Mein Tagebuch: 11.12.2021

11. Dezember, Samstag: Unsere neue Küche und Lawinengefahr

Inzwischen musste ich wieder nach Leukerbad, da am letzten Donnerstag der Bodenbelag für unsere neue Küche geliefert und gelegt wurde. Der Handwerker bat mich darum, auch während der Mittagspause arbeiten zu dürfen, denn wegen des anhaltenden Schneefalls wollte er so schnell wie möglich wieder ins Tal fahren. Um 13 Uhr war der neue Linoleumboden gelegt. Die Küche sieht viel heller aus, ich freue mich über die getroffene Wahl. Jetzt fehlt nur noch die Wandbedeckung, das orange Glas. Dieses wird erst am 12. Januar montiert werden. Doch zum Glück kann ich bereits jetzt alles wieder einräumen, nachdem ich vor dem 8. November, an dem die alte Küche demontiert wurde, alles ausgeräumt hatte. Seitdem hatte ich nur das nötigste Geschirr und einen Kochtopf benutzt und gefunden, dass dies auch genügt. Jetzt staune ich, was aus den Schachteln alles wieder zum Vorschein kommt. Zwei zusätzliche Haushalte haben im Verlaufe dieses Jahres den Weg von meiner Praxis in der Berner Altstadt und von meinem Wohnwagen am Neuenburgersee, dem Lac de Neuchâtel, nach Leukerbad gefunden. Vieles davon brauche ich nicht mehr oder nicht mehrfach und werde es der Allgemeinheit schenken.

Georg meint, er könne mir bald wieder mit dem Einräumen helfen, denn seiner linken Hand geht es langsam wieder besser. Sein Unfall ist schon bald zwei Monate her. Während der ersten vier Wochen wurde das Gelenk zwölf Mal geröntgt. Trotzdem wollte sich kein Arzt darauf festlegen, ob nun doch eine Operation nötig ist oder nicht. Ihr erinnert euch: Über die Folge habe ich bereits berichtet. Die ganze Gegend um das Handgelenk herum weist eine tiefe Verbrennung auf. Da die Heilung fast keine Fortschritte macht, kam Georg auf die Idee, es einmal mit einer Bioresonanz-Sitzung zur Unterstützung seiner inneren Heilkräfte zu versuchen. Die Therapeutin meinte, es dauere bestimmt noch eine Woche, bis ein Fortschritt sichtbar werde. Geduld ist angesagt. Und weiterhin Kühlung und Wickel mit Blättern vom Weisskohl, auch Zinksalbe.    

Mein Handy zeigt eine Nachricht von der Gemeinde Leukerbad: Heute Abend ab 21 Uhr findet ein Lawinenschiessen statt. Zu dem Zeitpunkt sollte man möglichst nicht draussen unterwegs sein. Den Empfang der Nachricht soll ich mit einer Eins bestätigen. Das künstliche Auslösen von Lawinen hilft, um die Strasse ins Tal offen zu behalten. Im letzten Januar musste sie drei Tage lang trotzdem gesperrt werden. Auch gestern hat es fast ununterbrochen geschneit. Alles ist meterhoch in weisser Pracht eingehüllt, eine Stille breitet sich aus.
Woanders in der Welt mögen die Menschen nicht mehr still sein. Sie fordern ihre Bürgerrechte zurück, doch die Regierungen schränken diese immer stärker ein. Mein Bruder berichtet aus London, dass dort bereits über die 4. Impfung gesprochen wird. Wie in der Tschechischen Republik auch. Wegen der «Omikron-Variante» wird die Maskenpflicht in Grossbritannien nach fast sechs Monaten wieder eingeführt, doch längst nicht alle halten sich daran. In der Schweiz beginnen die Schulferien eine Woche früher als vorgesehen, weil besonders Schulen von den Infektionen betroffen sind. Bald wird auch in der Schweiz die Impfung von 5-Jährigen zugelassen. Was wird den Kindern damit angetan?

Deutschland hat eine neue Regierung, die sogenannte Ampelkoalition. Der neue Bundeskanzler heisst Olaf Scholz. Er hat versprochen, dass jetzt alles besser wird. Die 2-G-Regel beherrscht den Weihnachtseinkauf. Nur Geimpfte und Genesene dürfen die Geschäfte und Restaurants betreten. Die Hälfte der Kundschaft muss zu Hause bleiben. Doch manchmal muss etwas schlechter werden, bevor es besser wird.
Ein Spruch des ägyptischen Totenbuchs lautet: «Du stirbst, damit du lebst. Du schläfst, damit du aufwachst.» Viele Menschen wachen jetzt auf und demonstrieren friedlich gegen einen Impfzwang, gegen das Impfen von Kindern und für Freiheit und Grundrechte. Viele Geimpfte fühlen sich jetzt von einer Regierung betrogen, die ihnen nach zwei Impfungen die Freiheit und eine Rückkehr zur Normalität versprochen hatte. Jetzt sieht es danach aus, als wäre eine Impfpflicht die einzige Rettung und ein «Impfabo» unumgänglich. In Österreich ist die Empörung über die ab Februar 2022 geltende Impfpflicht gross. Auf dem Wiener Heldenplatz demonstrierten vor kurzem 44’000 Menschen dagegen.  

Foto: Blick aus unserem Leukerbader Küchenfenster

und Text: Petra Dobrovolny

Mein Tagebuch: 06.02.2021

6. Februar, Samstag:  Erdbeben

In Leukerbad liegt 1 m Schnee, ich wollte am letzten Freitag dorthin in unsere neue Wohnung fahren, doch wegen Lawinengefahr war die Strasse ab Leuk gesperrt. Am Samstag fuhr der Bus wieder. So konnte ich hierherkommen, rechtzeitig, um am Sonntag den letzten kleinen Transport mit den letzten Sachen von meiner Praxis in Empfang zu nehmen. Unser kosovarischer Nachbar hat alles in sein Auto geladen und kam zusammen mit Georg gut in den Walliser Bergen und Leukerbad an. Rechtzeitig vor drei weiteren Tagen mit ausgiebigen Schneefällen.

Nach 4 Monaten Räumen, Umzug und neuem Einrichten bin ich reif für einen Winterschlaf.

In der Nacht auf den vergangenen Donnerstag hat es in der Region Bern mit einer Magnitude von 2.8 gebebt. Das Epizentrum war unser Dorf! Das sei sehr selten, schreibt «der Bund».  Es seien keine Schäden gemeldet worden. Am meisten bebt es in der Schweiz im Wallis und in Graubünden. Dies hängt mit der Entstehung der Alpen zusammen. Die europäische und die afrikanische Platte stossen hier zusammen. Der Schweizerische Erdbebendienst registriert mit seinen 200 Messstationen pro Jahr durchschnittlich 1000 bis 1500 Beben in der Schweiz und im nahen Ausland. Etwa 20 Erdbeben werden von der Bevölkerung wahrgenommen.

Georg macht sich wieder auf den Weg nach Bern und berichtet mir nach seiner Ankunft, dass alles in Ordnung sei.

Die Corona-Massnahmen könnten eigentlich schon längst gelockert werden. Die Fallzahlen sind gesunken. Aber die neuen Mutationen aus Grossbritannien, Südafrika und Brasilien sind anscheinend so ansteckend, dass die Verantwortlichen keinerlei Risiko wagen. Nur Österreich lockert. Deutschland verschärft die Grenzkontrollen mit Tests.

Unsere kosovarischen Nachbarn, eine 4-köpfige Familie, planen 10 Tage Ferien in ihrer Heimat. Vor dem Abflug müssen sie sich testen lassen, auch vor dem Rückflug. Sonst dürften sie erst gar nicht in das Flugzeug steigen.

Gestern hat die Erde sogar in Schaffhausen gebebt. Am Rhein bei Bonn gibt es Hochwasser.

Foto: Leukerbad
und Text: Petra Dobrovolny