Begegnungen zur Osterzeit

5. April, Mittwoch vor Gründonnerstag: Zur Mittagszeit habe ich wie gewohnt mit meinen Klängen meditiert und bin gerade dabei, die Klangschalen wieder einzupacken, als eine ältere Dame die Kirche betritt und mit ihrem Smartphone in der Hand auf mich zukommt. Ob ich schon fertig sei, möchte sie wissen. Als ich ihre Frage bejahe, sagt sie enttäuscht: «O wie schade, da habe ich Sie verpasst! Ich wollte eine Aufnahme machen und sie meiner Freundin, die morgen operiert wird, senden. Gestern hatte ich schon versucht die junge Organistin bei ihrem Üben aufzunehmen, doch das hat nicht funktioniert.» Ich erkläre ihr: «Die Aufnahmen müssen professionell gemacht werden. Vor zwei Tagen habe ich meine Version von ‘Dona nobis pacem’ auf meinen Youtube-Kanal geladen. Wenn Sie mir Ihre E-Mail-Adresse geben, kann ich Ihnen den Link schicken, den Sie Ihrer Freundin weiterleiten können.» Die Dame freut sich sehr über dieses Angebot und schreibt mir ihre Adresse auf. Sie erzählt mir, dass sie mit ihrem Mann im Kanton Thurgau wohne und seit 1993 jedes Jahr nach Leukerbad in die Ferien käme. Von meinen Klängen sei sie sehr fasziniert. «Die sind so durchdringend und gehen in jede Körperzelle. Das tut so gut!» Daraufhin spiele ich für diese wohl 85-jährige Thurgauerin noch eine Zugabe. Sie bedankt sich herzlich bei mir. Es sei wunderbar gewesen. Leider würde sie morgen wieder nach Hause fahren. Doch nächstes Jahr käme sie wieder.

In der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag gibt es die Tradition der sogenannten «Anbetung». Jesus soll zu seinen Jüngern am Abend vor seiner Festnahme im Garten Gethsemane gesagt haben: «Bleibet hier und wachet mit mir.“ (Matthäus 26, 36ff) Deswegen ist die Kirche die ganze Nacht über geöffnet, man die Stunde der eigenen Präsenz auswählen und sich in eine Liste eintragen. Ich füge meinen Namen zwei anderen hinzu für die Zeit von 23 bis 24 Uhr. Sicherheitshalber frage ich den Organisten, der auch für organisatorische Belange zuständig ist, ob es erlaubt sei, wenn ich in der Zeit meine Klangschalen spiele. Er meint, nur die Orgel müsse bis Ostersonntag schweigen, doch andere Instrumente seien erlaubt. Ich müsste mich nur darauf einstellen, dass es Frauen gäbe, die laut den Rosenkranz beteten, und dies nicht nur einmal, sondern mindestens eine Stunde lang. Das würde ihn persönlich stören, denn er würde das stille Gebet bevorzugen. Also beschliesse ich, anstatt für mich allein zu Hause zu meditieren, mich auf diese mir bisher unbekannte Tradition einzulassen und offen zu sein für eine Möglichkeit, mich einzubringen. Und tatsächlich: Fast gleichzeitig mit mir finden sich zwei Leukerbadnerinnen ein und beginnen in der Seitenkapelle, wo mit Papiermaché das Grab Jesu nachgebildet wurde, abwechslungsweise sehr gekonnt den Rosenkranz zu beten. Als Protestantin wurde ich nicht in diese hohe Kunst eingeweiht, kenne den Text nur teilweise und könnte auch nicht mit der hohen Geschwindigkeit mithalten. In aller Ruhe stelle ich meine drei Kristall-Klangschalen wie gewohnt auf den kleinen Altar dieser Barbarakapelle und beginne mit meinem Schlägel jeweils den oberen Rand zu streichen, so dass sich nacheinander allmählich drei verschiedene langanhaltende vibrierende Töne entfalten. Mit diesem «Klangteppich» begleite ich die Litanei der beiden Frauen. Eine Stunde lang durchwabert ein faszinierendes Gewebe von Kristallklängen und zwei weiblichen Stimmen den nach Weihrauch duftenden sakralen Raum.

Foto: Barbarakapelle in der Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen mit der Darstellung vom Grab Christi und meinen Klangschalen

und Text: Petra Dobrovolny            
     

Begegnungen im März 3

Am 14. März stirbt Georgs Cousin Tonda Kundera. Er lebte in Mähren und wurde 84 Jahre alt. Ich hatte ihn und seine Familie auf meinen Reisen in den 70er Jahren in die damalige Tschechoslowakei kennengelernt. Bei der heiligen Maria von Fatima hier in der Pfarrkirche von Leukerbad zünde ich für ihn eine Kerze an. In dem Moment spüre ich seine Seele. Der Verstorbene erkennt mich und sagt auf Tschechisch: «Ach du bist es!» , und nennt mich bei meinem Namen, wie Georgs Familie ihn für mich verwendet. Es scheint ihm peinlich zu sein, dass ich ihn so verzweifelt antreffe. «Ich weiss nicht wohin nevim kudykam –, am liebsten wieder zurück, aber ich weiss nicht wie.» Ich erkenne seine schwierige Situation: Seine Seele hat den Körper soeben verlassen und kann sich in dieser «Zwischenwelt» nicht orientieren. So antworte ich ihm: «Deine Familie damit meine ich die Familienmitglieder, die bereits gestorben sind – wartet auf dich auf der anderen Seite der Brücke.» Mit meiner Hand zeige ich in die Richtung hinter ihm, aus der in der Ferne ein Licht scheint. In dem Moment leuchtet seine Seele auf. Sie erinnert sich daran, dass es so ist. Ich muss weder etwas erklären noch beweisen. Nun geht alles sehr schnell:  Tonda dreht sich um und geht von zwei Engeln begleitet in die von mir gezeigte Richtung. Vor der Brücke blickt er nochmal zu mir zurück und sagt: «Grüsse alle von mir und sage ihnen, ich gehe jetzt schon mal voraus! Am Abend werden wir uns wiedersehen, ich werde dort auf euch warten!» Ich kann noch sehen, wie die Engel ihn über die Brücke begleiten und er auf der anderen Seite, die ganz in Licht getaucht ist, von seiner wartenden Familie, allen voran von seiner Mutter, liebevoll begrüsst wird. Die freudige festliche Stimmung schwappt über bis zu mir. Davon inspiriert spiele ich meine Kristallklangschalen auf dem Altar neben der Madonna mit den vielen kleinen Kerzen in den roten Plastikbechern und singe feierlich beschwingt «Dona nobis pacem» und «Dona eis requiem». Und wenn Georg wieder nach Leukerbad kommt, werden wir mit einem Gläschen hausgemachten mährischem Slivovic auf Tonda und die ganze Familie anstossen.     

Foto: Leukerbader Kirche in der Seitenkapelle der Heiligen Barbara mit meinen Kristallklangschalen
und Text: Petra Dobrovolny

Dein Vermächtnis

Dein Vermächtnis

Dein Durchhaltevermögen
ist dein grösstes Vermögen
auf Jahre der Dürre
folgt nun nur noch Fülle.

Und plötzlich weisst du:
Es hat sich gelohnt!
Du wirst nun noch und noch belohnt!

Viel hast du ertragen
an Schmerzen und Hohn!
Doch das gehört nun alten Tagen.
Jetzt kommt der Lohn:
Das Licht dehnt sich aus in dieser Welt!
Doch alles hattest du freiwillig gewählt,
um das Paradies zu erschaffen auf Erden.

Die Engel sagen dir Dank:
„Nun kann es werden!
Geh‘, ruh‘ dich aus,
komm‘ ganz und gar zu dir nach Haus!
Lass los und geniesse
die reifen Früchte im Paradiese!
Die Finsternis ist nun vorbei!“

Du hebst das Glas Wein in der Runde und sagst:
„Wir waren dabei!
Wir haben gekämpft für das Licht,
auf dass es möge bleiben ewiglich!“

Du erlebst noch solange du lebst
das, wonach du gestrebst
und dankst dir selbst, dass
du nie zurückgekrebst!

Andere gingen – manche oft zu früh –  ins Licht,
und kämpften dann von der anderen Seite für dich.
Nun dankst du ihnen
und richtest aus ein Fest,
bevor du dich in Frieden niederlässt,
ohne aufzuhören ein Hüter – eine Hüterin – zu sein:
Ein Hüter – eine Hüterin – für den Frieden
für gross und klein.

Und du gibst weiter dein Vermächtnis.
Niemals geht vergessen das Zeugnis
deines Tuns im Dienste der Wahrheit!
Du siehst es gemeisselt in Stein
und Gott dankt dir für dein Sein.

Text: Petra Dobrovolny
…. auch im Andenken an die Tschechoslowakei
vor 50 Jahren, am 21. August 1968

Foto: PD: Phloxien

Dein Weg

Tapf, tapfer, am tapfersten
gehst du deinen Weg
über Stock und Stein
unbeirrt,
manchmal etwas verwirrt,
doch immer sicher
geführt von Engeln,
die dich nie drängeln.

An mancher Kreuzung biegst du ab,
schweifst ab,
doch immer nur zum Schein,
denn immer hält dich das Labyrinth:
Es kann nicht anders sein.

Auf deinem Weg gehst du tapfer und geschwind,
auf dass du unbeirrt zum Ziele findst:
In der Mitte deiner Lebenskreise
findst du dich selbst und wirst weise!

Text: Petra Dobrovolny
Foto: PD: Birchi Plateau mit Bank und Eiche

Neues Wunderland

Neues Wunderland

Lass dich wie ein Kind schaukeln
und lass dir nichts mehr vorgaukeln:
schau hinter die Schleier,
dann kommt der Geier
und frisst auf die Illusionen
und hebt dich in neue Dimensionen.

Du hast den Schlüssel in der Hand
zu einem Land, das noch niemand fand.
Es liegt vor dir noch unbetreten,
vor Ehrfurcht möchtest du beten.
Du bist beschützt und gesegnet,
ein Engel dir begegnet.

Eine neue Stille breitet sich aus.
Auch wenn du hier noch nie warst,
spürst du, du kommst nach Haus.
Eine neue Sonne geht auf,
erfreut dein Herz mit ihren Strahlen:
Soviel Schönheit konntest du dir nicht ausmalen!

Alles ist neu,
es gibt viel zu entdecken!
Du weisst noch nicht,
was alles soll bezwecken.
Vertrau‘! Denn jemand führt dich an der Hand
durch dieses neue Wunderland.

Petra Dobrovolny

Die Glasperle

Die Glasperle

Dreh‘ flüssiges Glas um die Achse der Welt,
damit sie besser zusammenhält!
Du hast es erhitzt in der Flamme des Friedens,
damit die Menschen sich nicht mehr bekriegen.
Nun staunst du über das Ergebnis:
So viele Farben in einer einzigen Kugel!
Die Engel singen dir ein Löbnis:
„Dein Werk kostet mehr als tausend Rubel!“

Petra Dobrovolny
Foto: Perle aus Murano-Glas gedreht von PD 

 

 

Was die alte Eiche dir flüstert

Du kannst immer wieder
zu mir kommen
und mich fragen um Rat.
Er wird dich unterstützen bei deiner Tat.

Sieh‘! Bald blüht wieder der Flieder!
Und es summen die Bienen,
singe nun du wieder neue Lieder!
Vom Honig darfst du dich bedienen.
Mutter Natur stellt dir alles bereit,
du bist von Arbeit und Müh‘ befreit!
Du darfst jetzt empfangen,
musst nicht mehr bangen.
Freu‘ dich am Leben
voller Glück und Segen.

Geh‘ offenen Herzens durch die Welt
uns spür‘, dass dich dein Liebster
– deine Liebste – liebevoll hält.
Geht gemeinsam Hand in Hand
und Schritt für Schritt:
Die Engel beschützen euch
und kommen immer mit!

Du kannst immer wieder zu mir kommen
und mich fragen um Rat …

Deine Freundin, die alte Eiche

Himmlische Post

Himmlische Post

Du hast ein Paket Inspiration bestellt.
Nun schau‘ nicht so verwundert in die Welt!
Mach’s auf, pack’s aus und mach‘ was draus!
An der Adresse erkennst du:
Du bist der Empfänger,
und leise ahnst du,
WER ist wohl der Absender …?

Du greifst in das Paket hinein,
erschrickst und denkst:
„Das kann nicht sein!“
Es ist ein Füllhorn
aus Gottes Ewigem Born!
Du darfst daraus schöpfen ohne Ende,
denn gesegnet sind jetzt deine Hände,
auf dass ER durch dich sein Werk vollende.

Deine Engel