefahr geschlossen werden, im Mai werden die Winterschäden in Fronarbeit einiger Zunftmitglieder wieder eröffnet. Der Aufwand lohnt sich auch finanziell, denn gerne honorieren die Besuchenden nach dem Gang durch die Schlucht mit ihren steilen Felswänden, aus denen die Thermalquellen herausfliessen, dieses eindrucksvolle Naturerlebnis mit einer Spende.

Die Zunft besteht seit 2003 und hat heute 302 Mitglieder. Letztes Jahr starben 7 davon, 2 traten altershalber aus, 7 neue kamen dazu. Unter anderem auch ich. Der Präsident ermuntert die etwa 60 Versammelten besonders junge Leute als Mitglieder zu werben.

Mich beeindruckt die Herzlichkeit unter den Mitgliedern. Es sind etwa gleich viele Männer wie Frauen bei dieser Versammlung anwesend, in einem Alter von 50 an aufwärts. Hände werden geschüttelt, Umarmungen ausgetauscht, wie vor «Corona». Nur die Fenster in dem eher kleinen Raum schräg gestellt, um für frische Luft zu sorgen. Alle haben sich viel zu erzählen, denn zwei Jahre lang haben sich die meisten nicht mehr gesehen, die Abstimmungen zu den dringendsten Traktanden waren brieflich durchgeführt worden.

Ein diesjähriges Traktandum ist auch anscheinend wieder mal die Erstellung eines frei zugänglichen Kneippbades auf einer Wiese. Da es sich bei dieser um ein privates Grundstück handelt, ist dieses Projekt nicht so einfach. Die Einzelheiten dazu und zu weiteren Plänen kann ich wegen des Leukerbader Wallisertitsch nur zur Hälfte verstehen. Ein «richtiges» Mitglied wird man erst durch ein Taufritual. Es wird die Liste der Anwärter*innen vorgelesen, plötzlich höre ich meinen Namen. Darauf war ich nicht gefasst. Aber «wegen Corona» musste alles auf dieses Jahr verschoben werden, auch wenn ich meinen Mitgliederbeitrag für 2021 bereits bezahlt hatte. Doch erstmal begibt sich die ganze Versammlung in den Saal des Restaurants. Die Zunft hat zu einem Aperitif und einem 4-Gang-Menü eingeladen. Als einzige habe ich eine vegetarische Variante bestellt. Das heisst: Die leckere Süsskartoffelsuppe bekomme ich auch, bei der anschliessenden kleinen Portion grüner Spargel sind für mich keine Crevetten, sondern mehr Spargel dabei. Der Hauptgang besteht aus Kalbsschulter an einer Pilzsauce und Bärlauch-Risotto, für mich gibt es zwar auch Risotto, jedoch mit einem mir nicht schmeckendem Sojaschnitzel mit Bratensauce. Zum Glück gibt es beim Risotto noch einen «Nachschlag». Vor dem Dessert – Joghurtmousse mit frischen Erdbeeren, mmh, lecker! –  steigt die Spannung, denn die Taufe der Neumitglieder wird vom Quellenkonsul und Zeremonienmeister feierlich angekündigt. Wir – zwei Kandidaten und zwei Kandidatinnen sollen nach vorne kommen, Schuhe und Socken ausziehen und der Reihe nach einzeln in eine hölzerne Bütte mit warmem Thermalwasser steigen. Der Quellenkonsul fragt jeden und jede nach der Herkunft und was wir bei einem ersten Besuch der hiesigen Therme erlebt hätten. Ich sage, dass ich u.a. aus Bern käme und bei meinem ersten Besuch einen Regenbogen gesehen hätte. Ich würde mir wünschen, dass Menschen aus allen Ländern der Welt und in allen Farben wie der Regenbogen nach Leukerbad kämen, um hier die Natur und das Wasser zu geniessen. Das Publikum klatscht Beifall. Weiter sage ich: «Leukerbad ist über die Dala und die Rhone mit dem Mittelmeer und so mit der ganzen Welt verbunden. Hier leben Menschen mit einer besonderen Herzenergie und Wasser transportiert Information. Ich bin Klangtherapeutin und weiss, dass der Ton CIS oder «Do majeur» die Herzenergie zum Fliessen bringt. Wenn wir also diesen Ton singen, fliesst diese Energie von hier in die ganze Welt.» Das Publikum klatscht noch mehr. Einige bedanken sich anschliessend auch noch persönlich für meine schönen Worte. Die Zunftratsmitglieder trocknen sodann den vier frisch «Getauften» die Füsse, und zwar die Frauen den Männern und die Männer den Frauen. Der Präsident überreicht jedem und jeder ein grafisch kunstvoll gestaltetes Blatt, das die Mitgliedschaft bei der Zunft bestätigt, sowie einen Pin zum Anstecken mit dem Logo der Zunft, einer kleinen kecken Nixe. Mit weiteren Gläsern Walliser Wein geht dieser wunderbare gesellige Abend um Mitternacht zu Ende. Der baldige Vollmond und die Sterne grüssen vom wolkenlosen Himmel. Es ist fast windstill und für die Jahreszeit sehr warm.

Foto: Thermalquellensteg in der Dalaschlucht, Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 25.04.2022

25. April, Montag: Gottes Wege sind unergründlich …

Georg hatte mir nach Leukerbad einen Ausdruck des Infoblatts über das Erkennen und Heilen eines posttraumatischen Syndroms auf Ukrainisch mitgebracht. Vorgestern, am 23.04.22, las ich bei einer kulturellen Veranstaltung der evangelisch-reformierten Kirche hier in Leukerbad meine Gedichte vor. Der Eintritt war frei, eine Kollekte war erwünscht. Also nahm ich dieses Infoblatt mit, um für dessen Verbreitung Geld zu sammeln. Trotz aller Bemühungen diesen Anlass zu bewerben – mit Plakaten im Dorf und im Internet – kamen lediglich zwei Gäste, ein älteres russisches Ehepaar aus Moskau. Sie erklärten mir, dass sie kein Deutsch verstehen, sie wollten aber trotzdem bleiben. Da sie die einzigen Gäste waren, bot ich an, meine Gedichte auf Deutsch vorzulesen und anschliessend Vers für Vers auf Englisch zu übersetzen. Ich begann mit meinen fünf Frühlingsgedichten. Wir stellten fest, dass «Krokus» auch auf Russisch «Krokus» heisst. Sie verstanden auch, dass die Schlüsselblume, um die es in einem weiteren Gedicht geht, das Tor zum Himmel aufschliesst. Auch in Russland. Bald fragte ich sie, ob ich fortfahren solle, oder ob es für sie zu langweilig sei. Doch, beteuerten sie, es sei sehr interessant, ich solle weitermachen. So wurde die einstündige Veranstaltung zu einer faszinierenden interkulturellen Begegnung für alle. Mein Gedicht «Engelgeflüster Nr. 2: Du bist der Meister der Regie!» war für den russischen Gast eine Provokation. Er konnte nicht glauben, dass auch er der Regisseur auf der Bühne seines Lebens sei und bestimmen könne, was dort geschieht. In meinem Gedicht bitten die Engel die Menschen, dies nie zu vergessen. Nach diesem Satz entfuhr meinem Zuhörer ein tiefer Seufzer.
Nach meiner Lesung fragt er mich: «Glauben Sie, dass es besser wird mit unserer Welt?» Ich erwiderte: «Oh ja, aber wir können nicht einfach die Hände in den Schoss legen und warten, sondern wir müssen etwas dafür tun! Wie es die Engel sagen: Wir sind die Meister der Regie!» Der russische Gast schüttelt den Kopf: «Aber all diese Kriege und dann noch die Pandemie! Die Stimmung in Moskau ist katastrophal und sehr depressiv! Ich bewundere Ihren Optimismus!» Dann macht er mir noch Komplimente über mein gutes Englisch und möchte wissen, wie das schöne Musikinstrument heisst, welches ich zwischen den Gedichten immer wieder gespielt habe. Ich erkläre ihm, dass dies eine Traumharfe sei und ich sie absichtlich auf einen tieferen Kammerton gestimmt habe, der die Herzen berühre und tröste.   

Zu Beginn der Veranstaltung hatte ich die russischen Gäste darüber informiert, dass die Kollekte für die Verbreitung und Übersetzung eines wichtigen Infoblattes über die Erkennung und Heilung des Posttraumatischen Syndroms bei kriegstraumatisierten Menschen sei. Ich hatte Ihnen das Exemplar auf Ukrainisch gezeigt und gesagt: «Das können Sie ja lesen!» – gemeint hatte ich die kyrillische Schrift – und es ihnen in die Hand gedrückt. Sie verstanden und staunten. Ich erklärte, dass der gemeinnützige Schweizer Verein «Pro Mundo» mit Kiewer Fachleuten daran gearbeitet hätte und eine Übersetzung auf Russisch geplant sei. Sie könnten mit ihrer Spende dazu beitragen. Am Schluss überreichte mir der Gast aus Moskau feierlich einen Zwanzigfranken-Schein, den ich der Kirchgemeinde weitergegeben habe.

Sehr beeindruckt verabschiedet sich Moskauer Ehepaar von mir. Ich gebe ihnen meine Visitenkarte mit und sage noch, dass sie auf meiner Webseite dolphinkissis.ch mein Märchen vom kleinen Delfin auf Russisch finden können. Ich spüre, dass sie dieses Erlebnis nicht so schnell vergessen werden. Ich auch nicht. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass meine Gedichtlesung in dieser Form verlaufen würde. Und doch bin ich der Überzeugung, dass es so sein musste. Ich erinnere mich an die Nonnen, die mitten in der Stadt Bern in ihrem Haus Gäste in Not für ein paar Nächte aufnehmen. Wenn es klingelt, sagen sie sich: «Gott hat uns einen Gast geschickt!» Ich empfinde es auch so: Gott hat diese zwei Gäste an meine Gedichtlesung in die Kirche geschickt. SEINE Wege sind eben unergründlich.

Und fast wäre es zu einem chinesisch-russischen Treffen gekommen! Auf dem Nachhauseweg läuft mir die Chefin des chinesischen Restaurants mit dem Plakat für meine Lesung aufgeregt hinterher und fragt mich in Zeichensprache und ein paar Brocken Englisch, ob oder wo dies stattgefunden hätte. Sie sei mit ihrer Tochter um 19 Uhr in der Kirche gewesen. Ich kläre sie auf, dass es in Leukerbad eine zweite Kirche gäbe, die versteckt neben dem Busbahnhof läge. Sie bedauert sehr, diesen Anlass verpasst zu haben, denn sie und ihre Tochter hätten mein Musikinstrument unbedingt hören wollen. Das hätte mich aber vor eine besondere Herausforderung gestellt, denn diese Gäste hätten meine Gedichte weder auf Deutsch noch auf Englisch verstanden. Doch wer weiss, eine göttliche Lösung wäre sicher auch in einem solchen Fall möglich. Vielleicht sollte ich in Zukunft meine Gedichte in einer internationalen Lichtsprache singen und gleichzeitig dazu Harfe spielen …?

Foto: Evangelisch reformiertes Kirchenzentrum in Leukerbad und Text:
Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 05.04.2022

05. April, Dienstag: Wintereinbruch und ein Friedensgebet

Kaum hatten wir bei den Nachbarn die Magnolienblüte gefeiert, kam der Winter zurück. Drei Tage lang schneite es fast ununterbrochen bis in die Niederungen. Nur auf den Strassen blieb der Schnee nicht liegen, dafür aber auf den Dächern und eben auch auf den schönen Magnolienblüten.

Am 1. und 2. April konnte ich an einer Ausstellung der Stanley Picker Gallery in Kingston, London, mit einem 3-minütigen Video mitwirken. Das Motto der Ausstellung hiess „Loneliness and Connectivity“, Einsamkeit und Verbundenheit. Der Titel meines Videos, eine Dia-Show mit meinen Fotos und Klängen, lautet: „A Prayer for Peace“, ein Gebet für den Frieden. Meine Botschaft: „Du bist niemals allein. Du bist verbunden mit Mutter Erde und Vater Himmel, den Sternen und dem ganzen Universum. Wenn du in Frieden bist, kannst du Frieden in die Welt senden.“ Die Organisatorin der Ausstellung schickte mir eine wunderbare Rückmeldung, über die ich mich sehr gefreut habe:       

«Your piece really added a healing and uplifting vibration to the gallery. I once heard one of the gallery assistants humming ‚Om……‘ in the same pitch as your piece.  Two visitors stopped to watch the whole display. They commented on the healing nature of the hum in your piece, which they also said sounded like OM. And they commented on how beautiful and unusual the photos were as well.

I hope the piece does well on your YouTube channel. It is really lovely and the photos are a fantastic complement to it.

Thanks again for contributing your work. I can honestly say that it lifted the vibration and the professional level of the event to an ideal level. It would not have been so good without your superb, professional music and photos. THANK YOU!»

Vorgestern, Sonntag, nahm ich wieder den Zug zurück ins Wallis. Ohne Maske, denn ab dem 1. April entfällt die Maskenpflicht im öV. Einige wenige Leute tragen sie noch. Man kann eben wählen. Das finde ich gut so.

In den Nachrichten höre ich, dass in der Schweiz letztes Jahr so viele Kinder geboren wurden wie seit 50 Jahren nicht mehr. Und es sind weniger Menschen gestorben als im Jahr 2020.

Hier der Link zu meinem Video «A Prayer for Peace», meinem Friedensgebet:

Foto und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 19.02.2022

19. Februar, Samstag: Lebensfreude steckt an!

In der Schweiz erleben wir seit 23 Monaten das erste Wochenende ohne Corona-Massnahmen. Nur im öV und in „Gesundheitseinrichtungen“ besteht noch eine Maskenpflicht bis Ende März. Am 16. Februar mit Vollmond im Löwen – wie passend! – hat der Bundesrat fast sämtliche Massnahmen mit sofortiger Wirkung ab Mitternacht aufgehoben. Ein Vollmond kündigt das Ende eines Zyklus an, der Löwe steht für ein Herz für das Wohl der Allgemeinheit. Der Bund übergibt die Verantwortung wieder den Kantonen und jedem und jeder einzelnen. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich jemals meine Eigenverantwortung abgegeben hätte. Es wird kein „Freedom Day“ deklariert, denn wir dürfen uns nur vorsichtig freuen. Der Bundesrat werde wachsam bleiben, niemand wüsste, ob es im Herbst nicht ein noch schlimmeres Virus gäbe.
Normalerweise, d.h. gemäss biologischem Gesetz, schwächt sich ein Virus im Verlaufe seiner Evolution ab und entwickelt sich nicht wieder „zurück“ zu einer neuen oder grösseren Stärke. Dies war bei der Spanischen Grippe auch so. Man müsste eher das Institut für Virologie in Wuhan fragen, was für Herbst geplant sei und ob an einer „Rückentwicklung“ geforscht werde.
Die Tagespresse kritisiert die „Turbo-Öffnung“ des Bundesrates. Die Schlagzeile, dass es gemäss Aussagen von Experten deswegen mehr Corona-Tote gäbe, macht die Runde (20 Minuten vom 17.02.2022).
Ein Aufatmen geht durch das Land, die Lebensfreude kehrt zurück. Trotz aller Mahnungen zur Vorsicht und weiterer Angstmacherei durch die Medien.    
Am meisten freut sich die Gastronomie, denn sie möchte wieder gastfreundlich sein und nicht mehr Polizei spielen. Das Covid-Zertifikat ist im Inland nicht mehr nötig, ein EU-kompatibles wird jedoch auf Wunsch für Auslandreisen ausgestellt.

Eine Nachbarin sagt zu mir: „On a gagné!“ „Wir haben gewonnen!“ und erzählt mir, dass am Wochenende ihre ganze Familie nach Leukerbad kommen und oben auf dem Torrent im Restaurant feiern wolle. Jetzt werde sie erst mal in die Therme gehen.
Von einem Tag auf den anderen wurde die 2Gplus-Regel, die seit September für die Leukerbader Therme galt, aufgehoben. Auf den Besucherstrom hatte die Einschränkung kaum eine Wirkung gehabt, die Therme war besonders zu Ferienzeiten sehr gut besucht. Ich habe mich gewundert, wie geduldig so viele Geimpfte und Genesene auch noch die sinnlose Schikane eines fragwürdigen Tests über sich ergehen liessen. Jetzt fallen plötzlich alle „Schutzmassnahmen“ weg, sodass zu erwarten wäre, dass vor lauter Angst kein Mensch mehr in die Therme geht. Weit gefehlt! Aus Neugier gehe ich auf meinem Spaziergang dort vorbei. Vom Eingangsbereich aus kann man auf die Schwimmbecken schauen. Dort drängen sich die Gäste dicht an dicht, zum Schwimmen gibt es gar keinen Platz. Vor der Kasse warten viele gut gelaunt und ohne Maske und Abstand.
Im Supermarkt Migros sehe ich nur eine ältere Frau und ein ausländisches junges Paar mit Maske. Wer eine Maske tragen möchte, darf dies weiterhin tun. Georg wurde am letzten Montag, den 15. Februar, von einem jungen Mann im Bus dazu aufgefordert, die Maske richtig aufzusetzen. Vor zwei Jahren, als es im öV noch keine Maskenpflicht gab und Georg gerade Covid überstanden hatte, machte sich eine Frau über ihn lustig, weil er im Bus eine Maske trug. Er sähe aus wie ein Papagei. Sie zeigte ihm den Vogel und sagte auch zum Buschauffeur, dass Georg spinnt. Solche Szenen wird es in Zukunft wohl nicht mehr geben. Eigenverantwortung sollte respektiert werden. So staunte Georg, dass der serbische Kellner im Restaurant in Bremgarten am 1. Tag der Lockerungen doch noch eine Maske trug. Wie sich herausstellte, war Mirko erkältet und wollte seine Gäste schützen.

Während ich diesen Beitrag poste, erreicht mich die Nachricht, dass Justin Trudeau das Parlament entlassen hat. Mit Polizeigewalt geht er gegen die Freedom Truckers vor. Dies ist ein trauriger Tag für Kanada und für die Welt.  

Foto und Text: Petra Dobrovolny 

Mein Tagebuch: 10.02.2022

10. Februar, Donnerstag: Wieder mal Jauchzen!

Diese und nächste Woche haben verschiedene Kantone Sportferien. Hier in Leukerbad geniessen viele Familien aus Bern die Sonne und die sehr guten Pistenverhältnisse. Ab und zu hört man jemanden vor Freude jauchzen. 
Das ist doch wunderbar, dass das wieder oder immer noch möglich ist!

Gestern wurde das letzte Brett über dem Fenster unserer neuen Küche montiert, am kommenden Mittwoch wird noch ein Teil der Arbeitsplatte aus Granit wegen eines Sprungs ersetzt. Dann können wir auch vor Freude jauchzen, denn die Renovation unserer Küche, die fast fünf Monate gedauert hat, ist damit abgeschlossen.

Die New York Times berichtet, dass die Pharmafirma Johnson & Johnson die Produktion ihres Corona-Impfstoffs eingestellt hat. Die Nebenwirkungen, besonders in der Form von Blutgerinnseln, waren zu gross. Jetzt können diejenigen jauchzen, die nicht als Versuchskaninchen herhalten mussten. Es kommt immer mehr ans Licht: Die WHO veröffentlicht eine Liste der Impffolgen unter www.vigiaccess.org
Das US-Militär registriert alle Krankheitsdiagnosen ihrer Mitarbeitenden. Seit dem Beginn von Anti-Covid-Impfungen haben Krebserkrankungen und Fehlgeburten um 300% zugenommen. Davon berichtet der unabhängige deutsche Journalist Boris Reitschuster.
Facebook geht nicht mehr gegen «User» vor, die darüber informieren, dass das Virus menschen- bzw. laborgemacht wurde. Das Labor für Virologie von Wuhan wurde mindestens 10 Jahre lang daran experimentiert, wie ein Virus von einer Fledermaus auf den Menschen übertragen werden kann. Zu welchem Zweck? Herr Prof. Christian Drosten sagt sogar, man könnte meinen, dass dahinter böse Absichten gewesen seien. Dies sei jedoch nicht der Fall.
Der amerikanische Arzt mit indischen Wurzeln, Dr. Suneel Dhand, dessen Youtube-Beiträge mindestens einmal wegen sog. «medizinischer Fehlinformation» gelöscht wurden, hofft, dass Mutter Natur durch die harmlosere Omikron-Variante der Pandemie auf natürliche Weise ein Ende bereitet. Erfahrungsgemäss mutieren Viren mit der Zeit zu harmloseren Varianten, d.h. sie werden «endemisch». Sie gehören dann zu unserem Alltag, ohne uns wesentlich zu schaden. Sogar das Gratisblatt 20 Minuten meint, Omikron könnte am besten «boostern». Diese Schlagzeile hatte die Zensur wohl übersehen. Tatsächlich bleiben neuerdings die Impfzentren in der Schweiz ziemlich leer. Oft würden die Angemeldeten erst gar nicht erscheinen, klagt eine Angestellte.
Wieder muss ich an den neuseeländischen Geschäftsinhaber in der Berner Altstadt denken, der mir vor über einem Jahr gesagt hatte: «Es wird sicher vorbeigehen. Es ist nur die Frage, ob unsere Regierung uns sagt, dass es vorbei ist.» Oder anders gefragt: «Wann dürfen wir mit amtlicher Bewilligung jauchzen?» 

«Long Covid», die langfristigen Folgen von Covid-19, werden nun auch in der Tagespresse zum Thema. Komplementärmedizinische Methoden sollen mithelfen die Folgen zu lindern oder im besten Fall zu heilen. Gemäss dem «Bund» vom 7. Februar sollen sich auf der offiziellen Liste auch umstrittene Therapiemethoden befinden. «Therapien mit Klangschalen bringen laut Fachleuten nichts, um Symptome von Long Covid zu lindern.» Georg meint, es sei wieder mal Zeit für einen Leserbrief bzw. für einen Brief an den Schreiber dieses Artikels:

«Sehr geehrter Herr Balmer,

in Ihrem inquisitorisch geschriebenen Artikel im Bund vom 7. Feb. auf S. 5 verunglimpfen Sie die ältesten Therapiemethoden der Menschheit, nämlich die Kräuterheilkunde und die Klangtherapie. Wie kommen Sie dazu? Welche «Fachleute» meinen, dass Klangschalen «nichts bringen»? 
Ich selbst habe mehrmals sehr positive Erfahrungen mit Klangtherapie gemacht, besonders als die klassische Medizin mir nicht helfen konnte und auch einmal eine OP vermasselte. Mit Ihrem Artikel schaffen Sie Vorurteile und verhindern, dass Personen, denen eine solche Therapie wirklich helfen könnte, es erst gar nicht versuchen.»

Foto: Ein UFO über Leukerbad

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 07.01.2022

7. Januar, Freitag: Grenzerfahrungen

Gestern hatte ich unsere französischen Nachbarn, ein älteres Ehepaar, zu mir zum Apéritif eingeladen. Sie wohnen in der Gegend von Paris und kommen schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder nach Leukerbad. Während der Corona-Zeit wurden sie zu ihrer Verwunderung beim Grenzübertritt nie angehalten ausser diesem Mal bei der Herfahrt. Ein Schweizer Zollbeamter zeigte ihnen das Stoppschild, sie dachten, sie müssten jetzt das Covid-Zertifikat vorzeigen und machten ihre Handys bereit. Doch der Zöllner wollte davon gar nichts wissen. Er fragte, ob sie Fleisch importieren würden. Sie verneinten. Daraufhin bestand er auf einer Durchsuchung des Wagens, die er ohne Maske und Handschuhe durchführte. Nach kurzer Zeit fand er vier Stück Rindfleisch. Die Nachbarin erklärte, dass sie diese während ihrer Ferien in der Schweiz nicht zuhause im Kühlschrank verderben lassen wollten und deswegen mitgenommen hätte. Sie würden nicht beabsichtigen, das Fleisch in der Schweiz zu verkaufen. Schliesslich bekamen sie freie Fahrt.   

Sie erzählen mir, wie sehr in Frankreich auf die Ungeimpften geschimpft werde. Offiziell wird gesagt, dass wegen einiger sturer Erwachsener, die sich nicht impfen lassen wollten, jetzt die Kinder geimpft werden müssten. Gestern habe Macron gesagt, er würde die Ungeimpften so lange «emmerder», bis sie endlich nachgäben. «Der Bund» übersetzt das präsidiale «emmerder» mit «auf die Nerven gehen». Das ist sehr milde ausgedrückt. Das französische Wort beinhaltet «merde», was «Scheisse» bedeutet. Die Nachbarin meint, Macron würde nur aussprechen, was viele Menschen im Land denken.

Foto und Text: Petra Dobrovolny