Mein Tagebuch: 02.09.2021

02. September, Donnerstag: Denunzieren oder Zivilcourage und Sirtaki

Altweibersommer oder «Indian Summer»: Die Berge laden zum Wandern ein.
Auf meinen Ausflug nehme ich einen von Georg geschickten Artikel aus der NZZ vom 31. August, um ihn im Bergrestaurant zu lesen. Claudia Rey schreibt dort auf der Seite 17: «Zwischen Denunzieren und Zivilcourage». Im letzten Jahr gingen bei der Zürcher Polizei 4000 Meldungen bzw. Beschwerden darüber ein, dass jemand sich nicht an die Corona-Massnahmen gehalten hätte. Die Städte Essen und Frankfurt und der Staat Neuseeland bieten im Netz sogar «Spitzel-Tools» für solche Meldungen an. Dort kann jede Person Verstösse gegen Corona-Massnahmen melden, die Angabe der eigenen Kontaktdaten ist optional. Dies hat wohl eher mit Denunzieren als mit Zivilcourage zu tun. Claudia Rey schreibt dazu: «Es macht einen Unterschied, ob jemand die Person hinter sich in der Schlange an der Kasse bittet, etwas mehr Abstand zu halten, oder ob er oder sie jemanden heimlich fotografiert und das Bild in einem Meldetool des Ordnungsamtes hochlädt.» Während seit der Corona-Zeit das Denunzieren blüht, mangelt es unserer Gesellschaft an Zivilcourage. Letztere sei, gemäss Carmen Tanner, Psychologieprofessorin an der Uni Zürich, lernbar. Sie möchte ein Videospiel entwickeln, mit dem sich Zivilcourage lernen lässt. Zurzeit fehlen dafür jedoch die finanziellen Mittel. Claudia Rey gelangt zu dem Fazit: «Die Behörden täten gut daran, dem Denunziantentum mittels Meldetools nicht noch mehr Auftrieb zu verleihen. Etwas mehr Zivilcourage im Alltag würde uns allen gutstehen. Wer in sich hineinhorcht, dürfte den feinen Unterschied zwischen Zivilcourage und Denunziantentum auch ohne Training spüren.»

Mir stellen sich dazu ein paar Fragen: Warum wird Zivilcourage erst im Studium ein Thema und nicht schon im Kindergarten? Welches Lehrmaterial haben Lehrende dafür zur Verfügung? Als Kinder haben wir mit Begeisterung «Monopoly» gespielt, uns aber in der Schule furchtbar gelangweilt, wenn wir «Staatskunde» hatten. Warum gibt es ausreichend Finanzen zur Entwicklung von digitalen Spitzel-Tools und nicht von Lernvideos über Zivilcourage?

Gestern ist Mikis Theodorakis gestorben. Er war 96 Jahre alt. Seine Musik steht für das Leben, die Freiheit und die Liebe. Der Film «Zorbas, der Grieche» ging um die Welt. Wie wäre es, wenn wir in der Warteschlange vor der Kasse hinter uns blickten und die nächste Person nicht zu mehr Abstand, sondern alle Wartenden zu einem gemeinsamen Sirtaki aufforderten?

Foto
und Text: Petra Dobrovolny

Nun leg‘ die Hände …

Nun leg‘ die Hände in den Schoss
und lass‘ sie ruh’n.
Im Moment brauchst du nichts zu tun.
Lausch‘ mal in dein Herz hinein
und frag‘ es:
„Was darf es als Nächstes im Leben sein?“
Es antwortet: „Wohin willst du denn noch streben?
Es kommt dir doch alles entgegen!“


Geh‘, wohin dein Herz dich trägt,
dann bist du immer am richtigen Ort und nie zu spät!

Petra Dobrovolny
Foto: PD

 

Was die alte Eiche dir flüstert

Du kannst immer wieder
zu mir kommen
und mich fragen um Rat.
Er wird dich unterstützen bei deiner Tat.

Sieh‘! Bald blüht wieder der Flieder!
Und es summen die Bienen,
singe nun du wieder neue Lieder!
Vom Honig darfst du dich bedienen.
Mutter Natur stellt dir alles bereit,
du bist von Arbeit und Müh‘ befreit!
Du darfst jetzt empfangen,
musst nicht mehr bangen.
Freu‘ dich am Leben
voller Glück und Segen.

Geh‘ offenen Herzens durch die Welt
uns spür‘, dass dich dein Liebster
– deine Liebste – liebevoll hält.
Geht gemeinsam Hand in Hand
und Schritt für Schritt:
Die Engel beschützen euch
und kommen immer mit!

Du kannst immer wieder zu mir kommen
und mich fragen um Rat …

Deine Freundin, die alte Eiche